Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Baptist Scalabrini

italienischer Name: Giovanni Battista

Gedenktag katholisch: 1. Juni
nicht gebotener Gedenktag im Somaskerorden

Name bedeutet: G: Gott ist gnädig (hebr. - italienisch)
B: der Täufer (griech. - italienisch)

Bischof von Piacenza
* 8. Juli 1839 in Fino Mornasco bei Como in Italien
1. Juni 1905 in Piacenza in Italien


Giovanni Battista Scalabrini
Johannes Baptist Scalabrini

Johannes Baptist Scalabrini, Sohn eines Weinhändlers, besuchte in Como die Schule und das Seminar. 1863 wurde er zum Priester geweiht. Er war dann erst als Präfekt und Professor für Geschichte und Griechisch, ab 1868 als Rektor im Seminar S. Abondio in Como tätig und wurde 1870 Pfarrer an der Kirche San Bartolomeo in Como. 1876 wurde er zum Bischof von Piacenza ernannt. Er kümmerte sich engagiert um die sozialen Problemen der Menschen und um die Katechese, Papst Pius IX. nannte ihn den Apostel des Katechismus. Besonders intensiv wirkte er durch seine Besuche in den Gemeinden, er besuchte alle Pfarreien seines Bistums fünf Mal. Die Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen um den Aufbau des italienischen Nationalstaates und die sehr unterschiedlichen kirchenpolitischen Strömungen unter den Päpsten Pius IX., Leo XIII. und Pius X. konnte Scalabrini durch seine Schwerpunktsetzung auf die soziale Frage ausgleichen und zugleich damit sein Bistum in einer Art und Weise öffnen, die gewissermaßen Entwicklungen des 2. Vatikanischen Konzils vorwegnahm.

Besonderes Anliegen waren Scalabrini die Probleme von Migranten und die sozialen, moralischen und religiösen Fragen, die die Auswanderung Zehntausender Italiener nach Amerika aufwarf. 1887 gründete er die Congregazione dei Missionari per gli emigrati italiani, die Kongregation der Missionare für die ausgewanderten Italiener, die Scalabriniani, zur Betreuung der italienischen Auswanderer nach Übersee und für Gründung und Leitung italienischer Pfarreien in den Städten, in denen sie sich dort niederließen.

Denkmal in der Pfarrkirche in Fino Mornasco
Denkmal in der Pfarrkirche in Fino Mornasco

1888 brach eine erste Gruppe von Missionaren in die USA und nach Brasilien auf. 1895 gründete Scalabrini auch eine weibliche Abteilung der Kongregation, die Congregazione delle Suore Missionarie di Santo Carlo Borromeo per gli emigrati, die Kongregation der Missionschwestern vom heiligen Karl Borromäus für die Ausgewanderten, die Scalabriniane. 1901 reiste er selbst nach Nordamerika, 1904 in mehrere südamerikanische Länder. Man nannte Scalabrini auch Vater der Migranten.

Scalabrini verfasste viele Schriften zu den sozialen Problemen und den theologischen Fragen seiner Zeit und zur Seelsorge an Ausgewanderten des ausgehenden 19. Jahrhunderts

Johannes Baptist Scalabrini wurde in der Kathedrale in Piacenza beigesetzt.

1908 wurde Scalabrinis Kongregation päpstlich approbiert, ihre Konstitutionen stammen aus dem Jahr 1948; 1961 wurde der Orden durch ein Säkularinstitut ergänzt. Die Tätigkeit des Ordens hat sich immer wieder in die jeweils wichtigsten Migrationsländer der Italiener erweitert. Die ersten in Deutschland tätigen Scalabrinianer waren während des Zweiten Weltkrieges ab 1941 Arbeiterpriester, die die im Deutschen Reich eingesetzten italienischen Arbeiter betreuten. Die erste Missionsstation der Scalabrinianer in Deutschland entstand 1956 in Essen. Seit 1998 betreut der Orden auch Flüchtlinge. Er ist heute in Argentinien, Chile, Uruguay, Australien, auf den Philippinen, in Taiwan, Brasilien, Paraguay, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Portugal, Italien, Großbritannien, Deutschland, der Schweiz, USA, Kanada, Venezuela, Kolumbien, Haiti, Mexico, Guatemala und Süd-Afrika tätig.

Kanonisation: Der Prozess zur Seligsprechung von Johannes Baptist Scalabrini wurde 1936 eingeleitet, 1997 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.
Patron der Auswanderer (Migranten)

Worte des Heiligen

Scalabrini schreibt an die italienischen Missionare in Lateinamerika. Er lobt ihren erfolgreichen Beginn, fährt dann aber fort:
Es genügt nicht, gut begonnen zu haben; es ist nötig, weiterzumachen, weiterzumachen bis ans Ende (Matthäusevangelium 24, 13). Es steht noch viel mehr an, meine Lieben! Ich weiß, ihr seid angesichts der Notwendigkeit nur wenige. Aber trotz eurer geringen Zahl vermögt ihr viel, wenn ihr alle vom selben Geist beseelt seid wie die Apostel und wenn ihr tief durchdrungen seid von der Wichtigkeit und Erhabenheit eurer Berufung.

Damit ihr Wirken erfolgreich sein brauchen sie vor allem die Einheit mit Christus:
Solange ihr in Ihm bleibt, werdet ihr euch gestärkt fühlen von einer Kraft, die nicht mehr menschlich ist, und die Frucht, die ihr dann bringen werdet, wird dann überreich und dauernd sein. Alles wird euch leicht sein auch angesichts der größten Widerstände. Andernfalls, wenn ihr von Ihm getrennt seid, werdet ihr zu einem Körper ohne Seele werden, unfruchtbar an jeglichem guten Werk.

Die Einheit mit Christus führt auch zur Einheit untereinander:
Frucht dieser Einheit [mit Christus] wird die Einheit unter euch selbst sein, jene Einheit, die Jesus Christus unentwegt für seine Jünger erflehte und die immer so notwendig ist. Keine Gruppe von Personen, so reich sie auch an individuellen Kräften ist, wird großer Dinge fähig sein, wenn sie sich nicht dem großen Gesetz der Einheit unterwirft, das gilt umso mehr von den Missionaren. … Darum, meine Lieben, bitte ich euch und flehe ich euch bei der Liebe Christi und beim Wohl eurer Brüder an, dass ihr eure Kräfte nicht spaltet, indem jeder sie auf eigene Rechnung verwendet, ohne einen anderen Führer als den eigenen Willen. Seid, im Gegenteil, alle eins wie eine einzige Sache, damit alle eins seien (Johannesevangelium 17, 11).

Der Bischof ruft sie weiter auf zur Einheit mit den übrigen Priestern ihres neuen Wirkungskreises auf, zur Einheit mit der dortigen Hierarchie und zur Einheit innerhalb ihrer eigenen Kongregation und schließt mit dem Appell:
Seid Männer wie Karl, der ein wunderbares Beispiel zäher Beständigkeit, großmütiger Geduld, glühender Liebe, erleuchteten Eifers, unermüdlich, hochherzig war und sämtliche Eigenschaften besaß, die einen Menschen zu einem wahrhaften Apostel Christi machen!

Quelle: João Batista Scalabrini: A emigração Italiana na América. 1979, S. 147 - 149, 155; eigene Übersetzung

Zitate von Johannes Baptist Scalabrini:

Der wahre Fortschritt besteht nicht in der Zur-Schau-Stellung neuer Straßen, neuer Maschinen, neuer Systeme; dies alles kann man wohl den Schmuck, das Äußeres der Zivilisation nennen, aber es ist nicht die Zivilisation, nicht der Fortschritt [selbst]. Der wahre Fortschritt eines Volkes besteht in seiner Erziehung, … in der Entwicklung der intellektuellen und moralischen Fähigkeiten, in der Entwicklung des Herzens und in der Pflege des Geistes; des Herzens, dass es die Tugend [die positiven Werte] umfasst¸ des Geistes, dass er die Materie beherrscht. …
Jesus Christus ist der wahre Urheber des Fortschritts, und der wahre Fortschritt ist schließlich nichts anderes als Jesus Christus selbst; Jesus Christus, der im Menschen lebt, Jesus Christus, der sich in der Menschheit verleiblicht und der die Menschheit in sich selbst verleiblicht, der sich ausbreitet und erhebt in Raum und Zeit, Jesus Christus, das Zentrum jeder Harmonie, die sich neu bildet, jeder Schönheit, die sich erneuert, jeder Größe, die zunimmt. … Denn er ist der Anfang und das Ende und der Weg, der von dem einen zum anderen führt.

Quelle: João Batista Scalabrini: Lettera Pastorale per la Santa Quaresima del 1879. Piacenza 1879, S. 30 - 35; eigene Übersetzung

Die Eucharistie ist das Zentrum der Kirche, der Inbegriff des Gottesdienstes, der in der Mitte der Kirche gepflanzte Baum, dessen Zweige den Menschen und Völkern Erquickung bieten. Sie ist das von der Mensch gewordenen Weisheit in diesem Sakrament verborgene Ferment: Wenn die gläubige Seele es auf seine drei Fähigkeiten anwendet, nämlich auf die der Vernunft, des Begehrens und der Emotion, d. h. auf Verstand, Geist und Herz, dann wird der ganze Mensch zu einem geistlichen.

Quelle: 3° discorso del 30 Sinodo, 30. August 1899, Synodus Dioecesana Piacentina Tertia. Piacenza 1900, S. 259; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.11.2019

Quellen:
• Bernhard M. Hoppe. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. VIII, Herzberg 1995
• http://www.erzbistum-koeln.de/erzbistum/orden/Maennerorden/scalabrini_patres.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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