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Ökumenisches Heiligenlexikon

Theophil Wurm

Gedenktag evangelisch: 29. Januar

Name bedeutet: der Freund Gottes (griech.)

Bischof von Württemberg
* 7. Dezember 1868 in Basel in der Schweiz
† 28. Januar 1953 in Stuttgart in Baden-Württemberg


Theophil Wurm
Theophil Wurm

Theophil war der Sohn von Paul Ernst Wurm, der damals als Pfarrer im Missionshaus in Basel tätig war und der Luise Regula, geb. Kind. Er wurde 1899 Pfarrer bei der Evangelischen Gesellschaft, der Stadtmission in Stuttgart, und 1901 deren geschäftsführender Sekretär. 1913 kam er als Pfarrer an die Stadtkirche nach Ravensburg, 1920 wurde er Dekan in Reutlingen. Wurm ließ sich zu Beginn der Weimarer Republik für die Bürgerpartei, dem württembergischen Flügel der rechten Deutsch-Nationalen Volks-Partei, in den Stuttgarter Landtag wählen. 1927 wurde er Prälat in Heilbronn und 1929 Kirchenpräsident - 1933 wurde das Amt umbenannt in Landesbischof - der evangelischen Kirche in Württemberg. Als dann die Rechtsparteien mit Hitler kooperierten, unterstützte auch er dies uneingeschränkt.

Proteste hörte man, als die Gleichschaltung auch vor der Landeskirche nicht halt machte. Am 22. April 1934 hielt Wurm im Münster in Ulm den Gottesdienst, nach dem der Widerstand der Bekennenden Kirche seinen Anfang nahm. Die NSDAP versuchte 1934 vergeblich, die von ihm geleitete Landeskirche in die nationalsozialistisch gleichgeschaltete Reichskirche einzugliedern. Im Oktober wurde gegen Wurm für drei Wochen die Schutzhaft in mildester Form des Hausarrestes verhängt, ein Kommissar wurde als Kirchenführer eingesetzt, Oberkirchenräte, Prälate, Dekane und Pfarrer wurden suspendiert. Der allergrößte Teil der Kirchenglieder und der Pfarrer hielt jedoch zu Bischof Wurm und zeigte dies demonstrativ: vor Wurms Wohnung in Stuttgart versammelten sich mehrere tausend Menschen und blockierten den Verkehr; die Polizei nahm einige Verantwortliche fest und wollte sie per Straßenbahn abtransportieren, doch die Demonstrierenden blockierten die Straßenbahnschienen, bis die Festgenommenen wieder auf freiem Fuß waren. Schließlich entschied das Landgericht, dass die Kirchenleitung wieder in alle Rechte einzusetzen sei, Wurm blieb Bischof seiner Kirche. Nachdem Fritz von Bodelschwingh das Amt des Reichsbischofs niedergelegt hatte und der Hitler hörige Ludwig Müller als Reichsbischof eingesetzt wurde, widersetzte Wurm sich 1934 der Eingliederung der württembergischen Landeskirche in die Reichskirche; der deshalb gegen ihn verhängte Hausarrest wurde nach massiven Protesten der Bevölkerung aufgehoben. Seine Kirche schloss sich mit anderen lutherischen Landeskirchen und Bruderräten dem 1936 gebildeten Lutherrat an und Wurm arbeitete mit anderen Bischöfen an einer Kirchenverfassung, die die Eigenständigkeit der Kirche auf der Grundlage des Evangeliums erhalten sollte und später zur Bildung des Rates der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands führte.

Gedenktafel an Wurms Wohnhaus in Stuttgart
Gedenktafel an Wurms Wohnhaus in Stuttgart

1937 verkündete Wurm öffentlich, dass seine Württembergische Kirche judenreiner sei als irgendeine andere. Da Wurm nicht gegen die Außenpolitik des Reiches mit dem Anschluss Österreichs und der Sudetenkrise protestierte und sich bei Vorkommnissen wie der Kristallnacht im November 1938 zurückhielt, kam es innerhalb der Landeskirche zu schweren Auseinandersetzungen. Im Gefolge Adolf Stoeckers vertrat er einen protestantischen Konservatismus und Nationalismus mit gemäßigter antisemitischer Haltung vertrat: Ich bestreite mit keinem Wort dem Staat das Recht, das Judentum als ein gefährliches Element zu bekämpfen. Ich habe von Jugend auf das Urteil von Männern wie Heinrich von Treitschke und Adolf Stoecker über die zersetzende Wirkung des Judentums auf religiösem, sittlichem, literarischem, wirtschaftlichem und politischem Gebiet für zutreffend gehalten, so Wurm 1938. Einem Teil der Pfarrer schien die Haltung Wurms als Verrat an der Kirche; sie forderten eine klare, dem Barmer Bekenntnis entsprechende Ablehnung des Dritten Reiches und seiner Politik.

In anderen evangelischen Kirchen wurde jegliches Zusammengehen mit dem Staat abgelehnt, daran zerbrach die evangelische Kirche in Deutschland. Im Juli 1940 protestierte er dann doch und als erster deutscher Bischof in einem Brief an Reichsinnenminister Frick massiv gegen das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten und 1943 protestierte er öffentlich gegen die Verfolgung der Juden. Ab 1940 aber kam Wurm immer deutlicher von seiner bisherigen Kompromisslinie gegenüber den nationalsozialistischen Machthabern ab und näherte sich dem radikaleren Flügel der Bekennenden Kirche an, auch zur Widerstandsgruppe des Kreisauer Kreises hielt er Kontakt. 1944 wurde er wegen seiner Proteste mit einem Rede- und Schreibverbot belegt.

1945 war Wurm Mitunterzeichner des Stuttgarter Schuldbekenntnisses, in dem die evangelische Kirche ihr Versagen im 3. Reich eingestand und damit eine Brücke baute zu den Kirchen der Kriegsgegner; dieses Bekenntnis ermöglichte dann die weltweite ökumenische Zusammenarbeit. Wurm stritt nun auf dem Hintergrund der Erfahrungen im 3. Reich für den Zusammenschluss der verschiedenen evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Schon im August 1945 gelang unter seiner Leitung die Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland, EKD, bei der Kirchenführerkonferenz in Treysa - heute Ortsteil von Schwalmstadt -; bis 1949 war er Vorsitzender des Rates der EKD und maßgebend an der Verfassungsgebung der EKD beteiligt.

Gegenüber den Besatzungsmächten protestierte Wurm gegen die Härte der Entnazifizierung; so wandte er sich in einem Brief an den stellvertretenden Hauptankläger der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse gegen die angeblich belegte Tatsache, dass verbrecherische Methoden und abscheuliche Quälereien zur Erpressung von Aussagen und Geständnissen angewandt worden seien; außerdem rufe die Heranziehung ungeeigneter, ja amoralistischer und krimineller Elemente zur Übernahme größerer oder kleiner Verantwortung - gemeint waren vor allem Gewerkschafter, SPD-Mitglieder und Kommunisten - im deutschen Volk Verstimmung, Depression und Verärgerung hervor.

Grab von Theophil Wurm und seiner Frau auf dem Stuttgarter Waldfriedhof
Grab von Theophil Wurm und seiner Frau auf dem Stuttgarter Waldfriedhof

1949, im Alter von 80 Jahren, trat Wurm von seinen Ämtern zurück, blieb aber bis zu seinem Tod in der Kirche aktiv.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Web 3.0 - Leserkommentare:

Ich habe in alten Unterlagen eine Abschrift einer Abschrift von Landesbischof Wurm gefunden. In seinem Schreiben vom 9. Juni 1939 schrieb er mit Absender, Stuttgart, Stadt der Auslandsdeutschen an den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung mit der Überschrift: Betr.: Werbung für den Weltanschauungsunterricht in Württemberg.
In diesem Schreiben beklagt er sich, dass mit diesem sogenannten Weltanschuungsunterricht weiterhin in vielen Orten Druck auf die Eltern und Kinder ausgeübt werde etc. Er zitiert die Drohungen gegen Kinder und Eltern in Bopfingen–Oberdorf, Böckingen, Münklingen-Leonberg, Reutlingen, Esslingen und anderen Orten.
Auf Seite 2 unterstreicht er den Satz: Der Landesbischof protestiert hiermit feierlich gegen die schamlose Art, mit der in Württemberg Elternrecht und Gewissensfreiheit unterdrückt wird.
Dann folgt ein Aufruf des Landesbischof vom 11.Juni 1939 an die evang. Eltern! Der Aufruf endet: In der Verbundenheit des Glaubens an den Herrn und der Liebe zu unserem Volk verbleibe ich Euer Landesbischof, gez. Wurm
Sehr mutig gewesen dieser Mann!
Da ich auswandere, schaue ich alles durch und was sich verkaufen lässt, wird verkauft, da ich selbst jeden Cent benötige. Sollten Sie evtl. Interesse an diesem Dokument haben (ich werde es später einscannen), können Sie mir gerne ein Angebot machen. Da weder bei Wikipedia noch bei Ihnen diese doch sehr interessante und für sein Leben riskante Provokation der Nazis erwähnt wird, gehe ich davon aus, dass dieses Dokument einen gewissen Seltenheitswert hat.
Mit freundlichen Grüßen

Karin Pott über E-Mail, 8. Juni 2010





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 08.09.2018

Quellen:

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.