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Melchior Hofmann war Kürschner in Waldshut,
früh erwachte in ihm das Interesse an Schriften der Mystiker. 1523 kam er nach
Livland,
wo die Reformation bereits durchgeführt war. Da es an evangelischen Predigern
fehlte, wirkte er als Prediger zuerst in Wolmar - dem heutigen Valmiera
in Lettland -, wo er auf Widerstände stieß und ins Gefängnis geworfen,
schließlich des Landes verwiesen wurde. Er ging nach Dorpat - dem heutigen Tartu
in Estland; dort bewirkte sein Eifern gegen Heiligenbilder 1525 einen
Bildersturm. Er reiste nach Wittenberg
und erhielt dort ein Empfehlungsschreiben von Martin
Luther; damit kam er im Herbst 1525 nach Reval - dem heutigen Tallinn
in Estland - zurück, wurde aber nicht als Prediger angestellt, sondern der
Ketzerei bezichtigt, weil er neben dem Glauben auch die Heiligung des Lebens
betonte. Er zog nach Schweden, wo ihn 1526 die deutsche Gemeinde von Stockholm
als Prediger anstellte. Er heiratete, musste aber 1527 wegen seines stürmischen
Wesens
Stockholm verlassen, danach auch aus Lübeck
fliehen. Im Mai 1527 reiste er wieder nach Wittenberg, unterwegs besuchte er
Nikolaus von Amsdorf in
Magdeburg,
der von Luther den Rat erhalten hatte, Hofmann zu sagen, er solle wieder als
Kürschner arbeiteten. Auch in Wittenberg abgewiesen, wurde er auf der Rückreise
in Magdeburg ins Gefängnis gesteckt.
Dann ging Hofmann nach Holstein, wo König Friedrich I. von Dänemark ihn als
Prediger mit Wohnsitz in Kiel
anstellte. Seine Stellung wurde unhaltbar, als Luther
sich gegen ihn an den Herzog wandte. Kernpunkt des Streits waren das
Schriftverständnis und die Abendmahlsauffassung, worin sich Hofman deutlich von
der Lehre Luthers unterschied. Im April 1529 kam es zur Flensburger
Disputation
mit führenden Theologen, darunter Johannes
Bugenhagen, den Luther eigens dafür nach Flensburg gesandt hatte. Die
Gegensätze
erwiesen sich als unüberbrückbar, Hofman musste das Land verlassen.
Er ging nach Ostfriesland,
dann nach Straßburg,
wo er Ende Juni 1529 als Vorkämpfer für die Abendmahlslehre von Huldrych
Zwingli mit offenen Armen aufgenommen wurde. Eine rege schriftstellerische
Tätigkeit brachte ihm Anerkennung ein, bald aber auch Konflikte, weil die
anderen Straßburger Prediger seinen Anschauungen bezüglich der Wiederkunft
Christi nicht zustimmen konnten.
Hofmann war dem Täufertum noch nicht beigetreten, als er im April 1530 in einer Eingabe an den Rat die Überlassung einer Kirche für die Täufer verlangte; er forderte volle Gleichberechtigung mit der Staatskirche; deswegen und wegen der in seiner Auslegung der Johannesoffenbarung enthaltenen Majestätsbeleidigung sollte er gefangen genommen werden, aber er floh nach Emden, wo er durch seine Beredsamkeit einen großen Anhang um sich scharte; allein im August 1530 taufte er dort 300 Personen. Wieder musste er die Stadt verlassen. In Holland wirkte er dannn ein ganzes Jahr für die Täuferbewegung, es gelang ihm, sie in Holland zu verbreiten und ihr Duldung zu verschaffen.
Nach weiteren Nachstellungen und gelungenen Fluchten zog er wieder als
Prediger und Prophet durch Ostfriesland
und Holland und verkündigte das Hereinbrechen des Königreichs Christi,
das er für 1533 erwartete. Er gewann viele Anhänger für die Endzeitgemeinde, die
neue Bundesgemeinde
, rief aber seine Anhänger nicht dazu auf, das Gottesreich
mit Gewalt herbeizuführen. Dennoch waren viele seiner Anhänger - die
Melchioriten
- dabei, als 1533 / 34 das Täuferregiment in Münster
errichtetet wurde. Er selbst konnte das nicht miterleben, denn er kehrte im
Frühjahr 1533 nach Straßburg
zurück und kam wieder ins Gefängnis. Seine Überzeugung, diese Stadt werde das
neue Jerusalem (Offenbarung 21) und die Hochzeitsstätte des Lammes (Offenbarung
19, 7), gab er trotz aller Bekehrungsversuche nicht auf; so blieb er zehn Jahre,
bis an sein Lebensende, im Kerker.
Melchior Hofmann hat durch seine mitreißenden Predigten das zuvor durch
Verfolgungen ermattete Täufertum wieder belebt. Er sah einen in Kürze
anbrechenden gewaltigen Kampf zwischen Buchstaben und Geist, Papisten und
Spiritualisten, ehe Christus
zum Endgericht und zur Umgestaltung von Himmel und Erde erscheint. Luther,
der Apostel des Anfangs
, war für ihn zum Judas geworden, der die Gläubigen
verfolgt. Durch die Katastrophe von Münster
und die Enttäuschungen darüber, dass seine Endzeit-Prophezeiungen sich nicht
erfüllten, nahm die Schar seiner Anhänger schnell wieder ab; sie gingen in
anderen täuferischen Gruppen auf oder kehrten zur evangelischen Kirche zurück.
Manche der Vorstellungen Hofmanns finden sich später wieder in den Lehren von
Menno Simons.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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