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Glasfenster in der Leonhardskirche in Basel

Die Lebensgeschichte von Leonhard ist in vielem legendär. Demnach ließ die am Hof der Merowinger lebende fränkische Adelsfamilie ihren Sohn durch Erzbischof Remigius von Reims taufen und unterrichten. Als Erwachsener verweigerte er die ihm angebotene Übernahme eines Bistums, blieb einfacher Diakon und zog sich in die Einsamkeit des Waldes Pauvin bei Limoges zurück, predigte von seiner Zelle aus und heilte die zu ihm kommenden Krüppel und Hilfsbedürftigen. Regelmäßig besuchte er Gefangene und erreichte für viele bei König Chlodwig (oder Chlotar I. ?) ihre Freilassung. Viele Gefangene riefen auch den Namen Leonhards, worauf sofort ihre Fesseln abfielen, die sie dann als Freie dem Einsiedler brachten.
König und Königin zogen eines Tages zur Jagd in diesen Wald; Leonhard hörte die Königin klagen und rufen, da sie in Wehen lag. Auf Bitten des Königs betete Leonhard am Lager der Königin, und sie schenkte ihrem Knaben das Leben. Der König wollte Leonhard mit Gold und Silber beschenken; dieser bat aber nur um so viel Waldgelände, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Leonhard gründete in seinem Waldstück die Gemeinschaft von Noblat - das heutige Dorf St-Léonard-de-Noblat -, wo er ehemalige Gefangene aufnahm und zu Handwerkern ausbildete. Leonhard leitete die Gemeinschaft bis zu seinem Tod und wurde bald schon als heilig verehrt.
Am Sonntag nach dem 6. November wird heute in dem nach ihm benannten Städtchen St-Léonard-de-Noblat zu seinen Ehren ein großes Ritterfest gefeiert. Die zu seinen Ehren angeblich 1358 gegründete Bruderschaft erstellt aus Holz den Nachbau einer Burg, die dann auf einen Pfahl gestellt und von Reitern mit Stöcken geschlagen wird, bis sie in Stücke zerfällt, die dann von den Leuten als Glückbringer mit nach Hause genommen werden. Die Kirche über seinem Grab hat einen der mächtigsten Glockentürme in Frankreich, sie war Station der Pilger auf der Wallfahrt zu Jakobus in Santiago de Compostela; Richard Löwenherz, Pippin der Kleine oder Karl VII. machten hier Station.
Leonhard-Statue in der Wallfahrtskirche
St. Leonhard in Inchenhofen
bei Aichach in Bayern
Bild: Franz Niedermaier
Leonhard wurde seit dem 11. Jahrhundert besonders auch in Bayern verehrt,
über 150 Wallfahrten fanden unter seinem Namen
statt, auch heute gibt es noch
über 50 Leonhardi-Wallfahrten, meist mit Pferde-Ritten. Er galt ursprünglich als
Schutzpatron derer, die in Ketten liegen
, also der Gefangenen - aber auch der
Geisteskranken
, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der
Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen
er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. Die Leonhard geweihten Kirchen sind
mit Ketten umspannt, so in Bad Tölz.
Im 19. Jahrhundert erreichte die Verehrung in Bayern ihren Höhepunkt; man
nannte ihn den bayerischen Herrgott
oder Bauernherrgott
; in Bayern gehört
Leonhard auch zu den 14
Nothelfern. Am Leonhardstag werden Tiersegnungen vorgenommen. In Inchenhofen
befindet sich der 125 kg schwere Leonhards-Nagel, den man ab dem 15. Jahrhundert
zum Zeichen der Buße rund um die Kirche trug. Seit 1718 wird im bayerischen Bad
Tölz der Leonhardsritt
begangen, seit 1994 auch wieder der traditionelle,
grenzüberschreitende Leonhardi-Ritt von Neukirchen
im Oberpfälzer Wald nach Uhlište
in Tschechien.
Attribute:
als Mönch oder Abt mit Kette, Pferde und Ochsen, Gefangene befreiend
Patron
von Verbania-Palanza;
der Bauern und des Viehs, vor allem der Pferde, der Ställe, Stallknechte,
Fuhrleute, Schmiede, Schlosser, Lastenträger und Böttcher, Obsthändler,
Bergleute; der Wöchnerinnen, Gefangenen; für alle Anliegen der Bauern, gute
Geburt; gegen Kopfschmerzen, Geistes- und Geschlechtskrankheiten
Bauernregel:
Wenn auf Leonhardi Regen fällt, / ist's mit dem Weizen schlecht bestellt.
Wie's Wetter an Lenardi ist, / bleibt's bis Weihnachten gewiss.
Nach der vielen Arbeit Schwere, / an Leonhardi die Rösser ehre.
Griechische Ikone: Leonhard (rechts) mit Odo
von Cluny 
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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Zum Wohl Frankreichs und zum Segen Leonhards. Stuttgarter Zeitung, 9. November 1999