Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes-Maria Vianney

französischer Name: Jean-Marie (Baptiste)


Jean-Marie Vianney
Jean-Marie Baptiste Vianney

Johannes-Maria Vianney stammte von einfachen Bauersleuten ab und erlebte eine durch den religiösen Eifer und die Liebe seiner Eltern gekennzeichnete Kindheit. Die Französische Revolution beeinflusst seine Jugendzeit; die erste Beichte legte er nicht in der Dorfkirche, sondern in seinem Elternhaus ab und empfing die Absolution von einem Priester, der seinen Dienst heimlich ausübte. Zwei Jahre später empfing er von einem Untergrund-Priester während einer hl. Messe, die aufgrund des Messfeierverbots in einem Heuschuppen stattfindet, die Erstkommunion. Johannes-Maria war nicht sonderlich intelligent und hatte entsprechend Schwierigkeiten, Priester zu werden. Ab 1805 besuchte er die Pfarrschule von Ecully mit sehr bescheidenen Lernerfolgen; erst nach einer Pilgerfahrt zum Grab von Johannes Franz Regis in Lalouvesc im Sommer 1806 machte er bescheidene Fortschritte. Inmitten der Trostlosigkeit des Lernens wurde ihm die Firmung zum Trost; als Firmpatron erwählte er sich Johannes den Täufer und nannte sich von da an Johannes-Maria Baptist Vianney.

1809 musste Vianney die Pfarrschule verlassen, da er zum Militär eingezogen wurde. Mehr oder weniger aus eigenem Antrieb wurde er fahnenflüchtig, konnte aber nach einer Amnestie 1811 in seine Heimat und zu seinen Studien zurückkehren. 1812 trat er ins Priesterseminar ein, von wo er ohne erfolgreichen Abschluss 1815 entlassen wurde, da er zu wenig Latein verstand und seine Studienleistungen unzureichend waren. Nach einer speziellen Prüfung durch den Generalvikar wurde er dann doch noch zur Priesterweihe zugelassen, weil er immerhin fromm sei, den Rosenkranz beten könne und die Gottesmutter verehre; die Weihe erfolgte 1815 in Grenoble.

Johannes-Maria Vianney wurde dem Pfarrer von Ecully als KaplanEin Kaplan (von lateinisch capellanus, „der einer Hofkapelle zugeordnete Kleriker”) ist im deutschen Sprachraum ein römisch-katholischer Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe, der in der Regel noch einem erfahrenen Pfarrer unterstellt ist. In manchen Bistümern wird er Vikar genannt - dies ist die Bezeichnung des kanonischen Kirchenrechts von 1983 - in anderen Kooperator. zugewiesen, der führte ihn in das geistliche Leben ein. Nach dessen Tod vier Jahre später kam er nach Ars-sur-Formans: eine entchristlichte und gleichgültige Gemeinde, deren Bewohner nichts außer der Taufe von Tieren unterscheidet, wie einer der resignierten Vorgänger zusammengefasst hatte. Es gab Unsitten wie Trinken, Tanzen, Fluchen und Sonntagsarbeit, die dann von Vianney auch auf das Heftigste bekämpft wurden. Die ersten Jahre lebte er sehr einsam und allein, verbrachte viele Stunden im Gebet, fastete, schloss sich nachts in der Kirche ein, verkroch sich in die Beichtstühle.

Johannes-Maria Baptist Vianney ist es dann aber doch gelungen, bei den Menschen in Ars-sur-Formans den Glauben wieder zu neuem Leben zu erwecken. 1825 gründete er in Ars eine Mädchenschule, 1827 wurde ihr ein Pensionat für obdachlose Mädchen angeschlossen. Seit 1832 gab es auch eine Knabenschule in Ars. Immer mehr Menschen fühlten sich in der Folgezeit von ihm angezogen. Leidenschaftlich, mit großer Geduld, übergroßem Eifer und langmütiger Güte wirkte er in seiner Gemeinde. Im seelsorglichen Zuspruch im Beichtstuhl wurde seine Größe offenbar. Die Gabe der Krankenheilung und Prophezeiung brachte ihm Anerkennung, bald Bewunderung ein. Immer mehr verwandelte sich die Bevölkerung von Ars, keiner konnte sich diesem Einfluss entziehen. Aus ganz Frankreich pilgerten schließlich Menschen zu ihm, zogen sogar mit ihren Familien nach Ars. Tag und Nacht saß der asketische Johannes-Maria Baptist im Beichtstuhl.

Die Küche im Pfarrhaus von Ars im Originalzustand
Die Küche im Pfarrhaus in Ars-sur-Formans im Originalzustand

Je bekannter Johannes-Maria Baptist Vianney wurde, desto stärker wurden aber auch schlimme Gerüchte und Verdächtigungen. Des Nachts quälten ihn satanische Kräfte, Poltergeister und Visionen. Aus Überlastung versuchte er 1840 und 1843, sich durch Flucht von dem Ort Ars-sur-Formans zu lösen, aber es gelang ihm nicht. Er erkrankte schwer. Der ihm zur Entlastung zugeteilte KaplanEin Kaplan (von lateinisch capellanus, „der einer Hofkapelle zugeordnete Kleriker”) ist im deutschen Sprachraum ein römisch-katholischer Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe, der in der Regel noch einem erfahrenen Pfarrer unterstellt ist. In manchen Bistümern wird er Vikar genannt - dies ist die Bezeichnung des kanonischen Kirchenrechts von 1983 - in anderen Kooperator. Raymond machte ihm das Leben nur noch schwerer. Nach seiner überraschenden Genesung wagte Jean-Marie Baptiste 1853 eine dritte Flucht, wurde aber wieder gefunden und zurückgebracht. Der ihm nun zugeteilte Kaplan Toccanier wurde ihm dann doch eine große Stütze und Hilfe.

Johannes-Maria wurde in Anerkennung seines Wirkens schließlich zum Ehrendomherrn ernannt, 1855 zum Ritter der Ehrenlegion in Frankreich. Er starb an Entkräftung und innerer Auszehrung.

Der unzerstörte Leichnam von Jean-Marie Vianney in der Basilika in Ars
Der unzerstörte Leichnam von Jean-Marie Baptiste Vianney in der Basilika in Ars-sur-Formans Mr Gourmand

Über der alten Pfarrkirche von Ars-sur-Formans wurde ihm zu Ehren eine Basilika erbaut, die nun ihm geweihtes Sanktuarium ist und in der nun Johannes-Marias Gebeine ruhen; auch seine Kanzel und sein Beichtstuhl werden dort bewahrt; rund 450.000 Pilger kommen jedes Jahr zu Besuch, vor allem Senioren und Gruppenreisende. Eine unterirdische Kirche mit 2300 Plätzen aus den 60er-Jahren bietet ihnen Raum zu Gebet und Gottesdienstfeier. Unweit davon setzt ein Wachsfigurenmuseum Szenen aus dem Leben des heiligen Pfarrers in Szene. Auch das alte Pfarrhaus bewahrt mit seiner Originaleinrichtung die Erinnerung.

Kanonisation: Die Seligsprechung erfolgte am 8. Januar 1905 durch Papst Pius X., die Heiligsprechung am 31. Mai 1925 durch Papst Pius XI. 1929 wurde Johannes-Maria Baptist Vianney durch diesen Papst zum Patron aller Pfarrer ernannt.
Patron der Pfarrer

Worte des Heiligen

Alle Menschen sind berufen zur Heiligkeit:
Seid heilig, weil ich heilig bin, sagt uns der Herr. Warum gibt uns Gott solch ein Gebot? Weil wir seine Kinder sind, und wenn der Vater heilig ist, müssen es auch die Kinder sein. Nur die Heiligen können hoffen, sich einst der Gegenwart Gottes zu erfreuen, die die Heiligkeit selbst ist. In der Tat, ein Christ sein und in der Sünde leben ist ein ungeheuerlicher Widerspruch. Ein Christ muss ein Heiliger sein. …
Die Heiligkeit besteht also nicht in großen Dingen, sondern in der treuen Beobachtung der Gebote Gottes und in der Pflichterfüllung an dem Platz, an den Gott uns gestellt hat. Wir sehen oft, dass einer, der in der Welt lebt und treu die kleinen Pflichten seines Standes erfüllt, Gott wohlgefälliger ist als die Einsiedler in ihren Wüsten.
Wollt ihr noch mehr wissen, was ein Heiliger in den Augen Gottes ist? Er ist ein Mensch, der Gott fürchtet, der ihn ehrlich liebt und ihm in Treue dient. Er ist ein Mensch, der sich nicht vom Hochmut aufblähen und nicht von der Eigenliebe beherrschen lässt, der wirklich demütig ist und klein in seinen eigenen Augen. Wenn er der Güter dieser Welt entbehrt, wünscht er sie nicht zu haben, wenn er sie besitzt, hängt er sein Herz nicht daran. Er ist ein Feind jedes ungerechten Gewinns, er besitzt seine Seele in der Geduld und Gerechtigkeit und ärgert sich nicht über eine Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt. Er liebt seine Feinde, er sucht sich nicht zu rächen. Er erweist seinem Nächsten alle Dienste, die er kann. Gern teilt er seine Habe mit den Armen. Er sucht Gott allein und verachtet die Güter und Ehren dieser Welt. Er schaut allein auf die Güter des Himmels, er hat keinen Geschmack an den Vergnügungen dieses Lebens und sucht sein Glück allein, indem er Gott dient. Er besucht gern den Gottesdienst, er empfängt häufig die Sakramente und befasst sich ernsthaft mit seinem Heil. Er verabscheut jede Unreinheit, und er flieht schlechte Gesellschaft, so gut er kann, um seinen Leib und seine Seele rein zu erhalten. Er unterwirft sich dem Willen Gottes in allen Kreuzen und Widrigkeiten, die ihn treffen. Er klagt niemanden an, aber er bekennt, dass er selbst in seiner Sündhaftigkeit mit der Gerechtigkeit Gottes beschenkt wurde.
Als guter Vater sucht er nur das Heil seiner Kinder, indem er ihnen ein gutes Beispiel gibt, und er tut nie etwas, was ihnen ein Ärgernis sein kann. Als gütiger Herr liebt er seine Diener, als wären es seine Brüder und Schwestern. Als Sohn ehrt er Vater und Mutter und sieht sie so an, wie wenn sie den Platz Gottes selbst einnähmen. Als Hausangestellter sieht er in der Person seiner Herrschaft Jesus Christus selbst, der ihm durch ihren Mund seine Aufträge gibt. …
Wir können Heilige werden, weil Gott uns dazu seine Gnade niemals verweigern wird.

Quelle: G. Rossé: Der Pfarrer von Ars - Lebensweg - Gedanken - Predigten. Übersetzt von H. Beyrink, 9. Aufl. München - Zürich - Wien 1999

Zitate von Johannes-Maria Vianney:

Ihr werdet reich in dem Maße, wie ihr auf die Vorsehung zählt.
Das einzige das wir auf Erden haben, ist, Gott zu lieben und zu wissen, dass Gott uns liebt.
Sucht nicht allen zu gefallen. Sucht nicht einigen zu gefallen. Sucht Gott zu gefallen!
In der Seele, die mit Gott vereint ist, ist immer Frühling.
Jesus Christus zeigt sich bereit, unseren Willen zu tun, wenn wir anfangen, den seinen zu tun.
Es ist ein großes Unglück, wenn man durch die Wüste dieses Lebens geht, ohne zu dieser göttlichen Speise [der Eucharistie] zu eilen. Das ist so, als wenn einer vor Hunger stirbt neben einem wohl gedeckten Tisch.
Wenn man das Kreuz liebt, hat man keins, wenn man es nicht will, wird man von ihm erdrückt.
Drei Dinge sind absolut notwendig gegen die Versuchungen: das Gebet, um uns zu erleuchten, die Sakramente, um uns zu stärken, und die Wachsamkeit, um uns zu behüten.
Ja, mit einem guten Gebet können wir Himmel und Erde befehlen. Alles wird uns gehorchen.
Gott liebt es, belästigt zu werden.
Es sind nicht die schönen und nicht die langen Gebete, auf die Gott achtet, sondern jene, die aus dem Grunde des Herzens kommen.
Die Demut entwaffnet die Gerechtigkeit Gottes.
Die Heiligen haben nicht alle gut angefangen, aber sie haben alle gut geendet.
Die Heiligen sind wie kleine Spiegel, in denen Jesus Christus sich selbst betrachtet.
Eure Güter sind nichts als eine Leihgabe, die Gott in eure Hände gelegt hat. Nach dem, was ihr nötig habt und was eure Familie braucht, gehört das übrige den Armen.

Quelle: G. Rossé: Der Pfarrer von Ars - Lebensweg - Gedanken - Predigten. Übersetzt von H. Beyrink, 9. Aufl. München - Zürich - Wien 1999

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Papst Benedikt XVI. Über das Amt des Priesters am Beispiel von Johannes-Maria Vianney.

  Seine sehr informative Diplomarbeit der Theologie über den Pfarrer von Ars - Sein Leben und sein Wirken hat Roland Biermeier ins Netz gestellt, ergänzt durch wichtige Ars-links.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 25.11.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.domradio.de/aktuell/artikel_55580.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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