Ansegisus
auch: Ansegis
Gedenktag katholisch: 20. Juli
Name bedeutet: der tapfere Genosse (althochdt.)
Ansegisus, aus altem fränkischem Adel stammend, trat mit 18 Jahren ins
Kloster Fontenelle ein. Durch seinen Onkel, Abt
Gerwold, kam er an den Hof von Karl dem Großen. Von diesem wurde er
mit der Reform des damaligen Klosters Saint-Sixte
- an der Stelle des heutigen Komplexes des katholischen Instituts von Paris
- in Reims und des Kosters Saint-Menge in
Châlons-sur-Marne - dem heutigen Châlons-en-Champagne
- betraut; beiden Klöstern stand er auch als Abt vor.
katholischen Instituts von Parisan der Stelle des ehemaligen Klosters Saint-Sixte in Reims
807 wurde Ansegisus Abt des damaligen Klosters Saint-Germer in Flay - dem heutigen Saint-Germer-de-Fly - bei Beauvais, das er nach dessen um 658 erfolgten Zerstörung durch die Wikinger wieder aufbaute dann zu hoher Blüte führte und dem er bis zu seinem Tod vorstand. Kaiser Karl berief ihn auch nach Aachen, wo er Einhard bei der Errichtung von Bauten der Kaiserpfalz unterstützte, und beauftragte ihn mit verschiedenen politischen Missionen, besonders in Spanien.
Karls Nachfolger Ludwig der Fromme ernannte Ansegisus 817 zuätzlich zu seinem Amt als Abt des Klosters Saint-Germer in Flay zum Leiter des Kloster Luxeuil - im heutigen Luxeuil-les-Bains. Nachdem auch diese heruntergekommene Abtei durch ihn wieder zur Blüte gelangte, wurde 823 Ansegisus wieder ins Kloster Fontenelle geschickt, das er nach der Benediktinerregel ausrichtete, mit Bauten, kirchlichen Geräten, Paramenten und Gebäuden reich ausstattete, und wo er schnell eine der größten theologischen Bibliotheken Europas aufbaute.
827 veröffentliche Ansegisus die von ihm zusammengetragene Sammlung der von den Kaisern
Karl und Ludwig erlassenen Regeln und Gesetze, die Legiloquus
liber
, Buch der Gesetzesmitteilungen
. Fraglich ist Ansegisus' Beteiligung an der
Aachener
Kanonikerregel
,den Institutiones Aquisgranenses
, einem
wichtigen Werk über Klosterorganisation und Sammlung aller im Reich geltenden staatlichen und kirchlichen Gesetze.
Das Kloster Fontenelle, das dann nach seinem Gründer und ersten Abt Wandregisil Saint-Wandrille genannt wurde, wurde 862 von den Wikinger zerstört, die Mönche flohen. Ab 960 wurde die Abtei wieder aufgebaut. 1562 wurde sie von Hugenotten geschändet und 1566 teilweise zerstört, dann verkauft, aber bald schon von Mönchen aus dem damaligen Kloster Jumièges wieder belebt. In der Französischen Revolution wurde die Abtei 1790 aufgelöst, die Mönche wurden vertrieben, die Gebäude verkauft. 1893 sorgte der Bischof von Rouen für den Erwerb des Geländes und der verbliebenen Gebäude, die 1894 wieder von Benediktinern bezogen wurden. 1969 wurde eine historische Zehntscheune auf das Klostergelände verlegt und zur neuen Abteikirche als Ersatz für die in Ruinen liegende historische Kirche.
Das Kloster Saint-Germer in Flay
erlitt während des von 1337 bis 1453 währenden Hundertjährigen Krieges
zwischen England und Frankreich schwere Schäden.
In der Französischen Revolution wurde es 1790 aufgehoben und an zwei Bauunternehmer verkauft. Die Klostergebäude wurden
abgerissen, erhalten blieben die Abtsresidenz, einige Nebengebäude, die Abteikirche und die Sainte-Chapelle als Pfarrkirche
des Dorfes Saint-Germer-de-Fly.
Das Kloster Luxeuil wurde 1790 in der Französischen Revolution aufgehoben, die Abteikirche St-Colomban ist jetzt Pfarrkirche, in den Klostergebäuden war eine Schule untergebracht, 2025 sollen sie zum Eventzentrum im Geist des Gründers umgestaltet werden.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Die Freunde von St. Kolumban
informieren auf ihrer französischsprachigen
Webseite über das Kloster Luxeuil und Kolumban.
Schriften von Ansegisus gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.
Die Ruinen und die heutige Abteikirche im
Kloster Saint-Wandrille in Saint-Wandrille-Rançon
sind täglich von 5.15 Uhr bis 13 Uhr und von 14 Uhr bis 21 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Die Abteigebäude können nur im
Rahmen einer Führung besucht werden diese findet vom 21 März bis Ende Juni und im September täglich um 15.30 Uhr, im Juli und
August um 11.30 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr statt, die Gebühr beträgt 5 €. (2026)
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 07.07.2026
Quellen:
• https://www.newadvent.org/cathen/01545c.htm - abgerufen am 19.07.2023
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart /
Weimar 2000
• Friedrich Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I,
Hamm 1990
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl.,
Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993
• Handbuch zur lateinischen Sprache des Mittelalters, Bd. 2: Bedeutungswandel und Wortbildung. C.H. Beck'sche
Verlagsbuchhandlung, München 2000
• Georges Meyer-Berkhoff aus Riedisheim in Frankreich, E-Mail vom 28. November 2025
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_Saint-Wandrille_de_Fontenelle - abgerufen am 18.06.2026
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.