Ökumenisches Heiligenlexikon

Folkwin von Thérouanne

auch: Folcuin, Fulcinus
französischer Name: Folquin

1 Gedenktag katholisch: 14. Dezember
Übertragung der Gebeine nach Saint-Omer: 7. Juni

Name bedeutet: der Freund des Volkes (althochdt.)

Bischof von Thérouanne
* in Austrasien
15. Dezember 855 in Esquelbecq bei Dunkerque in Frankreich


Reliquie in der Pfarrkirche in Thérouanne
Reliquie in der Pfarrkirche in Thérouanne

Folkwin war wohl ein Enkel von Karl Martell, jedenfalls ein enger Verwandter von Karl dem Großen. Er erhielt eine gute Ausbildung in Naturwissenschaften und Theologie und wurde um 815 Bischof von Thérouanne. Er unternahm zahlreiche Pastoralreisen durch seine Diözese. Als er 843 erfuhr, dass der Abt des damaligen Klosters Mont Saint-Quentin in Péronne die Reliquien von Audomar von Therouanne hatte entführen lasssen, entsandte Folkwin bewaffnete Männer, um die Plünderer zu verfolgen; sie wurden gefasst und Folkwin ließ die Gebeine feierliche ins damalige Kloster Saint-Bertin nach Saint-Omer zurückführen. Nach 40-jähriger Amtszeit erkrankte und starb Folkwin während einer Pastoralreise.

Glasfenster: Folkwin und Frauen mit Kinderwusch, in der Pfarrkirche in Esquelbecq
Statue, 16. Jahrhundertt, in der Pfarrkirche in Esquelbecq

Folkwin wurde in der damaligen Kirche des Klosters Saint-Bertin in Saint-Omer bestattet. 928 wurden seine Gebeine erhoben, eine weitere Überführung fand 1181 statt. Ein Ururenkel, der ebenfalls Folkwin hieß und Mönch im Kloster Saint-Bertin war, verfasste im 10. Jahrhundert seine Lebensgeschichte. Eine kleine Reliquie wird in der Pfarrkirche in Thérouanne bewahrt. In Esquelbecq ist Folkwin die Pfarrkirche geweiht, auch hier gibt es eine kleine Reliquie. Die anderen Reliquien wurden in der Französischen Revolution zerstört.

Das um 639 gegründete Bistum Thérouanne verschwand 1553, als Kaiser Karl V. die Stadt vernichtete; die offizielle Aufhebung erfolgte 1567. Von der Kathedrale und dem Bischofskomplex zeugen heute nur noch - sehr spärliche - Ausgrabungen. Seit 2009 gibt es wieder ein Titularbistum Thérouanne.

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Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Die spärlichen Ausgrabungen von Kathedrale und Bischofskomplex in Thérouanne sind verschlossen, sie können nach Voranmeldung beim Tourismusbüro in Thérouanne im Rahmen einer Führung besucht werden. (2026)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 07.06.2026

Quellen:
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_%C3%A9v%C3%AAques_de_Th%C3%A9rouanne - abgerufen am 06.06.2026
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Folquin_de_Th%C3%A9rouanne - abgerufen am 06.06.2026
• https://pop.culture.gouv.fr/notice/merimee/PA00132967 - abgerufen am 06.06.2026
• Infotafeln in der Pfarrkirche in Thérouanne und in der Pfarrkirche in Esquelbecq

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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