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Ökumenisches Heiligenlexikon

Dionysia von Tunis und Gefährten

Gedenktag katholisch: 6. Dezember

Gedenktag orthodox: 6. Dezember

Name bedeutet: dem (griechischen) Gott Dionysos geweiht (latein./griech.)

Märtyrer (?) / Bekenner
* in Tunesien
† 6. Dezember um 484 in Karthago, heute Vorort von Tunis in Tunesien


Andachtsbild
Andachtsbild

Dionysia, der Überlieferung zufolge von seltener Schönheit, wurde unter Vandalenkönig Hunerich öffentlich gefoltert weil sie sich weigerte, sich zur Irrlehre des Arianismus zu bekennen; mit ihr wurden deshalb auch andere gefangen genommen, darunter ihr einziger Sohn Majoricus. Er erlebte die Qualen seiner Mutter mit großem Erschrecken, sie aber tröstete ihn und ermunterte ihn; das geschah so eindrücklich, dass er sich schließlich freiwillig als erster zur Hinrichtung meldete und getötet wurde. Dionysia dankte Gott mit lauter Stimme für die Gnade seines Martertodes und beerdigte ihn in ihrem eigenen Haus.

Am selben Tag starb auch Dionysias Tochter Dativa, die bei lebendigem Leib verbrant wurde. Ebenfalls getötet wurden Dionysias Vetter, der Arzt Æmilius (Æmilian), und der Mönch Tertius, indem ihnen bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde. Leontia, die Tochter von Bischof Germanus von Pederodiana, und Bonifatius, der Bischof von Sicilibba bei Medjez el Bab - bekamen bei lebendigem Leib die Eingeweide herausgerissen. 1

Reste des Kapitols in den Ruinen von Thuburbo Majus
Reste des Kapitols in den Ruinen von Thuburbo Majus

Der Jüngling Servus (Servius, Severus), wurde ebenfalls zu jener Zeit von den Vertretern des Arianismus in Thurbobo, also Thuburbo Majus - die heutigen Ruinen bei El Fahs - oder Thuburbo Minus - das heutige Tebourba - noch grausamer gemartert: man schleifte ihn über Kieselsteine, bis ihm das Fleisch vom Leib hing und er bis auf die Rippen hin entblößt war.

Victrix (Victoria), eine junge Mutter, wurde in Cucus - einem unbekannten Ort - ebenfalls Qualen ausgesetzt weil sie gegenüber dem Arianismus standhaft blieb. Von ihr wird erzählt, dass sie in die Höhe gehängt und dann durch Feuer gemartert wurde, um nicht schwach zu werden und zur Verleugnung des rechten Glaubens verleitet zu werden, wandte sie ihren Blick von ihren weienden Kindern ab und verschloss ihre Ohren. Als die Folterer sie für tot hielten und sie begraben wollten, kam sie zu sich und erzählte, es sei ihr eine Jungfrau erschienen und habe sie durch die Berührung ihrer Glieder geheilt.

Servus und Victrix sowie ein namenloser Weiterer starben nicht an den Foltern, deshalb werden sie als Bekenner verehrt. Æmilius' / Æmilians Reliquien werden seit dem späten Mittelalter in Neapel in der Kirche Santi Pellegrino ed Emiliano verehrt, wohin sie von ins Exil flüchtenden Afrikanern gebracht wurden. Ende des 14. Jahrhunderts wurde er dort zusammen mit Peregrinus / Pellegrinus zum Schutzpatron der Apotheker und zum Gedenken an die Befreiung von der Pest diese Kirche erbaut.

Die Nachrichten über diese Standhaften stammen von Victor von Vita aus seiner Geschichte der Verfolgungen in Afrika in Zeiten der Vandalenkönige Geiserich und Hunerich. Ihre Geschichte erinnert stark an jene von Liberatus und Gefährten.

1 Eigentlich vermieden es die Vandalen, Katholiken zu töten, um deren Verehrung als Märtyrer zu vermeiden.

Die verschiedenen Ausgrabungsstellen in Karthago sind täglich von 8 Uhr bis 19 Uhr, im Winter nur von 9 Uhr bis 17 Uhr, zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt beträgt für alle zusammen 4 €. (2020)
Das Archäologische Nationalmuseum von Karthago ist täglich von 8 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, zum Eintritt berechtigt das og. Sammelticket. (2020)
Das Gelände und das frühchristliche Museum in Karthago sind verschlossen ohne weitere Information, auch die Webseite meldet nur fermé. (2020)
Die Ausgrabungsstätte Thuburbo Majus ist täglich von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt beträgt 2,60 €. (2020)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 20.03.2020

Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 1. Band: A-D. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler und Franz Joseph Heim, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung, Augsburg, 1858
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XV, Herzberg 1999
• http://www.katolsk.no/biografier/historisk/dionysia
• https://pleiades.stoa.org/places/315153

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.