Ökumenisches Heiligenlexikon

Therese Neumann von Konnersreuth

Kurzname: Resl

Gedenktag katholisch: 18. September

Name bedeutet: von der Insel Thera (der heutigen Insel Santorin) stammend (griech.)

Dulderin
* 9. April 1898 in Konnersreuth in Bayern
18. September 1962 daselbst


Therese Neumann
Therese Neumann

Therese, ältestes von elf Kindern eines Schneiders, wurde in der Nacht zum Karfreitag geboren. Im Alter von 14 Jahren kam sie als Magd auf einen Bauernhof im Ort, dort erlebte sie 1918 einen großen Brand, der sie körperlich und seelisch erschütterte. In den folgenden Monaten erblindete sie, Lähmungserscheinungen traten auf; aber 1923, am Tag der Seligsprechung von Theresia von Lisieux, konnte sie plötzlich wieder sehen und 1925, am Tag der Heiligsprechung von Theresia, wieder gehen, schließlich im selben Jahr am Todestag Theresias konnte sie sich wieder ohne jede Beeinträchtigung bewegen.

Therese nahm nun nur noch flüssige Nahrung auf. Während der Fastenzeit 1926 stellte sich eine erste Stigmawunde in der Herzgegend ein, an Karfreitag erschienen an ihr die Fuß- und Handwundmale. Ab Weihnachten 1926 lebte sie völlig ohne Nahrung, nur vom täglichen Empfang der Hostie. 1927 zeigten sich an einem Freitag erstmals auch die Dornenkrone-Stigmata, die immer künftig freitags bluteten, wenn sie das Leiden Christi schaute. In tiefer religiöser Entrückung blutete sie immer wieder aus Augen, Händen und einer Wunde an ihrer Seite. Fast 700 Mal erlebte sie in Ekstase das Leiden und Sterben Jesu Christi mit; jeweils am Karfreitag fiel sie in einen todesähnlichen Schlaf, aus dem sie erst am Ostermorgen erwachte. Trotz ihrer einfachen Bildung konnte sie Aramäisch, die Sprache Jesu, sprechen, gut 35 Jahre lang hat sie nach dem Zeugnis vieler Menschen außer der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. keine Nahrung zu sich genommen.

Fritz Gerlich, damals Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten, hatte nicht glauben wollen, was in seinem eigenen Blatt über die wundersamen Ereignisse um Therese geschrieben worden war. Um dem Schwindel auf die Spur zu kommen, reiste er im November 1927 nach Konnersreuth, kam als von der Richtigkeit der Wunder Überzeugter zurück, bekehrte sich zum Katholizismus und verfasste das zweibändige Werk Die Stigmatisierte von Konnersreuth. Konnersreuth entwickelte sich immer mehr zu einem Wallfahrtsort und ab 1929 auch zu einem geistigen Zentrum von Gegnern des Nationalsozialismus, 1933 gab es eine Hausdurchsuchung der Geheimen Staatspolizei bei Therese, die inzwischen wieder in ihrem Elternhaus lebte. Mit der Zahl der Resl-Verehrer wuchs auch die der Skeptiker: von Betrug war die Rede, von einer Persönlichkeitsstörung und der krankhaften Wundersucht der Leute. 1962 starb Therese am Tag der Sieben Schmerzen Mariens unerwartet an den Folgen eines Herzinfarkts, der zunächst für eine erneute Ekstase gehalten wurde, in den Armen ihrer Schwester Maria.

Therese Neumann auf dem Totenbett
Therese Neumann auf dem Totenbett

Jährlich wallfahren heute um die 50.000 Besucher nach Konnersreuth, vor allem US-Amerikaner, die in der Nähe stationiert waren, und Spanier, die die Stigmatisierte verehren. Viele wundersame Heilungen werden bezeugt.

Kanonisation: Anfang 2005 wurde das Seligsprechungsverfahren auf diözesaner Ebene eröffnet.

Worte von Therese Neumann

1953 legte Bischof Joseph Schröffer von Eichstätt Therese Neumann einen Fragenkatalog vor. Er erkundigte sich unter anderem nach außergewöhnlichen Erscheinungen schon in der Jugend. Resl von Konnersreuth antwortete:
Bei meiner ersten heiligen Kommunion sah ich, als mir der Priester die heilige Hostie reichte, nicht die Hostie, nicht den Priester, sondern das verklärte Jesuskind; ich sah dies aber damals nicht als etwas Außergewöhnliches an, sondern meinte, das sei bei allen Leuten bei diesem Anlass so. Pfarrer Ebel, dem mein Verhalten bei der heiligen Kommunion aufgefallen war, deutete es als Zerstreutheit, machte mir anderntags Vorhalt und strafte mich vor allen Kindern. Seit der Erstkommunion erwachte in mir die Liebe zum Heiland im Sakrament und das Verlangen nach öfterer Kommunion. Da dieses Verlangen gemäß der strengeren Praxis der damaligen Zeit nicht gestillt wurde – Pfarrer Ebel ließ uns Kinder nur vierteljährlich kommunizieren –, so haben wir Kinder den Heiland im Sakrament nur besucht und die geistliche Kommunion erweckt. Bei solchen Besuchen kam es, als ich an der Kommunionbank kniete, zwei- bis dreimal, vielleicht sogar öfter, vor, dass die Hostie aus dem Tabernakel auf mich zuschwebte, sich nach Öffnung meines Mundes fühl- und schmeckbar auf die Zunge legte und ich die heilige Gestalt unter Schlucken genoss.
Ein anderes auffallendes Ereignis passierte mir während des siebten Schuljahres, als ich für Taglohn auf Gut Fockenfeld Vieh hütete: Ich betete eines Nachmittags während meines Dienstes den Rosenkranz, als ein Taglöhner mich überfiel, mich mit seinem eklig schmutzigen Taschentuch knebelte, mir mit seinem Schurzband die Hände fesselte und mir, als ich am Boden lag, den Rocksaum schon hochhob. In diesem Augenblick kam der Stier der Herde herbeigestürzt und verjagte den Taglöhner mit seinen Hörnern. Der Stier kam dann auf mich zu, tat mir aber, wie ich befürchtete, nichts, wartete, bis ich mich selbst mühsam von Knebel und Handfesselung befreit hatte, neigte dann seinen Kopf bis zum Boden und zog mich, am ganzen Körper Zitternde, nachdem ich die Hörner erfasst hatte, langsam in die Höhe; dann ließ er mich nach dem Schrecken an sich ausruhen, indem ich mich an ihn anlehnte.


Der Bischof fragte auch: Haben Sie sich die Wundmale Christi gewünscht? Resl erklärte:
Die Wundmale habe ich niemals gewünscht; ich wusste übrigens gar nichts um Art und Bedeutung solcher Begnadigungen.

Der Eichstätter Bischof fragte auch, womit sie geistig beschäftigt war, als die Wundmale auftraten.
In der Fastenzeit 1926 war ich an einem Donnerstag auf Freitag mit Beten beschäftigt, ohne mich indes besonders mit dem Leiden Christi zu befassen, als ich erstmals den Heiland als Erwachsenen, und zwar am Ölberg beim Blutschwitzen sah und er die Worte betete: te sebud ach (nach seinem dritten Beten). Da sah mich der Heiland liebevoll an; in diesem Augenblick war es mir, wie wenn man mit einem scharfen Gegenstand von der rechten Seite auf die linke Seite durchs Herz sticht und dann ihn wieder zurückzieht. Sofort merkte ich, dass es heiß herunterlaufe von Blut (es erwies sich nachher beim Nachsehen schon als gestockt); dann sah ich den Heiland am Ölberg nicht mehr und wusste auch nicht, dass ich im Bette bin. Ich war aber nicht bewusstlos – ich fühlte ja einen stechenden Schmerz im Herzen, der mich übrigens, mit Ausnahme der Osterwoche, seitdem nie völlig verlässt –; nur kannte ich mich nicht aus und dachte über das nach, was ich gesehen und erlebt hatte.

Auf die Frage, wie sie jetzt selbst über Ihre Wundmale denke, antwortete Resl:
Ich habe nun im Empfang der Wundmale den Willen Gottes erkannt und daher trage ich sie wie alles, was Gott schickt, vor allem im Geiste der Sühne für andere und um Seelen dem Heiland näher zu bringen; dazu ermahnt mich jedes Jahr die kleine hl. Theresia (am 17. Mai und 3. Oktober). Ich bemerke noch, dass im selben Jahr (1926) als Dauer Wundmale zu den bisher erwähnten noch die Kopfwundmale auf gleiche Weise wie die anderen hinzukamen (Blick des Heilandes bei der Dornenkrönung). Als vorübergehende Wundmale trage ich die (rechte) Schulterwunde (während der Fastenzeit) und die Geißelwunden (am Karfreitag); die Entstehungsweise war auch hier dieselbe (Blick des Heilandes bei Kreuzaufnahme beim Hause des Pilatus bzw. bei der Geißelung).

Der Bischof fragte weiter: Können Sie sich im gewöhnlichen Zustand genau an das erinnern, was Sie während der Schauungen gesehen haben? Wie empfinden Sie sich selbst während der Schauungen?
Ich kann mich im gewöhnlichen Zustand genau an das erinnern, was ich in den Schauungen gesehen habe. Der Inhalt dieser Schauungen ist ja der Gegenstand meines Betens, Betrachtens und Denkens. Der Zustand der Schauung geht zunächst über in den Zustand der kindlichen Eingenommenheit, dieser geht in schlafähnliche, erquickende und tiefe Ruhe über; die geistige Beschäftigung der kindlichen Eingenommenheit setzt sich inhaltlich aber dann beim Übergang zum wachen Normalzustand fort. Der Inhalt der Schauungen geht also durch alle Zwischenstufen bis in meinen gewöhnlichen Zustand ein.
Bei den Schauungen empfinde ich mit all meinen Sinnen den Vorgang; ich erlebe ihn also nach der Art eines wirklichen Teilnehmens mit Schmerz, Freude, Trauer, Entrüstung, Mitleid usw. Bei den Leidensvisionen ist dies ein förmliches Mitleid u n d Mitleiden. Seelisch und bewusstseinsmäßig bin ich bei allen Visionen vollständig in Anspruch genommen, so dass ich von dem, was um mich vorgeht und wer um mich ist, nicht das Geringste wahrnehme, und auch nichts von anderen religiösen Tatsachen als den eben geschauten im Bewusstsein habe.

Quelle: Johannes Steiner: Visionen der Therese Neumann, 2. Teil, München / Zürich 1977, S. 278 - 291

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

  Klaus Panzer informiert auf seiner schönen Webseite umfassend, mit einer Reihe von online zu lesenden Büchern und weiteren Bild- und Tondokumenten sowie Verweisen zu weiteren Websites.

  Die offizielle Homepage der Therese Neumann von Konnersreuth gibt es in Deutsch, Englisch, Niederländisch, Tschechisch und Russisch.

  Auch das kritische Buch Der Schwindel von Konnersreuth von Josef Hanauers gibt es online.

  Der SPIEGEL berichtete im April 1955 unter dem Titel Wer ist schuldig? über Vorgänge rund um Therese Neumann von Konnersreuth.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.10.2019

Quellen:
• http://www.bautz.de/bbkl/n/Neumann_v_k.shtml
• http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/panorama/artikel/738/47691/
• http://www.oberpfalznetz.de/magazin/673624-101,1,0.html

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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