Ökumenisches Heiligenlexikon

Theobald von Provins

französischer Name: Thibault, Thiébaut, Thibault

1 Gedenktag katholisch: 30. Juni
Niederlegung der Gebeine in Vicenza: 3. Juli
Übertragung der Gebeine: 15. Juli

Name bedeutet: der im Volk Mutige (althochdt.)

Priester, Mönch, Einsiedler
* um 1017 in Provins in Frankreich
30. Juni 1066 in Salanigo bei Vicenza in Italien


Tour César, Rest der Burg in der mittelalterlichen Oberstadt von Provins
Tour César, Rest der Burg in der mittelalterlichen Oberstadt von Provins

Theobald, Sohn des Grafen Arnolf in der Champagne und der Guille / Willa und Bruder von Humberga, kam 1054 nach Reims und machte dort die Bekanntschaft mit dem ebenfalls als Ritter lebenden Gautier / Walter. Beide tauschten dort ihre ritterlichen Uniformen mit einem Pilgergewand und flohen in Richtung Deutschland. Sie kamen nach Pettingen in Luxemburg und arbeiteten dort bei den Herren der Burg, mit denen Theobald möglicherweise verwandt war.

Im Anschluss an eine Wallfahrt, die er und Walter barfuß unternommen hatten zur Jakobus-Wallfahrtsstätte in Santiago de Compostela und nach Rom, blieb er auf dem Rückweg in einem ehemals Salanigo genannten Ort bei Vicenza als Einsiedler. Er lebte in äußerster Strenge und Armut, der Bischof von Vicenza weihte ihn zum Priester. 1056 trat er dem Kamaldulenserorden bei. Schon zu Lebzeiten wurde Theobald als Heiliger verehrt.

Abtei Vangadizza in Badia Polesine
Abtei Vangadizza in Badia Polesine

Theobald wurde in der Kathedrale in Vicenza bestattet, 1066 wurden seine Gebeine in die Abtei Vangadizza nach Badia Polesine bei Ferrara übertragen. Theobalds Bruder Arnulf überführte Reliquien in die von ihm geleitete Abtei Ste-Colombe in Sens, 1705 kamen Reliquien auch nach Provins, wo ihm schon zuvor die im 17. Jahrhundert in Ruinen verfallene Kirche Saint-Thibaut geweiht war; sie stand nahe seiner Geburtsstätte, der ehemaligen Burg, von der heute der Tour César erhalten ist in der mittelalterlichen Oberstadt. 1793 kamen weitere Reliquien nach Sens. In der Kapelle neben der Burg in Pettingen werden die angeblichen Schädelreliquien von Theobald und Walter in einem Schrein aus dem Jahr 1763 verehrt. In Frankreich wurden zahlreiche Kirchen nach Thibault benannt.

Die Abtei Vangadizza in Badia Polesine wurde 1789 von der Republik Venedig aufgelöst, 1810 wurde deren Basilika geschlossen und mit Abbrucharbeiten begonnen, erhalten sind nur noch die Apsiskapelle und der Glockenturm.

Kanonisation: Theobald wurde schon 1073 heiliggesprochen.
Attribute: als Reiter, als Einsiedler
Patron von Provins; der Bauern, Winzer, Gerber und Schuhmacher, Köhler, Gürtelmacher; gegen Fieber, Gicht, Augenleiden, trockenen Husten, Unfruchtbarkeit, Angstgefühle

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 22.04.2026

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.coeurdelardenne.be/scripts/cda.dll/carte_visite?SID=1336632721&PAGECV=0257_CV1.HTM&NUMPAGE=8 nicht mehr erreichbar
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000
• Infoblatt in der Kapelle in Pettingen
• https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89glise_Saint-Thibault_de_Provins - abgerufen am 22.04.2026
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Tour_C%C3%A9sar_(Provins) - abgerufen am 22.04.2026

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.


22.04.2026