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Ökumenisches Heiligenlexikon

Brendan der Reisende

auch: Brandan, Brénaind
auch: von Clonfert

Gedenktag katholisch: 16. Mai
nicht gebotener Gedenktag in Irland

Name bedeutet: der Prinz (walisisch / irisch - englisch)

Priester, Klostergründer, Abt in Clonfert
* 483 in Ciarraighe Luachra, heute Fenit bei Tralee (?) in Irland
† 577 (oder 583) in Enachduin, heute Amaghdown in Irland

Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze

Brendan wurde 512 zum Priester geweiht, er gründete dann Mönchszellen in Amaghdown, Ardfert und in Shanakyle - auch Baalynevinoorach genannt - am Fuß des heute nach ihm benannten Mount Brendan. Historisch dürfte sein Aufenthalt in Schottland und Wales und möglicherweise in der Bretagne sein. Nach Irland zurückgekehrt, gründete er weitere Klöster, so das Kloster Clonfert.

Die Lebensgeschichte Brendans, die Navigatio Sancti Brendani Abbatis, die Reisen des heiligen Abtes Brendan, wird erst ab 1092 vermutet; zunächst war sie auf dem Kontinent verbreitet, erst im 12. Jahrhundert auch im angelsächsichen Raum; von ihr sind allein 130 Handschriften vollständig erhalten. Schon im 9. Jahrhundert wurde die Überlieferung überlagert mit der Legende von der Meerfahrt Brendans. Die Überlieferung wurde zudem oft vermischt mit der des Brendan von Birr.

Die weit verbreiteten Legenden von Brendans Meerfahrt mit zahlreichen phantastischen Abenteuern enthalten ein Gemisch aus bekannten und abgewandelten Vorstellungen des ganzen Mittelalters über Himmel und Hölle: Brendan fand ein Buch, in dem die großen Wunder der Welt beschrieben wurden. Er erfuhr von drei Himmeln, zwei Paradiesen, neun Fegefeuern und dem Land unter der Erde, bei dem Tag ist, während hier Nacht herrscht. Er konnte das nicht annehmen und verbrannte das Buch. Aber ein Engel eröffnete ihm, dass er die Wahrheit verbrannt habe und nun neun Jahre zur See fahren müsse, um alles selbst zu erleben.

Die Bucht an der Insel Dingle, von der aus Brendan seine Reise unternommen haben soll

Die Bucht auf der Halbinsel Dingle, von der aus Brendan seine Reise unternommen haben soll

Mit zwölf Mönchen als Gefährten rüstete Brendan ein Schiff aus und unternahm ab 530 eine siebenjährige Seereise auf der Suche nach Terra Repromissionis, dem verheißenen Land; die Insel, die er in Begleitung vieler Mönche fand, wird im Ärmelkanal westlich von Irland, als Insel Madeira oder als Insel mitten im Atlantik identifiziert, spätere Interpreten schreiben Brendan gar die Entdeckung Amerikas zu, andere bezweifeln einen Erfolg seiner Reise. Noch um 1493 zeigte der in Nürnberg entstandene Globus von Martin Behaim eine nach Brendan benannte Insel im Nordatlantik; nach 1526 wurden von Spanien mehrere Expeditionen ausgesandt, um diese Insel aufzufinden.

Aus Interesse an Brendans Reiseerfahrungen kamen viele Leute zu ihm, die Zellen wuchsen. Um 550 gründete er ein Kloster auf Inis-da-druim - dem heutigen Coney Island in der Grafschaft Clare -, reiste weiter nach Wales und nach Iona, missionierte drei Jahre erfolgreich in Britannien und kehrte dann nach Irland zurück, wo er segensreich vor allem in Leinster wirkte, Kirchen und Klöster gründete.

In den norddeutschen Küstengebieten wurde Brendan je fünf Tage nach Weihnachten, Ostern und Pfingsten festlich gefeiert.

Die Navigatio sancti Brendani gibt es im lateinischen Original in der Bibliotheca Augustana der Fachhochschule Augsburg und in englischer Übersetzung in der Celtic Christianity e-Library der University of Wales in Lampeter.

Patron der Schiffer

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia





Quellen:
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.newadvent.org/cathen/02758c.htm
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990