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Ökumenisches Heiligenlexikon

Søren Kierkegaard

Gedenktag evangelisch: 11. November

Name bedeutet: der Strenge (latein. - dänisch)

Dichter, Theologe
* 5. Mai 1813 in Kopenhagen in Dänemark
† 11. November 1855 daselbst


Søren Aabye Kierkegaard war das siebtes Kind eines reichen Wolllwarenhändlers; sein Vater, ein zum Schwermut neigender Mann und Anhänger des Pietismus, war bei der Geburt bereits 56 Jahre alt. Ich bin von einem Greis ungeheuer streng im Christentum erzogen worden; deshalb ist mein Leben mir furchtbar verwirrt worden, bekannte er später. 1830 begann der begabte Jüngling sein Theologiestudium, später auch das Studium der Ästhetik bzw. Philosophie, bei dem er sich v. a. mit der deutschen Philosophie von Hegel und der Literatur der deutschen Romantiker beschäftigte. Vom Christentum werde man seiner Mannheit beraubt, es herrsche eine wunderlich stickige Luft. Fast überall … ist Strafe, Vernichtung, Untergang, ewige Qual und Pein; dürftig werde es nur, wenn von der Seligkeit der Glaubenden und Auserwählten die Rede ist.

Sören Kierkegaard führte - ganz gegen die Praxis seines Vaters - das Leben eines Dandys und war mit seinem Lebensstil in der ganzen Stadt bekannt; mit Ausnahme dreier Reisen nach Berlin blieb er aber immer in seiner Heimatstadt. Dahinter verbarg sich stetige Suche: Was mir eigentlich fehlt ist, dass ich mit mir selbst ins Reine darüber komme, was ich tun soll, nicht darüber, was ich erkennen soll … Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was die Gottheit eigentlich will, dass ich tun solle; es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich ist … Was nützte es mir, dazu, wenn ich eine so genannte objektive Wahrheit ausfindig machte.

Kierkegaard formulierte damit das Programm des späteren philosophischen Existentialismus. Nur die Subjektivität ist die Wahrheit; was von vielen oder der Mehrheit vertreten wird, die Menge, ist die Unwahrheit - somit lehnte er auch Demokratie ab und hielt - gut lutherisch - die Monarchie für die beste Regierungsform. Nach dem Tod seines Vaters erbte er ein reiches Vermögen; 1840 beendete er sein Theologiestudium und verlobte sich mit Regine Olsen, einem hübschen Mädchen aus gutem Haus; um sie hatte er in ekstatischen Briefen geworben. Aber es kam nicht zur Eheschließung, er könne sich der spontanen Frau gegenüber nicht öffnen. 1841 promovierte er mit einer Arbeit über den Begriff der Ironie mit ständiger Rücksicht auf Sokrates. Die Auflösung der Verlobung führte zur Schreibwut, die seine berühmten Werke hervorbrachte: 1843 Entweder - oder, Die Wiederholung und Furcht und Zittern, 1844 Der Begriff Angst und Philosophische Brocken, 1845 Stadien auf dem Lebensweg, 1846 Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift - alle unter bedeutungsschwangeren Pseudonymen erschienen. Denn wie Sokrates - den Kierkegaard neben Jesus Christus am meisten bewunderte - müsse man die Leser in die Wahrheit hineintäuschen und in scheinbarer Aufnahme den Zeitgeist als leer und nichtig entlarven.

In Entweder - oder zeichnete Kierkegaard das Bild eines Dandy - also des eigenen Lebens - und stellte diesem einen verantwortungsbewussten Ehemann und Familienvater gegenüber. Der entlarvt den hedonistischen Ästheten seines fehlenden Schuld- und Verantwortungsbewusstseins wegen, seine Fröhlichkeit verberge nur tiefe Verzweiflung. Aber auch die Sicherheit des bürgerlichen Lebens sei trügerisch, in Wahrheit sei ein Drittes jenseits von Ästhetik und Ethik das Lebensziel: das Religiöse, zu dem man gelangt durch Furcht und Zittern, indem man den Blick über den Abgrund der Verzweiflung und dann den Sprung in den Glauben wagt. Kierkegaard wurde zum Vorläufer einer dialektischen Theologie wie beim späteren Karl Barth: Glaube zeigt sich erst in der Verzweiflung, Gnade in der Sünde, Freiheit in der Angst, Seligkeit im Leiden, der allmächtige Gott im ohnmächtigen Christus.

Luplau Janssen: Søren Kierkegaard, im Nationalhistorischen Museum Frederiksborg in Kopenhagen
Luplau Janssen: Søren Kierkegaard, im Nationalhistorischen Museum Frederiksborg in Kopenhagen

Wie Paulus in seinem Römerbrief erkannte Kierkegaard, dass Moral, Ethik und Gesetz nicht frei machen, sondern in Schuld und Verzweiflung verstricken. Und die These der Aufklärung wie schon der griechischen Philosophie, dass das Wissen über das gute auch zum rechten Handeln anleite, habe ihr Scheitern erlebt aufgrund der Sündhaftigkeit des Menschen. Die Tugend ist herrenlos … Gott ist schuldlos. Retten könne allein der Glaube an die Vergebung der Sünde, eine religiöse Suspension des Ethischen - ein Glaube, der aller Vernunft spotte. Kierkegaard lief damit Sturm gegen den Versuch des von ihm so aufmerksam studierten Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Glaube und Vernunft versöhnen wollte. Glaube aber sei Ärgernis und Torheit (1. Korintherbrief 1, 23) - genau dies habe die Kirche vergessen und verraten.

Kierkegaard wollte nun eigentlich die Schriftstellerei aufgeben und eine Pfarrei auf dem Land übernehmen; nach einer literarischen Kontroverse mit dem Satireblatt Der Corsar gaben öffentliche Anfeindungen den Anlass zu einer Reihe weiterer Werke, die schärfer noch als zuvor das Wesen christlicher Existenz als durch die Prinzipien von Selbstverleugnung und Nachfolge kennzeichnen, so 1850 die Einübung im Christentum. Seine Angriffe auf die Verfallsformen bürgerlicher Christenheit brachten ihn in immer stärkeren Gegensatz zur dänischen Staatskirche.

Kierkegaard wählte sich seinen früheren Lehrer Hans Lassen Martensen, der 1854 zum obersten Bischof der dänischen Kirche gewählt worden war, als Ziel seiner nun auch konkret gegen die Kirche vorgebrachten Kritik. In der Zeitung Vaterland griff er an Weihnachten 1854 den Bischof und den von ihm repräsentierten Protestantismus scharf an: Die Kirche habe das wahre Christentum preisgegeben und zum Kulturgut neutralisiert, die lutherische Staatskirche sei das neue Heidentum. Zur Untermauerung seiner Auffassung gründete Kierkegaard 1855 mit den letzten Resten seines Vermögens die Zeitschrift Der Augenblick; in ihr veröffentlichte er - nun unter eigenem Namen - Polemiken gegen die Scheinheiligkeit der Bischöfe und Pastoren; er wandte sich an den gemeinen Mann und forderte ihn auf, den Gottesdiensten fernzubleiben, denn sie seien Schmierenkomödien und Gotteslästerung.

Noch bevor die zehnte Ausgabe seiner Zeitschrift gedruckt war, brach Kierkegaard auf offener Straße zusammen. Tage später begab er sich in ein Krankenhaus, der diensthabende Arzt vermerkte: der Patient hält die Krankheit für tödlich. Sein Tod ist für die Sache vonnöten … Will er leben, muss er seinen religiösen Kampf fortsetzen, … wohingegen er bei seinem Tod seine Stärke erhalten wird und, wie er meint, seinen Sieg. Kierkegaard konnte das Krankenhaus nicht mehr verlassen, fünf Wochen nach seiner Aufnahme starb er.

Kierkegaard war einer der brillantesten und produktivsten religiösen und philosophischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts - in kritischer Distanz zur Romantik, aber auch Hegel und den Hegelianismus ablehnend. Seine Frage nach der Möglichkeit christlicher Existenz in der Moderne blieb nach seinem Tod in ihrer Wirkung zunächst auf Dänemark beschränkt; erst mit der allmählichen Übersetzung seiner Werke wuchs sein Einfluss, in Deutschland vor allem mit Beginn der 1920-er Jahre in der protestantischen Theologie, verschiedenen philosophischen Schulen, der frühen Psychoanalyse, dazu in der skandinavischen Literatur.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.02.2015

Quellen:
• Rolf Spinnler: Die Leidenschft für das Religiöse. Stuttgarter Zeitung, 5. 11. 2005
• Heiko Schulz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. III, Herzberg 1992

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.