
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Hippolytus, Ep. M. (22. Aug. al. 29. Jan. 4. Febr.) Dieser hl. Hippolntus,
in Syrien und Aegypten Abulides genannt, ist ein berühmter Kirchenschriftsteller,
der am Anfange des 3. Jahrhunderts blühte. Ob er wirklich Bischof gewesen, ließ
sich bisher nicht bestimmt ermitteln, obwohl es stets höchst wahrscheinlich war.
Von dem jetzigen Dorfe Porto (Portus Romanus) bei Rom, dem angeblichen Orte
seines Leidens, nach Andern sogar seines Wirkens, heißt er auch Portuensis. Von
Einigen wird er auch Bostrenus genannt, von der Stadt Bostra in Arabien, aus
welcher Benennung Galesinius nach den Bollandisten (Febr. I. 449) irrthümlich
einen S. Bostrenus gemacht und mit dem hl. Hippolytus in Verbindung gebracht hat.
Sein Elogium im Mart. Rom. lautet: Im Portus Romanus das Gedächtniß des an
Gelehrsamkeit ausgezeichneten hl. Bischeses Hippolytus, welcher unter dem Kaiser
Alexander wegen des herrlichen Bekenntnisses, das er von seinem Glauben ablegte,
mit gebundenen Händen und Füßen in eine tiefe, mit Wasser angefüllte Grube
gestürzt wurde und die Palme des Martyriums erlangte. Sein Leib ist von den
Christen an demselben Orte begraben worden.
Auch der Geschichtschreiber
Eusebius gedenkt seiner mit besonderer
Anerkennung und nennt ihn einen Vorstand der Kirche. Ebenso nennt ihn Hieronymus;
aber der Ort, wo er wirkte, war ihm nicht bekannt und überhaupt bisher nicht
vollkommen ermittelt. Einige setzen ihn, wie bereits erwähnt worden, irrig nach
Arabien und zwar nach Aden, welches nach Lemoine auch den Namen Portus Romamis
hatte; Andere nach Bostra, der Metropole von Arabien; Andere mit größerer
Wahrscheinlichkeit nach Porto (Portus Romanus), 16 Meilen von Rom. Nach
Döllinger's Hippollytus
(S. 89) ist aber Papst Gelasius,
der ihn Bischof von Bostra nennt, irrig daran; ebenso wenig kann er nach ihm (S.
81) Bischof von Porto gewesen seyn, welches erst im J. 313 oder 314 Bisthum
wurde; sondern Hippolytus sei, was selbst aus seinen eigenen Aeußerungen sich
ergebe, römischer Bischof gewesen, wie mehrere orientalische Schriftsteller
schon früher angegeben haben. Diese Angabe, welche von Vielen und selbst von dem
Bollandisten Cuper (Aug. IV. 508) bezweifelt wird, ist nun durch ein erst in
neuester Zeit entdecktes Werk * des hl. Hippolytus bestätiget
worden, wie Döllinger in seiner oben (S. 751) citirten Schrift nachweist. Nach
dieser Schrift (S. 100-104) war unser hl. Hippolytus Priester der römischen
Kirche und gehörte der Schule des hl. Bischofs Irenäus
von Lyon an, wie denn auch schon Photius ihn einen Schüler des hl. Irenäus
nennt, während Andere ihn unter der Leitung des hl. Clemens36
von Alexandria aufwachsen und auch mit Origenes bekannt gewesen seyn lassen.
Schon unter Papst Zephyrinus (von 202-219) stand
er zu Rom in großem und verdientem Ansehen. Nach dem Tode desselben wurde von
dem größeren Theile der mildere Kallistus, von
einem kleineren, der strengeren Richtung angehörigen Theile aber unser hl.
Hippolytus zum Papste erwählt, obwohl dieser niemals allgemein anerkannt wurde
und daher auch in keinem Verzeichnisse der Päpste vorkommt. Diese Spaltung
dauerte auch noch unter des Kallistus NachfolgernUrbanus
und Pontianus fort, ohne daß sie
jedoch weiter um sich griff. Aber nach einem alten Chronographen ist es höchst
wahrscheinlich, daß er später mit dem hl. Papste Pontianus auf die Insel
Sardinien transportirt wurde und dort im Jahr 235 als Martyrer starb, wodurch
auch das gesühnt wurde, was er etwa durch seine Opposition gegen den
rechtmäßigen Papst gefehlt hatte. Nach Döllinger (S. 250 ff.) ließ Papst
Fabianus die beiden Leichname nach Rom zurückbringen
und den des hl. Pontianus in dem Cömeterium des Kallistus, den des hl.
Hippolytus aber in der Via Tiburtina, ganz nahe bei der Stätte des hl.
Laurentius, deponiren. Die Bollandisten setzen
sein Martyrium in das J. 250, Baronius aber in das J. 235. Seine sämmtlich in
griechischer Sprache verfaßten Schriften ** sind zahlreich,
obwohl bei Aschbach (III. 293) die Meinung ausgesprochen ist, daß dieselben
Mehreren zugehören. Er verfaßte z. B. mehrere Commentare zu einzelnen Theilen
der heil. Schrift; andere seiner Werke hatten das Geheimniß der Menschwerdung
und die Auferstehung der Leiber zum Gegenstande. Von seinen Schriften gegen
Noetus ist ein beträchtlicher Theil auf uns gekommen. Sein Ostercyclus gehört zu
den ältesten Arbeiten zum Behufe der Festberechnung. Von seinen
Schrifterklärungen hat man Bruchstücke, dann eine Homilie auf Epiphanie, in
welcher er hauptsächlich von der Taufe Christi
und den wunderbaren Wirkungen des Sacraments der Wiedergeburt redet. Auch sein
Buch vom Antichrist wurde entdeckt und im J. 1661 bekannt gemacht. Außer diesen
verfaßte er ein Werk über die Häresien, von denen er nach Photius 32 behandelte.
Dieses kleinere Werk ist verloren gegangen; doch hat er auch noch ein größeres
geschrieben, nämlich eben das oben bezeichnete mit dem Titel Philosophumena
,
in welchem gegen 30 Häresien ausführlicher angegeben und widerlegt werden.
Seinen Schriften gibt Photius, der hierin eine giltige Stimme hat, das Zeugniß,
daß der Ausdruck klar und würdig, und in denselben nichts gesagt sei, was nicht
unmittelbar auf das vorgesteckte Ziel Bezug habe.
Darin kommen aber alle
Gewährsmänner überein, daß sie ihn einen treuen Zeugen der Lehre Jesu nennen, ob
er gleich nach W. W. (XII. 571) nicht frei von allen dogmatischen Mängeln ist.
Als merkwürdiges Andenken an diesen Mann verdient bemerkt zu werden die Kathedra,
eine den hl. Hippolytus darstellende sitzende Statue, welche im J. 1551
außerhalb Roms auf dem Wege nach Tivoli (Via Tiburtina) auf dem Ager Veranus
aufgefunden und dann im Vatican aufgestellt wurde. Auf der Kathedra selbst ist
der von dem hl. Hippolytus ausgearbeitete Ostercyclus zu sehen, vom J. 222-333
reichend, sowie eine Angabe seiner Schriften, beides in griechischer Sprache, in
welcher er es geschrieben hat. Dieselbe erklärte Winkelmann nach Döllinger (S.
25) als die älteste Marmorstatue aus christlicher Zeit. Baronius behauptet, der
Heilige sei im Meer ertränkt worden; Döllinger erklärt dieß (S. 49) als aus den
Acten der hl. Aurea fälschlich herübergenommen. In der
alten Kirche war er hoch gefeiert, und schon frühzeitig knüpfte sich an ihn ein
Kreis von Legenden und Sagen. Daher geschah es denn, daß unter den mehreren
Martyrern dieses Namens die persönlichen Merkmale mehr confundirt als
ausgeschieden erscheinen, was namentlich auch bei dem Dichter Prudentius der
Fall ist. (Vgl. S. Hippolytus2.10.11).
Dem hl. Hippolytus sind viele Kirchen geweiht, und haben von ihm auch mehrere
Ortschaften ihren Namen, z. B. die Propstei Pöltenberg (Mons S. Hippolyti) bei
Znaym in Mähren, die Stadt St. Pilten oder Bilt (Fanum S. Hippolyti) im
Ober-Elsaß, die Stadt St. Pölten (Fanum S. Hippolyti oder Oppidum Sampoltanum)
in Ober-Oesterreich, wo jetzt seit dem J. 1785 ein Bischofsitz sich befindet,
während die Ortschaft sammt dem Kloster früher zum Bisthum Paßau gehört hatte
etc. Doch ist hier wohl immer der hl. Hippolytus10 gemeint, welcher im
Abendlande seit dem 6. Jahrhunderte mehr Berühmtheit erlangt hat, während im
Morgenlande der hl. Hippolytus13 [das ist der hier behandelte] mehr bekannt war.
(Vgl. Döllinger a. a. O. S. 34 ff.) In einigen Martyrologien findet sich sein
Name am 29. Januar, in andern am 4. Febr. Im Mart. Rom. steht er am 22. August,
an welchem Tage auch die Bollandisten ihn behandeln. (IV. 504-513.)
* Dieses unter dem Namen des Origenes
herausgegebene Werk, welches aber höchst wahrscheinlich dem hl. Kirchenlehrer
Hippolytus zugehört, hat nach W. W. (XII. 570) den Titel: Philosophumena, sive
omnium haeresium refutatio, e Cod. Parisino nunc, primum edita cur. E. Miller.
Oxonii 1851
, und gab Hrn. Dr. J. J. Döllinger Veranlassung zu der oben
bezeichneten Schrift: Hippolytus und Kallistus
etc.
, worin S. 91 ff. durch viele (25) Zeugen die in der griechischen und den
übrigen orientalischen Kirchen bestehende Ueberlieferung, daß Hippolytus
römischer Bischof war, nachgewiesen ist.
** Vgl. Möhler's Patrologie, herausgegeben von Dr. F. X. Reithmayr, Bd. I. S. 589 bis 599, wo sie alle angegeben und beurtheilt sind. Nach Döllinger (S. 27 ff.) war Rom noch im 2. und 3. Jahrhundert ein Hauptsitz und Sammelplatz griechischer Sprache und Literatur; auch die Christen griechischer Zunge bildeten dort einen ansehnlichen Theil der Gemeinde etc. Dieß änderte sich aber, seit Byzanz die Hauptstadt des römischen Orients war, und alle Orientalen und Griechische Redenden nun nicht mehr nach Rom, sondern nach Constantinopel sich wendeten. Seit dieser Zeit verschwand die griechische Sprache aus Rom in so rascher Progression, daß man im Jahr 417 nicht einmal mehr den griechischen Text der Nicänischen Kanones zu haben scheint. Daher mag es auch kommen, daß man unsern hl. Hippolytus im Orient besser kannte, als im Occidente, so daß also mehrere Sagen an seinen Namen sich knüpfen konnten.

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