Hinkmar von Reims
auch: Hincmar, Ingmar, Incmarus, Ingumar, Igmar
Gedenktag katholisch: 21. Dezember
Name bedeutet: der berühmte Diener (althochdt.)
Hinkmar, Sohn einer vornehmen westfränkischen Familie, wurde im damaligen Kloster an der heutigen
Kathedrale Saint-Denis in Saint-Denis bei Paris
erzogen unter Abt Hilduin und dort Mönch. Als der Abt 830 in den gegen Kaiser Ludwig dem Frommen
ausgebrochenen Unruhen
von dessen Gegnern in die Verbannung ins Kloster
Corvey und nach Paderborn geschickt wurde,
begleitete Hinkmar ihn aus freien Stücken. Kaiser Ludwigs Nachfolger als Frankenkönig, Karl der Kahle, holte Hinkmar an
seinen Hof. Hinkmar galt als außerordentlich gelehrt und scharfsinnig, zudem als große Autorität im kanonischen Recht. 845
wurde er Erzbischof von Reims; zuvor war sein
Vorgänger Ebbo als nicht rechtmäßig gewählt für abgesetzt erklärt worden und das Bistum zehn Jahre lang vakant gewesen.
Hinkmar erließ Anordnungen für seinen KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.,
von denen noch sechs Sammlungen erhalten sind. 853 hielt er in der damaligen
Königsresidenz in Quierzy 1
eine SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
ab, bei der Gottschalk von Orbais wegen seiner Lehren von der
Prädestination verurteilt wurde. 869 krönte er Karl den Kahlen in
Metz zum König von
Lothringen und 877 dessen Sohn, Ludwig II. den Stammler
,
zum König des Westfrankenreiches. In Auseinandersetzungen um die Befugnisse der Erzbischöfe gegenüber ihren Bischöfen
wurde er 863 bei der Synode in Soissons abgesetzt,
aber durch Papst Nikolaus I. wieder in sein Amt eingesetzt. Hinkmar
setzte den Neubau der Kathedrale Notre-Dame in Reims
fort und weihte sie 862 neu.
Bei einem Einfall der Normannen floh Hinkmar mit den Reliquien von Remigius von Reims und andern Schätzen nach Épernay 2, wo er starb.
Hinkmar wurde später in der Kirche Saint-Remi in Reims an der Seite von Remigius von Reims bestattet. Sein Grab wurde 1793 in der Französischen Revolution zerstört.
Das Kloster Corvey wurde 1792 durch Papst Pius VI. auf eigenen Antrag hin aufgehoben, 1803 endgültig säkularisiert; die adeligen Besitzer bauten die Gebäude des Klosters zum Schloss aus, die Kirche schenkten sie 1977 dem Bistum Paderborn, das sie an die örtliche Kirchengemeinde weitergab. 2014 wurde die gesamte Klosteranlage zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
1 ▲ In Quierzy stand eine der wichtigsten Königspfalzen der Karolinger, von der aber keine Reste erhalten sind - die Ergebnisse von Ausgrabungen zu Anfang des 20. Jahrhunderts sind in der Wissenschaft nicht anerkannt. Ein Gedenkstein in der Ortsmitte erinnert an die ehemalige Residenz.
2 ▲ Von der damaligen Kirche Saint-Martin ist nur noch ein Seitenportal erhalten; die Kirche wurde 1792 in der Französischen Revolution geschlossen, später stürzte sie ein.
Worte des Heiligen
Dass die königliche Macht und die Autorität der Bischöfe verschieden sind:
Denn Folgendes ist Aufgabe der priesterlichen Pflicht und des königlichen Dienstes: Wie wir in den heiligen Schriften
lesen, sind es zwei Faktoren, durch die diese Welt hauptsächlich regiert wird: die heilige Autorität der Bischöfe und die
königliche Macht. Allein unser Herr Jesus Christus konnte in Wahrheit
beides werden: König und Priester. Nach seiner Fleischwerdung,
Auferstehungund Himmelfahrt nahm
er sich weder heraus als König die Würde eines Bischofs noch als Bischof königliche Macht an sich zu reißen. So lassen
sich jeweils eigene Handlungsweisen und Würden voneinander unterscheiden, so dass die christlichen Könige für das ewige
Leben Bischöfe brauchten, die Bischöfe aber für ihre zeitlichen Angelegenheiten die Anordnungen von Königen. So sollte
das geistliche Tun frei bleiben von den Anfechtungen des Fleisches und der Diener Gottes sich in keiner Weise in weltliche
Geschäfte verwickeln lassen und auf der anderen Seite jener, der in die weltlichen Geschäfte verwickelt ist, nicht den
Anschein erwecken, er sei Herr über die göttlichen Angelegenheiten.
Und die Würde der Bischöfe ist umso größer als die der Könige, da die Könige von den Bischöfen für ihre königliche
Würde geweiht werden, die Bischöfe aber nicht von Königen geweiht werden können: und umso schwerer ist die Last der Bischöfe
als die der Könige, als sie auch für die Könige der Menschen selbst beim göttlichen Gericht Rechenschaft ablegen sollen;
und umso dringender nötig ist bei menschlichen Angelegenheiten die Sorge der Könige, als die der Priester, als ihnen vom
König der Könige zur Ehre und Verteidigung und Ruhe der heiligen Kirche und ihrer Lenker und Diener die Last der Sorge
auferlegt wurde, sie sollten dies tun durch die Veröffentlichung von Gesetzen und durch Kriegsführung.
Und wir lesen in den heiligen Berichten (5. Mose 17 [die Verse 14 – 20, das Königsgesetz
, erwähnt nicht die
Salbung eines Königs durch einen Priester, es regelt die Pflichten und Einschränkungen eines israelitischen Königs.
Ein Salbungsritus taucht dort nicht auf. Die Salbung eines Königs durch einen Priester wird erst später in 1. Könige 1,39
und 2. Könige 11, 12 erzählt]), dass die Priester in der Zeit der Königsherrschaft Könige salbten, auf ihr Haupt die Krone
aufsetzten, ihnen das Gesetz in die Hand gaben, damit sie lernten und wüssten, wie sich selbst und ihre Untergebenen
leiten und wie sie die Priester des Herrn ehren sollten. Wir lesen auch in der heiligen Geschichte, dass der König Usija
sich herausnahm, Weihrauch zu spenden, was nicht Aufgabe des königlichen, sondern des priesterlichen Dienstes ist: Er wurde
von Gott mit Lepra geschlagen, von den Priestern aus dem Tempel geworfen und in seinem Palast eingeschlossen bis zu seinem
Tod (2. Chronik 26, 16 - 21).
Quelle: Capitula in synodo apud S. Macram ab Hincmaro, c. 1. In: Patrologia Latina 125, Sp.1071; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn
Das
Kloster Corvey mit der Kirche und Ausstellungen
in manchen Räumen des Schlosses ist von der Woche vor Ostern bis Oktober täglich von
10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt für die Kirche 5 €, für Kirche und Schloss 14 €. (2024)
Der Dom in Paderborn ist täglich von 6.30 Uhr
bis 18.30 Uhr geöffnet. (2024)
Die Kirche Saint-Remi in Reims ist täglich von
8.30 Uhr bis 19 Uhr - von November bis Februar nur bis 17 Uhr - geöffnet. (2026)
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 19.09.2026
Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 2. Band: E-H. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, B. Schmid'sche
Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1861
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Hincmar_de_Reims - abgerufen am 01.02.2022
• http://carisiacum.free.fr/q1.htm - abgerufen am 01.02.2022
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Cath%C3%A9drale_Notre-Dame_de_Reims - abgerufen am 01.02.2022
• https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigspfalz_Quierzy - abgerufen am 25.07.2022
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der
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https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.