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Ökumenisches Heiligenlexikon

Nikolaus von Tolentino


Gemälde, 14. Jahrhundert, heute in der nach Nikolaus benannten Basilika in Tolentino
Gemälde, 14. Jahrhundert, heute in der nach Nikolaus benannten Basilika in Tolentino

Nikolaus wurde im Engelort Sant' Angelo in Pontano geboren. Legenden zufolge hatte ein Engel den zuvor kinderlosen Eltern eine Wallfahrt zum Grab des Nikolaus von Myra angeraten; aus Dankbarkeit gaben sie dem Sohn den Namen des Heiligen. Nikolaus ließ sich 1255 in den Augustiner-Eremitenorden aufnehmen, 1270 empfing er die Weihe zum Priester und und wirkte zunächst als Prediger und Beichtvater. 1275 wurde er nach Tolentino geschickt, wo er wunderbare Bestätigungen durch Engel erlebte, die er um den Altar stehen sah.

Nikolaus wurde ein höchst beliebter Prediger und Krankenseelsorger und führte ein Leben in strenger Askese und tätiger Nächstenliebe. Er wirkte unermüdlich als Seelsorger der einfachen Leute und kümmerte sich fürsorglich um die Armen und Kranken. Erzählt wird, wie schon zu Lebzeiten durch ihn Wunder geschahen: seine Gebete wirkten heilend, er überwand den Teufel, der ihm die Ampel am Altar zerbrach und anderen Schaden anzutun versuchte. Zwei gebratene Vögel wollte er auch in schwerer Krankheit, wegen der gelobten Kasteiung, nicht genießen; als er sich auf das Gebot des Priors gehorsam fügte, einen Bissen zu nehmen, flogen die Rebhühner - lebendig geworden - davon.

Nikolaus' Grab ist in der darüber für ihn erbauten und nach ihm benannten Basilika in Tolentino. Er wurde nicht im zunächst vorgesehenen Sarg bestattet, der in der großen, für Nikolaus geschaffenen Kapelle steht, sondern unter dem Fußboden, nachdem ihm die Arme als Reliquien abgenommen wurden. Dort ereigneten sich zahlreiche Wunder, offiziell bestätigt wurden allein in den zwanzig Jahren nach seinem Tod mehr als 300. An den Armen des Toten seien bei besonderen kirchlichen Ereignissen jedesmal Blutergüsse entstanden. 1926 wurden seine Gebeine bei Grabungen wieder aufgefunden, in einen Glasschrein gebettet und in die dafür neu ausgestattete Krypta gebracht; sein Grab ist bis heute ein bedeutender Wallfahrtsort.

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert war Nikolaus einer der meistverehrten Heiligen in Europa und Amerika, in vielen Ländern gilt er als Nothelfer. An seinem Gedenktag wird altem Brauch gemäß Brot gesegnet, das gegen Gicht helfe oder bei Bränden in die Flammen geworfen wird, um sie einzudämmen; Hintergrund ist die Erzählung, wie Nikolaus vom Fieber geheilt wurde, nachdem er auf Geheiß von Maria Brot von einer alten Frau erbeten hatte.

Kanonisation: 1325 wurde das Heiligsprechungsverfahren eingeleitet, am 1. Februar 1447 wurde Nikolaus heiliggesprochen.
Attribute: Lilie, Schüssel mit zwei Vögeln, Teufel, Geißel, Pfeile, Stern
Patron von Bayern, Tolentino, Venedig, Genua, Antwerpen, Córdoba, Lima und Rom; der Schiffbrüchigen, Gefangenen und der Armen Seelen im Fegefeuer, der Freiheit; für das tägliche Brot

unbekannter Meister aus Perugia: Nikolaus (ganz links) und das Rosenwunder der Elisabeth von Thüringen, Fresko, um 1337, ursprünglich in der nach Elisabeth benannten Kirche in Perugia, heute in der Galleria Nazionale dell' Umbria daselbst
unbekannter Meister aus Perugia: Nikolaus (ganz links) und das Rosenwunder der Elisabeth von Thüringen, Fresko, um 1337, ursprünglich in der nach Elisabeth benannten Kirche in Perugia, heute in der Galleria Nazionale dell' Umbria daselbst

Bilder aus der Basilica di San Nicola in Tolentino

Catholic Encyclopedia

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 30.03.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Dr. Reinhard Rinnerthaler: St. Agatha, die Gottesbraut. In: Salzburger Volkskultur, November 1999
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 7., Herder, Freiburg im Breisgau 1998