Ökumenisches Heiligenlexikon

Bilhildis von Altmünster

auch: von Mainz

Gedenktag katholisch: 27. November
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Mainz

Name bedeutet: Schwert und Kampf (althochdt.)

Klostergründerin, Äbtissin in Altmünster
* 650Mitte des 7. Jahrhunderts in Hochheim, heute Veitshöchheim bei Würzburg in Bayern
um 734 in Mainz in Rheinland-Pfalz


Bilhildis, Tochter des Grafen Jberin und seiner Frau Mathilda, heiratete der Legende nach um 672 den heidnischen Frankenherzog Hetan I., der in Würzburg residierte.

Festung Würzburg heute
Festung Würzburg heute

Bilhildis, erwartete ein Kind, als ihr Mann zum Heeresdienst abreisen musste, und kehrte in dieser Zeit in ihre Heimat nach Hochheim zurück. Von dort flüchtete sie heimlich mit einem Schiff auf dem Main nach Mainz zu ihrem Onkel, Erzbischof Rigibert - die Bischofskirche stand damals an der Stelle der heutigen - evangelischen - Kirche St. Johannis. In Mainz wurde von einem Sohn entbunden, der aber schon bald starb.

Bilhildis-Statue mit Äbtissinnenstab und Modell des Altmünsterklosters am Erthaler Hof in Mainz
Bilhildis-Statue mit Äbtissinnenstab und Modell des Altmünsterklosters am Erthaler Hof in Mainz

Bilhildis blieb dieser Überlieferung nach in Mainz auch, als ihr Mann wieder aus dem Krieg heimkehrte; andere Überlieferungen berichten, wie sie ihn bekehrte. Nach seinem Tod verwendete sie ihr Erbe zur Fürsorge für Arme und Kranke; um 693 kaufte sie der Überlieferung zufolge von Erzbischof Rigibert ein Grundstück und gründete darauf mit seiner Hilfe das Hohenmünster - auch: Hagenmünster - genannte Kloster der Benediktinerinnenkloster. Bilhildis stand dem Kloster als Äbtissin vor und vermachte ihm ihre Güter um Würzburg.

Als Bilhildis dem Tod nahe war, träumten der Legende nach drei ihrer Klosterschwestern, die hochverehrte Äbtissin habe noch nicht die Sakramente der Taufe und Firmung empfangen. Bilhildis kam die Nachricht unglaublich vor. Der um Rat gebetene Erzbischof Rigibert entschied, das ganze Kloster solle wachen, fasten und beten, damit Gott Aufklärung schicke, was dann geschah und die Träume der drei Nonnen bestätigte; daraufhin spendete der Erzbischof der Äbtissin die Sakramente. Als Bilhildis starb, habe sie ein wunderbarer Glanz überstrahlt.

Reliquiar in der Pfarrkirche St. Vitus in Veitshöchheim
Reliquiar in der Pfarrkirche St. Vitus in Veitshöchheim

Bilhildis' Leichnam wurde im Chor der Kirche ihres Klosters Altmünster beigesetzt. Nachts sollen oft Lichter wie Sterne um ihr Grab gefunkelt haben. Ihre Verehrung in Mainz ist erstmals um 1000 bezeugt, nach 1060 wurde eine Lebensgeschichte verfasst. 1289 errichtete man ihr in der Kirche ihres Klosters einen Altar und einen eigenen Reliquienschrein mit ihrem Kopf. 1722 wurden Reliquien in die Pfarrkirche St. Vitus nach Veitshöchheim gebracht. Andere Reliquien kamen in die Mainzer Kirche St. Emmeran und nach deren Bombardierung und Zerstörung 1945 in die Sakristei des Domes. Die Kopfreliquie wurde 1991 wissenschaftlich untersucht und für echt befunden. In Veitshöchheim findet jedes Jahr an ihrem Gedenktag die Bilhildis-Prozession statt, bei der die Büste durch Hofgarten und Straßen getragen wird.

Das Kloster Hohenmünster / Hagenmünster - etwa am heutigen Münsterplatz gelegen - war das erste in Mainz gegründete Kloster; dies erfolgte nach neuerer Forschung entgegen der Bilhildis-Legende wohl tatsächlich durch Missionarinnen aus Irland oder Schottland. Bis 1235 war es Benediktinerinnenkloster, dann wurde es Abtei der Zisterzienserinnen. Das urspüngliche Kloster wurde 1656 aufgegeben und bis 1662 einige Meter weiter südlich an der Stelle der heutigen Altmünsterkirche neu erbaut; 1781 wurde es säkularisiert. Seit 1802 ist die Kirche evangelisch.

Patronin der Kranken

Der Dom in Mainz ist werktäglich von 11 Uhr bis 16 Uhr, sonntags von 13 Uhr bis 16 Uhr zur Besichtigung geöffnet. (2021)
Die Kirche St. Emmeran in Mainz ist täglich von 8 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. (2021)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 19.02.2021

Quellen:
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://pressemitteilung.ws/node/view/4118
• http://www.mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/akah-6bmkbu.de.html?
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XIV, Herzberg 1998
• Infotafel an der Altmünsterkirche in Mainz

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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