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Frère Roger Schutz
Roger Louis Schutz-Marsauche, Sohn eines Pfarrers der Reformierten Kirche,
studierte von 1935 bis 1939 Theologie in Lausanne
und Straßburg.
1940 gab er seine sichere Karriere als Pfarrer auf und führ mit dem Fahrrad in
ein kleines Bergdorf nach Frankreich, das direkt an der Demarkationslinie
zwischen dem deutsch besetzten Frankreich und den französischen Truppen des
freien Südens lag: das Dorf Taizé.
Er wollte dort eine Gemeinschaft gründen, die das christliche Ideal der
Versöhnung lebte. Er versteckte viele Flüchtlinge, darunter vor allem Juden.
Nach Kriegsende kümmerte er sich um deutsche Kriegsgefangene. Freunde und
Gleichgesinnte, darunter auch Katholiken, schlossen sich Roger Schutz an und er
entdeckte, dass auch sein Christsein sich erst im Zusammenfluss mit der
katholischen Theologie
richtig entwickelte.
1949 legten die ersten sieben Brüder ein gemeinsames Gelübde zum
überkonfessionellen klösterlichen Leben ab und gründeten damit die Communauté
,
die Gemeinschaft
von Taizé.
Die Ordensmitglieder leben nach den evangelischen Räten
- Maßstäben, die der
Bergpredigt entnommen sind - in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Die Entwicklung
des inneren Lebens
einerseits, die Solidarität mit den Menschen
andererseits
sind Grundpfeiler der Gemeinschaft. Frère Roger, wie er sich nun nannte, stand
der Gemeinschaft bis zu seinem Tod als Prior vor.
Frère Roger beim Jugendtreffen in Barcelona 2000
Seit den 50-er Jahren versammelten sich Zehntausende vor allem junger
Christen aus Europa und der ganzen Welt in Taizé
zu Gesprächen und zum Gebet. 1958 begann ein intensiver Gedanken- und
Meinungsaustausches mit dem Vatikan, 1962 wurde Roger Schutz zum 2.
Vatikanischen Konzil eingeladen. Sein Orden fand wachsenden Zuspruch unter
jungen Menschen aus allen Teilen Europas; das Konzil der Jugend, das 1974 in
Taizé stattfand, wurde von mehr als 40.000 Jugendlichen besucht. Seither treffen
sich jährlich Zehntausende junger Menschen aus allen Teilen der Welt im Rahmen
des Europäischen Pilgerweges des Vertrauens auf der Erde
in wechselnden
europäischen Städten. Bis zu 60.000 Jugendliche aus allen Erdteilen sprechen in
den Wochentreffen über Glaubens- und Sinnfragen, beten und feiern gemeinsam
Gottesdienst. Inzwischen gehören der ökumenischen Gemeinschaft 100 Brüder aus
evangelischen und katholischen Kirchen und aus 25 Nationen an. Sie verdienen
ihren Lebensunterhalt selbst und verzichten auf Spenden und Gaben. Einige Brüder
leben mit den Ärmsten in Asien, Afrika und Südamerika.
Bilder aus Taizé und Originaltöne von Gebeten enthält dieses Video
Frère Roger beschrieb seine Grundgedanken in den Büchern In allem ein
innerer Friede
und Kampf und Kontemplation
; aber er wirkte bis zuletzt durch
sein Vorbild und sein Charisma, die Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit. Das
Vertrauen des Herzens
sei aller Dinge Anfang
; er strahlte dieses Vertrauen
aus. Nicht mit Moralpredigten, sondern durch erfahrbare Güte des Herzens gewann
er vor allem junge Leute. 1974 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen
Buchhandels, 1988 den UNESCO-Preis für Friedenserziehung, 1989 in Aachen
den Internationalen Karlspreis. In Italien wird er der heilige Franziskus
des 20. Jahrhunderts
genannt.
Roger Schutz erlag wenige Stunden nach dem Attentat den Verletztungen, die ihm eine psychisch gestörte Besucherin während des Abendgebets in Taizé vor 2500 Jugendlichen mit drei Messerstichen zufügte. Schon vor acht Jahren hatte er Frère Alois Löser bestimmt, ihm nach seinem Tod als Verantwortlicher für die Communauté nachzufolgen.
Die
internationale
ökumenische Communauté de Taizé hat auf ihrer Website in 27 Sprachen
Informationen über das Leben in der Gemeinschaft, über Frère Roger Schutz und
über Möglichkeiten des Besuches in Taizé.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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