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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hermas von Rom

auch: Hermes

Gedenktag katholisch: 1. März

Gedenktag syrisch-orthodox: 8. März

Name bedeutet: die Stütze / Götterbote der griech. Mythologie (griech.)

Schriftsteller (?)
* in Israel (?)
† 162 (?) in Rom


Hermas, der als Bruder des römischen Bischofs Pius I. gilt, kam als junger Sklave nach Rom und wurde dort an eine Frau namens Rhode verkauft, die ihn später freiließ. Er war getaufter Christ, war verheiratet und hatte Kinder, die ebenfalls getauft wurden, während einer Verfolgung aber vom Glauben abfielen. Ihm erschien der Überlieferung zufolge ein Engel in der Gestalt eines Hirten, deshalb gilt er als Verfasser des bekannten Erbauungsbuches mit dem Titel Pastor, Hirte; dazu soll er ein Buch über die Osterfeier geschrieben haben.

Der Hirte des Hermas, der für die Entwicklung der Bußpraxis in der Kirche wichtig wurde, enthält fünf Visionen, zwölf Gebote und zehn Gleichnisse, in denen Hermas aufgrund seiner Erfahrung der eigenen Sündhaftigkeit – so berichtet er, dass er seine Herrin Rhode begehrte, nachdem er sie beim Bad im Tiber gesehen hatte – über das Thema der Sündenvergebung und Buße nachdenkt. In der Urkirche war die Taufe die einzige Möglichkeit zur Umkehr; im zweiten Jahrhundert, als die Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi nachließ und andererseits erste Christenverfolgungen zum zeitweiligen Abfall vom Glauben führten, wurde begonnen, über eine Möglichkeit der Buße nach der Taufe nachzudenken. Hermas räumte – formuliert als göttliche Offenbarung – die Möglichkeit einer einmaligen Buße nach schwerer Sünde ein - möglicherweise als schriftliche Fixierung einer Praxis, die in der Kirche bereits Einzug gehalten hatte. Dies wurde dann so bis ins 5. Jahrhundert praktiziert: Wer nach der Taufe eine schwere Sünde beging, hatte einmal im Leben die Möglichkeit zu öffentlicher Buße in der Kirche und wurde dann wieder in die christliche Gemeinde aufgenommen. Für lässliche Sünden entwickelte sich die private Ohrenbeichte, die sich ab dem 5. Jahrhundert auch für schwere Sünden durchsetzte. Hermas schrieb in einfachem Griechisch mit hebräischen Anklängen, was auf eine jüdische Herkunft schließen lässt; er scheint keine höhere Bildung noch große theologische Kenntnisse gehabt zu haben.

In seinem Schreiben Misericordia et misera, Barmherzigkeit und Mitgefühl, zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit 2015/2016 zitierte Papst Franziskus aus dem „Hirten des Hermas“:
Ergib dich also der Fröhlichkeit, die allezeit Gnade findet bei Gott und ihm wohlgefällig ist, und lass dir's in ihr wohl sein! Denn jeder fröhliche Mann tut Gutes, sinnt auf Gutes und verachtet die Traurigkeit … Alle werden Leben haben bei Gott, die der Traurigkeit absagen und sich allein der Fröhlichkeit ergeben.

Der Hirte des Hermas genoss in einigen frühchristlichen Gemeinden so großes Ansehen, dass das Buch dort zum Neuen Testament gezählt und in der Liturgie verwendet wurde. Ob seiner Bedeutung wird sein verfasser zu den Apostolischen Vätern gezählt. Der Kanon Muratori, das Verzeichnis biblischer Schriften aus dem 8. Jahrhundert, ordnete das Werk als apokryph ein - als lesenswerte Schrift, die aber nicht für den liturgischen Gebrauch geeignet ist.

In den Orthodoxen Kirchen gilt Hermas als einer der 70 Jünger Jesu, der im 1. Jahrhundert starb.

Worte des Heiligen

Hermas gibt in seiner Schrift Kriterien zur Unterscheidung der Geister an. Der Engel der Gerechtigkeit steht hier für die guten Gedanken, der Engel der Schlechtigkeit für die unguten Gedanken im Menschen. Der Apostolische Vater schreibt:

Zwei Engel sind beim Menschen, einer der Gerechtigkeit und einer der Schlechtigkeit. … Der Engel der Gerechtigkeit ist zart, schamhaft, milde und ruhig. Wenn sich nun dieser in deinem Herzen regt, spricht er sogleich mit dir über Gerechtigkeit, Keuschheit, Heiligkeit, Genügsamkeit, über jegliche gerechte Tat und über jede rühmliche Tugend. Wenn sich all dies in deinem Herzen regt, dann wisse, dass der Engel der Gerechtigkeit mit dir ist. Denn das sind die Werke des Engels der Gerechtigkeit. Diesem also vertraue und seinen Werken.
Betrachte nun auch die Werke des Engels der Schlechtigkeit: Er ist vor allem jähzornig, verbittert und unverständig, seine Werke sind böse und verführen die Diener Gottes. Wenn sich also dieser in deinem Herzen regt, dann erkenne ihn an seinen Werken. … Wenn ein Jähzorn an dich kommt oder eine Erbitterung, dann wisse, dass er in dir ist. Ferner wenn Begierden kommen, allerlei zu treiben, und mannigfache Ausgaben für reichliche Tafelgenüsse, häufiges und übermäßiges Trinken, für allerlei Leckerbissen und unnötige Dinge, Begierden nach Frauen und Reichtümern, ein übermäßiger Stolz und Prahlerei, und alles, was diesen verwandt und ähnlich ist. Wenn also derlei Gedanken in deinem Herzen aufsteigen, dann wisse, dass der Engel der Schlechtigkeit in dir ist. Wenn du dann seine Werke erkannt hast, dann sage dich los von ihm und vertraue ihm nicht, weil seine Werke schlecht und den Dienern Gottes schädlich sind.
Nun hast du die Wirkungen beider Engel gesehen. Lerne sie kennen und vertraue dem Engel der Gerechtigkeit. Vom Engel der Schlechtigkeit sage dich los. Seine Lehre ist schädlich in jedem Stück. Wenn nämlich jemand ein gläubiger Mann ist und die Gesinnung dieses Engels in sein Herz dringt, dann muss dieser Mann oder diese Frau einen Fehltritt tun.
Wenn dagegen einer ein ganz böser Mann oder eine ganz böse Frau ist und in sein Herz die Werke des Engels der Gerechtigkeit dringen, dann muss er notgedrungen etwas Gutes tun. Du siehst also, dass es gut ist, dem Engel der Gerechtigkeit zu folgen und sich von dem der Schlechtigkeit abzukehren. So viel eröffnet dieses Gebot über den Glauben, damit du den Werken des Engels der Gerechtigkeit vertraust und sie erfüllst und so in Gott lebst. Glaube aber, dass die Werke des Engels der Schlechtigkeit böse sind, tue sie nicht, und du wirst leben in Gott.

Quelle: Der Hirte des Hermas. In: Die apostolischen Väter, aus dem Griechischen übersetzt von Franz Zeller. = Bibliothek der Kirchenväter Nr. 35, München 1918, S. 212 - 214

Zitat von Hermes:

Wirf weg von dir allen Zweifel und jegliches Bedenken, etwas vom Herrn zu erbitten, indem du bei dir sprichst: Wie kann ich etwas vom Herrn erbitten und erlangen, da ich so gegen ihn gesündigt habe? Mach dir darüber keine Gedanken, sondern wende dich von ganzem Herzen an deinen Herrn, und du wirst seine Barmherzigkeit kennenlernen. Denn Gott ist nicht wie die Menschen, die Böses nachtragen, vielmehr verzeiht er und erbarmt sich seines Geschöpfes. Reinige also dein Herz von allen Eitelkeiten dieser Welt, auch von den oben erwähnten Bedenken; dann flehe zum Herrn, und du wirst alles erhalten. Keine deiner Bitten wird fehlschlagen, wenn du sie vertrauensvoll an ihn richtest. Wenn du aber zweifelst in deinem Herzen, wirst du keine Bitte erfüllt sehen. Den Zweiflern wird überhaupt keine ihrer Bitten gewährt. Aber die Vollkommenen im Glauben bitten um alles im Vertrauen auf den Herrn und erhalten es, weil sie mit Vertrauen bitten, frei von allem Zweifel. Denn es wird schwerlich geschehen, dass ein Zweifler sein Heil findet, wenn er sich nicht bekehrt. Reinige also dein Herz vom Misstrauen, gürte dich mit dem Glauben, denn er ist stark, und vertrau zu Gott, dass du alles, um was du ihn bittest, erlangen wirst.

Quelle: Der Hirte des Hermas. In: Die apostolischen Väter, aus dem Griechischen übersetzt von Franz Zeller. = Bibliothek der Kirchenväter Nr. 35, München 1918, S. 216f

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 14.10.2019

Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 2. Band: E-H. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1861
• https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/1-Maerz-Der-Wochenheilige-Der-heilige-Hermas-von-Rom;art312,186351

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.