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Jan Amos Komensky, Sohn von Eltern, die der böhmischen Brüderkirche angehörten, wurde früh Waise und verdiente dann seinen Lebensunterhalt als Hirte. Schließlich konnte er doch die Lateinschule besuchen, ab 1611 die Universitäten in Herborn und Heidelberg. Er arbeitet zunächst als Lehrer in Přerov, verfasste ein Wörterbuch der tschechischen Sprache und Bücher über Pädagogik und Didaktik. Nach der Ordiantion zum Pfarrer wurde er 1618 ins Pfarramt in Fulnek eingesetzt, wo er auch Deutsche unterrichtete und seelsorgerlich betreute.
1620 siegten die kaiserlichen Spanier über den protestantischen Böhmenkönig
Friedrich V. bei der Schlacht am Weißen Berg nahe Prag;
danach wurde auch Comenius' Gemeinde dem Erdboden gleichgemacht, sein Haus
geplündert, seine Bücher verbrannt; Frau und Kinder verlor er durch die Pest;
wie 100.000 andere Menschen der böhmischen Brüdergemeinde musste er versteckt im
Untergrund leben. Als einer der letzten Evangelischen verließ er 1628 seine
Heimat. In jener Zeit verfasste er Trostschriften wie Das Labyrinth der Welt
und das Lusthaus des Herzens
: Jesus Christus
im Herzen ist der Wegweiser, der aus den Wirren der Zeit herausführt. In Lissa -
dem heutigen Leszno
- in Polen fand er zusammen mit vielen Glaubensgenossen schließlich ein Asyl.
Comenius wurde Leiter des Gymnasiums in Lissa / Leszno
und als Pfarrer seiner Gemeinde eingesetzt. Er verfasste zusammen mit anderen
exilierten Pfarrern eine Konkordanz der Bibel. Und hier entwarf er pädagogische
Schriften, die bald höchste Beachtung fanden, noch von vielen Generationen nach
ihm benützt und in sechzehn Sprachen übersetzt wurden. Eine Anfrage führte ihn
nach England, hier entstand seine Reformschrift Via lucis
, Weg ins Licht
.
Die Gedanken von Johann Valentin Andreä
waren ihm dabei wichtig, seine Bücher bezeichnete er als kostbare Schätze
,
beruft sich auf die Ideen der Rosenkreuzer
und schreibt: Möge es Gott geben,
dass der Welt dieses große Licht angezündet werde: eine neue, wirklich
universelle und philadelphische Kirche.
Die Aufgabe, das Schulwesen in England zu reformieren, konnte Comenius nicht
erfüllen, da Oliver Cromwells
Wüten ihn vertrieb. Ein Ruf nach Schweden führte dort zu sechs Jahre langem,
fruchtbarstem Wirken. Auf dem Weg dorthin traf er in Holland René Descartes, mit
dessen skeptischer Weltauffassung, die ohne Gott zu denken auskommt, er sich
kritisch auseinandersetzte: Wir bewundern mit Recht den Scharfsinn, aber wir
wundern uns, dass man hat überzeugt sein können, dass durch seine Hypothesen
schon allen Erscheinungen der ganzen Natur Genüge geschieht.
Comenius im Wachsfigurenmuseum in Prag
In Schweden erreichte Comenius die Einführung schulischer Ausbildung für alle
Kinder. Grundsatz jeder Lehrtätigkeit sei, den Schülern nicht etwas gewaltsam
eintrichtern zu wollen, sondern die von Gott im Schöpfungswerk angelegten Gaben
zu fördern und fruchtbar zu machen. Friedenserziehung war ihm sehr wichtig;
Grundlage hierfür sei, dass der Mensch in Gott Frieden finde. Der Ertrag dieser
Jahre ist zusammengefasst in der Didactica Magna
, der Großen Kunde vom
Lehren
, die er zwischen 1627 und 1657 verfasste.
Comenius zog weiter ins damalige schwedische Elbing - das heutige Elbląg in Polen. Dort führte er interkonfessionelle Gespräche, um im Dreißigjährigen Krieg zum friedlichen Zusammenleben beizutragen. Er vertrat schon in seiner Zeit den ökumenischen Gedanken, beklagte die Aufsplitterung der Christen in Konfessionen, Meinungen und Riten und hielt auch die Reformation für noch unabgeschlossen, weil sie die Menschen noch nicht genügend auf ein Leben in den Fußspuren Jesu geführt habe.
Aus Comenius' bebildertem Lehrbuch: Orbis sensualium pictus. Hoc est, omnium
fundamentalium in mundo rerum & in vitâ actionum pictura & nomenclatura
, zuerst
gedruckt von Michael Endter in Nürnberg,
1658 ![]()
Comenius ließ sich zum Bischof der Brüderkirche
wählen und kehrte nach Lissa / Leszno
zurück; dort starb bald seine zweite Frau. Die Evangelischen konnten auch und
gerade nach Ende des Krieges nicht wie erhofft in Frieden Leben, Böhmen
und Mähren
waren fest in katholischer Hand. Comenius empfahl seinen Glaubensbrüdern in der
Schrift Vermächtnis der sterbenden Mutter, der Brüderunität
von 1650 ein
ökumenisches Christentum. Er selbst ging nach Siebenbürgen ans Gymnasium in
Sárospatak;
hier entstand sein berühmtes Werk Orbis Pictus
, Die sichtbare Welt in
Bildern
, das die Bilder den Worten beigab und noch heute verbreitet ist; aber
auch hier musste er kriegerische Auseinandersetzungen mit den einfallenden
Türken erdulden, dabei verlor er seine gesamte Bibliothek.
1653 kehrte Comenius wieder nach Lissa / Leszno
zurück - und musste alsbald erneut fliehen, weil nun auch in Polen die
Protestanten verfolgt wurden. Er gelangte schließlich nach Amsterdam,
wo er versuchte, seine zerstreute Gemeinde zu sammeln, und wo er seine
wissenschaftlich-pädagogische Arbeit weiterführte. Als er auch hier den
englisch-holländischen Krieg erleben musste, verfasste er die Schrift Angelus
pacis
, Friedensengel
als verzweifelten Versuch, die Völker zum Weg
gewaltloser Konfliktlösung zu rufen: Wir sind alle Bürger einer Welt, ja ein
Blut. Einen Menschen hassen, weil er anderswo geboren ist, weil er eine andere
Sprache spricht, weil er anders über die Dinge denkt - welche Gedankenlosigkeit!
Ein Jahr vor seinem Tod gab er das Bischofsamt an seinen Schwiegersohn ab.
Das
religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche nennt sich nach Comenius
und bietet auf seiner Homepage auch biografische
Informationen über seinen Namensgeber.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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