Ökumenisches Heiligenlexikon

Christian Heinrich Zeller

Gedenktag evangelisch: 18. Mai

Name bedeutet: C: der Christ (griech. - latein.)
H: der reiche Schützer (althochdt.)

Pädagoge
* 29. März 1779 auf Schloss Hohenentringen bei Tübingen in Baden-Württemberg
† 28. Mai 1860 in Beuggen bei Rheinfelden in Baden-Württemberg

Kartenskizze

Christian Heinrich Zeller, Sohn einer Familie alt-württembergischer Ehrbarkeit, studierte von 1796-1800 Jura in Tübingen, wo er sich einem Kreis pietistischer Studenten anschloss und war dann für kurze Zeit als Rechtsanwalt in Ludwigsburg, tätig. 1801 erhielt er das Angebot, als Hofmeister im Haus des Barons von Schnurbein in Augsburg die Erziehung von dessen Sohnes Marcus zu übernehmen. Zellers Leidenschaft galt der Erziehung der Jugend, als engagierter Vertreter der Reformpädagogik von Pestalozzi erhielt er bald Leitungsaufgaben an verschiedenen Schweizer Schulen, so in St. Gallen, wo er die Reform des Schulwesens durchführte. Durch die neue Pädagogik zum Heil der Nation, zum Heil der Menschheit sollten mit Schulbildung für alle Kinder »die von Gott in das Kind gelegten Kräfte angeregt, die angeregten Kräfte entwickelt, die entwickelten Kräfte gestärkt und die Kinder zu allem Guten gerichtet und gewöhnt werden. Dazu gehörte auch die Einrichtung von Armen- und Arbeiterschulen.

In St. Gallen traf Zeller einen Kreis von Menschen um den Pestalozzianhänger Heinrich Jung-Stilling; darunter waren auch Johann Michael Sailer und Johannes Evangelista Goßner. Aus diesem Kreis motiviert, gründete Zeller 1817 am festlichen Tag der dreihundertjährigen Feier der heilbringenden Reformation die Armenschullehreranstalt im ehemaligen Schloss Beuggen bei Rheinfelden: eine Anstalt, in der Kinder lernen und arbeiten konnten; die begabtesten wurden zu Lehrern ausgebildet. Ziel war, die Ideale Pestalozzis zu verwirklichen und so das Elend des Volkes zu mindern. Nicht die bürgerliche Bildung, sondern Christenbildung war Hauptaufgabe der Anstalt.

Nach dem Vorbild der Einrichtung und aufgrund von Zellers Erfolgen entstanden bis 1845 weitere 22 Rettungshäuser in Württemberg, so 1829 die Paulinenpflege in Stuttgart, 1823 die Paulinenpflege in Winnenden, 1823 in Korntal, 1825 in Tuttlingen, 1826 die Paulinenpflege in Kirchheim unter Teck, 1826 in Calw-Stammheim, 1835 das Mathildenstift in Ludwigsburg, 1836 die Freiwillige Armenschullehrer- und Kinderrettungsanstalt Lichtenstein bei Reutlingen, 1836 in Herbrechtingen und 1843 die Kinderrettungs-und Schullehrbildungsanstalt Tempelhof bei Crailsheim.

Zeller konnte die Visionen Pestalozzis - dessen eigene Unternehmungen waren an Geldmangel gescheitert - weitgehend verwirklichen. 1826 besuchte Pestalozzi Beuggen un lobte: Das war's, was ich wollte. Die Ausbildung wurde bis 1860 nach dem von Zeller entworfenen Konzept weitergeführt und blieb bis 1937 in der dritten Generation unter Leitung seiner Nachkommen.





Quellen:
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/z/kalz009.htm
• Karl Rennstich. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. XIV, Herzberg 1998