
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Rhabanus, Archiep. Mogunt. (4. Febr.) Der heil. Rhabanus (Hrabanus,
Rabanus) mit dem Familiennamen Magnentius und dem Zunamen Maurus *
wurde zu Mainz nicht in Fulda **, aus einem alten und
angesehenen fränkischen Geschlechte geboren. Er ist also weder ein Schotte noch
ein Engländer, wie früher von Einigen geglaubt wurde. Das Geburtsjahr ist nicht
ganz sicher; Trithemius und Andere, welche diesem Schriftsteller folgen, nennen
den 2. Febr. 788, Henschenius 785, Mabillon 776, und Kunstmann ist geneigt, bis
auf d. J. 774 zurückzugehen. Seine Eltern hießen nach Trithemius Rudhard und
Adelgunde; nicht glaubhaft ist, wie Kunstmann nachgewiesen hat, daß sie Walram
und Walrade geheißen haben. Sonst ist über seine Familienverhältnisse Nichts
bekannt; nur daß er einen vor ihm verstorbenen Bruder hatte, welcher Tutin hieß,
ist aus dessen vom hl. Rhabanus gefertigten Grabschrift zu entnehmen. Seine
erste Erziehung besorgten die Eltern. Er wurde frühzeitig im Lesen und Schreiben,
aber auch in der Erkenntniß Jesu Christi und
der Befolgung seiner Gebote unterrichtet und geübt. Wenn Vater und Mutter in die
Kirche und zu den Sacramenten gingen, durften die beiden Kinder jedesmal
mitgehen. Der kleine Rhabanus war an Geist und Körper so wohl ausgerüstet, daß
er zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Um d. J. 785, als er etwa 9 Jahre
zählte, brachten ihn seine Eltern am Tage des hl. Benedictus,
21. März, nach Fulda, (Fulda, Vuldaha, gegründet i. J. 744), wo damals der Abt
Baugolf (780-802) dem aufblühenden Stifte mit Weisheit und Frömmigkeit vorstand,
mit dem Gelöbnisse, niemals auf irgend eine Weise dazu mitzuwirken oder
beizustimmen, daß er das Kloster wieder verlasse, und der Knabe gab hiezu in
kindlicher Frömmigkeit und Ergebung seine Zustimmung. Hier empfing der hl.
Rhabanus seine weitere Erziehung und Ausbildung. Mit den Jahren wuchs auch seine
Lernbegierde, und wir wissen von ihm selbst, daß er die Vorträge seiner Lehrer
mit dem sorgfältigsten Fleiße aufs Papier brachte. Eine so gründliche und
vielseitige Gelehrsamkeit, wie sie Zeitgenossen und Spätere an ihm bewunderten,
wird nur durch planmäßiges und anhaltendes Studium erworben. Um seine Bildung zu
vollenden, wurde er um d. J. 803 oder etwas früher, da Alcuin
schon am 19. Mai 804 gestorben ist, mit seinem Mitbruder und Mitschüler Hatto
vom Abte Ratgar zu Alcuin nach Tours gesendet, wo er ein Jahr verweilte. An ihm
gewann er nicht bloß einen vortrefflichen Lehrer, sondern auch einen zweiten
Vater, dessen Worte und Beispiele er sich tief ins Gedächtniß und ins Herz
einprägte. Die Ermahnungen, welche er ihm später noch gab, sind uns ein
erwünschter Nachklang aus der Lehrzeit des heil. Rhabanus und so rührend, daß
wir uns die Freude nicht versagen können, Einiges davon herzusetzen: O mein
theuerster Sohn,
schrieb er ihm, übe dich in der Liebe Gottes; dein
Lebensschmuck sei die Verrichtung der Kirchendienste; besuche fleißig die
Vigilien und Gebetsstunden; säume nicht, Tag und Nacht dem Studium eifrig zu
obliegen; suche Christus auf und führe Ihn in dein Herz, damit Er da wohne und
Leiter deines Lebens sei; liebe Ihn als deinen Erlöser, als deinen Herrn, von
welchem jede gute Gabe kommt, und halte seine Gebote. Was du aber vom Herrn
empfangen und der göttliche Geist dir mitgetheilt hat, das verbreite mit Eifer
und lehre es auch Andere. Sei den Armen und Dürftigen ein Vater, demüthig in
Dienstleistungen und großmüthig in Wohlthaten, damit ihr Segen über dich komme.
Wie der heil. Benedictus seinem liebsten
Jünger, so gab Alcuin seinem liebsten Schüler den Zunamen Maurus. Der
Aufenthalt in Tours war und blieb dem Heiligen sein ganzes Leben in theurer
Erinnerung. Wie gewissenhaft er die hier ihm dargebotene Gnade aufgenommen und
bewahrt hat, beweist seine nachherige unermüdete Thätigkeit, seine tiefe und
innige Frömmigkeit. Der fromme Alcuin hatte nicht unterlassen, seinen Schüler
immer wieder zu erinnern, was das Hauptziel seiner Unterweisungen sei, nämlich
daß er immer und überall für Gott lebe und in diesem Leben sein Glück finde (ut
felix vivas semper ubique Deo). So konnte das Herz des jungen Mönchs über den
Büchern nicht austrocknen. Zu Fulda befand sich damals sich eine eine reiche,
durch Carl d. Gr. begründete, durch den
Sammel- und Copirfleiß der Mönche ansehnlich vergrößerte und erst kürzlich durch
Bücherschätze aus dem Kloster Metz noch vermehrte Bibliothek, welche der Heilige
eifrig benützte. Aus seinen eigenen zahlreichen Schriften ersieht man, was er am
liebsten betrieb. An erster Stelle stand das Studium der heil. Schriften. Um für
das Verständniß und die richtige Auslegung derselben eine sichere und feste
Grundlage zu haben, erwarb er sich nicht bloß eine damals und auch jetzt noch
seltene Kenntniß in der griechischen, hebräischen und syrischen Sprache, sondern
er sammelte auch mit unverdrossenem Fleiße die Erklärungen und Aussprüche der
heil. Väter, die er mit großem Geschick aneinander reihte und zu einem schönen
und abgerundeten Ganzen gestaltete. So wurde er ein Schrifterklärer, wie der hl.
Petrus ihn will, der nicht seine Privatmeinung in die
biblischen Aussprüche hineinlegt, sondern sie in demselben Geist erklärt, der in
der Kirche waltet und die heil. Schriftsteller geleitet hat. Hieran anschließend,
behandelte er mit besonderm Eifer die gottesdienstlichen Handlungen und
Gebräuche, sowie die Geschichte der Heiligen. Ungefähr ums J. 799, nach der
Berechnung Mabillons, erhielt er die Diaconatsweihe und wurde hierauf Magister
,
d. h. man übergab ihm die Leitung der Klosterschule. In dieser Zeit vollendete
er sein Erstlingswerk: Lobsprüche zu Ehren des hl. Kreuzes
(de laudibus S.
Crucis) in künstlichen Versen, die herwärts und rückwärts gelesen werden konnten,
und auch durch die Kreuzform, die er ihnen gab, ihren Inhalt kennzeichneten.
Sein Mitbruder Hatto hatte ihm bei dieser Arbeit hilfreichen Beistand geleistet.
Was er bei Anfertigung dieses Werkes betrachtet hatte, sollte er nach dem
Rathschlusse der göttlichen Vorsehung bald an sich selbst erproben. Er hatte
eine längere Kreuzschule durchzumachen. Das Kloster und dessen Unterthanen
wurden i. J. 805 von einer Hungersnoth heimgesucht, auf welche eine pestartige
Krankheit folgte. Noch schwerer fiel es ihm aufs Herz, daß er längere Zeit
selbst auf seine Bücher und Studien verzichten, und statt mit der Feder mit
Bausteinen schreiben sollte, da der strenge und baulustige Abt Ratgar an alle
Mönche die Forderung stellte, bei seinen Kirchen- und Klosterbauten wie sie
immer konnten beizuhelfen, und alle hiezu Unfähigen oder Widerspänstigen ohne
Nachsicht aus dem Kloster verbannte. Dieß begegnete wahrscheinlich auch dem hl.
Rhabanus, denn um jene Zeit soll er eine Wallfahrt ins gelobte Land gemacht
haben. Nach seiner Zurückkunft erhielt er i. J. 815 durch den Erzbischof
Heistolf von Mainz die Priesterweihe. Er dankte ihm dafür mit der Widmung
mehrerer seiner Werke und mit einem Sendschreiben, in welchem er das Versprechen,
seinem Lehramte allzeit freudig untergeben zu bleiben, wiederholte (tuo
magisterio semper me libens subdam). Unter dem Abte Eigil (Aegilus) wurde ihm
nämlich das Lehramt wieder übertragen und er behielt es von jetzt an ohne
Unterbrechung. Als Lehrer der angehenden Theologen schrieb er die erste von
einem Deutschen herrührende Pastoraltheologie. Obwohl er aber so zu sagen
beständig über den Büchern war, und neben den Unterrichtsstunden die zur Uebung
der Schüler eingeführten Disputationen und seine eigenen schriftstellerischen
Arbeiten fast alle seine Zeit in Anspruch nahmen, unterließ er nicht die
geringste Uebung, die seine Ordensregel ihm vorschrieb. Im Chorgebet und in der
Betrachtung stärkte und sammelte er seine Geisteskräfte zu neuen Arbeiten. Auch
die Lesung der heil. Schrift und der heil. Väter, seine Lieblingsbeschäftigung,
unterbrach er mit Freuden, so oft der Gehorsam es verlangte; er studirte
überhaupt nur so viel, als die unzähligen Aufenthalte des Klosterdienstes es
erlaubten (quantum prae innumeris monasticae servitutis retinaculis licuit).
Dafür lag aber auf Allem, was er that, so zu sagen sichtbar der Segen Gottes. Im
Jahre 822 wurde er Abt. Auch als solcher behielt er, ungeachtet vieler
anderweitiger Geschäfte, den Unterricht der Geistlichen bei und wirkte zugleich
belehrend und sittigend auf das ihm untergebene Volk. Dasselbe bestand aus
eingeborenen Franken, aus gewaltsam als Gefangene in diese Gegenden verpflanzten
Sachsen (Nordalbingen) und freiwillig eingewanderten Slaven (Wenden). Muthvoll
und kräftig trat er in seinen Predigten dem Aberglauben, dem Umgang mit Heiden,
der Sonntagsentheiligung, dem Geiz und andern Lastern entgegen. Es sei nicht
genug, wiederholte er oft und eindringlich, dem Namen nach Christ zu sein, man
müsse Christus auch wirklich nachfolgen. Seine kluge Lehrweise und
volksthümliche, keineswegs gesuchte, dem behandelten Gegenstande und der
Zuhörerschaft gleich angemessene, öfter streng tadelnde Beredtsamkeit ist aus
den 64 Homilien, die von ihm noch erhalten sind, ersichtlich. Es ist unmöglich
zu sagen, welche Tugend bei ihm am meisten hervorragte, denn er war Meister und
Vorbild in allen. Bei Allem, was er that und unternahm, litt und ertrug, stand
dem heil. Manne das Bild Jesu vor Augen. Seine Demuth war so groß, daß er sich
gerne ein nutzloses und träges Männchen
(vilem et inertem homunculum), ja wohl
auch den elendesten Menschen,
einen großen Sünder
nannte. So wenig berührten
die Lobeserhebungen, die ihm von allen Seiten entgegen kamen, seine nur für
Gottes Ehre begeisterte Seele! An sich dachte er nur, um sich die ernste
Erwägung vorzulegen, daß wer fünf Talente bekommen habe, aus denselben wieder
fünf andere gewinnen müsse. Eine besonders zarte Verehrung trug er gegen die
Heiligen, sammelte mit vielem Fleiße deren Reliquien und verherrlichte sie in
zahlreichen Gedichten. Suchet Fürsprecher,
sprach er gerne zu den Seinigen,
damit sie euch zu Hilfe kommen!
Er gestand offen und frei, keine höhere Würde
zu kennen, denn als Mönch ein Knecht Gottes zu sein, dem die Liebe in Allem mit
Freuden diene. Unter einem so großen Manne war es ganz natürlich, daß der Name
des Klosters Fulda durch das ganze fränkische Reich und darüber hinaus berühmt
wurde, daß er i. J. 823 dem neu errichteten Kloster Neu-Corvey in der Person
Liutbert's von Fulda einen Abt und mehrere Mönche geben, und i. J. 831 das
Kloster Hirschau mit Mönchen aus Fulda besetzen konnte. Obwohl Trithemius mit
Recht behauptet, daß vor ihm kein deutscher Lehrer eine so hohe Stufe der
Bildung erreichte,
vergaß er nicht, daß es auch in andern Ländern Gelehrte gebe
und holte sich die Schätze des Wissens wo er sie fand. Noch weniger konnte er
auf religiösem und kirchlichem Gebiete ein stolzes Pochen auf Nationalität
ertragen. Die Apostel und Propheten, sagte er, sind von Geburt Juden gewesen,
aber ihr Zeugniß ist trotzdem von Römern und Griechen angenommen worden. Daher
war er dem apostolischen Stuhle so treu und kindlich ergeben, daß die
Magdeburger Centuriatoren ihm den Ehrentitel eines päpstlichen Sklaven
geben
konnten. Der Papst war ihm der Lehrer,
die hehre Liebe des Volkes,
das
Haupt der Kirche,
der erste Patriarch des ganzen Erdkreises,
die Sonne der
Erde, das Licht der Welt, das dem Volke den Weg zum ewigen Lichte zeigt,
der
auf die Erde gesetzte Träger der Himmelsschlüssel, der Stellvertreter des
Apostelfürsten Petrus.
Noch befindet sich zu Fulda eine große kostbar gefaßte
Kreuzpartekel, welche der Papst Sergius II. im J. 844 als Beweis seines
Wohlgefallens an dem Buche vom Lobe des hl. Kreuzes
ihm überschickt haben soll.
In dogmatischen Fragen stellte er sich auf den sichern Boden der Aussprüche der
heil. Väter und jede Abweichung von der überlieferten Lehrweise war und blieb
ihm verdächtig. Sein Gebet war: Leite mich, Herr, so lang ich lebe, auf dem
Wege des wahren katholischen Glaubens.
Schon den Schein der Ketzerei konnte er
nicht ertragen. Jeder Häresiarch
, sagte er, ist ein Antichrist.
Verdächtig
schien ihm jeder, der neue und neu klingende Lehrsätze aufstellte (novitatis
enim praesumtio mater est haereticae pravitatis). Deßwegen lag ihm auch die
Verbreitung des römisch-katholischen Glaubens - einen andern kannte er nicht -
sehr am Herzen. Sein Aufenthalt in der Bulgarei um d. J. 825 kann keinen andern
Zweck gehabt haben, obwohl Näheres über seine Thätigkeit daselbst nicht bekannt
ist. Er schickte i. J. 832 an den Bischof Simon von Schweden ein frommes
Aufmunterungsschreiben für seine apostolischen Arbeiten, und Geschenke, z. B.
Meß- und Chorbücher, Meßgewänder, Kirchengeräthe und Glocken für die von ihm
bereits erbauten Kirchen. Und wie oft und brünstig wird er in dieser Meinung
gebetet und das heil. Opfer dargebracht haben! Neben fast unzähligen
klösterlichen, wissenschaftlichen und geistlichen Beschäftigungen war er überall
thätig, wo seine Beihilfe nöthig war oder gewünscht wurde. Wir finden ihn i. J.
829 auf der SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
zu Mainz und auf dem Reichstage zu Worms; i. J. 831 reiste er
nach Prüm, um mit dem dortigen Abte Marquard einen Gütertausch abzuschließen; i.
J. 835 ist er auf der Versammlung in Diedenhofen (Thionville) und im J. 841 in
Aachen u. s. f. Man wollte den Rath eines so weisen und frommen Mannes nirgends
entbehren. Dazu kamen viele rein zeitliche Geschäfte; die Verwaltung der
Klostergüter, ihre Vertheidigung gegen unrechtmäßige Angriffe, die Ernährung und
Kleidung einer so großen Zahl Mönche - in Fulda selbst waren zu seiner Zeit 250
-, die Bebauung der Ländereien des Klosters kosteten viele Zeit und machten ihm
viele Sorge. Er beendigte den Klosterbau, welchen Eigil
unvollendet gelassen hatte; er ließ auf allen Besitzungen des Klosters größere
Kirchen errichten, stellte sie unter die Obhut von Seelsorgern, und erbaute
außerdem mehr als dreißig kleinere Kirchen (oratoria). Für die Verzierung und
künstlerische Ausschmückung der Gotteshäuser hatte er einen Theil seiner eigenen
Einkünfte angewiesen. Metall- und Steinarbeiten und kostbare Tapeten mit bunten
Farben sind hiebei besonders erwähnt. Dabei pflegte der hl. Abt vorzüglich die
würdevolle Ausstattung der Reliquienschreine und Altäre zu berücksichtigen. Auf
dem Petersberge errichtete er ein neues Kloster und setzte Mönche von Fulda
dahin. Hieher wurde von ihm auch der Leib der heil. Lioba
übertragen. Ebenso schickte er Mönche von Fulda nach Solenhofen und Celle im
Tullifeld. Die Klosterbibliothek bereicherte er der Art, daß er schreiben durfte:
Alles was Gott an heil. Schriften und frommen Reden von der Burg des Himmels
auf den Erdkreis gesendet hat, ist dort zu finden, und ebenso Alles, was die
Weisheit der Welt zu verschiedenen Zeiten in die Welt gebracht hat.
Wie aber
gegen Ratgar die Baulust, so erregte gegen den hl. Rhabanus der Betrieb der
Studien und die strenge Ordenszucht Unzufriedenheit und großen Widerspruch. Ob
diese Verhältnisse allein oder auch die politische Lage ihn zur Abdankung
genöthiget haben, lassen wir dahin gestellt. Er war und blieb dem Kaiser Ludwig
dem Frommen, gegen welchen die eigenen Söhne die Waffen ergriffen hatten, in
Leid und Freud zugethan und er geben. Seine dem Kaiser gewidmete Schrift über
die den Eltern schuldige Ehrfurcht,
sollte den Frieden vermitteln. Ebenso
verhielt er sich nach dem Tode Ludwigs des Frommen i. J. 840 gegen seinen Sohn
und Nachfolger Lothar. Auch als dieser von Ludwig dem Deutschen bekriegt und
geschlagen wurde, hielt er zum Kaiser. Sieg oder Niederlage im Kriege, schrieb
er, können eine Rechtsfrage nicht entscheiden. Erst mit dem Vertrage zu Verdun i.
J. 843 wurde Ludwig der Deutsche rechtmäßiger König, und auch vom hl. Rhabanus
als solcher anerkannt. Diese Anerkennung erfolgte allerdings so spät, daß er vom
Kaiser für jetzt wenig Gunst zu hoffen hatte. Es mag daher wohl sein, daß er, um
von seinem Kloster die Folgen dieser Ungunst abzuwenden, seine Abdankung
bewerkstelligte. Nach dem Wortlaute einiger Chroniken zu schließen, hätte ihn
der Kaiser sogar gewaltsam abgesetzt. *** Mit Sicherheit
darf aber angenommen werden, daß der heil. Abt gerade damals sehnlich wünschte,
der für ihn längst zu schwer gewordenen Bürde entlediget zu werden. Manchen Tag
mußte er zu jener Zeit wegen Krankheit zu Bett liegen und konnte nur wenig
Stunden den Geschäften widmen. In einem Briefe an den Kaiser (Kunstmann, S. 223)
schrieb er: Ich muß viel öfter auf meinem Bettlein liegen, als ich am Pulte
meditiren oder lehren kann.
Er übergab deßhalb im April d. J. 842 die Würde an
seinen Schüler und Freund Hatto (Bonosus), indem er die Stimmen der Brüder auf
diesen lenkte. Nach seiner Abdankung begab er sich zuerst zu seinem Freunde
Haymo, der in Fulda seine Studien
gemacht und vor zwei Jahren den bischöflichen Stuhl zu Halberstadt bestiegen
hatte. Von anderer Seite wird dieses in Abrede gestellt und nur zugegeben, daß
Bischof Haymo für seinen Lebensunterhalt gesorgt habe, während er in tiefster
Zurückgezogenheit vier Jahre auf dem Petersberge lebte. Irrig ist auch, wie
wenigstens Kunstmann behauptet, daß er am Hofe Ludwigs des Deutschen gelebt habe.
Erst im J. 845 finden wir sichere Beweise der geschehenen Wiederaussöhnung. In
dieser Zeit verfaßte er um d.J. 845 zur Verehrung der Heiligen das noch unter
seinem Namen bekannte Martyrologium. (Nach Spengler entstand dasselbe erst i. J.
801.) Im J. 847 wurde er Erzbischof von Mainz. Obwohl der Heilige damals schon
71 Jahr alt war, gab es beim Klerus und Volke keine Stimme, die dieser Wahl
widersprochen hätte. Er verließ also die stille Einsamkeit der klösterlichen
Zelle und empfing am 26. (24.) Juni des genannten Jahres die bischöfliche Weihe.
Von jetzt an wohnte er theils im bischöflichen Hause bei der Domkirche, theils
im Kloster St. Alban oder bei St. Victor außerhalb der Stadt, am liebsten aber
verweilte er in seiner Villa zu Winkel. Er behielt auch als Erzbischof seine
bisherige Lebensweise bei. Weder aß er Fleisch, noch trank er Wein, obwohl die
körperliche Schwäche mit dem Alter stets zunahm. Es schien, als habe er sich
vorgenommen, mit dem Eifer eines Neubekehrten zu wirken. In der That hatte er
ein weit ausgedehntes, mit Unkraut aller Art überwachsenes Arbeitsfeld vor sich
liegen. Schon drei Monate nach seiner Weihe hielt er in der St. Albanskirche auf
den Befehl des Königs Ludwig die mit dem Reichstag dem Herkommen gemäß
verbundene SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
. Unter anderm wurde hier bestimmt: Was zum Glauben gehört,
soll von den Priestern oft gelesen und wohl verstanden werden, damit sie es dem
Volke predigen können
(c. 2.); wer gegen den König, die kirchlichen Würden,
die Obrigkeiten des Staates Verschwörungen, aufrührerische Einverständnisse und
Widersetzlichkeiten macht, soll von der Gemeinschaft der Katholiken
ausgeschlossen werden
(c. 5); sowohl aus den Einkünften jeder Kirche, als auch
aus den freiwilligen Gaben der Gläubigen sollen, wie längst schon mit gutem
Grunde verordnet ist, vier Theile gemacht werden, von welchen der erste dem
Bischof, der andere den Geistlichen, der dritte dem Armen, der vierte den
Bedürfnissen der Kirche zugewendet wird
(c. 10.). Andere Beschlüsse sind gegen
Mönche gerichtet, welche das Gelübde der Armuth verletzen, gegen Klosterfrauen,
die ihre Clausur nicht beobachten, gegen Verwandtenmörder und Kindsmörderinnen,
endlich gegen Priester und Beichtväter, welche Kranke und Sterbende mit zu
großen Bußen belästigen. Ein eigener Canon (31) beschäftiget sich mit der
Erneuerung und Kräftigung der Bußdisciplin im Allgemeinen. Man habe sich
hinsichtlich der Beichtenden zunächst nach den auf Grund der hl. Schrift und der
kirchlichen Gewohnheit erlassenen hinlänglich bekannten alten Vorschriften zu
richten. Kein Priester dürfe für schwere Sünden ohne eigene schwere
Verantwortung leichte Bußen auflegen. Oeffentliche Sünder sollen auch
öffentliche Buße thun, nur bei geheimen Sünden genüge die geheime Buße. Auch sei
darauf zu sehen, daß die Büßer die vorgeschriebene Bußzeit vollständig inne
halten und fortan nicht bloß von bösen Werken, sondern auch von schädlichem
Wohlgefallen sich fern halten, und mit Beiseitelassung des Bösen das Gute
vollziehen, dem Frieden nachstreben und ihn erlangen. Wie streng der heil.
Rhabanus bei Ausführung dieser Beschlüsse verfuhr, sieht man daraus, daß sich
noch im nämlichen Jahre einige KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.
und weltliche Herren gegen sein Leben
verschworen. Die Sache kam aber an den Tag und der Heilige verzieh ihnen in
großmüthigster Weise. Auf einer zweiten von ihm gehaltenen SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
, welche eine
allgemeine deutsche war (W. W. K.-L. XII. 754), und i. J. 852 (851) stattfand,
waren unter seinem Vorsitze die sämmtlichen fränkischen, sächsischen,
alemannischen und bayrischen Bischöfe gegenwärtig. Die Beschlüsse waren vielfach
denen der vorigen SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
gleichartig. Auch wurde die Sache Salomons, Bischofs
von Konstanz, und das Wahlrecht der Mönche von Rheinau verhandelt und eine Ehe
die im vierten Grade der Verwandtschaft geschlossen war, für nichtig erklärt.
Auch die Irrthümer, welche der Mönch Gottschalk über die Gnade und die
Prädestination verbreitet halte, kamen hier zur Verhandlung. Der hl. Rhabanus
war ihm bereits in mehreren Schriften entgegengetreten und erhielt von der
SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
den Auftrag, es neuerdings zu thun. Wenn der Stolz selbst wirklich
Gelehrten den Glauben nehmen kann, so ist es bei Halbgelehrten,
was nach dem
Zeugnisse des heil. Erzbischofs Gottschalk war, noch weniger zu verwundern.
Letzterer übergab eine Schrift, in welcher er sich zu rechtfertigen und seinen
Gegner, den hl. Rhabanus, zu widerlegen bemühte. Es gelang ihm nicht. Die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
ließ den Erzbischof Hincmar von Rheims bitten, dem Gottschalk die weitere
Verbreitung seiner trügerischen Lehre nicht zu gestatten. Schon als Abt war er
mit Gottschalk in Konflikt gekommen, weil dieser die Giltigkeit seiner
Klostergelübde zu bestreiten wagte, aber mit Unrecht hat man hieraus geschlossen,
er habe gegen Gottschalk mit Bitterkeit und Feindseligkeit verfahren. Allerdings
betrachtete er ihn als Ketzer, dem man keine Gelegenheit zum Schreiben noch zum
Sprechen mit Jemanden geben dürfe, bis sein Sinn zur katholischen Lehre wieder
zurückgekehrt sei, aber er verlangte zugleich, daß in dieser Meinung für ihn
gebetet werde. Doch waren selbst Männer wie der hl. Remigius4
(s. d.) von Lyon hierüber anderer Ansicht. Auf der dritten SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
, welche im
folgenden Jahr zu Frankfurt in Gegenwart des Königs Ludwig gehalten wurde,
handelte es sich hauptsächlich um die Rechte des Bischofs von Osnabrück über das
Kloster Herford. Für alle seine Unternehmungen und Anordnungen erhielt er vom
König Ludwig dem Deutschen die kräftigste Förderung und Unterstützung. Mehrere
seiner Werke hat ihm der hl. Erzbischof theils aus eigenem Antriebe, theils auf
ausdrückliche Aufforderung des Königs überreicht. Der unermüdliche Mann hörte
nicht auf zu predigen, zu arbeiten, zu schreiben, bis zu seinem Ende. Wir dürfen
nicht vergessen, daß ein großer Theil seiner Sorgen den Armen gehörte. Schon als
Abt hatte er verordnet, daß jedesmal so oft ein Bruder stürbe, der ihm
zukommende Antheil an Speise und Trank dreißig Tage lang den Dürftigen
verabreicht werden solle. So fühlte und handelte er auch als Erzbischof für die
Armen. Auf seiner Villa zu Winkel, wo er sich gewöhnlich aufhielt, speiste er
während der schrecklichen Hungersnoth d. J. 800 außer denen, die den täglichen
Unterhalt von ihm bezogen, dreihundert Arme. Er reiste mit tauglichen Priestern
im Sprengel umher, hielt Lehr- und Bußpredigten und versöhnte die Reumüthigen
mit Gott. Insbesondere wird aus dem J. 852 die Einweihung der neuen, vom König
Ludwig erbauten Kirche zu Hersfeld berichtet. Die zeitlichen Angelegenheiten des
Bisthums konnte er persönlich nicht selbst besorgen, legte sie aber in taugliche
Hände. Wir haben schon bemerkt, daß er in den letzten Jahren, was bei seinem
hohen Alter und seiner strengen unermüdet thätigen Lebensweise nicht zu
verwundern ist, öfter krank und bettliegerig war. Der hl. Rhabanus starb am 6.
Febr. d. J. 857 auf seiner Villa zu Winkel. Die näheren Umstände seines Todes
sind nicht auf uns gekommen. Trithemius erzählt, ein Engel Gottes habe ihm seine
bevorstehende Auflösung verkündet. Alsbald stärkte er sich mit den hl.
Sterbsacramenten auf den Weg in die Ewigkeit und verfügte über seine Bücher,
wahrscheinlich sein einziger Besitz, die er theils nach Fulda, theils dem
Kloster St. Alban schenkte. Während er betend den Geist aufgab, hörte man den
Engelsgesang: Dieser Gerechte wird bei den Menschen in Ehren bleiben, und wird
jetzt zur Freude der Engel geführt.
Die von ihm selbst herrührende Grabschrift
mit einem kurzen Inhalt seines Lebens ist noch erhalten. Seine Verehrung als
Heiliger ist durch alle Jahrhunderte bezeugt, und vom päpstlichen Stuhle
bestätiget. Seine irdischen Reste genossen lange Zeit hindurch die Verehrung des
gläubigen Volkes. Sie ruhten in der Martinskapelle des St. Albansklosters. Im J.
1515 kamen die Reliquien durch den Erzbischof Albrecht von Brandenburg nach
Halle, wo er gewöhnlich Residenz hielt. Sie wurden daselbst in der Morizkirche
in einem übersilberten Sarge beigesetzt, in den nachfolgenden Kirchenstürmen
aber sind sie ganz in Vergessenheit gerathen, so daß man bis zur Stunde nichts
mehr von ihnen weiß. Auch zu Fulda, wohin sein Gehirn und die Eingeweide
gebracht worden waren, ist nichts mehr davon vorhanden. Eine porträtähnliche
Abbildung des Heiligen befindet sich in Kunstmann's Monographie. In dem Mainzer
und im Limburger Proprium stand der hl. Rhabanus seit dem Anfang des 17. Jahrh.
als Kirchenlehrer. Jetzt erinnert nur mehr die Oration an diesen Ehrentitel.
Wenn auch derselbe beim öffentlichen Gottesdienste ohne die Gutheißung der
Gesammtkirche und ihres Oberhauptes unzulässig ist, so hindert doch nichts, daß
der einzelne Christ ihn mit demselben verherrliche. Er hat ihn tausendmal
verdient. Die Allseitigkeit seiner Bildung, die Kenntniß der kirchlichen
Schriftsteller, der heil. Väter und der Klassiker, und die Gewandtheit, womit er
in allen Gegenständen des menschlichen Wissen zu schreiben verstand, erwarben
ihm schon bei Lebzeiten den Beinamen: Rüstkammer der Wissenschaft
(armarium
scientiae). Unter den über ihn erschienenen Schriften nennen wir: Bach, Rabanus
M., der Schöpfer des deutschen Schulwesens, Fulda 1835. Kunstmann, Hrab.
Magnentius Maurus, Mainz 1841, und Spengler, Leben des hl. Rhabanus Maurus.
Regensb. 1806. Die beiden letzten Schriften sind in obiger Skizze vorzugsweise
benutzt.
* Diese Beinamen schützen den aufmerksamen Benedictiner Rabanus Anieusis
** So liest man im Proprium der Mainzer Kirche.
*** So sagt z. B. (Kunstmann, S. 94) Lambert von Aschaffenburg: Lotharius expulsus est a regno et Hraban, abbas de monasterie.

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