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Papst Johannes XXIII.
Angelo Giuseppe Roncalli wurde als Sohn einer einfachen Bauernfamilie geboren.
Nach seiner Ausbildung in Bergamo
und Rom
und der Erlangung der Doktorwürde wurde er 1904 als Priester ordiniert, wurde
Sekretär des Bischofs von Bergamo, dann Professor für Kirchengeschichte. Im 1.
Weltkrieg diente er als Sanitäter, später als Feldgeistlicher. 1921 wirkte er an
der Neuorganisation der päpstlichen Kongregation für die Glaubensverbreitung
mit, ab 1925 war er Gesandter des Vatikans in Bulgarien mit Sitz in Sofia
(София), ab 1933 in der Türkei und in Griechenland mit Sitz in Ístanbul.
Als solcher half er Juden zur Flucht aus dem von der deutschen Wehrmacht im 2.
Weltkrieg besetzten Ungarn. 1944 wurde er zum vatikanischen Nuntius -
Botschafter - in Paris
ernannt, 1953 zum Kardinal und Patriarchen von Venedig.
Am 28. Oktober 1958 wurde er im im elften Wahlgang des Konklave im Alter
von 77 Jahren zum Papst gewählt - offenbar als Kompromisskandidat, wählbar für
konservative Anhänger des Vorgängers wie für gemäßigte Reformer. Überraschend
nahm er den Namen Johannes an - wobei er mit der Wahl der Zählung als 23.
zum
Ausdruck brachte, dass der zur Zeit des drei-Päpste-Schismas
von 1410 bis
1415 regierende Johannes XIII. kein rechtmäßiger Papst war; er wolle die
kirchengeschichtlich umstrittene Frage nicht entscheiden, erklärte er.
Schon 30 Tage nach seiner Wahl kündigte er die Einberufung des 2. Vatikanischen Konzils an, das er am 11. Oktober 1962 eröffnete. Eine Woche zuvor hatte er als erster Papst seit 1870 den Vatikan verlassen und eine Wallfahrt zum Grab von Franziskus nach Assisi unternommen. Das überraschend einberufene Konzil sollte die römisch-katholische Kirche durch Modernisierung (Aggiornamento) in Lehre und Organisation reformieren und die Begegnung der getrennten christlichen Kirchen sowie den Dialog mit anderen Religionen fördern.
Während seine Vorgänger sich als Gefangene im Vatikan
betrachteten, verstand Johannes XXIII. sich wirklich als Bischof von Rom:
er besuchte die Gemeinden, gab sich leutselig - ich bin Josef, euer Bruder
,
stellte er sich gelegentlich vor, bescheiden und in Anlehnung an den
nachsichtigen und hilfsbereiten == Joseph in Ägypten (1. Mose 45, 4). Aufsehen
erregte sein Besuch im römischen Staatsgefängnis, wo er die Häftlinge tröstete
mit der Erzählung von seinem Onkel, der auch (wegen Wilderei) im Gefängnis
eingesperrt war. Er schaffte den Fußkuss und die bislang vorgeschriebenen drei
Verbeugungen bei Privataudienzen ab und erhöhte in einer seiner ersten
Amtshandlungen die zuvor schäbigen Gehälter der Angestellten.
Als wichtiger Beitrag zur Kirchenreform sind auch Johannes' sieben Enzykliken
zu werten, darunter Mater et Magistra
zur katholischen Soziallehre von 1961,
in der er die Würde des Einzelnen als Grundlage der gesellschaftlichen
Institutionen betonte, und Pacem in Terris
von 1963, in der er in moderner
Sprache und an alle Menschen guten Willens
gerichtet zur internationalen
Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit aufforderte und im Gegensatz zu
seinen Vorgängern die Menschenrechte ausdrücklich anerkannte. Seine
Aufgeschlossenheit für die Ökumene zeigte 1960 sich in der Gründung des
Sekretariats für die Einheit der Christen
, in Kontakten zur orthodoxen Kirche,
zu Vertretern des Protestantismus und zum == Ökumenischen Rat der Kirchen, zu
Juden und Muslimen. Das Wesentliche ist der grundlegende Wandel in den
Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den anderen Kirchen,
der den Beginn eines wahren Dialogs gesetzt hat
, erklärte der Generalsekretär
des Ökumenischen Weltrates der Kirchen, Visser't Hooft.
Papst Johannes XXIII.
In den zuvor vom Vatikan misstrauisch betrachteten
Vereinten Nationen erkannte Johannes ein gottgewolltes Zeichen der Zeit
. Auch in der
internationalen Politik wirkte er ausgleichend, er traf mit führenden Vertretern
der Großmächte wie den amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower und John
F. Kennedy zusammen; dem Schwiegersohn des sowjetischen Präsidenten
Chruschtschow, Adschubej, gewährte er eine Privataudienz, in manchem bereitete
er der Politik der Ostpolitik mit der Aussöhnung mit den kommunistischen Ländern
den Weg. In der italienischen Innenpolitik blieb er neutral, unterstütze nicht
mehr wie seine Vorgänger die Konservativen und beendete die Exkommunikation
aller Mitglieder der Kommunistischen Partei.
Zu Johannes' wissenschaftlichen Werken zählen die fünfbändigen Studien zum
heiligen Karl (Carlo)
Borromäus. Sein Geistliches Tagebuch und andere geistliche Schriften
-
1965 posthum veröffentlicht - und seine Briefe an die Familie
- 1969
erschienen - weisen Schlichtheit und Demut seines geistlichen Lebens aus.
Aufgrund seiner persönlichen Ausstrahlung, seines Engagements für den Frieden,
seiner Toleranz und seines Optimismus wurde er nicht nur innerhalb der
katholischen Kirche hoch verehrt; die zuvor hohe Hemmschwelle vor der unnahbaren
Autorität des Amtes minderte er erfolgreich, wodurch er dem Glauben Türen beim
Volk öffnete. Er wollte kein großer Redner, Diplomat, Wissenschaftler oder
Organisator sein, sondern ein guter Hirte
nach dem Vorbild von Petrus;
er lehrte nicht, sondern lebte eine neue Form des Papstamtes.
Johannes' Glassarg in einer Seitenkapelle des Petersdoms
in Rom ![]()
Johannes starb an einem Krebsleiden und wurde im Petersdom
beigesetzt. Nie zuvor seit der Kirchenspaltung im 11. Jahrhundert und der
Refomation im 16. Jahrhundert hatte ein Papst soviel Zustimmung, Anerkennung und
weltweite Beachtung gefunden. Selbst die sowjetischen Schiffe im Hafen von Genua
flaggten Halbmast. Als Vatikan-Experten im Jahr 2001 sein Grab in der Krypta des
Petersdoms öffneten, war der Körper intakt, als wäre er am Vortag beerdigt
worden
.
Kanonisation:
Schon auf dem 2. Vatikanischen
Konzil wurde zweimal Johannes' Seligsprechung durch Akklamation
vorgeschlagen, auch sein Nachfolger, Papst Paul VI. erwog sie. Aber erst im
Januar 2000 wurde sie von Papst Johannes Paul II.
angekündigt, nachdem das hierfür geforderte Heilungswunder durch eine Ordensfrau
als an ihr vollzogen bezeugt wurde. Zusammmen mit Papst Pius
IX. wurde Johannes am 3. September 2000 von Papst Johannes Paul II. selig
gesprochen.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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