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Thomas Müntzer erhielt eine humanistische Bildung und wurde zum Priester geweiht. Noch vor Martin Luther war er auf Distanz zur katholischen Kirche gegangen. Dann begrüßte er die sich ausbreitende Reformation, heiratete die ehemalige Nonne Ottilie von Gersen. Luther empfahl ihn 1520 auf die Pfarrstelle in Zwickau.
Aber Müntzers Auffassungen unterschieden sich von denen Luthers radikal. Er
war überzeugt, dass das Vertrauen in das durch Christus
geschenkte Heil noch nicht wirklicher Glaube sei; der müsse in einem inneren
Leidensprozess zustande kommen, indem der Mensch die Passion Christi
nachvollziehe. Der Glaube an die Wirksamkeit der Sakramente in der
traditionellen Kirche sei ebenso falsch wie die Betonung der Bibel durch Luther.
Das Endgericht und die unmittelbar folgende Herrschaft Christi auf Erden stehe
unmittelbar bevor. So griff er die Pfaffen
der alten Kirche und bald ebenso
die Doktörchen
der Reformationsbewegung an, sie stünden der Reinigung der
Christenheit nur im Wege. In seiner Schrift Wider das geistlose sanftlebige
Fleisch zu Wittenberg
machte er seine Überzeugung geltend, dass auch die neue
Theologie der Reformation nur die Herrschaft der Gottlosen stütze.
1523 wurde Müntzer Pfarrer in Allstedt
und hielt hier den ersten Gottesdienst in deutscher Sprache. Er hoffte nun auf
Unterstützung des Fürsten für die notwendige Reingung der Kirche, wozu die
Anwendung des Schwerts
nötig sei. Aber Herzog Johann
I. von Sachsen lehnte dies ab. Müntzer wurde auf die aufständischen Bauern
aufmerksam, die sich seit Juni 1524 in Süddeutschland erhoben hatten und deren
Bewegung auch nach Thüringen ausstrahlte. Er reiste durch die aufständischen
Gebiete und wurde in seiner Auffassung bestärkt, dass Pfarrer wie Fürsten die
einfachen Leute nur vom Glauben abhielten, die Bauern aber das Werkzeug zur für
ihn notwendigen apokalyptischen Reinigung seien. Ihr Aufstand schaffe die
Voraussetzung für eine Welt, in der die rechte Verkündigung stattfinden könne.
Müntzer bestärkte die Bauern, Gottes Gericht zu vollstrecken: Dran, solange
das Feuer heiß ist. Lasset euer Schwert nicht kalt werden!
Die Stadt Mühlhausen
wurde von den Aufständischen eingenommen, Müntzer wirkte als Prediger dort und
gewann großen Einfluss in der freien Stadt
, die er zum Modell einer Stadt des
angebrochenen Gottesreiches machen wollte. Den herannahenden Fürstenheeren zog
er zusammen mit 300 Anhängern entgegen nach Frankenhausen
in Thüringen, wo sie zusammen mit den Bauernheeren die Entscheidungsschlacht
führten. Ein Regenbogen - von Müntzer schon zuvor
als Symbol gewählt - beleuchtete tatsächlich am 15. Mai die Szene; Gott will
mit eurer Hilfe die Welt reinigen, kämpft mutig!
ermunterte er die
Aufständischen.
Die hatten gegen die Landskechte der Fürsten und deren Feuerwaffen keine Chance, Panik brach aus, die Bauern versuchten in kopfloser Flucht sich zu retten; 6000 von ihnen ließen ihr Leben, Müntzer wurde gefangen genommen. Er deutete die Niederlage als Strafe Gottes, weil die Bauern für ihren eigenen Vorteil und nicht für das Reich Gottes gekämpft hätten. Auch unter Folter widerrief er seine Lehren nicht und wurde daraufhin hingerichtet. Sein Kopf wurde auf einen Pfahl gespießt und zur Abschreckung vor den Toren von Mühlhausen aufgestellt.
Theologisch war Müntzers Chiliasmus
nicht wirklich Ernst zu nehmen. Aber
Müntzer blieb im Gedächtnis wegen seiner Unterstützung der Bauern in ihrem
von christlichen Hoffnungen getragenen Aufstand gegen ihre Unterdrückung und
Leibeigenschaft, bei dem Martin
Luther so eklatant versagt hatte, als er sich auf die Seite der Fürsten
stellte. Der Name Müntzer erinnerte immer wieder an das soziale Gewissen von
Kirche und Gesellschaft. Dass die Staatsführung der ehemaligen DDR ihn als
Vorläufer des Kommunismus vereinnahmte, war nur eines der vielen
Missverständnisse, das er posthum zu ertragen hatte; die DDR gab seinem Geburts-
und seinem Sterbeort den offiziellen Namenszusatz Thomas-Müntzer-Stadt
und
bildete ihn auf der 5-Mark-Banknote ab.
Das katholische Gotteslob
enthält Müntzers Lied Gott, heil'ger Schöpfer
aller Stern
(GL 116).
Die
Thomas-Müntzer-Gesellschaft e.V. stellt Leben
und Erinnerungsstätten auf ihrer Website dar.
Lüko
Willms stellt auf seiner Internet-Site Stimmen der proletarischen Revolution
Texte
von Müntzer zur Verfügung.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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