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Buchmalerei: Otmar vor dem Gericht, aus: St. Galler Hausheilige und elsässische Legenda Aurea, 1451 - 1460 © http://www.cesg.unifr.ch
Der in der Domschule von Chur erzogene Alemanne Otmar wurde nach seiner Priesterweihe vom Tribun Waltram zum Vorsteher der Einsiedelei des Gallus im Hochtal der Steinach an der Stelle der heutigen Stadt St. Gallen ernannt. Er baute 719 mit rätischen Mönchen die Zelle zum Kloster aus und gab diesem 747 auf Betreiben der Brüder Karlmann und Pippin die Benediktinerregel. Die Abtei wurde bald reich mit Gütern alemannischer Grundbesitzer bedacht, die für ihr Seelenheil sorgen, aber auch ihre Güter dem Zugriff des Frankenreiches entziehen wollten. 744 wurde Otmar erstmals als Abt erwähnt.
Otmar hatte eine ausgeprägte soziale Ader, verschenkte Klostervermögen an
die Armen, baute in der Nähe des Klosters das erste Haus für Aussätzige in der
Schweiz und nahm Kranke, Blinde und Arme in einem weiteren Bau auf, wo er sie auch
nachts selbst betreute; die enge Verbindung der Klosterbrüder zum einfachen Volk
begründete Missionserfolge und brachte ihm den Namen Armenvater
ein. Er fürchtete den
wachsenden Reichtum seines Klosters und kleidete sich selbst einfach, ritt nur
auf einem Esel statt auf einem Pferd. Im Jahre 753 verpflichtete sich ein Bauer,
dem Galluskloster und namentlich seinem Abt Otmar jährlich eine bestimmte Menge Bier
abzuliefern. In der dabei ausgestellten, bis heute erhaltenen Urkunde kommt
erstmals im Abendland das lateinische Wort cerevisia
für Bier
vor.
Otmars Tod, 11. Jahrhundert, in der Stiftsbibliothek St.
Gallen ![]()
Das aufblühende Kloster geriet dann in die Wirren der Politik im Frankenreich.
Der Stamm der Alemannen hatte sich zwar den Franken unterworfen, doch der Hof lebte
in ständiger Furcht vor einem alemannischen Aufstand; vorbeugend wurde 746 mit dem
Blutgericht von Cannstadt
die gesamte alemannische Elite ermordet. Die fränkischen
Gaugrafen Warin und Ruthard nutzten die Gelegenheit, das Kloster und seinen wachsenden
Besitz zu schwächen, erhoben gegen Otmar Anklage aufgrund von Verleumdungen
eines Lampertus und erwirkten, dass er deportiert wurde. Erst wurde er in den Kerker der
Königspfalz von Bodman
geworfen, dann zu einer Art Schauprozess geführt, bei dem ihm die Schändung einer Frau
vorgeworfen und er zum Hungertod verurteilt, später zu lebenslänglicher Haft begnadigt wurde.
Bei Graf Gozbert fand er auf der Rheininsel Werd bei Stein
am Rhein Asyl, überlebte die zuvor erduldeten Misshandlungen aber nicht mehr lange.
Otmar mit dem stets gefüllen Weinfässchen, 1755, Bild auf der Zunftfahne der Weinhauer in Mödling
in Österreich ![]()
Otmars Biograph Gozbert berichtet, dass nach zehn Jahren Mönche aus St.
Gallen den Leichnam des Klostergründers zurückholen wollten und ihn unverwest in
seinem Hochgrab auf der Insel fanden. Die Brüder hätten ein Weinfässchen als Wegzehrung
mitgenommen, es blieb auf dem Hin- und Rückweg stets gefüllt, so viel sie daraus auch
tranken. Auch wurde ein die ganze Gegend verwüstender Sturm auf wunderbare Weise vom
Schiff bei der Fahrt über den Bodensee
und von ihrem Wagen ferngehalten, so dass nicht einmal die Kerzen zu Füßen und am Kopf
von Otmar verlöschten. Die als Gründungsmythos der Schweiz bedeutsame
Schlacht am Morgarten
von 1315 fand am Tag vor St. Otmar
statt; damals
habe ein Sterndeuter dem Habsburger Herzog erklärt, er sehe am Tag vor St. Otmar
großes Glück
; allerdings fiel das Glück des Sieges der Schweizer Gegenseite zu.
Die um 830 von Gozbert verfasste Lebensgeschichte wurde um 836 von Walahfrid
Strabo überarbeitet. 867 wurden die Reliquien in die
nun ihm geweihte St. Galler Otmarkirche gebracht. Bereits 887 wurde Otmar neben Gallus
als Patron des Klosters St.
Gallen genannt, die Verehrung verbreitete sich
schnell. Wasser, Öl und Kinderkleider werden in seinem Namen geweiht und sollen
gegen Kinderkrankheiten helfen; die Otmars-Kittelchen
wurden kranken Kindern
neun Tage lang angezogen, was die Genesung bewirke. In Attenhausen
bei Krumbach liegen Reliquien, zahlreiche Wunder seien hier geschehen, seit 1750 gibt es eine
Wallfahrt.
Attribute:
Weinfässchen
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Schön
bebildert sind die Informationen
der Pfarrgemeinde St. Othmar in Mödling.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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