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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johann Valentin Andreä

Gedenktag evangelisch: 27. Juni

Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
V: der Kräftige (latein.)

Dekan, Konsistorialrat, Abt in Bebenhausen
* 17. August 1586 in Herrenberg in Baden-Württemberg
† 27. Juni 1654 in Stuttgart in Baden-Württemberg


Evang. Stift in Tübingen, Ausbildungsstätte der württembergischen Theologiestudenten
Evang. Stift in Tübingen, Ausbildungsstätte der württembergischen Theologiestudenten

Johann Valentin, Sohn eines Superintendenten und Enkel von Jakob Andreä, studierte im Stift in Tübingen Theologie, Philosophie, Mathematik, Genealogie und Geografie. In einer Zeit der Religionskriege, der Hexenverfolgungen, der Konjunktur von Weltuntergangspropheten, Utopisten und Schwärmern, in der andererseits die gelehrten Nachfahren Luthers in traditionellen Formeln ohne Bezug zum Leben der Menschen erstarrt waren, wurde in studentischen Kreisen die Notwendigkeit einer zweiten, einer General-Reformation diskutiert.

Wegen eines Studentenulks bekam Andreä zunächst keine kirchliche Anstellung und verbrachte dann von 1607 bis 1614 Wanderjahre, die ihn 1610 auch nach Genf führten, wo er die reformierte Kirche Johannes Calvins kennen lernte. Mit Johann Arndt war ihm die Übereinstimmung von Lehre und Lebenspraxis der Christen wichtig, er setzte sich für eine gründliche Unterweisung der Jugend ein. Daneben verfasste er Komödien nach englischen Vorbildern, pädagogische Schriften, verkehrte mit Uhrmachern und anderen Handwerkern, gewann Interesse an französischer Literatur. Weitgehende Einigkeit in der Forschung besteht heute, dass er in jener Zeit auch Schöpfer des Mythos der Rosenkreuzer mit der Figur Christian Rosencreutz und seinem Orden wurde. Dessen Grundidee: Führende Wissenschaftler bilden zusammen eine tätige Gesellschaft, einen Orden, damit Wissenschaft, Christentum und Ethik nicht auseinanderfallen. Christian Rosencreutz - sein Name und das Symbol sind dem Andreä'schen Familienwappen entnommen - vereinigt in seiner Person Luther und Paracelsus gleich den auch naturwissenschftlich maßgeblichen Philosophen der Antike.

1614 wurde Andreä endlich als Pfarrer in Vaihingen angestellt und heiratete noch im selben Jahr. Seine Verwicklung in die Rosenkreuzeridee, die inwischen in Europa Furore gemacht hatte und durch allerlei Gaukler und Schwärmer nicht mehr seriös war, rechtfertigte er als Jugendsünde. Gleichwohl hielt er wesentliche Grundgedanken aufrecht: 1619 erschien seine utopische Programmschrift Christianopolis über die ideale christliche Gesellschaft, die in der Tradition der Utopia von Thomas Morus steht. Ihr Verfassungsgrundsatz ist Gottesfurcht, jedermann hat Zugang zur Sternwarte, damit der Glaube wissenschaftlich befruchtet wird, in der Kirche werden belehrende Schauspiele aufgeführt. Die Teilnahme am Gottesdienst ist selbstverständlich, Luxus und aufwändige Kleider sind unmoralisch. Ein praktisches Christentum verwirklicht sich in christlicher Liebe und Mildtätigkeit, Wissenschaft und Technik unterliegen ethischen Zielen und dienen dem Wohl der Menschen.

Stadtkirche in Calw, 1627 unter Dekan Andreä vergrößert, nach der Zerstörung 1634 unter ihm wieder aufgebaut, 1888 erweitert
Stadtkirche in Calw, 1627 unter Dekan Andreä vergrößert, nach der Zerstörung 1634 unter ihm wieder aufgebaut, 1888 erweitert

1620 wurde Andreä Dekan in Calw, dem damaligen wirtschaftlichen Zentrum in Württemberg. Die Stadt wurde nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 von kaiserlichen Truppen überfallen und geplündert; Andreä sammelte in der Umgebung für die verarmte und hungernde Bevölkerung durch Gründung der Christlichen Gottliebenden Gesellschaft, gründete Genossenschaften für die verarmten Färber und Textilhandwerker und reformierte das Schulwesen. 1638 wurde Calw noch einmal verwüstet, Andreä flüchtete mit der Bevölkerung in den Schwarzwald. Nach dem Rückzug der Truppen kehrten von den 4000 Einwohnern nur noch 1500 zurück, von ihnen starb die Hälfte während der nun ausgebrochenen Pest.

1638 wurde Andreä in die württembergische Kirchenleitung berufen und zum Hofprediger in Stuttgart ernannt. Das Land war nach den Schlachten des Dreißigjährigen Krieges verwüstet, die Bevölkerung weitgehend verwildert, nur knapp ein Drittel der Pfarrerschaft war noch am Leben, eine Ausbildung von Theologen fand nicht mehr statt. Andreä baute die kirchliche Ordnung aus den Trümmern wieder auf, 1642 verfügte er für die Gemeinden die Einrichtung von Kirchenkonventen, dem Vorgängergremium der heutigen Kirchengemeinderäte. Er stellte die Theologenausbildung im Tübinger Stift wieder her und baute das Schulwesen wieder auf, 1645 erließ er die Anordnung zur allgemeinen Schulpflicht in Württemberg - als erstem Land in Europa. In den zehn Jahren in Stuttgart hielt er über 1000 Predigten, davon 205 über den 1. Korintherbrief. Seine über einhundert Schriften stellten ein umfassendes Reformprogramm für Kirche und Gesellschaft vor, er warb für die Einführung der modernen Fremdsprachen, der Naturwissenschaften und von Turnübungen an den Schulen. Aber er klagte auch über den Widerstand, der ihm von den geistlichen und weltlichen Machthabern bei seinen Bemühungen zur Verwirklichung eines christlichen Lebens und zur Durchsetzung einer Kirchenzucht entgegengebracht wurde; deshalb bat er 1646 um seinen Abschied vom kirchenleitenden Amt, welcher ihm 1650 gewährt wurde.

Kloster Bebenhausen im Jahr 1683, aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser, im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart
Kloster Bebenhausen im Jahr 1683, aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser, im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart

Bis zu seinem Tod leitete Andreä dann die Klosterschulen Adelberg und Bebenhausen, wo er als Abt fungierte. Andreäs Eintreten für ein praktisches Christentum, das alle Lebensbereiche umfasst, auch seine Sympathie für kleine mystische Gruppen führten dazu, dass er als einer der Väter des Pietismus in Württemberg gilt.

  Johann Valentin Andreäs Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459 gibt es komplett online, ins Netz gestellt durch Hans Zimmermann aus Görlitz.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Durch das Evang. Stift in Tübingen gibt es jeden Sonntag um 15.30 eine Führung durch Studierende zum Preis von 3 € (ermäßgt 2 €). (2014)
Das Kloster Bebenhausen mit Ausstellung zur Geschichte ist täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 4,50 €, ermäßigt 2,20 €. (2014)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.03.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:

• Hans-Jürgen Ruppert: Der Mythos der Rosenkreuzer. Evang. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Hg.): EZW-Texte 160. Berlin 2001