Ökumenisches Heiligenlexikon

Christina Ebner

Gedenktag katholisch: 27. Dezember

Name bedeutet: die Christin (griech. - latein.)

Priorin, Mystikerin
* 26. März 1277 in Nürnberg in Bayern
27. Dezember 1356 in Engelthal bei Nürnberg in Bayern


Epitaph: Die Milch spendende Maria mit Christina Ebner (rechts unten), 1429, in der Sebalduskirche in Nürnberg
Epitaph: Die Milch spendende Maria mit Chritina Ebner (rechts unten), 1429, in der Sebalduskirche in Nürnberg. Inschrift: Die selige Christine Ebner wart geborn anno domini M cc Ixxxvii jar und wart Ixxix jar alt und starb anno domini Mccc Ivi an sant Johanes tag zu weihnachtn und lebet seliglich im orden zu Engeltal do liegt sie begraben bitte gott für das geschlecht der Ebner

Christina, am Karfreitag geborene Tochter einer der ältesten und einflussreichsten Patrizierfamilien in Nürnberg, war dort im Elternhaus am Egidienplatz aufgewachsen. Im Alter von 12 Jahren ins Dominikanerinnenkloster Engelthal ein, war wohl 1345 auch kurz Priorin. Im Kloster erlebte die streng asketisch Lebende zahlreiche Visionen, deren Inhalt sie und ihr Beichtvater, der Dominikaner Konrad von Füssen, ab 1317 schriftlich niederlegten; sie wurde damit eine der ersten Autorinnen deutscher Sprache. Ihr buchlein von der genaden uberlast berichtet von ihren Schauungen über die das mystische Leben verstorbener Nonnen ihres Klosters, von freudvollen Begnadungen, von Erscheinungen Christi und der Maria sowie Verstorbener oder von den Gesprächen zwischen Gott vater, Christus und dem Heiligen Geist über theologische Fragen. Gebet, Lektüre, Kasteiungen, Schweigen und innere Einkehr prägten ihr Leben. Sie wurde von vielen bedeutenden Personen als Ratgeberin geschätzt und weithin hoch verehrt; 1350 besuchte sie sogar der spätere Kaiser Karl IV., um ihren Segen zu erbitten. Ihr Briefwechsel mit dem WeltpriesterWeltpriester - oder auch Diözesanpriester - sind in der römisch-katholischen Kirche alle Priester, die keinem Orden angehören. Heinrich von Nördlingen ist verschollen. Christina starb im Ruf der Heiligkeit.

Willibaldskapelle, ältester erhaltener Teil des Klosters Engelthal, Urbau um 1058
Willibaldskapelle, ältester erhaltener Teil des Klosters Engelthal, Urbau um 1058

Das Kloster Engelthal wurde 1565 in der Reformation aufgelöst. Das Grab der örtlich als heilig Verehrten in der ehemaligen Klosterkirche, an dem Wunder geschehen seien, ist seitdem verschollen.

Worte von Christina Ebner

Christinas Buch Von der Gnaden Überlast beginnt sie mit folgenden Worten:
Ich hebe hier ein Büchlein an, da findet man den Anfang des Klosters Engeltal und die Menge der Gnaden, die Gott mit den Klosterfrauen getan hat im Anfang und jetzt später, infolge der Menge seiner hervorbrechenden Tugenden, die ebenso wenig zu ruhen vermag als das Meer seiner ausströmenden Kräfte. Niemand ist durch seine eigene Tüchtigkeit zu großer Heiligkeit gekommen: Gott hat sie alle dahin geführt nach seines freien Willens Wahl. Auch jetzt noch hat er die Macht dazu, dass er seinen Freunden gütlich tu. Weil er allein alle Dinge erkennt, darum tut er dem Einen gütlich und dem Andern nicht. Aber das vermögen unsere menschlichen Sinne nicht zu begreifen, wollen wir ohne Verwirrung und Ärgernis sein.

Christina hielt ihr geistliches Erleben fest. Sie schrieb über sich:
Sie ward auch in das irdische Paradies entzückt und sprach oft: Sie wüsste ebenso wohl, wie es im Paradies bestellt sei, als im Kloster. Da sah sie eine Schwester aus ihrem Kloster, die verschieden war, im Paradies. Da sprach sie zu ihr: Bist du noch nicht im Himmel? Da sprach jene: O ja, wahrlich.Was tust du dann hier?Gott hat mich hergesandt dir zum Troste.Eja, so sage mir etwas von seiner Schönheit! Da sprach sie: Frage mich nicht nach seiner Schönheit; frage mich nach seiner Barmherzigkeit! Wäre alles Laub und alles Gras, das je gewachsen ist und je wachsen wird, wären die alle gelehrte Meister der hohen Schule zu Paris – sie könnten nicht zu Ende sagen noch zu Ende schreiben die Barmherzigkeit, die in Gott ist, und sonderlich die Barmherzigkeit, die er hat bei des Menschen Tod.

Eine Engelthaler Vision schildert Christina folgendermaßen:
Dort stand eine große schöne Linde. Die hatte alle ihre Blätter verwandelt in Morgensterne, die waren zuunterst am größten und allerschönsten. Das ging so bis in die Mitte; da verwandelten sich die Sterne und wurden, je höher hinauf, desto kleiner. Wo es in den Wipfel ging, da wurden sie wie der Mond, wenn er abnimmt. Die Sterne hingen alle in eigener Kraft fest, und wenn einer davon abging, so trat ein anderer an seine Statt. Als nun die natürliche Sonne aufging, da warf sie ihren Schein auf die Sterne; da ward ein so schöner Glast [Glanz], das war über alle menschlichen Sinne.
Da ließ Kunigund des Kaplans Messe fahren und ging unter diesen Baum. Da sah sie auf den innersten Ästen zwei Vögel, die waren so groß wie die welschen Tauben und hatten auch ihre Gestalt, und waren so lauter wie Spiegelglas und wie klarer Beryllstein, in dem man sich ersieht. Dieses Gesicht währte, bis man das zweite Zeichen zur Prim läutete. Da verschwanden die Sterne und gewann der Baum seine natürlichen Blätter wieder. Da ging sie zur Prim und konnte dieses große Gesicht nicht vergessen. Als dann die Stillmesse kam, da sprach eine Stimme zu ihr: Wüsstest du etwa gerne, was dies Gesicht bedeutet? Da sprach sie: Ja, ich wüsste es gar gerne.
Es bedeutet das, dass im ersten Anfang dieses Klosters das die heiligsten und gnadenreichsten Menschen waren, die es gab. Unser Herr weiß alle Dinge in seiner Vorsehung: Wenn dieses Kloster mit großen göttlichen Gnaden in die Mitte seiner Zeit kommt, so wird ihnen die Gnade gemindert, aber sie hört niemals ganz auf. Unser Herr will allzeit etwelche hier haben, mit denen er besondere Gnade tun will, dieweil das Kloster steht. Er selbst will diejenigen hier sammeln, denen er seine Gnaden gönnt.
Und habe dir das als Beweis, dass du meinen Worten glaubest: Die zwei Vögel, die du gesehen hast, die bedeuten, dass die zwei heiligsten Menschen, die das Kloster hat, in Kurzem von euch scheiden werden.

Quelle: Christine Ebnerin: Das Büchlein von der Gnaden Überlast, aus dem Altdeutschen übertragen von Wilhelm Oehl, Paderborn 1924, S. 19, 68f, 44f

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

  Ausführlich erläutert wird Die mittelalterliche Frauenmystik der Christine Ebner in der Broschüre Kunst in St. Sebald, die online verfügbar ist.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 29.07.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• http://staff.fim.uni-passau.de/schmidtb/philosophie/Kunst/Kunst_in_St_Sebald/frauen.htm
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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