Guido von Arezzo
auch: Guido Aretinus, der Ältere
, der Mönch
Gedenktag katholisch: 7. September
Name bedeutet: der Waldmann (althochdt. - romanisch)
Guido, Sohn des Grafen Farulph, wurde vor 1020 Benediktinermönch im Kloster
Pomposa unter Abt
Guido von Pomposa. Dort hatte er die Aufgabe, den Novizen Musik und
insbesondere die gregorianischen Gesänge beizubringen. Es gab aber keine Zeichen für
die Tonhöhe und Intervalle über den Liedtexten; Guido fand den Weg, die Länge oder Höhe der Töne und Halbtöne so zu bezeichnen,
dass jeder sie lesen, verstehen und interpretieren konnte, was ihn bald in ganz Italien berühmt machte. Da die anderen Mönche
dieses Klosters seine Methode ablehnten, verließ er um 1024 dieses Kloster und ging nach Arezzo, wo Bischof Teodald ihm die
Leitung der am damaligen Dom bestehenden Singschule
übertrug. 1025 und 1026 entstand Guidos musiktheoretisches Hauptwerk Micrologus de disciplina artis musicae
, Kurze
Abhandlung über die Regeln der musikalischen Kunst
.
Auf Einladung von Papst Johannes XIX. ging Guido 1028 nach Rom, um dort im damaligen Lateranpalast - dem heutigen Sanktuarium Scala Santa - seine Arbeit der päpstlichen KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan. vorzustellen. Als Prior im Kloster Fonte Avellana bei Gubbio zwischen 1035 und 1040 vervollständigte Guido seine musikalischen Arbeiten und freundete sich mit dem damals jungen Petrus Damiani an. 1040 bis zu seinem Tod war Guido Prior des Klosters Pomposa, in dem er die ersten Jahre als Mönch gelebt hatte.
In Arezzo ist die zentrale Piazza Guido Monaco nach Guido benannt, auf der ein großes Denkmal für ihn steht.
Worte des Seligen
Guido von Arezzo leitet seine Schrift über die Regeln des unbekannten Gesangs
folgenermaßen ein:
In unseren Zeiten sind die Sänger mehr als alle Menschen Narren; denn in jeder Kunstfertigkeit gibt es sehr
viel mehr, was wir mit unserem Verstand erkennen können, als das, was wir von einem Lehrer gelernt haben. Wenn kleine
Kinder nur einmal den Psalter durchgelesenen haben, verstehen sie [auch] die Lesungen aller Bücher; und schnell verstehen
sich die Bauern auf die Kenntnis des Ackerbaus. Wer nämlich gelernt hat, einen Weinstock zu beschneiden, ein Bäumchen zu
pflanzen, einen Esel zu beladen, der wird bei allem ähnlich verfahren, wie er es bei einem Fall tut, ja er wird nicht
zögern, es besser zu machen. Sonderbar verhalten sich demgegenüber die Sänger und ihre Schüler: Auch wenn sie hundert
Jahre hindurch täglich singen, niemals werden sie für sich allein ohne Lehrer eine und sei es auch nur eine kleine
Antiphon singen können, dabei vergeuden sie beim Singen so viel Zeit, wie sie gebraucht hätten, um das göttliche und
weltliche Schrifttum vollständig kennenzulernen.
Und was gefährlicher ist als die Übeltaten eines Despoten: Viele KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.
eines Ordens und Mönche gehen nachlässig um mit den Psalmen und heiligen Lesungen und den nächtlichen schmucklosen
Vigilien und den übrigen Werken der Frömmigkeit, durch die wir zur ewigen Glorie berufen und geführt werden, indem sie
mit beständiger und äußerst törichter Anstrengung die Sangeskunst anstreben, die sie doch niemals erreichen können.
Und wer dürfte auch nicht beweinen, was in der heiligen Kirche ein so schwerer Irrtum ist und eine so gefährliche
Zwietracht, dass wir bei der Feier des göttlichen Offiziums oft nicht Gott zu loben, sondern unter uns zu streiten
scheinen. Schließlich stimmt kaum einer mit dem anderen überein, weder der Schüler mit dem Lehrer noch der Schüler mit
den Mitschülern: So kommt es, dass es nicht mehr nur ein oder wenigstens wenige Antiphonarien gibt, sondern so viele,
wie viele Lehrer in den einzelnen Kirchen sind; und im Volksmund ist schon nicht mehr die Rede vom Antiphonar
Gregors, sondern vom Antiphonar Leos
oder Alberts oder von sonst jemand anderem; und wenn es schon sehr
schwer ist, ein Antiphonar kennen zu lernen, so ist es unzweifelhaft unmöglich, aus vielen zu lernen.
Wenn man nun in dieser Sache nach eigenem Gutdünken vieles ändert, so darf man nur in geringer oder gar keiner Weise
über mich empört sein, wenn ich vom allgemeinen Verfahren kaum in Wenigem abweiche, so dass jede Gesangsweise sich
einheitlich auf eine allgemeine Regel bezieht. Da sich aber diese alle und viele andere Übel auf die Schuld derer
zurückführen lassen, die Antiphonarien machen, mahne und beschwöre ich sehr, dass keiner sich mehr herausnehme, ein
Antiphonar mit Neumen zu versehen, der es nicht gemäß den unten angeführten Regeln gut kann und versteht, die Kunst zu
vollenden; ansonsten wird er ganz sicher Lehrer des Irrtums ein, er, der vorher nicht Lehrer der Wahrheit war.
So nämlich habe ich mit Gottes Hilfe dieses Antiphonar mit Zeichen versehen, dass dadurch ein Verständiger und Eifriger
danach leicht den Gesang erlernen kann; und nachdem er durch einen Lehrer einen Teil davon gut erlernt hat, kann er
unzweifelhaft das Übrige alleine für sich ohne Lehrer einstudieren. Wenn einer meint, dass ich diesbezüglich lüge, komme,
erfahre und sehe er, was solchermaßen bei uns die kleinen Kinder tun, die immer noch wegen der Unkenntnis der Psalmen und
der profanen Literatur streng bestraft werden, die es oft nicht verstehen, die Wörter und Silben der Antiphon, die sie
ohne Lehrer richtig singen können, auszusprechen: Dies wird mit Gottes Hilfe leicht ein Verständiger und Eifriger tun
können, wenn er sich müht zu erkennen, mit welch großem Eifer die Neumen angeordnet werden.
Quelle: Guidonis regulae de ignoto cantu prologus. In: Patrologia Latina 141, Sp. 413f; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn
Heiligenlexikon
als USB-Stick oder als DVD
Unterstützung für das Ökumenische Heiligenlexikon
Artikel des Ökumenischen Heiligenlexikons bei Google gezielt anzeigen
Seite zum Ausdruck optimiert
Unser Reise-Blog:
Reisen zu den Orten, an denen die
Heiligen lebten und verehrt werden.
Empfehlung an Freunde senden
Artikel kommentieren / Fehler melden
Fragen? - unsere FAQs antworten!
Impressum - Datenschutzerklärung
Schauen Sie sich zufällige Biografien an:
Tedgna Monendabb
Silvanus
Wolfcherus
Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 25.09.2026
Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 2. Band: E-H. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, B. Schmid'sche
Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1861
• https://de.wikipedia.org/wiki/Guido_von_Arezzo - abgerufen am 07.12.2022
• https://it.wikipedia.org/wiki/Guido_d%27Arezzo - abgerufen am 07.12.2022
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.