Gedenktag katholisch: 3. Juni
nicht gebotener Gedenktag im Franziskanerorden: 11. Oktober
Gedenktag evangelisch: 3. Juni (ELCA)
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Papst Johannes XXIII.
Angelo Giuseppe Roncalli wurde als Sohn einer einfachen Bauernfamilie geboren.
Nach seiner Ausbildung in Bergamo
und Rom
und der Erlangung der Doktorwürde wurde er 1904 zum Priester geweiht und
arbeite nun als Sekretär des Bischofs von Bergamo. Bei ihm lernte er großzügiges
Denken
, pastorale Sensibilität und gewann Einblick in liturgische,
ökumenische und soziale Probleme. 1918 leistete er Militärdienst als
Sanitäter, dann als Soldatengeistlicher. 1919 wurde er Spiritual am Seminar
in Bergamo, ab 1921 wirkte er an der Neuorganisation der päpstlichen
Kongregation für die Glaubensverbreitung in Italien
mit. 1925
wurde Roncalli zum Bischof geweiht und war als apostolischer Visitator,
dann als Gesandter des Vatikans in Bulgarien mit Sitz in Sofia
tätig. Ab 1933 übter er dieses Amt in der Türkei und in Griechenland mit
Sitz in Ístanbul
aus.
Es kam nun zu Spannungen mit Rom, weil Roncalli in der Frage der Haltung zu Christen anderer Konfessionen abweichende Auffassungen vertrat, ebenso in der Frage des verhältnisses zur faschistischen Regierung in Italien. Das Erleben der Orthodoxie schuf in ihm erhöhtes Verlangen nach Einheit der Kirchen. Die Erfahrung des radikalen Laizismus in der Türkei Atatürks weckte seine Sensibilität, zugleich wurde ihm in der Türkei der Eurozentrismus der katholischen Kirche deutlich. Ab 1937 residierte er in Athen, unterstützte die Bevölkerung gegen die deutsche Besetzung und half Juden zur Flucht aus dem von der deutschen Wehrmacht besetzten Griechenland und aus Ungarn. 1945 wurde Roncalli zum vatikanischen NuntiusDer Apostolische Nuntius ist der Botschafter des Staates Vatikanstadt in einem Land. Zugleich vertritt er den Papst als Kirchenoberhaupt gegenüber den Ortskirchen dieses Landes. in Paris ernannt, wo er Erfahrungen mit französischen Marxisten machen konnte sowie die Auseinandersetzungen um Kolonialismus und den Algerien-Krieg erlebte. 1953 wurde Roncalli zum Kardinal und Patriarchen von Venedig ernannt.
Am 28. Oktober 1958 wurde er im elften Wahlgang des Konklave im Alter
von 77 Jahren zum Papst gewählt - offenbar als Kompromisskandidat, wählbar für
die konservativen Anhänger seines Vorgängers, Pius XII., wie für gemäßigten
Reformer. Überraschend nahm er den Namen Johannes an, der seit 1415 nicht
mehr gewählt worden war - wobei er mit der Wahl der Zählung als 23.
zum Ausdruck brachte, dass der zur Zeit des drei-Päpste-Schismas
von
1410 bis 1415 regierende und auf dem Konzil
von Konstanz abgesetzte Johannes XIII. kein rechtmäßiger Papst war; er
wolle die kirchengeschichtlich umstrittene Frage nicht entscheiden, erklärte er.
Schon 30 Tage nach seiner Wahl kündigte er die Einberufung des
2. Vatikanischen Konzils an,
das er am 11. Oktober 1962 eröffnete. Eine Woche zuvor hatte er als erster Papst
seit 1870 den Vatikan
verlassen und eine Wallfahrt zum Grab von
Franziskus nach Assisi
unternommen. Das überraschend einberufene Konzil sollte die römisch-katholische
Kirche durch Modernisierung (Aggiornamento) in Lehre und Organisation
reformieren und die Begegnung der getrennten christlichen Kirchen sowie den
Dialog mit anderen Religionen fördern; Bereitschaft zur Barmherzigkeit und
Ablehnung der Unglückspropheten
waren Stichworte seiner Eröffnungsansprache.
Während seine Vorgänger sich als Gefangene im Vatikan
betrachteten, verstand Johannes XXIII. sich wirklich als Bischof von Rom:
er besuchte die Gemeinden, gab sich leutselig - ich bin Josef, euer Bruder
,
stellte er sich schon in seiner Krönungsansprache und dann immer wieder
vor, bescheiden und in Anlehnung an den nachsichtigen und hilfsbereiten
== Joseph in Ägypten (1. Mose 45, 4). Aufsehen
erregte sein Besuch im römischen Staatsgefängnis, wo er die Häftlinge tröstete
mit der Erzählung von seinem Onkel, der auch (wegen Wilderei) im Gefängnis
eingesperrt war. Er schaffte den Fußkuss und die bislang vorgeschriebenen drei
Verbeugungen bei Privataudienzen ab und erhöhte in einer seiner ersten
Amtshandlungen die zuvor schäbigen Gehälter der Angestellten.
In der KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan.
bestzte er das seit 1944 vakante Amt des Staatssekretärs -
des Regierungschefs des Vatikanstaates
wieder, führte wieder regelmäßige Audienzien für die Verantwortlichen der
KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan.
ein, ernannte neue Kardinäle, um deren Kollegium zu verjüngen. Auch
die traditionelle Verstrickung des Vatikan in die italienische Politik
versuchte er zu lösen; er wolle eine Kirche die den Menschen an sich
dient, nicht nur insofern sie katholisch sind
, sagte er 1962.
Als wichtiger Beitrag zur Kirchenreform sind auch Johannes' sieben Enzykliken
zu werten, darunter Mater et Magistra
, Mutter und Lehrerin
zur katholischen Soziallehre von 1961, in der er die Würde des Einzelnen
als Grundlage der gesellschaftlichen Institutionen betonte. Schlüsselwort
war deshalb der Begriff der Subsidiarität
, wonach Aufgaben möglichst
vor Ort, von den Betroffenen, durch lokale Glieder erledigt werden und
zentralistische Eingriffe abzuwehren sind; diese Idee der katholischen
Soziallehre *, wurde damit weithin bekannt und
inzwischen auch offiziell von den Beschlüssen der Europäischen Gemeinschaft
übernommen. Johannes kritisierte die soziale Ungerechtigkeit in weiten Teilen
der Welt und die ungerechte Lohnpolitik in den Industrieländern, er empfahl
Mitbestimmung in den Betrieben und Vermögensbeteiligung für die Arbeitnehmer.
1963 erschien Johannes' Enzyklika Pacem in Terris
, Friede auf Erden
,
in der er in moderner Sprache und an alle Menschen guten Willens
gerichtet
zur internationalen Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit aufforderte,
die Idee eines gerechten Krieges ablehnte und im Gegensatz zu
seinen Vorgängern die Menschenrechte ausdrücklich anerkannte. Seine
Aufgeschlossenheit für die Ökumene zeigte 1960 sich in der Gründung des
Sekretariats für die Einheit der Christen
, in Kontakten zur Orthodoxen
Kirche, zu Vertretern des Protestantismus und zum == Ökumenischen Rat der Kirchen, zu
Juden und Muslimen. Das Wesentliche ist der grundlegende Wandel in den
Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den anderen Kirchen,
der den Beginn eines wahren Dialogs gesetzt hat
, erklärte der Generalsekretär
des Ökumenischen Weltrates der Kirchen, Visser't Hooft.
Papst Johannes XXIII.
In den zuvor vom Vatikan misstrauisch betrachteten
Vereinten Nationen erkannte Johannes ein gottgewolltes Zeichen der Zeit
. Auch in der
internationalen Politik wirkte er ausgleichend, er traf mit führenden Vertretern
der Großmächte wie den amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower und John
F. Kennedy zusammen; dem Schwiegersohn des sowjetischen Präsidenten
Chruschtschow, Adschubej, gewährte er eine Privataudienz, in manchem bereitete
er der Politik der Ostpolitik mit der Aussöhnung mit den kommunistischen Ländern
den Weg. In der italienischen Innenpolitik blieb er neutral, unterstütze nicht
mehr wie seine Vorgänger die Konservativen und beendete die Exkommunikation
aller Mitglieder der Kommunistischen Partei.
Zu Johannes' wissenschaftlichen Werken zählen die fünfbändigen Studien zum
heiligen Karl (Carlo)
Borromäus. Sein Geistliches Tagebuch und andere geistliche Schriften
-
1965 posthum veröffentlicht - und seine Briefe an die Familie
- 1969
erschienen - weisen Schlichtheit und Demut seines geistlichen Lebens aus.
Aufgrund seiner persönlichen Ausstrahlung, seines Engagements für den Frieden,
seiner Toleranz und seines Optimismus wurde er nicht nur innerhalb der
katholischen Kirche hoch verehrt; die zuvor hohe Hemmschwelle vor der unnahbaren
Autorität des Amtes minderte er erfolgreich, wodurch er dem Glauben Türen beim
Volk öffnete. Er wollte kein großer Redner, Diplomat, Wissenschaftler oder
Organisator sein, sondern ein guter Hirte
nach dem Vorbild von Petrus;
er lehrte nicht, sondern lebte eine neue Form des Papstamtes.
Johannes' Glassarg in einer Seitenkapelle des Petersdoms
in Rom 
Johannes starb an einem Krebsleiden und wurde im Petersdom
beigesetzt. Nie zuvor seit der Kirchenspaltung im 11. Jahrhundert und der
Reformation im 16. Jahrhundert hatte ein Papst so viel Zustimmung, Anerkennung und
weltweite Beachtung gefunden. Selbst die sowjetischen Schiffe im Hafen von Genua
flaggten Halbmast. Als Vatikan-Experten im Jahr 2001 sein Grab in der Krypta des
Petersdoms öffneten, war der Körper intakt, als wäre er am Vortag beerdigt
worden
.
Kanonisation:
Schon auf dem 2. Vatikanischen
Konzil wurde zweimal Johannes' Seligsprechung durch Akklamation
vorgeschlagen, auch sein Nachfolger, Papst Paul VI. erwog sie. Aber erst im
Januar 2000 wurde sie von Papst Johannes Paul II.
angekündigt, nachdem das hierfür geforderte Heilungswunder durch eine Ordensfrau
als an ihr vollzogen bezeugt wurde. Zusammen mit Papst Pius
IX. wurde Johannes am 3. September 2000 von Papst Johannes Paul II. selig
gesprochen.
* Urprünglich stammt der Gedanke aus der Konzeption des Gemeinwesens nach Johannes Calvin.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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