Ökumenisches Heiligenlexikon

Shirin von Persien

Name bedeutet: die Süße (persisch)

Königin von Persien
* in Khuzestan (?)
628


Shirin war Aramäerin von niedriger Herkunft, die nach 591 den Großkönig Khosrau II. Parvez, der mit Unterstützung des byzantinischen Kaisers Maurikios an die Macht gekommen war, in dessen zweiter Ehe heiratete. Khosrau führte seinen Hof in Dastagird - bei Ktesiphon im heutigen Irak - mit legendär gewordener Pracht. Gemeinsam mit ihrem Leibarzt Gabriel von Siggar, der ihr um 601 nach anfänglicher Kinderlosigkeit zur Geburt des Sohnes Mardanshah verholfen hatte, schaltete sie sich in die Religionspolitik in Persien ein, reduzierte den Einfluss der Magier, stiftete Kirchen und Klöster und setzte sich für den Verbleib der Reliquien des Propheten Daniel in Persien ein. Es war wohl in erster Linie ihrem Einfluss zuzuschreiben, dass ihr Mann Khosrau die Christen unterstützte und Bibeln nach Persien bringen ließ und verteilte. Zunächst förderte sie die apostolischen Kirche des Ostens, die die Lehren des Nestorianismus vertritt und der sie von Hause aus angehörte. 612 kam es dann zu einer Religions-Disputation zwischen Nestorianern und Monophysiten. Die Nestorianer gerieten immer mehr unter Druck, 615 erlitt der nestorianischen Mönch Giwargis das Martyrium. Shirin hat wohl die Maßnahmen gegen die apostolische Kirche des Ostens gebilligt, in den von Byzanz eroberten mesopotamischen Gebieten wurden die Bischöfe durch Monophysiten ersetzt; um 616 hat Shirin auf einer SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. sich als Monophysitin bekannt.

614 eroberte Persien Jerusalem, das - angebliche - Kreuz Christi wurde Shirin als Siegesbeute übergeben. 622 begannen die Perser mit der Belagerung von Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul. Daraufhin kam es zu einem Feldzug des byzantinischen Kaisers Herakleios ins Tigris-Tal: im Dezember 627 schlug Herakleios in der Schlacht bei Ninive - heute Ruinen bei Mosul - die Perser vernichtend und besetzte Khosraus Lieblingsresidenz Dastagird bei Ktesiphon. König Khosrau wurde von seinem Sohn aus der ersten Ehe, Shiruye, gestürzt und musste mit Shirin und deren Söhnen fliehen. Khosrau wurde dennoch von Shiruye ermordet, nachdem die Shirins Kinder vor seinen Augen getötet worden waren; Shiruyes Bemühen, die etwa 50-jährige Königin nun für seinen Harem zu gewinnen, blieb erfolglos. Shirin verübte schließlich im Mausoleum ihres Gatten Selbstmord durch Gift.

Khosrau schaut Shirin beim Baden zu. Buchmalerei aus dem 1180 verfassten Epos „Khosrau und Shirin” des persischen Dichters Nezami, 15. Jahrhundert, Freer Gallery of Art in Washington
Khosrau schaut Shirin beim Baden zu. Buchmalerei aus dem 1180 verfassten Epos Khosrau und Shirin des persischen Dichters Nezami, 15. Jahrhundert, Freer Gallery of Art in Washington

Das mehr als 50.000 Verse umfassende persische Nationalepos Schahname des Dichters Firdausi (um 940 bis um 1020) enthält die Geschichte von Shirin und ihrer angeblichen Romanze mit dem Baumeister Farhad. Die muslimischen Dichtungen berichten nichts vom Christentum Shirins, sondern zeichnen den Idealtypus der liebenden Frau. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Shirin zu einer Art persischer Nationalheldin, in ihrer Popularität vergleichbar einer habsburgischen Sissi. Joseph von Hammer-Purgstall veröffentlichte 1809 das Buch Shirin und regte damit Johann Wolfgang von Goethe 1819 zur Abfassung des West-östlichen Diwan an, in dem Shirin und Khosrau zu den idealen Liebespaaren gehören.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 26.11.2014

Quellen:
• http://www.bautz.de/bbkl/s/s3/shirin.shtml
• http://hometown.aol.de/cheybrock/Sassaniden.html
• http://www.szirine.com/szirine/whatis.html
• http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=4074

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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