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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johann Albrecht Bengel

Gedenktag evangelisch: 2. November

Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
A: durch Adel glänzend (althochdt.)

Theologe, Prälat
* 24. Juni 1687 in Winnenden in Baden-Württemberg
† 2. November 1752 in Stuttgart in Baden-Württemberg


Johann Albrecht Bengel war Sohn eines Pfarrers und mütterlicherseits Urgroßenkel von Johannes Brenz. 1693 starb sein Vater. Bengel wuchs nun im Hause des Präzeptors David Wendelin Spindler in Marbach auf. Beim Einfall französischer Soldaten verlor die Familie Haus und Vermögen, zog nach Schorndorf, wo er die Lateinschule besuchte, aber wieder unter den Folgen des Krieges zu leiden hatte, schließlich 1699 nach Stuttgart. Bengel erhielt eine gute Ausbildung; von 1703 bis 1706 studierte er im Stift in Tübingen Theologie und lernte die erbauliche Literatur von Johann Arndt, Johann Gerhard und August Hermann Francke kennen - letzteren besuchte er 1713 auf einer längeren Reise. 1707 bis 1712 war Bengel als Vikar und Repetent am Tübinger Stift tätig.

1713 wurde Bengel zum Leiter der Klosterschule in Denkendorf berufen. Dort sollte er zwölf- bis vierzehnjährige Schüler jeweils zwei Jahre lang auf ihr Theologiestudium an der Universität vorbereiten, er unterrichtete die alten Sprachen, Mathematik, Geschichte und Logik. Im selben Jahr heiratete er Regina Seeger; dem Paar wurden zwölf Kinder geboren, von denen sechs früh starben. In 28 Jahren als Denkendorfer Klosterpräzeptor prägte Bengel viele Jahrgänge zukünftiger württembergischer Theologen, mit denen er lebenslang in enger Verbindung blieb, unter anderen Philipp Friedrich Hiller und Johann Flattich.

Kloster in Denkendorf
Kloster in Denkendorf

Bengel litt schon während seines Theologiestudiums darunter, dass der Text des griechischen Neuen Testamentes schlecht überliefert war. Seit 1715 befasste er sich unter schwierigsten Bedingungen mit Quellenstudien, ordnete verschiedene Handschriften, verglich die teilweise voneinander abweichenden Textüberlieferungen. Nach jahrelanger Fleißarbeit konnte er 1734 bei Cotta in Tübingen ein griechisches Neues Testament herausgeben, in dem neben dem traditionellen Text auch Varianten abgedruckt waren, er wurde damit zum Begründer der wissenschaftlichen Textkritik. Wie genau Bengel damals gearbeitet hat, kann man daran ermessen, dass von den 149 neuen Lesarten, die er vorgeschlagen hatte, heute nur 20 nicht anerkannt sind. Zu den wichtigen Entdeckungen Bengels gehört die, dass der Schlusssatz des Vaterunsers, Matthäusevangelium 6, 13 denn dein ist das Reich … nicht zum ursprünglichen Textbestand gehört, sondern aus der altkirchlichen Gebetspraxis eingeflossen ist.

Pfarrhaus in Herbrechtingen
Pfarrhaus in Herbrechtingen

1741 wurde der stets kränkliche Bengel Prälat in Herbrechtingen - ein Amt, in dem er nur wenige Aufgaben hatte; berühmt wurden hier seine regelmäßigen Erbauungsstunden. 1742 erschien sein Meisterwerk Gnomon Novi Testamenti, Fingerzeig für das Neue Testament mit geistvollen Bemerkungen zu den einzelnen Versen des Bibeltextes, eine durchgehende Erklärung des Neuen Testamentes, in der sich die Frömmigkeit des Pietismus, Lebenserfahrung und wissenschaftliche Tiefe miteinander verbanden. Der Gnomon ist Frucht einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem Neuen Testament, bei der Bengel jedes Wort als Gottes Botschaft auf sich selbst bezogen hat. Er wollte aber anderen nicht Eigenes mitzuteilen, sondern nur das, was in der Schrift selbst liegt, zeigen. Diese führt die heilsamen Kräfte mit sich. Bengels Gnomon wurde 1755 durch John Wesley ins Englische übersetzt, das Werk erfuhr bis ins 20. Jahrhundert zahlreiche Neuauflagen.

Bengels besonderes Interesse galt der Offenbarung des Johannes und der Deutung der darin genannten Zahlen. Ausgehend von der Zahl 666 in Offenbarung 13, 18 beschäftigte er sich seit 1724 eingehend mit den Zahlenangaben der Bibel. Bengel wollte daraus eine zeitliche Ordnung des Heilsplanes Gottes mit der Welt erschließen. In verschiedenen Veröffentlichungen zwischen 1740 (Erklärte Offenbarung Johannis) und 1747 (Erbauliche Reden über die Offenbarung Johannis) entwickelte er eine heilsgeschichtliche Konzeption; eine exakte Berechnung der Zeit vom Beginn der Schöpfung bis zum Ende der Welt legte er 1741 in Ordo temporum, Ordnung der Zeiten, vor; im Cyclus, Kreis, von 1745 verband er astronomische Berechnungen mit seiner biblischen Zeitenlehre.

Wie schon Joachim von Fiore berechnete Bengel den Anbruch eines ersten 1000-jährigen Reiches Christi mit Verwirklichung der herrlichen Kirche auf Erden nach Offenbarung 20, 2, in dem Friede und Fruchtbarkeit herrschen und Israel sowie die Heiden zum Christentum bekehrt werden. 1731 errechnete er das Jahr 1742, ein Jahr später das Jahr 1809, schließlich endgültig den 18. Juni 1836 - dieses Datum gewann im württembergischen Pietismus große Bedeutung: Manche Schwaben verließen darauf ihre Heimat, um insbesondere im Osten Europas und im Heiligen Land dem Kommenden nahe zu sein.

Kirche, Klostergebäude und Pfarrhaus in Alpirsbach
Kirche, Klostergebäude und Pfarrhaus in Alpirsbach

Ab 1747 gehörte Bengel der Landschaft, dem Landtag an, wo er zusammen mit anderen Widerstand gegen den absolutistischen Kurs von Herzog Karl Eugen leistete. 1749 wurde er Prälat in Alpirsbach und Mitglied der Kirchenleitung, des Konsistoriums in Stuttgart, wo er für die Tolerierung der pietistischen Privatversammlungen eintrat. Posthum erschien 1753 seine Übersetzung des Neuen Testamentes.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.09.2015
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen: