|
|
Philipp Jakob Spener wurde als Sohn einer frommen Juristenfamilie geboren.
Neben der Wappenkunde, die er mit großem Eifer betrieb, galt seine Leidenschaft
der Theologie, die er in Straßburg
studierte. Obwohl von eher bescheidener und zaghafter Natur, machte Spener
schnell Karriere: bereits mit 31 Jahren übernahm er das höchste geistliche Amt
in Frankfurt
als Oberpfarrer der Barfüßerkirche. Hier lernte er die kirchlichen Verhältnisse
kennen und mit scharfem Blick analysieren. Er vermisste die nötige Glaubenstiefe
bei seinen Kollegen und beklagte den unfrommen Lebenswandel beim Kirchenvolk,
deshalb richtete er private Erbauungszirkel, Collegia pietatis
, ein. 1675
formulierte er einige Pia desideria
, Fromme Wünsche
, an die Vorsteher und
Hirten der gesampten Christ-Evangelischen Kirche
; als Untertitel gab er der
berühmten Schrift: Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der
wahren Evangelischen Kirche
.
Ursprünglich nur als Vorwort zu einer Sammlung von Predigten von Johann
Arndt erschienen, fanden die Pia desideria
bald enormen Widerhall und
machten ihren Verfasser zu einer der Gründergestalten des Pietismus.
In seiner Schrift unterzog Spener die Kirche einer radikalen Kritik und
unterbreitete sechs Reformvorschläge. Nötig sei ein praktiziertes allgemeines
Priestertum zur Unterstützung der Arbeit der Pfarrer, die sich in
Religionsstreitigkeiten liebevoll verhalten und nicht mehr rhethorisch gestelzt,
sondern erbaulich predigen sollten. Vor allem amderem wichtig war ihm ein
regelmäßiges Studium der Bibel, das er allen Christenmenschen empfahl, und die
Erkenntnis, dass das Christentum nicht nur mit dem Kopf, sondern vor allem mit
dem Herzen zu tun hat und sich im Alltag bewähren muss. Nicht im Wissen, sondern
im Tun sah Spener das Wesentliche am Glauben. Die überschwengliche Größe
der
Kraft Jesu gebe Hoffnung für
eine gebrechlich, elend und krank gewordene Kirche. Obwohl er in dieser Richtung
missverstanden wurde, wollte der Pietistenvater keine Trennung von der Kirche,
sondern deren Durchdringung durch die neue Frömmigkeitsbewegung.
1686 wurde Spener Oberhofprediger in Dresden. Von seinen konservativen Theologen-Kollegen vielfach angefeindet, zog er sich auch den Zorn seines Landesherren zu: weil der es mit dem christlichen Lebenswandel nicht so genau nahm, wurde er vom strengen Sittenprediger Spener auf den rechten Weg einer Gott gefälligen Lebensführung zurückgerufen. Der Streit unter den ungleichen Kontrahenten endete damit, dass Spener 1691 den kurfürstlichen Hof verließ und nach Berlin ging, wo er als Probst tätig war. Auch dort blieb er im Mittelpunkt des Interesses und der Kritik.
An der Universität Halle
etablierte sich eine pietistische
Theologenschaft, die die Ideen und Überzeugungen ihres geistigen Gründervaters
pflegte und weiter entwickelte, während an der Fakultät in Wittenberg
die traditionelle lutherische Orthodoxie einen Gegenpol bildete. Spener gilt als
Vater des Pietismus
.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint. |
||||||||||||||||||||