Ökumenisches Heiligenlexikon

Theophilos von Antiochia

1 Gedenktag katholisch: 13. Oktober

1 Gedenktag orthodox: 6. Dezember

1 Gedenktag syrisch-orthodox: 13. Oktober, 17. Oktober

Name bedeutet: der Freund Gottes (griech.)

Patriarch von Antiochia
† um 185 in Antiochia, heute Antakya in der Türkei


Theophilos war zunächst Jude oder Heide und fand, wie er selbst beschrieb, durch die Lektüre der Propheten zum Christentum. In drei Büchern, die er für einen unbekannten Heiden verfasste, widerlegt er Vorwürfe gegen die Christen, grenzt sich von den Lehren des Hellenismus ab und wirbt für sein eigenes, christliches Gottesbild und das den Menschen geschenkte Heil, kommentiert die biblische Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1 - 2) und bietet einen Aufriss der Weltgeschichte. Er wurde - der Überlieferung nach der sechste Nachfolger von Petrus - Bischof von Antiochia.

Orthodoxe Petrus- und Paulus-Kirche in Antakya/Hatay heute
Orthodoxe Petrus- und Paulus-Kirche in Antakya / Hatay heute Ayşe Karadağ

Theophilos beschrieb das Hervorgehen des göttlichen Logos aus Gott, dem Vater, in Jesus Christus und entwickelte Ansätze der Trinitätslehre. Der Mensch sei frei vor Gott, zwischen Sterblichkeit und Unsterblichkeit zu wählen. Für die Erlösung helfen die Worte der Propheten und der jüdischen Thora, Ausführung zu Tod und Auferstehung Jesu Christi fehlen. Eine Reihe der Schriften von Theophilos sind verloren, andere ihm zugeschriebene wie ein Kommentar zum Matthäus-Evangelium tatsächlich nicht von ihm.

Worte des Heiligen

Gott kann aus seinen Werken erkannt werden:
Betrachte, Mensch, seine Werke: den rechtzeitigen Wechsel der Jahreszeiten, die Veränderungen der Witterung, den geordneten Lauf der Himmelskörper, den regelmäßigen Gang der Tage und Nächte, der Monate und Jahre, die bunte Schönheit der Samen, Pflanzen und Früchte, die verschiedenen Arten der Vierfüßler, der Vögel, Schwimm- und Kriechtiere, der Fluss- und Wassertiere oder den in die Tiere selbst gelegten Trieb für die Fortpflanzung und Ernährung ihrer Jungen, nicht zum eigenen Nutzen, sondern zum Gebrauch des Menschen; dann die Fürsorge, die Gott trägt, indem er Nahrung bereitet allem Fleisch, oder die Unterordnung, in der nach seiner Anordnung alle Wesen unter dem Menschen stehen; betrachte, wie süße Quellen sprudeln und stets strömende Flüsse dahineilen, Tau, Regen und Güsse sich rechtzeitig einstellen, der Himmelskörper verschiedenen Bahnen folgt, den aufgehenden Morgenstern, der die Ankunft des vollkommenen Lichtgestirnes verkündet, die Verbindung der Plejaden und des Orion, den Arcturus und die übrigen Gestirne, wie sie ringsum am Himmel ihren Weg nehmen, und denen allen die vielfältige Weisheit Gottes ihre Namen gegeben. Dieser Gott allein ist es, der das Licht aus der Finsternis geschaffen, der die verborgenen Räume des Südens, die Schatzkammern des Abgrundes, die Grenzen der Meere und die Vorratskammern des Schnees und Hagels gemacht hat, der die Wasser sammelt in den Kammern des Abgrundes, und die Finsternis in ihrem Behältnisse, der das süße, angenehme, erfreuliche Licht hervorbrechen lässt aus seiner Schatzkammer und die Wolken heraufführt vom äußersten Rande der Erde, der Blitze zu vielem Regen gestaltet, der den Donner aussendet zum Schrecken und den Schall des Donners durch den Blitz vorausverkündet, damit die Seele nicht, vom plötzlichen Schrecken erfasst, vergehe, der aber auch wieder die Kraft des vom Himmel niederfahrenden Blitzes dämpft, dass er die Erde nicht in Flammen setze. Denn würde der Blitz seine volle Macht entfalten, er würde die Erde verbrennen; hätte der Donner seine volle Gewalt, er würde die Dinge auf ihr über den Haufen werfen.

Gott gebührt Anbetung, dem Kaiser Verehrung: Ich will lieber dem Kaiser Ehre erweisen, nicht dadurch, indem ich ihn anbete, sondern dadurch, dass ich für ihn bete. Den wirklichen und wahren Gott bete ich an, da ich weiß, dass der Kaiser von ihm bestellt ist. Du wirst mir also sagen: Warum betest du den Kaiser nicht an? Weil er nicht geschaffen ist, um angebetet, sondern um geehrt zu werden mit rechtmäßiger Ehre; denn er ist nicht Gott, sondern ein Mensch, von Gott bestellt, nicht um angebetet zu werden, sondern um ein gerechter Richter zu sein. Es ist ihm nämlich von Gott gleichsam die Verwaltung anvertraut worden. Auch er duldet ja nicht, dass seine untergeordneten Beamten sich Kaiser nennen, denn Kaiser ist sein Name, und keinem andern ist es erlaubt, sich so nennen zu lassen; so auch gebührt die Anbetung einzig Gott. Daher bist du im vollen Irrtum, Mensch! Ehre den Kaiser mit Liebe gegen ihn, sei ihm untertan, bete für ihn! Dadurch nämlich erfüllst du den Willen Gottes. Denn das Gesetz Gottes sagt: Ehre Gott und den König, mein Sohn, und sei keinem von beiden ungehorsam, denn schnell werden sie ihre Widersacher zur Strafe ziehen (Sprüche 24, 21f).

Quelle: Des hl. Theophilus, Bischofs von Antiochien drei Bücher an Autolykus B. 1, 6.11. In: BKV Apologeten, Band 2, S. 16f, 21f; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn

Catholic Encyclopedia

Die apologetische Schrift an Autolykus gibt es ebenso wie die Notiz des Eusebius von Cäsarea in seiner Kirchengeschichte über Theophilus, Bischof von Antiochien in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon noch nicht online



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 23.10.2026

Quellen:
•
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.