Ökumenisches Heiligenlexikon

Otmar (Audomar) von St. Gallen

Gedenktag katholisch: 16. November
     Fest im Bistum St. Gallen
     geb. Gedenktag im Bistum Chur
     n.g. Gedenktag im Bistum Basel und Freiburg im Breisgau
Name bedeutet: der durch Besitz Berühmte (althochdt.)
Klostergründer, erster Abt in St. Gallen
* um 690 in der Schweiz (?)
† 16. November 759 auf der Insel Werd bei Stein am Rhein in der Schweiz
Kartenskizze

Der in der Domschule von Chur erzogene Alemanne Otmar wurde nach seiner Priesterweihe vom Tribun Waltram zum Vorsteher der Einsiedelei des Gallus im Hochtal der Steinach an der Stelle der heutigen Stadt St. Gallen ernannt. Er baute 719 mit rätischen Mönchen die Zelle zum Kloster aus und gab diesem 747 auf Betreiben der Brüder Karlmann und Pippin die Benediktinerregel. Die Abtei wurde bald reich mit Gütern alemannischer Grundbesitzer bedacht, die für ihr Seelenheil sorgen, aber auch ihre Güter dem Zugriff des Frankenreiches entziehen wollten. 744 wurde Otmar erstmals als Abt erwähnt.

Otmar hatte eine ausgeprägte soziale Ader, verschenkte Klostervermögen an die Armen, baute in der Nähe des Klosters das erste Haus für Aussätzige in der Schweiz und nahm Kranke, Blinde und Arme in einem weiteren Bau auf, wo er sie auch nachts selbst betreute; die enge Verbindung der Klosterbrüder zum einfachen Volk begründete Missionserfolge und brachte ihm den Namen Armenvater ein. Er fürchtete den wachsenden Reichtum seines Klosters und kleidete sich selbst einfach, ritt nur auf einem Esel statt auf einem Pferd. Im Jahre 753 verpflichtete sich ein Bauer, dem Galluskloster und namentlich seinem Abt Otmar jährlich eine bestimmte Menge Bier abzuliefern. In der dabei ausgestellten, bis heute erhaltenen Urkunde kommt erstmals im Abendland das lateinische Wort cerevisia für Bier vor.

Otmars Tod, 11. Jahrhundert, in der Stiftsbibliothek St. Gallen

Otmars Tod, 11. Jahrhundert, in der Stiftsbibliothek St. Gallen   

Das aufblühende Kloster geriet dann in die Wirren der Politik im Frankenreich. Der Stamm der Alemannen hatte sich zwar den Franken unterworfen, doch der Hof lebte in ständiger Furcht vor einem alemannischen Aufstand; vorbeugend wurde 746 mit dem Blutgericht von Cannstadt die gesamte alemannische Elite ermordet. Die fränkischen Gaugrafen Warin und Ruthard nutzten die Gelegenheit, das Kloster und seinen wachsenden Besitz zu schwächen, erhoben gegen Otmar Anklage aufgrund von Verleumdungen eines Lampertus und erwirkten, dass er deportiert wurde. Erst wurde er in den Kerker der Königspfalz von Bodman geworfen, dann zu einer Art Schauprozess geführt, bei dem ihm die Schändung einer Frau vorgeworfen und er zum Hungertod verurteilt, später zu lebenslänglicher Haft begnadigt wurde. Bei Graf Gozbert fand er auf der Rheininsel Werd bei Stein am Rhein Asyl, überlebte die zuvor erduldeten Misshandlungen aber nicht mehr lange.

Otmars Biograph Gozbert berichtet, dass nach zehn Jahren Mönche aus St. Gallen den Leichnam des Klostergründers zurückholen wollten und ihn unverwest in seinem Hochgrab auf der Insel fanden. Die Brüder hätten ein Weinfässchen als Wegzehrung mitgenommen, es blieb auf dem Hin- und Rückweg stets gefüllt, so viel sie daraus auch tranken. Auch wurde ein die ganze Gegend verwüstender Sturm auf wunderbare Weise vom Schiff bei der Fahrt über den Bodensee und von ihrem Wagen ferngehalten, so dass nicht einmal die Kerzen zu Füßen und am Kopf von Otmar verlöschten. Die als Gründungsmythos der Schweiz bedeutsame Schlacht am Morgarten von 1315 fand am Tag vor St. Otmar statt; damals habe ein Sterndeuter dem Habsburger Herzog erklärt, er sehe am Tag vor St. Otmar großes Glück; allerdings fiel das Glück des Sieges der Schweizer Gegenseite zu.

Die um 830 von Gozbert verfasste Lebensgeschichte wurde um 836 von Walahfrid Strabo überarbeitet. 867 wurden die Reliquien in die nun ihm geweihte St. Galler Otmarkirche gebracht. Bereits 887 wurde Otmar neben Gallus als Patron des Klosters St. Gallen genannt, die Verehrung verbreitete sich schnell. Wasser, Öl und Kinderkleider werden in seinem Namen geweiht und sollen gegen Kinderkrankheiten helfen; die Otmars-Kittelchen wurden kranken Kindern neun Tage lang angezogen, was die Genesung bewirke. In Attenhausen bei Krumbach liegen Reliquien, zahlreiche Wunder seien hier geschehen, seit 1750 gibt es eine Wallfahrt.

Attribute: Weinfässchen

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Schön bebildert sind die Informationen der Pfarrgemeinde St. Othmar in Mödling.

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• http://www.autobahnkirche.de/dc/hk/FMPro?-db=namenstag.fp5&-format=record%5fdetail.htm&-lay=layout &Name=otmar&-recid=34182&-find=
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://beta.shn.ch/index.php?rub=news&page=detail&detail=237826



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