Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes XXIII.

Gedenktag katholisch: 3. Juni
     n.g. Gedenktag im Franziskanerorden: 11. Oktober
Gedenktag evangelisch: 3. Juni (ELCA)
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Papst
* 25. November 1881 in Sotto il Monte bei Bergamo in Italien
† 3. Juni 1963 in Rom
Kartenskizze
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Papst Johannes XXIII.

Papst Johannes XXIII.

Angelo Giuseppe Roncalli wurde als Sohn einer einfachen Bauernfamilie geboren. Nach seiner Ausbildung in Bergamo und Rom und der Erlangung der Doktorwürde wurde er 1904 als Priester ordiniert, wurde Sekretär des Bischofs von Bergamo, dann Professor für Kirchengeschichte. Im 1. Weltkrieg diente er als Sanitäter, später als Feldgeistlicher. 1921 wirkte er an der Neuorganisation der päpstlichen Kongregation für die Glaubensverbreitung mit, ab 1925 war er Gesandter des Vatikans in Bulgarien mit Sitz in Sofia (София), ab 1933 in der Türkei und in Griechenland mit Sitz in Ístanbul. Als solcher half er Juden zur Flucht aus dem von der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg besetzten Ungarn. 1944 wurde er zum vatikanischen Nuntius - Botschafter - in Paris ernannt, 1953 zum Kardinal und Patriarchen von Venedig.

Am 28. Oktober 1958 wurde er im im elften Wahlgang des Konklave im Alter von 77 Jahren zum Papst gewählt - offenbar als Kompromisskandidat, wählbar für konservative Anhänger des Vorgängers wie für gemäßigte Reformer. Überraschend nahm er den Namen Johannes an - wobei er mit der Wahl der Zählung als 23. zum Ausdruck brachte, dass der zur Zeit des drei-Päpste-Schismas von 1410 bis 1415 regierende Johannes XIII. kein rechtmäßiger Papst war; er wolle die kirchengeschichtlich umstrittene Frage nicht entscheiden, erklärte er.

Schon 30 Tage nach seiner Wahl kündigte er die Einberufung des 2. Vatikanischen Konzils an, das er am 11. Oktober 1962 eröffnete. Eine Woche zuvor hatte er als erster Papst seit 1870 den Vatikan verlassen und eine Wallfahrt zum Grab von Franziskus nach Assisi unternommen. Das überraschend einberufene Konzil sollte die römisch-katholische Kirche durch Modernisierung (Aggiornamento) in Lehre und Organisation reformieren und die Begegnung der getrennten christlichen Kirchen sowie den Dialog mit anderen Religionen fördern.

Johannes' Wappen

Johannes' Wappen   

Während seine Vorgänger sich als Gefangene im Vatikan betrachteten, verstand Johannes XXIII. sich wirklich als Bischof von Rom: er besuchte die Gemeinden, gab sich leutselig - ich bin Josef, euer Bruder, stellte er sich gelegentlich vor, bescheiden und in Anlehnung an den nachsichtigen und hilfsbereiten == Joseph in Ägypten (1. Mose 45, 4). Aufsehen erregte sein Besuch im römischen Staatsgefängnis, wo er die Häftlinge tröstete mit der Erzählung von seinem Onkel, der auch (wegen Wilderei) im Gefängnis eingesperrt war. Er schaffte den Fußkuss und die bislang vorgeschriebenen drei Verbeugungen bei Privataudienzen ab und erhöhte in einer seiner ersten Amtshandlungen die zuvor schäbigen Gehälter der Angestellten.

Als wichtiger Beitrag zur Kirchenreform sind auch Johannes' sieben Enzykliken zu werten, darunter Mater et Magistra zur katholischen Soziallehre von 1961, in der er die Würde des Einzelnen als Grundlage der gesellschaftlichen Institutionen betonte, und Pacem in Terris von 1963, in der er in moderner Sprache und an alle Menschen guten Willens gerichtet zur internationalen Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit aufforderte und im Gegensatz zu seinen Vorgängern die Menschenrechte ausdrücklich anerkannte. Seine Aufgeschlossenheit für die Ökumene zeigte 1960 sich in der Gründung des Sekretariats für die Einheit der Christen, in Kontakten zur orthodoxen Kirche, zu Vertretern des Protestantismus und zum == Ökumenischen Rat der Kirchen, zu Juden und Muslimen. Das Wesentliche ist der grundlegende Wandel in den Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den anderen Kirchen, der den Beginn eines wahren Dialogs gesetzt hat, erklärte der Generalsekretär des Ökumenischen Weltrates der Kirchen, Visser't Hooft.

In den zuvor vom Vatikan misstrauisch betrachteten Vereinten Nationen erkannte Johannes ein gottgewolltes Zeichen der Zeit. Auch in der internationalen Politik wirkte er ausgleichend, er traf mit führenden Vertretern der Großmächte wie den amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy zusammen; dem Schwiegersohn des sowjetischen Präsidenten Chruschtschow, Adschubej, gewährte er eine Privataudienz, in manchem bereitete er der Politik der Ostpolitik mit der Aussöhnung mit den kommunistischen Ländern den Weg. In der italienischen Innenpolitik blieb er neutral, unterstütze nicht mehr wie seine Vorgänger die Konservativen und beendete die Exkommunikation aller Mitglieder der Kommunistischen Partei.

Zu Johannes' wissenschaftlichen Werken zählen die fünfbändigen Studien zum heiligen Karl (Carlo) Borromäus. Sein Geistliches Tagebuch und andere geistliche Schriften - 1965 posthum veröffentlicht - und seine Briefe an die Familie - 1969 erschienen - weisen Schlichtheit und Demut seines geistlichen Lebens aus. Aufgrund seiner persönlichen Ausstrahlung, seines Engagements für den Frieden, seiner Toleranz und seines Optimismus wurde er nicht nur innerhalb der katholischen Kirche hoch verehrt; die zuvor hohe Hemmschwelle vor der unnahbaren Autorität des Amtes minderte er erfolgreich, wodurch er dem Glauben Türen beim Volk öffnete. Er wollte kein großer Redner, Diplomat, Wissenschaftler oder Organisator sein, sondern ein guter Hirte nach dem Vorbild von Petrus; er lehrte nicht, sondern lebte eine neue Form des Papstamtes.

Johannes starb an einem Krebsleiden und wurde im Petersdom beigesetzt. Nie zuvor seit der Kirchenspaltung im 11. Jahrhundert und der Refomation im 16. Jahrhundert hatte ein Papst soviel Zustimmung, Anerkennung und weltweite Beachtung gefunden. Selbst die sowjetischen Schiffe im Hafen von Genua flaggten Halbmast. Als Vatikan-Experten im Jahr 2001 sein Grab in der Krypta des Petersdoms öffneten, war der Körper intakt, als wäre er am Vortag beerdigt worden.

Kanonisation: Schon auf dem 2. Vatikanischen Konzil wurde zweimal Johannes' Seligsprechung durch Akklamation vorgeschlagen, auch sein Nachfolger, Papst Paul VI. erwog sie. Aber erst im Januar 2000 wurde sie von Papst Johannes Paul II. angekündigt, nachdem das hierfür geforderte Heilungswunder durch eine Ordensfrau als an ihr vollzogen bezeugt wurde. Zusammmen mit Papst Pius IX. wurde Johannes am 3. September 2000 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• Stuttgarter Zeitung, 28. Januar 2000
• http://www.bautz.de/bbkl/j/Johannes_XXIII.shtml
• http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/odenwalds_universum/frage-von-christoph-jannack_aid_54625.html



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