
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Antonius de Padua, (13. Juni). Obgleich der hl. Antonius seiner Geburt
nach ein Portugiese war, so hat er doch seinen Beinamen von der Stadt Padua
(Patavium) in Oberitalien, weil er daselbst starb und seine Reliquien dort
aufbewahrt werden. Zu Lissabon (Olisipo, Ulyssaea, Ulysbona) im J. 1195 geboren,
erhielt er in der hl. Taufe den Namen Ferdinand, den er später, als er in den
Orden des hl. Franziscus
trat, mit Antonius vertauschte, aus Ehrfurcht gegen den berühmten Patriarchen
der Mönche, der auch der Patron der kleinen Kapelle war, in der er das
Ordenskleid empfing. Der Vater des Heiligen war Martin von Bullones (Bulhem,
nach Einigen ein belgisches Geschlecht, das auch mit Gottfried von Bouillon in
Verbindung gebracht wird), ein Hauptmann im Heere des im Jahre 1185 verstorbenen
Königs Alphons von Portugal; seine Mutter war nach Butler Maria von Trevera
(nach Andern Teresia von Tavera), eine Frau von seltenen Tugenden und vornehmem
Geschlechte. Von den Eltern den Kanonikern der Kathedralkirche zu Lissabon zur
Erziehung übergeben, wurde er frühzeitig nicht nur in die Wissenschaften,
sondern auch in das gottselige Leben eingeweiht und trat in seinem 15.
Lebensjahre in das Stift der regulirten Chorherren des hl. Augustin
in jener Stadt. Ein paar Jahre lebte er daselbst den Uebungen der Gottseligkeit;
allein in Folge der Zerstreuungen, welche ihm die öftern Besuche seiner Freunde
verursachten, die ihn in seiner Liebe zur Einsamkeit störten, bat er seinen
Obern, ihn nach Coimbra zu schicken, wo sein Orden ein Kloster hatte, zum hl.
Kreuz genannt. Hier lebte er schon acht Jahre in völliger Zurückgezogenheit, als
der Infant Dom Pedro von Portugal die Ueberreste von fünf
Glaubenspredigern aus dem Orden des hl. Franciscus, die vor kurzer Zeit von
den Ungläubigen gemartert worden waren, von Marokko dahin brachte. Der Anblick
dieser Reliquien machte so tiefen Eindruck auf ihn, daß in seinem Herzen ein
glühendes Verlangen erwachte, für Jesus Christus
sein Blut zu vergießen, und er den Entschluß faßte, in den Orden des hl.
Franciscus zu treten, wo ihm Gelegenheit werden würde, sein Verlangen befriedigt
zu sehen. Seine Mitbrüder boten zwar Alles auf, ihn von seinem Vorhaben
abzubringen; allein der Heilige blieb standhaft bei seinem Entschlusse, begab
sich, nachdem er von seinen Obern die Erlaubniß dazu erhalten, in das kleine
Kloster, welches die Franciscaner bei Coimbra hatten, und empfing daselbst im
Jahre 1221 das Ordenskleid. Als seine bisherigen Mitbrüder ihre Bemühungen, ihn
von seinem Entschlusse abzubringen, vereitelt sahen, rief einer von ihnen ihm
etwas spöttisch zu: Geh nur, du wirst vielleicht ein Heiliger
(vade, vade,
quia forsan Sanctus eris), worauf der Heilige antwortete: Wenn du so etwas von
mir einst hörst, wirst du gewiß Gott dafür preisen
(cum Sanctum audieris, Deum
utique collaudabis). Nachdem er einige Zeit daselbst in der Einsamkeit dem
Gebete sich hingegeben hatte, bat er seine Obern, ihm zu erlauben, daß er den
Mauren in Afrika das Evangelium predigen dürfe. Seiner Bitte wurde willfahrt.
Allein kaum war er an dem Orte der Mission angekommen, als ihn Gott, zufrieden
mit dem Opfer seines Willens, mit einer Krankheit heimsuchte, die ihn nöthigte,
zur Herstellung seiner Gesundheit nach Spanien zurückzukehren. Er bestieg daher
ein Schiff, um in sein Vaterland zu kommen, mußte aber, weil das Schiff von
widrigen Winden an die Küste von Sicilien getrieben wurde, zu Messina landen.
Damals hielt der hl. Ordensstifter Franciscus zu Assisi ein Generalcapitel.
Sobald der hl. Antonius davon hörte, eilte er, ungeachtet seiner Schwäche, dahin
und bot sich, um in der Nähe dieses Heiligen bleiben zu können, den Provinzialen
und Quardianen Italiens als Begleiter an. Der hl. Franciscus billigte seinen
Entschluß, Vaterland und Freunde zu verlassen; allein es fand sich kein
Vorsteher, der einen Mann aufnehmen wollte, der seinem Aeußern nach einem Hause
eher zur Last zu fallen als nützlich zu seyn schien. Zuletzt erbarmte sich
seiner ein Quardian der Provinz Romagna (später Bologna), Namens Gratianus, und
schickte ihn in die Einsiedelei des Berges des hl. Paulus
bei Bologna, wo ein kleines Kloster war. Antonius, der nichts sehnlicher
wünschte, als den Menschen ganz unbekannt zu leben, verband mit dem
beschaulichen Leben die strengsten Bußwerke und versah die niedrigsten Dienste
des Hauses. Nie verrieth er seine Kenntnisse, war stets auf seiner Hut, von den
Mittheilungen Gottes, deren er gewürdigt wurde, etwas merken zu lassen, hörte
Jedermann mit Demuth an und redete nur, wenn es die Nothwendigkeit forderte.
Doch das Licht sollte nicht länger unter dem Scheffel verborgen bleiben. Als er
mit Einigen seiner Brüder zum Empfange der hl. Weihen zu Forli (Forum Livii) mit
den Dominicanern (wahrscheinlich im Kloster der Letztern) zusammenwohnte *
und keiner seiner Genossen sich vorbereitet genug hielt, einen Vortrag an die
Versammlung zu halten, wie es der Klosterobere daselbst gewünscht hatte, hielt
der hl. Antonius, von diesen aufgefordert, eine so eindringliche und
salbungsvolle Rede, daß Alle bekannten, nie etwas solches gehört zu haben. Er
mag damals das 26. Jahr überschritten gehabt haben. Als der hl. Franciscus von
diesem Vorfalle gehört, schickte er den hl. Antonius nach Vercelli, um ihn in
der Theologie ausbilden zu lassen. Nach Vollendung der Studien beauftragte er
ihn kurz darauf, diese Wissenschaft selbst zu lehren, und bestellte ihn zum
Prediger des Ordens. Der hl. Antonius lehrte mehrere Jahre mit vielem Beifalle
die Theologie zu Bologna, Toulouse, Montpellier, Padua, und wurde dann zum
Quardian zu Limoges ernannt. Zuletzt gab er die Schultheologie auf und
beschäftigte sich einzig mit der Seelsorge. Da er berufen zu seyn glaubte, an
der Bekehrung der Seelen und an der Bekämpfung des Lasters zu arbeiten, faßte er
den Entschluß, sich den Missionen zu widmen. Was er hiebei gewirkt, welchen
Segen er allenthalben, wo er öffentlich auftrat, verbreitete, läßt sich nicht
beschreiben; man glaubte einen Apostel predigen zu hören, dessen Worte durch
Wunder und Zeichen bekräftigt wurden. Obwohl aus fernen Landen hergekommen,
sprach er doch die italienische Sprache so rein und angenehm, daß man glaubte,
er sei ein geborner Italiener. Er besaß wirklich die Gabe der Sprachen; denn als
er einst (etwa im Jahre 1227) zu Rom, wohin er wahrscheinlich wegen des
Jubiläums-Ablasses und des von Papst Gregor IX. abgehaltenen Concils gekommen
war, vor der Versammlung, die aus verschiedenen Völkerschaften - nämlich aus
Griechen, Orientalen, Franken, Engländern und Deutschen - bestand, predigte,
glaubten Alle, er rede in ihrer Sprache (unusquisque audiebat linguam suam, in
qua natus erat); so genau verstanden sie jedes Wort, das er sprach. Hier war es
vielleicht, wo ihn Papst Gregor IX., von Bewunderung hingerissen, die Arche des
Testaments (arca Testamenti) nannte, womit er sagen wollte, daß er in dem
Heiligen einen reichen Schatz erkenne, in welchem alle geistlichen Güter
enthalten seien. Der hl. Franciscus nannte ihn wegen der Heiligkeit seines
Wandels und der Kraft seiner Rede nie anders als seinen Bischof. Zahllos sind
die Wunder, die auf seine Fürbitte geschahen, da er noch unter den Lebenden
weilte. Nur einige wollen wir hier aufzählen: Mit den Irrlehrern hatte er viel
zu schaffen. Als er einst nach Rimini kam und die Bewohner dieser Stadt, die
fast ganz den Irrthümern der damaligen Zeit ergeben waren, ihn durchaus nicht
predigen hören wollten, ging er an den Fluß und an's Meer hinaus, und predigte
den Fischen, die schaarenweise herbeikamen, der Reihe nach sich aufstellten,
ihre Köpfe über das Wasser hoben und ihren Beifall und Dank ausdrückten. Auf
dieses Wunder hin bekehrte sich die ganze Stadt. Ein andermal bewies er einem
Irrgläubigen die wahrhafte Gegenwart Christi im hl. Sacramente, indem ein
Maulesel, den man drei Tage lang ohne Futter gelassen hatte, am dritten Tage das
daneben stehende Futter nicht beachtete, sondern vor dem hl. Sacramente, das der
hl. Antonius ihm hinhielt, niederfiel, es gleichsam anzubeten. (Vgl. Menzel's
Symbolik, I. 290. 254). Die vergifteten Speisen, die ihm von Irrlehrern
vorgesetzt wurden, schadeten ihm nicht, und seine salbungsvollen Reden, die er
in Italien und Frankreich hielt, bekehrten Tausende von ihnen zum wahren Glauben.
Die Teufel verfolgten ihn deßhalb sehr heftig und hätten ihn einst nahezu
erwürgt, wenn nicht die Mutter Gottes ihm beigestanden
wäre. Als einen besondern Helfer zeigte er sich den Frauen, wenn sie entweder in
schweren Nöthen waren oder von eifersüchtigen Männern viel auszustehen hatten,
woher es wohl kommen mag, daß ihn die Frauen als besondern Patron verehren.
Gleicherweise gilt er als Patron bei verlorenen Sachen, weil auf seine Fürbitte
theils im Leben, theils nach seinem Tode viele Sachen, die entweder geraubt oder
verloren gegangen waren, an ihren Eigenthümer zurückkamen oder wieder gefunden
wurden. Bei den Bollandisten werden mehrere Fälle dieser Art angeführt und wird
zugleich bemerkt, daß der hl. Antonius vorzüglich in seinem Vaterlande Portugal
als Patron hierin verehrt wurde, und daß wahrscheinlich von da diese Verehrung
in andere Länder sich ausbreitete, ohne daß sich mit Gewißheit angeben ließe,
wie dieser Glaube in seinem ersten Werden entstanden sei. (Nach Einigen soll er
einst in seinem Kloster zu Padua selbst etwas sehr Wichtiges verloren, aber auf
sein eifriges Gebet wieder gefunden haben.) In der Kirche des hl. Antonius zu
Rom findet sich eine Abbildung, wie dieser Heilige einmal den Bienen befahl, um
eine in den Kelch geworfene Hostie eine Monstranz von Wachs zu formen, was sie
auch sogleich thaten. Außer diesen Wundern finden sich auch solche, welche
zunächst auf die Sinnesänderung der Menschen Bezug haben. Wer von der
Fleischeslust angefochten war, durfte nur sein Kleid berühren und er empfand
alsbald solche Linderung, daß alle Versuchung verschwunden war; nichts davon zu
sagen, daß er manchmal 30,000 Menschen in wunderbarer Weise in gespanntester
Aufmerksamkeit an seinen Mund fesselte und heilsame Aenderung in ihren Gemüthern
hervorbrachte. An Verfolgungen fehlte es nicht in seinem Leben. Als nämlich nach
dem Tode des hl. Franciscus (im J. 1226) der Bruder Elias, ein ganz weltlich
gesinnter Mann, zum Ordensgeneral erwählt wurde, und in Folge seiner Laxheit
viele Mißbräuche im Orden einschlichen, war es der hl. Antonius, der sich mit
dem Bruder Adam diesem widersetzte, weßhalb er sehr verfolgt und auch mit dem
Gefängnisse bedroht wurde. Doch Papst Gregor IX. schützte ihn und verfügte die
Absetzung des Generals. Eine Reise nach Rom in dieser Angelegenheit benützend,
erbat er vom Papste die Erlaubniß, sein Amt als Provinzial der Romagna
niederlegen zu dürfen. Als ihm diese auch gewährt wurde, zog er sich zuerst auf
den Berg Alverno zurück, begab sich aber bald nach Padua, wo er früher Prediger
und Professor der Theologie war. Am Ende der Fastenzeit, während welcher er die
Predigt hielt, fühlte er die Abnahme seiner Kräfte und zog sich an einen
einsamen Ort, Campietro (Campus St. Petri) genannt,
zurück, um sich zum Tode vorzubereiten. Da sich aber seine Krankheit mit jedem
Tage verschlimmerte, ließ er sich wieder nach Padua zurückbringen, konnte aber
wegen dem Andrange des Volkes, das bei der Nachricht seiner Ankunft von allen
Seiten herbeigeeilt war, nicht ganz dahin gelangen, sondern mußte in der
Vorstadt bleiben, wo man ihm das Zimmer des Beichtvaters der Klosterfrauen von
Arcela einräumte. Nachdem er sodann die hhl. Sacramente empfangen hatte, betete
er die sieben Bußspalmen mit und entschlief ruhig im Herrn am 13. Juni 1231, an
einem Freitage, in einem Alter von 36 Jahren, von denen er 10 im Orden des hl.
Franciscus zugebracht hatte. Als die Brüder aus Furcht, das Volk möchte in Masse
in's Haus eindringen, seinen Tod verborgen halten wollten, riefen die Kinder auf
den Straßen aus: Der Heilige ist todt!
Einige Tage herrschte zwischen der
Stadt und den Brüdern ein Streit, wem der Leib des Heiligen gehören sollte, bis
der Bischof der Stadt dahin entschied, daß er den Brüdern gehöre, da der Heilige
bei ihnen habe begraben werden wollen. Unzählige Wunder bezeugten nach dem Tode
die Heiligkeit des Dieners Gottes, was den Papst Gregor IX. bewog, ihn im
folgenden Jahre am Pfingstsonntage, den 30. Mai 1232, feierlich unter die
Heiligen zu setzen, weßhalb sein Name nicht nur im allgemeinen Mart. Rom.
vorkommt, sondern auch in dem für die drei Orden des hl. Franciscus und für die
Canonici regulares, denen er anfänglich angehörte. Aus Dankbarkeit für die
vielen Wohlthaten, welche ihnen auf die Fürbitte des Heiligen zugewendet worden
waren, erbauten die Bewohner von Padua 32 Jahre nach seinem Tode eine
prachtvolle Kirche, die noch steht, und in welche die Reliquien des Heiligen
übersetzt wurden. Bei dieser Gelegenheit fand man, daß alles Fleisch an seinem
Leibe verzehrt war, nur seine Zunge war ohne Merkmal der Verwesung und schien
noch so frisch, als wenn er noch lebte. Diese Zunge, in ein kostbares Gefäß
eingefaßt, wird, wie ein großer Theil der Reliquien des Heiligen, noch in
besagter Kirche, die den schwarzen Franciscanern (Minoriten) gehört, aufbewahrt,
und zwar die Zunge hinter dem Choraltar in einer eigenen Reliquien- oder
Schatzkammer, während in einer Seitenkapelle eben dieses herrlichen Tempels ein
Grabmal des Heiligen von trefflicher Arbeit und mit Basreliefs geschmückt
aufgeführt ist, welche die Darstellung seiner bedeutendsten Wunderthaten enthält
und die Bewunderung aller Kenner erregt. Vor diesem Grabmale hängen mehrere sehr
kostbare Lampen, welche von verschiedenen Städten Italiens dahin geschenkt
worden sind. Sein Grab wird von zwei eigens zu diesem Zwecke abgerichteten
Hunden bewacht, welche bei Tag eingesperrt sind, während der Nacht aber in die
Kirche gelassen werden, um die darin enthaltenen Schätze vor Angriffen zu
sichern. Täglich werden auf seinem Grabe von früh 5 Uhr bis 1 Uhr Nachm. heil.
Messen gelesen, und fast bei jeder derselben finden sich Pilger, welche die hl.
Communion empfangen. Wir Beide, die wir dieses schreiben, haben selbst das Glück
gehabt, über dem Grabe des großen Antonius - des Heiligen
(il Santo) wie er in
Padua einfach genannt wird - öfter die hl. Messe lesen zu können, und sind noch
voll des Eindruckes, den dieses Glück auf uns gemacht hat. Wir haben seine
Reliquien gesehen und darunter mehrere seiner Schriften, bei welchen seine
schöne Handschrift uns erfreute. Es sind seit seinem Tode mehr als 600 Jahre
verflossen, aber die Liebe und Verehrung, welche Padua zu dem Heiligen, den es
ausschließlich den seinigen
nennt, hegt, ist nicht erloschen, sondern lebt zur
Freude Aller, die dahin wallen, unter seinen frommen Bewohnern unauslöschlich
fort. Das Fest des Heiligen wird in Padua und im ganzen Orden des hl. Franciscus
auf das Feierlichste begangen, wie auch in seiner Geburtsstadt Lissabon, wo ihm
zu Ehren eine schöne Kirche steht. Wenn auch nicht in der allgemeinen Kirche, so
wird unser Heiliger doch im Franciscaner-Orden als Doctor Ecclesiae, als Lehrer
der Kirche
verehrt; denn als solcher ward er von Papst Gregor IX. bei der
Canonisation erklärt, als derselbe nach dem Te Deum bei dieser Feierlichkeit die
Antiphon auf die Lehrer der Kirche
anstimmte, und mit lauter Stimme rief: O
Doctor optime, Ecclesiae Lumen! O bester Lehrer, Licht der Kirche!
In dem Mart.
Rom. für die Conventualen wird von ihm bemerkt, daß er der Allererste aus dem
Orden des hl. Franciscus war, der die hl. Schrift auslegte (qui omnium primus ex
eodem Ordine sacras litteras fuit interpretatus). Auch an der Abfassung einer
Bibel-Concordanz, die besonders für einen Prediger so nothwendig ist, hat er
wesentlichen Antheil genommen. - Auf Gemälden findet man unsern Heiligen
verschieden dargestellt, je nachdem irgend ein Moment aus seinem Leben aufgefaßt
wird. Unter diesen sieht man am häufigsten die Fischpredigt abgebildet, dann die
Begebenheit mit dem Maulesel, besonders aber, wie ihm der Knabe Jesus erschien.
Als nämlich der hl. Antonius einmal in einer Stadt (ob Italiens oder Frankreichs,
wird nicht gesagt) predigte, fand er gute Aufnahme bei einem Bürger, der ihm zum
Gebete und zur Betrachtung ein stilles abgelegenes Zimmerchen anwies. Da sah nun
der Bürger einmal durch's Fenster, wie der Heilige vor einem wunderschönen
Knaben kniete, ihn mit seinen Armen umfing und unverwandt seine Blicke auf das
Angesicht des himmlisch schönen Kindes richtete, und dachte bei sich, wie wohl
dieses Kind zu Antonius in's Zimmer gekommen seyn könne, da er doch immer in der
Nähe gewesen und Niemanden habe aus- oder eingehen sehen. Auf seine Anfrage
offenbarte ihm der Heilige, es sei der Knabe Jesus gewesen, verbot ihm aber,
irgend einem Menschen vor seinem Tode etwas davon zu sagen. Der Bürger schwieg
auch, aber nach dem Tode des Heiligen offenbarte er das Gesehene. - Der Heilige
wird auch ferner dargestellt, wie er ein Buch in der Hand hält, zum Zeichen
seiner Gelehrsamkeit, über ihm der Knabe Jesus, der seine Arme zum Umfangen
ausstreckt. Attribute des Heiligen sind die Lilie, als Symbol seiner
Seelenreinheit, und ein Ziegel, weil nämlich ein Ziegelstein, auf dem er,
fälschlich angeklagt, vor Gericht kniete, zu wackeln anfing und sich nie wieder
fest machen ließ. Im röm. Brevier findet sich sein Officium ebenfalls am 13.
Juni.
* Butler spricht von einer Versammlung der
Ordensgenossen des hl. Franciscus mit den benachbarten Dominicanern zu Forli;
allein es heißt in der sehr alten, von einem unbekannten Verfasser herrührenden
Vita unseres Heiligen ausdrücklich, der hl. Antonius sei mit einigen seiner
Brüder zum Empfange der hl. Weihen mit den Dominicanern in Forli
zusammengekommen.

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