Ökumenisches Heiligenlexikon

Anno II. (Hanno) von Köln

Gedenktag katholisch: 4. Dezember
     n.g. Gedenktag im deutschen Sprachgebiet: 5. Dezember
     geb. Gedenktag im Bistum Köln: 5. Dezember
     Hochfest in der Stadt Siegburg: 5. Dezember
Name bedeutet: wie ein Adler waltend (althochdt.)
Erzbischof von Köln, Reichskanzler
* um 1010 in Altsteußlingen bei Ehingen in Baden-Württemberg
† 4. Dezember 1075 in Siegburg in Nordrhein-Westfalen
Kartenskizze

Anno mit Modellen der von ihm gegründeten Klöster. Abbildung aus der Darmstädter Anno-Vita, um 1180 im Kloster Siegburg

Anno mit Modellen der von ihm gegründeten Klöster. Abbildung aus der Darmstädter Anno-Vita, um 1180 im Kloster Siegburg, heute in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek in Darmstadt   

Anno stammte aus schwäbischem Adel, ging in Bamberg in die Klosterschule, wurde dort Domschulmeister und nach 1046 als Hofkaplan an den Hof von Kaiser Heinrich III. berufen, den er auf seinen Ungarnfeldzügen von 1051 und 1052 begleitete. 1054 wurde er Stiftspropst in Goslar. 1056 bestimmte der Kaiser ihn gegen seinen Willen zum Erzbischof von Köln und damit wurde er kragt Amtes Erzkanzler für Italien und 1057 sowie 1063 - 1067 auch Erzkanzler der römischen Kirche. Er wurde einer der größten Erzbischöfe der Stadt, Gründer der Benediktinerklöster Siegburg nach der Abtretung des Siegberges 1059 durch den von Anno besiegten Pfalzgrafen Heinrich und Saalfeld nach Erwerb der Anwartschaft auf Saalfeld und Coburg 1057 von der polnischen Königin Richeza, der Stifte St. Maria ad gradus und St. Georg in Köln. Er soll in seiner Amtszeit alle Gemeinden seines Bistums besucht haben, sorgte sich um Arme, gründete ein Krankenhaus.

Eine - nicht bekannte - Maßregelung Annos und anderer deutscher Bischöfe durch Papst Nikolaus II. führte 1060/61 zum Bruch mit Rom. 1061 wurde deshalb der neue Papst Alexander II. ohne Zustimmung der Regierung erhoben, die deshalb Cadalus von Parma zum (Gegen-)Papst Honorius II. ausrief. Anno erkannte, dass es keinen anderen Ausweg gab, als durch die Anerkennung des Reformpapstes Alexander unter klarer Wahrung der Reichsautorität vom Schisma loszukommen. Auch deshalb wirkte Anno nach dem Tod von Kaiser Heinrich am Bündnis einer Fürstenopposition gegen die Regentschaft der Kaiserin Agnes mit; im Staatsstreich von Kaiserswerth entführte er 1062 den erst elfjährigen Sohn des Kaisers, Heinrich IV., und die Reichsinsignien, um ihn dem Einfluss seiner Mutter Agnes zu entziehen, und übernahm selbst die Herrschaft über das Reich. SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Augsburg 1062 und in Mantua 1064 beendeten unter Annos maßgeblichem Einfluss das Schisma.

1063 wurde Anno jedoch von Erzbischof == Adalbert von Hamburg-Bremen weitgehend aus den Reichsgeschäften verdrängt, auch Adalberts Verweis vom Hof im Jahr 1066 hatte keinen politischen Wiederaufstieg Annos zur Folge, der sich nun verstärkt seinen kirchlichen Geschäften widmete. Aus dem Erbe Richeza konnte 1063 Saalfeld und Coburg mitsamt dem Orlagau übernommen werden. Für seine Stiftung Mariengraden gewann er den reichen Besitz um Klotten im Moselraum; auf dem eroberten Siegberg gründete er um 1065 das Kloster Siegburg. 1065 übertrug ihm der König die Eigenherrschaft über Malmedy, Kornelimünster und Vilich. Anno weihte in Köln 1065 die Kirche St. Maria im Kapitol und 1069 St. Gereon 1069.

Auch Annos Verhältnis zum Papst blieb nicht ungetrübt. Weil er 1068 auf der Reise nach Rom mit Gegenpapst Honorius II. zusammentraf - wohl um ihn zum Verzicht zu bewegen -, wurde er von Papst Alexander II. erst nach erfolgter Buße empfangen. Anfang 1070 ging er wieder in offizieller Mission nach Rom, um über die - nicht ohne Verschulden des Königs - einreißenden Missstände in der deutschen Kirche zu beraten. Auf der Rückkehr aus Rom lernte er in Fruttuaria in Oberitalien eine Klosterobservanz naxch den Reformen von Cluny kennen; er führte die Reformen rasch und gegen heftige Widerstände in seinen Klöstern Siegburg, St. Pantaleon in Köln, Saalfeld und Grafschaft im Sauerland ein; v. a. Siegburg wurde ein weit ausstrahlendes Zentrum der Reformen, denen Anno so den Weg ins Reich geebnet hat. 1072 wurde er - anscheinend als Leiter des Hofgerichtes - noch einmal an der politischen Führung beteiligt, aber dies blieb ebenso Episode wie 1073 der Anlauf zu einer Vermittlung beim Sachsenaufstand.

1074 wurde Anno aus eigentlich geringfügigem Anlass - er hatte das Schiff eines Kölner Kaufmanns beschlagnahmen lassen - durch einen Aufstand der Bürger aus Köln vertrieben und zog sich des Nachts nach Neuss zurück. Seine Ritter schlugen den Aufstand mit aller Härte nieder; die Bürger hatten eine herbe Niederlage erlitten, nach dem bericht des Lampert von Hersfeld war die Stadt fast völlig verödet und schauriges Schweigen herrschte auf den leeren Straßen; an die 600 Kaufleute verließen die Stadt. Anno konnte zurückkehren. 1075 gelang ihm der Erwerb der Propstei Rees, die Pfalzgrafen waren vom Niederrhein abgedrängt, das Gebiet im Besitz der Kirche.

Anno starb im Kloster Siegburg und ist dort im Annoschrein bestattet.

Bei aller Härte war Annos Wirken ausgezeichnet durch seinen verzehrenden Eifer in geistlichen Dingen und seine fromme Neigung zur Askese. Zeitgenossen nannten ihn Edelstein und Blüte und Licht Deutschlands. Eine erste Vita verfasste Abt Reginhard um 1082. Das epische Annolied mit 878 Reimverse, wohl 1080 verfasst von einem Siegburger Mönch, enthält seinen Lobpreis. Mit der 1183 erfolgten Heiligsprechung durch den päpstlichen Legaten wurde auch der Annoschrein aufgestellt.

Annoschrein in der Abtei in Siegburg

Annoschrein in der Abtei in Siegburg

Kanonisation: Anno wurde 1183 heilig gesprochen.
Patron von Siegburg; gegen Gicht

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_%28Heiliger%29#Erzbischof_Anno_II._von_K.C3.B6ln_.2811._Jahrhundert.29
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://www.giselmut.de/erzbischof_anno.htm



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