Ökumenisches Heiligenlexikon

David von Augsburg

Gedenktag katholisch: 19. November

Name bedeutet: der Geliebte (hebr.)

Ordensmann, Mystiker
* um 1200 in Augsburg in Bayern
19. November 1272 (?) daselbst


David war eines der ersten deutschen Mitglieder im Franziskanerorden. Er wirkte mit an der Ausbildung in Magdeburg, dann etwa ab 1240 als Novizenmeister in Regensburg. Bischof Berthold von Regensburg begleitete er auf seinen Predigtreisen durch Süddeutschland und er war beteiligt an den Maßnahmen der Inquisition gegen die Waldenser. Ab 1250 wirkte er von Augsburg aus als Volksprediger.

David war der wohl erste deutsche Mystiker, seine Schriften gelten als Klassiker der Mystik. De exterioris et interioris hominis compositione, Von der Äußerlichen und innerlichen Beschaffenheit des Menschen beschreibt einen dreifachen Weg des Aufstiegs zum geistlichen Leben. In der Folge bildete sich in Augsburg ein deutschsprachiges Schrifttum, das als einer der ersten Höhepunkte der volkssprachlichen theologischen Literatur gilt.

Kanonisation: David wurde schon bald als Heiliger verehrt, aber nie kanonsiert.

Worte von David von Augsburg

In einer Schrift an die Franziskanernovizen in Regensburg bedient sich David der allegorischen Schriftauslegung und deutet die Söhne der beiden Frauen Jakob als Stufen zur christlichen Vollkommenheit. David schreibt:

Beim Streben nach wahrer Frömmigkeit handelt es sich hauptsächlich um zwei Stücke: um die Ausübung der Tugend und um den Zustand der inneren Andacht. Das eine betrifft das tätige Leben, das andere das beschauliche Leben – beide versinnbildlicht durch die zwei Frauen Jakobs, die fruchtbare Lea und die schöne Rahel: Reicher an Zahl sind die Werke der Tugend, aber süßer im Geschmack ist der Genuss der Andacht. Lea gebar nämlich sechs Söhne, und diese bedeuten die sechs Stufen des Handelns …
Die erste Stufe sind die Werke der Buße, durch die der Leib gezwungen wird, dem Geist zu dienen: Enthaltsamkeit, Nachtwachen, Geißelung und dergleichen. Die zweite Stufe besteht darin, dass man die aufsteigenden Regungen der Sünde unterdrückt, den Stolz niederwirft, den Zorn erstickt, den Neid auslöscht, die Begierden verjagt, den Geiz von sich stößt, die Leckerhaftigkeit zähmt, die Üppigkeit verachtet und die Zunge im Zaum hält. … Die dritte Stufe besteht in der Ausübung der Tugendwerke, im demütigen und beharrlichen Gehorsam, im Dienste der Liebe, in Sanftmut der Sprache und so in verschiedenen Übungen des guten Beispiels. … Die vierte Stufe: jegliche Widerwärtigkeit erdulden lernen, wie Zurechtweisungen, auch unverdiente, Mangel an Lebensmitteln, Kleidern, Häusern, Büchern, ferner Krankheiten, Verhöhnung, Verachtung, Beleidigung, Verdächtigung, Beschwerden, Versuchungen, Verschrobenheit anderer, Unreinlichkeit, Verfolgung, Kerker und Tod. … Die fünfte Stufe: die Gedanken, Stimmungen und Absichten nach der Vernunftnorm zu regeln und alle Aspekte zu Tugenden zu ordnen, so dass man nur das Liebenswerte liebt, und zwar so, wie es zu lieben ist, nur das Fürchtenswerte fürchtet, nur das Hassenswerte hasst, nur das Betrauernswerte betrauert, nur über das Erfreuliche sich freut. … Die sechste Stufe ist der Eifer für die Seelen, die geordnete Leidenschaft für die Gerechtigkeit, worin man das Heil aller Menschen begehrt und sich nach Kräften bemüht, dem Nächsten zu helfen und ihn aus dem Schiffbruch zu retten durch Lehren, Beraten, Ermahnungen, Trösten, Beichtehören, Lenken, Rügen, gutes Beispiel und Erbauungen auf jede Weise – und dies alles rein aus Liebe zu Gott und zum Heile des Nächsten. …
Die beiden Söhne der Rahel bedeuten das tiefe Forschen nach Wahrheit und des frommen Gebetes reine Absicht auf Gott. Das erste teilt sich in das Studium heiliger Lesung und die Emsigkeit heiliger Betrachtung. Das Gebet aber zielt und führt unmittelbarer zu Gott als Lesung und Betrachtung. Diese beiden bewegen sich wohl um Gott herum, aber das Gebet zielt auf ihn selbst und spricht ihn gleichsam persönlich an, ist ihm darum vertrauter nahe und erreicht wirksamer, was es ersehnt.

Quelle: David an Bruder Berthold und die Novizen in Regensburg. In: Wolf Brixner: Die Mystiker. Leben und Werk. Augsburg 1987, S. 245 - 247

Zitat von David von Augsburg:

Ebenfalls an die Novizen gerichtet ist dieser Aufruf zur rechten Mitte:
Bei jedem Opfer gebe auch Salz bei, nämlich das Salz der Klugheit. Du sollst weder nach rechts vom königlichen Wege abweichen durch Überanstrengung, noch nach links durch zu große Lauheit. Die Seele ist freilich unsterblich und kann nicht zugrunde gehen, der Leib aber ist vergänglich und ein zerbrechliches Gefäß; er kann darum nicht mit ihr gleichmäßig den Wettlauf aufnehmen und die nämliche Anstrengung ertragen, die sie, von einem feurigen Willen beherrscht, aushalten kann. Ein Betrunkener treibt manchmal das Pferd rasch an, auf dem er sitzt, und beachtet nicht, dass das arme Tier nicht genug Heu erhalten hat, während ihm selbst vom Wein ganz heiß geworden ist. So kommt es, dass das Pferd, über sein Können angestrengt, unter dem Reiter zusammenbricht und ihn später an das Ziel kommen lässt, als wenn es langsamer gelaufen wäre. … Der fruchtbare Erdboden verwildert, wenn er lange unbebaut bleibt; nützt man ihn zu sehr aus, so wird er mager; hält man die goldene Mitte ein, so bleibt er fruchtbar. Ebenso ist auch mit dem Acker des Körpers umzugehen, auf dass er nicht ob allzu reichlicher Erholung oder allzu großer Weichlichkeit ausarte oder im Gegenteil durch Übermaß im Fasten und in der Abtötung geschwächt werde.

Gleichwie sich der Sonnenschein nach dem Glase färbt, durch das er geht, ebenso hast du, ewiger Sonnenschein Jesus Christus, dich nach dem Menschen gefärbt und nach seiner Natur, die du von der reinsten Mutter empfingst. Also bist du wahrer Gott und wahrer Mensch; Gottes Sohn, von Ewigkeit her von Gott geboren, und Menschensohn, vom Menschen geboren in voller Reinheit.

Quelle: P. Dr. Dagobert Stöckerl: Bruder David von Augsburg. Ein deutscher Mystiker aus dem Franziskanerorden, München 1914, S. 27f, 111

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.10.2019

Quellen:

• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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