Ökumenisches Heiligenlexikon

Wikipedia ist (k)eine Quelle!

Wikipedia ist keine Quelle - so sieht es Wikipedia selbst, so gilt es im wissenschaftlichen Betrieb.

Im Ökumenischen Heiligenlexikon benutzen wir dennoch oft Wikipedia mit ihren verschiedenen landessptrchigen Ausgaben als Quelle. Man muss Wikipedia richtig lesen und verstehen:
Die Wikipedia-Information im Artikel über meinen Wohnort Stuttgart, er liege 247 Meter über Normalhöhennull, ist sicher richtig: wer sollte welches Interesse haben, die Angabe zu verfälschen? Und falls diese Angabe aus Unkenntnis oder Nachlässigkeit falsch wäre, würden andere Wikipedianer sie korrigieren.
Dagegen ist die in diesem Artikel zu findende Angabe die Stadt liegt … auf Platz eins der staureichsten Ballungsräume in Deutschland mit Vorsicht zu genießen, denn sie könnte ihren Ursprung in Interessen einer Auto- und Straßenbau-Lobby haben. Die Quelle sind zwei SPIEGEL-Artikel, deren Quelle die kommerzielle Firma INRIX ist. Geschäftsinhalt von INRIX ist, innovative Produkte für die Automobil- und Transportbranche anzubieten, die Menschen bewegen, zu besseren Geschäftsentscheidungen zu kommen und dafür u. a. Straßenverkehrsregeln-Produkte zu verkaufen. (https://inrix.com/about) In diesem Fall ist Wikipedia also keine zuverlässige Quelle.

Wikipedia ist keine Quelle

Bei Wikipedia kann jeder mitschreiben und alle Autoren signieren nur mit einem Alias-Namen. Wikipedia räumt jedem Benutzer ein Recht auf Anonymität ein. … Wikipedianer, die gegen den mutmaßlichen oder bekannten Willen eines anderen Wikipedianers private Daten von diesem (z. B. Klarnamen, Geschlecht, Adresse, …) offenbaren, müssen damit rechnen, gesperrt zu werden – unter Umständen zeitlich unbegrenzt. (Wikipedia:Anonymität) Dies benutzen fast alle Autoren der Wikipedia; damit wird ihre Persönlichkeit geschützt - aber damit ist auch ihre Qualifikation nicht mehr nachzuvollziehen, denn die Selbstauskünfte auf den Benutzerseiten sind damit auch nicht nachprüfbar.
Wikipedia weiß um das Problem: Nach dem Wiki-Prinzip erstellte und veröffentlichte Texte … fallen prinzipiell nicht unter den hier verwendeten Quellenbegriff und dürfen daher bei Wikipedia nicht als Beleg verwendet werden. … Wikis mit geschlossenem Autorenkreis können im Einzelfall jedoch durchaus zuverlässige Quellen sein; sie enthalten in der Regel Texte, deren Verfasser namentlich genannt sind, so dass die Zuverlässigkeit der Angaben eingeschätzt werden kann. (Wikipedia kann nicht als Beleg dienen)

Wikipedia ist eine Quelle

Wir benutzen Wikipedia zum Auffinden von Örtlichkeiten, an denen die Heiligen gelebt und gewirkt haben oder an denen sie verehrt werden. Für diese geografischen und historischen Angaben sind Wikipedia-Artikel in der Regel - s. o. - zuverlässig. Und wir haben inzwischen über 10.000 solcher Stellen direkt aufgesucht, um die Angaben zu verifizieren - oder - in seltenen Fällen - zu falsifizieren. Und v. a. für Selige und Heilige, die in diesem oder im letzten Jahrhudert kanonisiert wurden, sind die (landesprchigen) Wikipedia-Artikel in der regel die beste zur Verfügung stehende Quelle, jedenfalls besser als Broschüren oder Webseiten, die für diese Personen meist von ihren Diözesen oder Orden erstellt wurden und also oft tendenziös sind.

Wikipedia ist keine zuverlässige Quelle

In Wikipedia können die anonymen Autoren ihre persönlichen Auffassungen verbreiten und gegenüber anderen durchsetzen. Ein zufälliges Beispiel: Im Artikel Maurice Höfgen wurde formuliert: … wurde Höfgen 2020 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro des Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi (Die Linke) tätig. Im Wikipedia-Artikel Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Bundesdienst) wird ausdrücklich und richtig festgestellt: Beim Deutschen Bundestag … werden Abgeordnetenmitarbeiter, die ein abgeschlossenes Studium nachweisen können, als „wissenschaftliche Mitarbeiter“ bezeichnet. Benutzer:SEM ersetzte dies am 2. März 2025 durch den Begriff Politikberater und löschte damit die Qualifikation.
Dahinter steckte offenbar kein Interesse an sachlicher Richtigkeit, sondern der Wille zur Abqualifizierung des im Artikel beschriebenen Maurice Höfgen, denn gleichzeitig löschte er die Aussage Höfgen schrieb dabei über die Schäden der Austeritätspolitik in Deutschland samt deren Beleg. Man kann ja über Austeritätspolitik diskutieren, die Abqualifizierung eines Kritikers aber ist kein Sachargument.

Wikipedia ist oft keine objektive Quelle

Wikipedia sagt von sich: Die Glaubwürdigkeit der Wikipedia hängt von der Überprüfbarkeit ihrer Inhalte ab. Alle nicht-trivialen Aussagen eines Artikels müssen belegt und auf diese Weise nachprüfbar sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass es sich um ausgewiesene … Fakten handelt.
Das Höfgen-Beispiel zeigt, dass dennoch oft persönliche Meinungen für die Autoren ausschlaggebend sind.




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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 07.04.2026

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.