Ökumenisches Heiligenlexikon

Julian II. von Toledo

spanischer Name: Julián


Julian war ein Schüler von Eugen II. von Toledo, ausgebildet in der Domschule der Stadt. Als KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. nahm er 675 am 11. Konzil von Toledo teil. 680 wurde er zum Erbischof gewählt und hatte in diesem Amt den Vorsitz beim 12. Konzil von Toledo 681, das den Primat des Bischofs von Toledo im Westkirchenrat festschrieb, sowie beim 13. und beim 14. Konzil von Toledo, das Auseinandersetzungen mit Rom in der Frage des Monotheletismus beilegte, schließlich beim 15. Konzil von Toledo.

Julian reformierte die damals noch westgotisch geprägte Liturgie und verfasste selbst zahlreiche liturgische Texte. Von ihm sind 17 Schriften erhalten, darunter Prognosticon futuri saeculi, Vorhersage der künftigen Welt, in der Fragen der Eschatologie in Dialogform dargeboten werden, und De comprobatione sextae aetatis, Über die Anerkennung des sechsten Zeitalters als Verteidigung des Christentums gegen die Juden; darüber hinaus stammen von ihm Schriften zum Streit um den Monotheletismus, zur Harmonisierung von Widersprüchen in der Bibel, die Chronik eines Krieges der Westgoten und eine Biografie von Ildefons von Toledo, dazu verschiedene Gedichte.

Reliquienkasten für Julian und Serranus von Oviedo in der „Camera Santa” der Kathedrale in Oviédo
Reliquienkasten für Julian und Serranus von Oviedo in der Camera Santa der Kathedrale in Oviédo

Reliquien von Julian ruhen in der Camera Santa der Kathedrale in Oviédo. In Toledo ist ihm heute in einem Vorort eine moderne Kirche geweiht.

Worte des Heiligen

Bischof Julianus setzt sich in seinem Werk Antikeimenon, scheinbare Widersprüche, mit der Frage auseinander, wie widersprüchlich scheinende Aussagen im Alten TestamentWir verwenden den Begriff Altes Testament, wissend um seine Problematik, weil er gebräuchlich ist. Die hebräische Bibel, der „Tanach” - Akronym für „Torah” (Gesetz, die fünf Bücher Mose), „Nevi'im” (Propheten) und „Kethuvim” (Schriften) - hat aber natürlich ihre unwiderrufbare Bedeutung und Würde. (Buch 1) und Neuen Testament (Buch 2) zu verstehen und zu vereinbaren sind:

Frage 2: Wenn der Herr uns im Evangelium (Matthäusevangelium 6, 13) zu beten lehrt: Führe uns nicht in Versuchung, wie kommt es, dass der Apostel Jakobus gleichsam das Gegenteil verkündet zu haben scheint, wenn er sagt: Selig der Mann, der eine Versuchung erfährt (Jakobusbrief 1, 13), und auch was anderswo geschrieben steht: Jeder Mann, der nicht versucht wurde, ist auch nicht erprobt (vgl. Jesus Sirach 34, 9 - 11)?
Antwort: Dass eine Versuchung, die erprobt Nutzen bringt, aber nicht eine, die in Versuchung führt, wer von den Gläubigen wüsste das nicht? Denn darüber äußert sich Cassian folgendermaßen: Führe uns nicht in Versuchung bedeutet nicht, dass du nicht zulässt, dass wir einmal versucht werden, sondern dass du nicht zulässt, dass wir in der Versuchung besiegt werden. Denn Hiob wurde versucht, aber nicht in Versuchung geführt. Versucht wurden auch Abraham und Joseph, aber keiner wurde in Versuchung geführt, denn keiner von ihnen gewährte dem Versucher Zustimmung. Es folgt ja: Sondern befreie uns von dem Bösen, das bedeutet: Lass uns nicht vom Teufel über unser Vermögen versucht werden, sondern ermögliche mit der Versuchung auch, dass wir standhalten können!

Frage 20: Wenn der Herr unter anderem sagt: Wenn einer nicht seine Gattin hasst, kann er nicht mein Jünger sein (Lukasevangelium 14, 26), wie kann dann Paulus offensichtlich das Gegenteil fordern: Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt hat (Epheserbrief 5, 25)? Fordert also der Verkünder etwas anderes als der Richter? Oder können wir gleichzeitig sowohl hassen wie auch lieben?
Antwort (vgl. Gregor Magn., Homilie 37 in Homiliae in Evangelia, Buch. II): Wenn wir die Bedeutung der Vorschrift bedenken, können wir beides unterscheiden, dass wir die, die mit uns fleischlich verwandt sind und die wir als unsere Nächsten [aner]kennen, lieben, und dass wir die, die wir als Gegner auf dem Weg zu Gott erfahren, hassen und fliehen und so nicht kennen. Der wird nämlich gleichsam mit Hass geliebt, der in seiner fleischlichen Weisheit nicht gehört wird, wenn er uns zum Bösen verleiten will. Um aber darzulegen, dass der Hass gegen die Nächsten nicht vom Gefühl herkommt, sondern von der Liebe, fügte der Herr sogleich hinzu: dazu noch auch seine eigene Seele. Wir sollen also die Nächsten hassen und dazu noch unsere eigene Seele. Es steht also fest, dass der in Liebe seinen Nächsten hassen soll, der ihn so hasst wie sich selbst. Denn wir hassen in guter Weise unsere Seele, wenn wir ihren fleischlichen Sehnsüchten nicht gehorchen, wenn wir ihr Begehren überwinden, uns ihren Lüsten widersetzen. Sie, die also durch Verachtung zum Besseren geführt wird, wird gleichsam durch Hass geliebt. Folgendermaßen sollen wir also unseren Nächsten in unterscheidender Weise Hass entgegenbringen, dass wir an diesen lieben, was sie sind, und hassen, was uns auf unserem Weg zu Gott entgegensteht.

Frage 32: Wie kann Christus im Evangelium widersprüchlich Scheinendes sagen? Er sagt nämlich einerseits: Meinen Frieden gebe ich euch (Johannesevangelium 14, 27) und im Gegensatz dazu: Ich bin nicht gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert (Matthäusevangelium 10, 34).
Antwort: Ein anderer ist der Friede Christi, den er seinen Jüngern gab, ein anderer der der Welt. Christus verneint es, den Frieden zu geben, den die Welt hat, er sagt nämlich: Meinen Frieden gebe ich euch, meinen Frieden hinterlasse ich euch; nicht wie diese Welt Frieden gibt, gebe ich ihn euch. Er verneint es also, seinen Jüngern den Weltfrieden zu geben, denn er sagt auch anderswo: Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Willst du also sehen, welchen Frieden Gott über unsere Erde kommen lässt? Wenn jenes gutes Erdreich, das hundertfältige oder sechzigfältige usw. (Matthäusevangelium 13, 8) Frucht bringt, jenen Frieden von Gott empfangen wird, von dem der Apostel sagt: Der Friede Gottes aber, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Sinne (Philipperbrief 4, 7). Das also ist der Friede, den Gott über unsere Erde kommen lässt.

Quelle: Antikeimenon hoc est contrariorum sive contrapositorum liber 2. In: Patrologia Latina 96, Sp. 665, 674f, 679; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn

Schriften von Julian und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Kathedrale mit der Camera Santa in Oviedo ist täglich von 10 Uhr bis 14 Uhr und von 16 Uhr bis 18 Uhr - von März bis Juni und im Oktober abends bis 19 Uhr, von Juli bis September ohne Mittagspause zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt beträgt 7 €. (2015)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 18.09.2026

Quellen:
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996

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