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Ökumenisches Heiligenlexikon

Friedrich Ozanam

eigentlich: Antonius-Friedrich
französischer Name: Antoine-Frédéric
italienischer Name: Federico

Gedenktag katholisch: 8. September
nicht gebotener Gedenktag bei den Vinzentinern / Lazaristen und den Barmherzigen Schwestern: 9. September

Name bedeutet: A: der vorne Stehende (latein.)
F: der Friedensreiche (althochdt.)

Gründer
* 23. April 1813 in Mailand in Italien
† 8. September 1853 in Marseille in Frankreich


Briefmarke der französischen Post aus dem Jahr 1999, Designer Yves Beaujard
Briefmarke der französischen Post aus dem Jahr 1999, Designer Yves Beaujard

Antonius-Friedrich Ozanam war der Sohn französischer Eltern; seine Vorfahren waren vom Judentum zum Katholzismus konvertiert. Ozanams Vater war zunächst Offizier der französischen Armee, dann ging er nach Mailand, wo er als Armenarzt bekannt wurde: er behandelte viele seiner Patienten kostenlos. 1815 kam Friedrich mit seinen Eltern in deren Heimatstadt nach Lyon, von wo er 1831 nach Paris übersiedelte. Er studierte zunächst Jura, schloss diese Ausbildung 1836 als Dr. jur. ab, dann Literaturwissenschaft und arbeitete ab 1837 als Professor für Handelsrecht in Lyon; 1839 promovierte er zum Dr. phil.

Bereits in seiner Studienzeit griff Ozanam die Gedanken von Vinzenz von Paul auf und gründete 1833 die caritative studentische Konferenz Norte Dame, die später den Namen Vinzenz-Konferenz annahm. Als Führer der katholischen Studentenschaft forderte er zeitnahe religiöse Bildung und die Zulassung von Laien zum priesterlichen Dienst. An der Schwelle des Industriezeitalters war er einer der ersten, der planvoll gemeinschaftliche Hilfe für Notleidende organisierte; er verankerte die von Vinzenz von Paul begründete Hilfe für notleidende Nächste wieder als allgemeine christliche und gesellschaftliche Aufgabe im Bewusstsein seiner Zeit. Gerade die Kirche sei dazu berufen, sich energisch der Schwächeren anzunehmen. Die Prinzipien der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - erschienen ihm als der vollendete Ausdruck der Forderungen des Evangeliums.

Im Juni 1841 heiratete Ozanam Marie-Joséphine Soulacroix, die Tochter des Rektors der Universität Lyon, im selben Jahr wurde er Titularprofessor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Sorbonne in Paris, 1844 ordentlicher Professor für auswärtige Literatur an derselben Universität. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten befasste er sich unter anderem mit Dante, Italiens Franziskanerdichtern und dem Nationalcharakter der Deutschen. 1852 musste er diese Tätigkeit wegen seiner angegriffenen Gesundheit aufgeben, ein Jahr danach starb er im Alter von nur 40 Jahren.

Ozanams Einfluss führte in ganz Europa und darüber hinaus zum Aufbau caritativer Einrichtungen. In Deutschland wurde der Vinzenz-Verein zum Beginn der organisierten Caritas. 2013 arbeiteten in Österreich 113 Vinzenzgemeinschaften mit 1200 Mitgliedern arbeiten im Sinne von Fréderic Ozanam für bedürftige Menschen in unterschiedlichsten Einrichtungen.

Kanonisation: 22. August 1997 erfolgte in der Kathedrale Notre Dame in Paris beim Weltjugendtag die Seligsprechung Ozanams durch Papst Johannes Paul II.

Worte des Seligen

Eine Hilfe, die demütigt und eine Hilfe, die Ehre erweist (1848):
Wir glauben, dass es zwei Arten der Hilfe gibt. Die eine demütigt diejenigen, die Hilfe empfangen und die andere erweist ihnen Respekt. Nicht nur allein die Regierung, alle ehrenhaften Menschen, die sich aus Gründen der Religion oder der Humanität dem Dienst an den Armen in so schwierigen Zeiten widmen, müssen zwischen diesen beiden Arten, den Menschen zu Hilfe zu kommen, wählen.
Ja, die Hilfe demütigt, wenn sie den Menschen von unten betrachtet und nur auf seine irdischen Bedürfnisse schaut, wenn sie nur die körperlichen Leiden berücksichtigt, den Schrei des Hungers und der Kälte, das was Mitleid erregt, dem man Hilfe bringt auch bei den Tieren: denn [auch] die Indianer haben Hospitäler für die Hunde, und das englische Gesetz erlaubt nicht ungestraft, die Pferde schlecht zu behandeln. Die Hilfe demütigt, wenn sie nicht Elemente der Gegenseitigkeit aufweist, wenn ihr euren Brüdern nur ein Stück Brot, ein Kleidungsstück, eine Handvoll Stroh gebt, Dinge, die ihr wahrscheinlich nie eurerseits erbitten werdet, wenn man euch in die für ein rechtschaffenes Herz schmerzhafte Notlage versetzt, nur zu empfangen, ohne zurückzugeben. …
Aber die Hilfe erweist Ehre, wenn sie den Menschen als höheres Wesen betrachtet, wenn sie sich zuerst einmal mit seiner Seele beschäftigt, mit seiner religiösen, moralischen und politischen Erziehung, mit allem, was ihn von seinen Leiden befreit und einem Teil seiner Bedürfnisse, mit all dem, was ihn frei macht, und all dem, was ihm Größe verleihen kann. Die Hilfe erweist Ehre, wenn sie mit der Not, der sie abhilft, einen Besuch verbindet, der tröstet, einen Rat, der erhellt, sowie einen Händedruck, der der Mutlosigkeit wieder aufhilft; wenn sie den Armen mit Respekt behandelt. nicht nur wie einen Gleichberechtigten, sondern wie einen Vorgesetzten, denn er leidet das, was wir selber gar nicht erleiden könnten, weil er unter uns wie ein Gesandter Gottes ist, um unsere Gerechtigkeit und unsere Liebe zu erproben und uns durch unsere Werke Heil zu verschaffen.
Dann wird die Hilfe ehrenvoll, weil sie auf Gegenseitigkeit beruhen kann, weil jeder, der heute ein Wort, einen Rat, einen Trost schenkt, morgen schon ein Wort, einen Rat, einen Trost nötig haben kann, weil die Hand, die ihr drückt, wiederum eure drücken kann, weil diese bedürftige Familie, die ihr geliebt habt, wiederum euch lieben wird, und weil sie mehr als entschädigt wird, wenn dieser Greis, diese fromme Familienmutter, diese kleinen Kinder für euch gebetet haben.
Deswegen stellt die Christenheit die geistlichen Werke der Barmherzigkeit über die leiblichen, deswegen fordert sie, dass erstere die zweiten begleiten sollen. ... Deswegen schließlich hat die Kirche einer derartigen Hilfe, die sie wünschte, den schönen Name der Caritas gegeben, den man nicht zurückweisen darf, wie es allzu oft geschehen ist, ein Name, der mehr ausdrückte, als der so populäre Name der Brüderlichkeit: denn nicht alle Brüder lieben sich, und Caritas bedeutet Liebe.

Quelle: Œuvres choisies de A. F. Ozanam. Paris 1850, S. 328, 330; eigene Übersetzung

Zitate von Friedrich Ozanam:

Sie werden die Stunde segnen, in denen es ihre Sorge war, Unglücklichen zu helfen.

Die Frage, welche die Menschen unserer Tage scheidet, ist …, ob die Gesellschaft nur eine große Ausbeutung zum Vorteil der Stärkeren oder die Aufopferung des Einzelnen für das Wohl aller, besonders für den Schutz der Schwachen, sein wird … Auf der einen Seite steht die Macht des Geldes [im Kapitalismus], auf der anderen die der Verzweiflung [im Kommunismus].

Ich bin immer ein leidenschaftlicher Anhänger der Freiheit gewesen, der legitimen Volksbewegung und aller Reformen, die auf die Menschen veredelnd und erhaben wirken, sowie jener Lehren der Gleichheit und Brüderlichkeit, die doch nur den Triumph des Evangeliums in den zeitlichen Angelegenheiten bedeuten.

Niemals hat das arme Volk größere Dichter gehabt als an den Männern, die es gelehrt haben, mit seinem Los zufrieden zu sein, die den Spaten auf den Schultern des Ackermanns leichter machten und Hoffnungsstrahlen in die Hütte des Webers warfen.

Quelle: https://gutezitate.com/zitat/165042

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

  Der zeitgenössische Pfarrer und Künstler Sieger Köder hat im Saal der Pfarre St. Vinzenz in Graz in Österreich mit einem großen Wandbild Ozanam und sein Engagement für die Armen dargestellt.

  Die Vinzenzgenmeinschaften in Österreich haben eine schöne schöne Webseite über ihre Aktivitäten.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 26.11.2019

Quellen:

• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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