Ökumenisches Heiligenlexikon

Franz Sales Handwercher

Gedenktag katholisch: 17. August

Name: nach Franz von Sales

Priester
* 3. Juni 1792 im Hofgut Loitersdorf in Reisbach bei Dingolfing in Bayern
17. August 1853 in Oberschneiding bei Straubing in Bayern


Franz Sales Handwercher war der Sohn des reichen Bauern auf dem Hofgut Loitersdorf und einer von tiefer Frömmigkeit geprägten Mutter.

Kirche des ehemaligen Priesterseminars Georgianum in Landshut
Kirche des ehemaligen Priesterseminars Georgianum in Landshut

Franz Sales Handwercher studierte am Priesterseminar Georgianum - der damaligen bayerischen Landesuniversität in den Räumen des ehemaligen Jesuitenkollegs - in Landshut Philosophie und Theologie, u. a. bei Johann Michael Sailer. In Regensburg besuchte er das Priesterseminar am ehemaligen Schottenkloster St. Jakob unter Michael Wittmann und wurde 1816 zum Priester geweiht. Ab 1822 war er Pfarrer in Tegernbach - heute ein Ortsteil von Pfaffenhofen an der Ilm -, ab 1827 in Hohenegglkofen bei Landshut. Schon hier wurde er zum Segenspfarrer und hatte Visionen und Geistesmitteilungen die er 1830 Bischof Johann Michael Sailer nach Regensburg berichtete: Er sah, wie sich die kranke Menschheit zum erbarmungslosen Gericht versammelte.

Insgesamt 15 Visionen über die Zukunft der Menschheit wurden Franz Sales Handwercher im Winter 1830 zuteil, die er in Reimform niedergeschrieben hat:
● 1. Gottesgeißel
● 2. Gericht ohne Erbarmen
● 3. Großes Sterben
● 4. Der Turm der Kirche unzerstörbar
● 5. Verwüstung der Kirche
● 6. Der Weltjahrmarkt wird zur Beute Satans
● 7. Aller Gottesdienst erloschen
● 8. Schwanken der Kanzeln
● 9. Beichtstühle in die Wüste entführt
● 10. Böses Unwetter
● 11. Die Erde als Schutt- und Ruinenhaufen
● 12. Europäischer Satanskampf gegen die Kirche
● 13. Restauration der Kirche
● 14. Christus herrscht
● 15. Alles eins im Glauben an den dreifaltigen Gott.

Franz Sales Handwercher selbst war dabei Priester und Arzt in einem Hospital, konnte aber nicht allen helfen. Auf den Turm der schwankenden Weltkirche versetzt, wurden ihm die unerschütterlichen Fundamente des Kirchenbaus gezeigt; doch die Gotteshäuser waren verwüstet und als Markthallen entweiht, Gottesdienst und Predigt wurden missachtet, die Beichtstühle in die Wüste entführt. Bayern und die ganze Welt werden durch Katastrophen verheert, die Kirche mit Krieg überzogen. Zuletzt wird sie aber unter Christus glanzvoll wiedererstehen und ein neuer Tempel die Gläubigen vereinen.

Pfarrkirche in Oberschneiding
Pfarrkirche in Oberschneiding

1836 kam Handwercher als Pfarrer nach Oberschneiding. Das religiöse Leben in seiner Pfarrei erblühte Dank seines Charismas und unter strenger Kirchenzucht, bis zu 600 Menschen besuchten die tägliche Morgenmesse um 6 Uhr. Stets übervoll waren die Kirchen bei allen Messen, die Franz Sales Handwercher las. Besonders wichtig war ihm die Spendung des Segens für Gesunde und Kranke, Lebende und Verstorbene, Tiere, Wohnungen und Ställe; das brachte ihm den Beinamen Segenspfarrer aus Oberschneiding und Vianney Niederbayerns ein. Auch Heilungen wurden ihm zugeschrieben.

1953 wurden Handwerchers Gebeine in die Pfarrkirche von Oberschneiding übertragen, sein Grab wird bis heute besucht, der große Pfarrer des Gäubodens ist unvergessen. In den 1980er-Jahren wurde der Platz vor der Kirche in Oberschneiding nach ihm benannt und ein Denkmal errichtet. An der Kapelle bei seinem Elternhaus Hofgut Loitersdorf wurde eine Gedenktafel angebracht.

Worte von Franz Sales Handwercher

12. Vision: Europäischer Satanskampf gegen die Kirche

Ganz Europa war ein Lager
Von dem größten Kriegesheere;
Und es sammeln sich die Scharen
Gleich dem Sande an dem Meere.

Alle Völker waffnen wilde
Schreckens-Revolutionen,
Um die Männer zu bestreiten,
Die auf einem Berge wohnen.

Denn in eine Felsenfeste
Haben sich zurückgezogen
All die wenigen Getreuen,
Die dem Baal das Knie nicht bogen.

Die des Osterlammes Siegel
Klar auf ihrer Stirne tragen
Und, wohin das Lamm auch gehe,
Ihm stets nachzufolgen wagen.

Die am alten Felsen halten,
Hoffnungsvoll nach jenen Worten:
Dass den Felsen nicht erschüttern
Werden alle Höllenpforten.


Und ich schaue, wie die Feinde
Aus den Völkern Streiter warben;
Und ich sah bei jedem Stamme
Seine Fahnen, seine Farben.

Einen sah ich, der vor allen
Heißergrimmt im Hasse wütet
Und zum Sturme anzufeuern
Seine Scharen nicht ermüdet.

Furchtbar deckt ihn schwarze Rüstung;
Seine Kraft ist ungeheuer;
Rau ist jedes seiner Worte
Und sein Blick und Schwert ist Feuer

Stolz, unbändig ist sein Streitross,
Trauerfarbig und geflügelt,
Das er schnaubend durch die Lüfte
Gegen unsere Festung zügelt.

Wütend schlägt er mit dem Schwerte
An der Festung Eisengittern,
Dass die Mauern wie die Herzen
Der gerechten Christen zittern.

Doch in Kraft des Namens Jesu
Stellt ich mich dem Feind entgegen,
Hielt ihm vor den Namen Jesu
Und des heiligen Kreuzes Segen.

Und ich sah ihn nebst dem Rosse
An dem Felsenberg zerschellen,
Sah ihn fallen gleich dem Blitze
In den Abgrund seiner Höllen.

13. Vision: Restauration der Kirche

Auf der Spitze eines Berges
In der Mitte grüner Auen
Sah ich einen neuen Tempel,
Eine neue Kirche bauen.

Von dem Plan des ganzen Tempels
War erst das Portal vollendet,
Welches gleich der Sonne leuchtend,
Jedes Menschen Auge blendet.

Herrlich wölbt sich das Gebäude
Wie ein klarer Regenbogen;
Offen sind die weiten Pforten,
Dass hinein die Völker wogen.

Seine Mauern sind von Golde,
Hell, geschliffen und polieret,
Auch mit vielen Edelsteinen
Und mit Perlen reich gezieret.

Arm sind alle Erdenschätze
Vor dein Wunderwerk der Zeiten,
Nichts Salomonis Tempel
gegen Dieses Baues Herrlichkeiten.
Und ich dachte hochentzücket
Welche Kirche wird dies werden!
Ach, ist diese Wohnung Gottes
Nicht zu herrlich für die Erden?!

Quelle: Josef Ramsauer: Und ich hörte Das soll werden!. Visionen des Franz Sales Handwercher, Segenspfarrer aus Niederbayern. Verlag Attenkofer, Straubing 2007; S. 141 - 147

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 15.03.2021

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XVII, Herzberg 2000
• http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=3088&pk=281145&p=1
• http://www.bischof-sailer.de/franzsaleshandwercher.htm

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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