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Ökumenisches Heiligenlexikon

Walterich von Murrhardt

auch: Walderich

Gedenktag katholisch: 29. November

Name bedeutet: Der reiche Gebieter (althochdt.)

erster Abt in Murrhardt
* in Deutschland
† an einem 29. November um 840 in Murrhardt in Baden-Württemberg


Silbermünze mit dem Bild Walterichs aus der Zeit der Salier, gefunden in Murrhardt
Silbermünze mit dem Bild Walterichs aus der Zeit der Salier, gefunden in Murrhardt

Walterich stammte aus fränkischem Hochadel, manche Forscher sehen ihn als illegitimen Sohn von Kaiser Karl dem Großen und somit als Halbbruder des späteren Kaisers Ludwig dem Frommen. Er wurde Benediktiner und lebte zunächst als Einsiedler. 794 bis 796 war er Abt in Neustadt am Main und sollte wohl Bischof von Verden an der Aller werden, wurde dann aber noch unter Kaiser Karl dem Großen um 796 - oder um 816 unter Kaiser Ludwig dem Frommen - der erste Abt des dann Januarius von Neapel geweihten Klosters in Murrhardt, das schon seit um 753 als Mönchsgemeinschaft existierte. Walterich spielte unter der Herrschaft Kaiser Ludwigs eine wichtige Rolle als Teilnehmer an kaiserlichen Gesandtschaften und Reichsversammlungen, sei auch Ludwigs Beichtvater gewesen. Gerühmt werden Walterichs wundersame Kräfte und viele Krankenheilungen.

Walterich wurde in der Maria geweihten Leutkirche - der heute nach ihm benannten Walterichskirche in Murrhardt bestattet; sie steht auf einem Hügel, auf dem schon die Römer ein Mithras geweihtes Heiligtum errichtet hatten. Um 1100 wurde die seitherige Leutkirche zur Wallfahrtskirche ausgebaut. Um 1225 ließ Kaiser Friedrich II. an die Klosterkirche eine neue, Walderich geweihte Kapelle anbauen, nachdem dessen Gebeine in der Marienkirche wiedergefunden worden waren. Im Rahmen der Reformation wurde 1534 die Kirche auf dem Hügel - da St. Maria zu katholisch klang, in Walterichskirche umbenannt und als Friedhofskirche weiter genutzt.

moderne Deckplatte über Walterichs Grab in der Walterichskirche
moderne Deckplatte über Walterichs Grab in der Walterichskirche

1612 zerschlug man die als wundertätig geltende Grabplatte in der Walterichskirche und verwendete die Teile zu einem Opferstock, der neben dem Haupteingang in die Wand eingemauert ist; der alte Wunderglaube sprang auf den neuen Opferstock über. 1801 ließ der damalige evangelische Prälat die Bruchstücke der Grabplatte entfernen und das Grab verdecken, um die katholische Wallfahrt zu beenden; 1963 wurde das Grab archäologisch erschlossen. Nach der Reformation wurde die beliebte wallfahrt zum Grab ersetzt durch eind evangelische Karfreitagswallfahrt, sie bestand bis in die 1950er-Jahre: um den Leidensweg Christi nachzuempfinden, erklommen die Menschen auf Knien rutschend den Kirchenhügel über die Büßertreppe; sie wurde um 1950 entfernt und 2018 neu errichtet.

Das Kloster in Murrhardt wurde nach der Reformation 1556 aufgehoben.

Kanonisation: Klostervogt Graf Berthold von Wolfsölden betrieb Walterichs Seligsprechung, die 1226 erfolgte; der Überlieferung nach fand die Heiligsprechung - die es tatsächlich nicht gab - am Karfreitag 1228 statt.
Patron der Gelähmten, Gebrechlichen und Geisteskranken





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.09.2018

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Christian Schweizer vom Carl-Schweizer-Museum Murrhardt, E-Mail vom 9. November 2004
• Klaus Weyer aus Neustadt am Main, E-Mail vom 12. Dezember 2004
• flickr.com/photos/kweinland/3967486875
• Günter Henschel: Rundgang durch das historische Murrhardt. Murrhardt o.J. (1985)
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XIII, Herzberg 1998
• https://www.murrhardter-zeitung.de/node/1100616

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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