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Ökumenisches Heiligenlexikon

Thomas Morus

englischer Name: Thomas More

Gedenktag katholisch: 22. Juni
nicht gebotener Gedenktag
Fest in England
gebotener Gedenktag in Wales
Todestag: 6. Juli

Gedenktag anglikanisch: 6. Juli

Name bedeutet: der Zwilling (hebr.)

Lordkanzler, Vater, Märtyrer
* 6. Februar (?) 1478 (oder 1477) in London in England
† 6. Juli 1535 daselbst


Thomas More war das zweite Kind des Rechtsbeamten und späteren Richters John More und seiner Frau Agnes, der Tochter eines Anwalts. Thomas erhielt seinen Vornamen nach Thomas Becket und wurde an einer Lateinschule ausgebildet. Danach kam er als Page an den Hof des Kardinals, Lordkanzlers und Erzbischofs von Canterbury, John Morton, wo er die Oberschicht und die führenden Humanisten seiner Zeit kennen lernte. Ab 1492 studierte er auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaften in Oxford und London. 1499 lernte er Erasmus von Rotterdam kennen, mit dem er sein Leben lang freundschaftlich verbunden blieb. Ab 1500 lebte er im Londoner Kartäuserkloster und prüfte, ob er zum Priester berufen sei, entschied sich aber dagegen. Im Alter von 23 Jahren wurde er Anwalt in London, mit 26 Jahren Mitglied des Parlamentes. Um 1505 heiratete er, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor - Thomas wird in der katholischen Kirche deshalb auch als Vater besonders verehrt. Thomas pflegte in seiner Familie das gemeinsame Gebet - unter Einbezug der Dienerschaft - und das Bibel lesen. Thomas' Haus im Londoner Stadtviertel Bucklersbury wurde zum Treffpunkt von Gelehrten und Künstlern: 1505/1506 lebte Erasmus einige Monate im Haus; die gemeinsam mit ihm übersetzten Dialoge des antiken Satirikers Lucian von Samosata wurden Thomas' erfolgreichstes Buch. 1526 war der Maler Hans Holbein der Jüngere sein Gast.

1510 wurde Thomas Morus Untersheriff in London und wieder Mitglied des Parlaments; der neue König Heinrich VIII. schätzte ihn als Humanisten. Mit seinem beruflichen Erfolg ging wachsender Wohlstand einher. Nachdem Thomas' Frau 1511 plötzlich starb, heiratete Thomas Alice Middleton, die Tochter eines Textilkaufmannes. 1515 wurde die von Thomas verfasste Geschichte des Königs Richard III. vorgelegt, die einen skrupellos Herrschenden zeichnete. Im selben Jahr wurde er in diplomatischer Mission nach Flandern gesandt; er traf wieder Erasmus und arbeitete am zweiten Teil seiner programmatischen Schrift Utopia, Kein Ort, über die Gestaltung eines idealen Gemeinwesens, die dann 1516 erschien. 1517 wurde Thomas Mitglied des Kronrates, 1518 Sekretär des Königs und mit einer lebenslangen Pension ausgestattet; zugleich erschien auf Initiative seines Freundes Erasmus die Sammlung seiner rund 280 Epigramme. 1521 wurde er Unterschatzmeister und zum Ritter geschlagen.

König Heinrich half er bei dessen Streitschrift gegen Martin Luthers Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, in der dieser die Siebenzahl der Sakramente in Frage stellte. Morus kritisierte ebenfalls heftig die Auswüchse in der Kirche, Luthers Kritik aber sei die eines häretischen Verbrechers, der dem Volk Lenker, Gesetz und Ordnung raube und so die Anarchie befördere. Morus wandelte sich in dieser Zeit zunehmend vom liberalen Humanisten zum rigiden Verteidiger der Kirche. 1523 verfasste er eine scharfe Replik auf Luthers Antwort Contra Henricum regem Angliae, gegen den englischen König Heinrich. 1522 wurde er zum Sprecher des Unterhauses gegenüber dem König ernannt. Als Nachfolger von Kardinal Wolsey und erster Laie wurde er 1529 Lordkanzler von König Heinrich VIII. Thomas verfasste weitere Kampfschriften gegen die Reformation; schon 1526 gegen Johannes Bugenhagen, 1529 und 1532/1533 gegen William Tyndale und andere englische Reformatoren. König Heinrich wurde nicht zuletzt deshalb vom Papst der Ehrentitel Defensor fidei, Verteidiger des Glaubens, verliehen. Thomas Morus verfolgte unnachgiebig die Kritiker der Kirche, nach langer Zeit gab es erstmals wieder Todesurteile der Inquisition.

Hans Holbein der Jüngere: Thomas Morus mit Familie, um 1527, im Kupferstichkabinett der Öffentlichen Kunstsammlung in Basel. Der Astronom Nikolaus Kratzer, der bei Morus als Hauslehrer tätig war, notierte die Namen der Abgebildeten: Links Mores älteste Tochter Elizabeth Dauncy (1506 - 1564), daneben die Adoptivtochter Margaret Giggs (1508 - 1570), die Thomas' Vater John More (um 1451 - 1530) ein Schriftstück zeigt. Thomas Morus sitzt im Zentrum, links davon seine Schwiegertochter Anne Cresacre (1512 - 1577) und sein einziger Sohn, ihr Mann John More (um 1509 - 1547). Dann, mit Gesicht zum Betrachter, der Hausgenosse Henry Patenson und ganz rechts seine Frau Alice, Morus' zweite Tochter; davor Cecily Heron (* 1507) und die älteste Tochter Margaret Roper (1505 - 1544).
Hans Holbein der Jüngere: Thomas Morus mit Familie, um 1527, im Kupferstichkabinett der Öffentlichen Kunstsammlung in Basel.
Der Astronom Nikolaus Kratzer, der bei Morus als Hauslehrer tätig war, notierte die Namen der Abgebildeten: Links Mores älteste Tochter Elizabeth Dauncy (1506 - 1564), daneben die Adoptivtochter Margaret Giggs (1508 - 1570), die Thomas' Vater John More (um 1451 - 1530) ein Schriftstück zeigt. Thomas Morus sitzt im Zentrum, links davon seine Schwiegertochter Anne Cresacre (1512 - 1577) und sein einziger Sohn, ihr Mann John More (um 1509 - 1547). Dann, mit Gesicht zum Betrachter, der Hausgenosse Henry Patenson und ganz rechts seine Frau Alice, Morus' zweite Tochter; davor Cecily Heron (* 1507) und die älteste Tochter Margaret Roper (1505 - 1544).

Heinrich VIII. war verheiratet mit der Spanierin Katharina von Aragon, einer Nichte des mächtigen deutschen Kaisers Karl V.; daneben unterhielt er eine Beziehung zu seiner Hofdame Anna Boleyn - möglicherweise aus ganz pragmatischen Gründen: er brauchte einen Thronfolger, den ihm seine Frau nicht gebären konnte; die Annullierung der bestehenden Ehe - die auch nur auf Grund einer päpstlichen Sondererlaubnis hatte geschlossen werden können, weil Katharina die Witwe von Heinrichs Bruder war - beantragte er aber beim Papst ohne Erfolg. Daraufhin betrieb der König die offizielle Loslösung von der Kirche in Rom; er hoffte dabei auf die Unterstützung seines Vertrauten Thomas Morus. Der aber konnte eine Scheidung nicht für rechtmäßig und Gottes Willen gemäß erachten und trat im Mai 1532 als Lordkanzler zurück, nachdem der König zuvor mit dem Suprematseid sich den gesamten englischen KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. unterstellt hatte. 1533 nahm Thomas nicht an der Krönung der neuen Königin Anna Boleyn teil, die Beziehung zum König verschlechterte sich zusehends; im April 1534 verweigerte er selbst endgültig den Suprematseid, den Treueeid auf die neue Verfassung, in der sich der König zum religiösen Oberhaupt der neuen Anglikanischen Kirche erklären ließ; nur Morus, John Fisher sowie einige Franziskaner und Kartäuser verweigerten die Unterschrift.

Thomas wurde im Tower in London eingesperrt, die Acht über ihn verhängt und sein Vermögen enteignet, was seine Familie arm machte. Seine Briefe und mehrere Traktate aus der Haft zeigen, wie er sein Martyrium getrost ertrug. Nach 15 Monaten im Tower wurde er als Hochverräter zum Tod durch Erhängen, Herausreißen der Eingeweide bei lebendigem Leib, Vierteilung, Enthauptung und Verbrennung verurteilt; der König begnadigte ihn zu einfacher Enthauptung. Nach deren Vollzug wurde sein Kopf zur Abschreckung am Stadttor ausgestellt, den Rumpf durfte seine Tochter an der St Peter Vincula-Kapelle am Tower bestatten. Auf Anordnung des Königs wurden kurz darauf auch die Gebeine von Morus' Namenspatron Thomas Becket aus der Kathedrale von Canterbury entfernt. Morus' Familie lebte verarmt und gegrämt, teilweise verfolgt und inhaftiert oder im Exil weiter.

Thomas' Gebet um Humor:

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.
Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir allzu viele Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich Ich nennt.
Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.

Thomas' Tochter Margaret erhielt später auch sein Haupt, es liegt heute in der Kathedrale von St. Dunstan in Canterbury. Sein Schwiegersohn William Roper verfasste unter Verwendung der Dokumente aus dem Nachlass die erste, 1556 erschienene Biografie.

Thomas' Bedeutung liegt in seiner Pflichterfüllung und Unbeugsamkeit, obwohl fast die gesamte englische Geistlichkeit - mit Ausnahme von Thomas' Freund und Schicksalsgefährten Kardinal John Fisher, der ein paar Tage zuvor hingerichtet wurde - sich den veränderten Umständen anpasste.

Kanonisation: Thomas sei noch im Jahr seines Todes heiliggesprochen worden; tatsächlich erfolgte die Seligsprechung gemeinsam mit John Fisher 1886 durch Papst Leo XIII., die Heiligsprechung am 19. Mai 1935 durch Papst Pius XI., wieder gemeinsam mit John Fisher. Im Oktober 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron der Regierenden und der Politiker.
Patron der KjG (Katholische junge Gemeinde), der Regierenden und der Politiker

Worte des Heiligen

Thomas Morus lässt in seinem Werk Utopia seinen Protagonisten Raphael Hythlodeus eine Rede über die beste Staatsverfassung halten. Diese sieht er in der utopischen Staatsform und er kritisiert die sozialen Missstände in den bestehenden Staaten:
Da möchte ich den wohl sehen, der es wagt, mit solcher Gleichheit des Rechtes [nämlich: im utopischen Staat] die Gerechtigkeit anderer Völker zu vergleichen! Ja, ich will des Todes sein, wenn ich bei den anderen überhaupt eine Spur von Gerechtigkeit und Billigkeit zu finden vermag! Denn was ist das für eine Gerechtigkeit, dass jeder beliebige Edelmann oder Goldschmied oder Wucherer oder sonst irgendeiner von der Menschenklasse, die überhaupt nichts leistet oder wenigstens eine Beschäftigung treibt, die für den Staat nicht dringend nötig ist, dass der ein üppiges und glänzendes Leben führen darf aus einem Erwerb, den ihm sein Nichtstun oder sein überflüssiges Geschäft einbringt, während gleichzeitig der Tagelöhner, der Fuhrmann, der Schmied, der Bauer mit aller seiner harten und beständigen Arbeit, wie sie kein Zugtier aushalten würde, die so dringend nötig ist, dass ohne sie die Gesellschaft nicht ein Jahr auskommen könnte, sich doch nur ein so knappes Auskommen verdient, ein so erbärmliches Leben führen muss, dass einem die Lage der Zugochsen weit besser erscheinen könnte, die nicht so beständig sich placken müssen, nicht viel schlechtere, aber ihnen viel besser schmeckende Nahrung kriegen und bei alledem sich nicht vor der Zukunft zu fürchten brauchen? Diesen Menschen dagegen verdirbt die tägliche Hetze erfolgloser, unfruchtbarer Arbeit den Genuss der Gegenwart, und im Gedanken an die Zukunft martert sie obendrein die Aussicht auf ein hilfloses Alter. Denn wenn ihr täglicher Lohn zu kümmerlich ist, um auch nur für denselben Tag auszureichen, wie soll dann etwas herausspringen und übrig bleiben, das man zur Verwendung im Alter täglich zurücklegen könnte?
Ist das etwa nicht ein ungerechter und undankbarer Staat, der so viel Gunst verschwendet an die sogenannten Edelleute, an Juweliere und sonstige Angehörige dieser Menschenklasse, die aus Tagedieben oder bloßen Schmarotzern und Angehörigen unnützer Luxusgewerbe besteht, dagegen den Bauern, Köhlern, Tagelöhnern, Fuhrleuten und Schmieden, ohne die überhaupt kein Staat bestehen könnte, gar keine Fürsorge zuwendet, sondern zuerst ihre Arbeit während ihrer besten Lebensjahre ausnützt und dann, wenn sie endlich, durch Alter und Krankheit gebeugt, an aller Notdurft Mangel leiden, ihnen aufs schnödeste vergilt, uneingedenk so vieler durchwachter Nächte, so vieler und so großer Dienstleistungen, indem er sie in jammervollster Armut sterben lässt? Was soll man vollends dazu sagen, dass die Reichen von dem täglichen Lohn der Armen alle Tage noch etwas abzwacken, nicht nur durch privaten Betrug, sondern sogar auf Grund öffentlicher Gesetze? So haben sie das, was früher als ungerecht galt: die größten Verdienste, um den Staat mit dem ärgsten Undank zu vergelten, in seiner öffentlichen Geltung ganz entstellt, ja schließlich durch gesetzliche Sanktion zur Gerechtigkeit gemacht. Wenn ich daher alle unsere Staaten, die heute irgendwo in Blüte stehen, im Geiste betrachte, und darüber nachsinne, so stoße ich auf nichts anderes, so wahr mir Gott helfe, als auf eine Art Verschwörung der Reichen, die den Namen und Rechtstitel des Staates missbrauchen, um für ihren eigenen Vorteil zu sorgen. Sie sinnen und hecken sich alle möglichen Methoden und Kunstgriffe aus, zunächst um ihren Besitz, den sie mit verwerflichen Mitteln zusammengerafft haben, ohne Verlustgefahr festzuhalten, sodann um die Mühe und Arbeit der Armen so billig als möglich sich zu erkaufen und zu missbrauchen. Haben die Reichen erst einmal im Namen des Staates, das heißt also auch der Armen, den Beschluss gefasst, ihre Machenschaften durchzuführen, so erhalten diese sogleich Gesetzeskraft. Aber selbst wenn diese abscheulichen Menschen in ihrer unbegreiflichen Gier alle Güter des Lebens, die für alle gereicht hätten, unter sich aufgeteilt haben, wie weit sind sie dennoch entfernt von dem glücklichen Zustand des utopischen Staates!

Quelle: Thomas Morus: Utopia. Übersetzt von G. Ritter. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1983, S. 143 - 145

In einem Brief aus dem Gefängnis an seine Tochter Margret legt Thomas Morus seine Beweggründe für sein Verhalten gegenüber dem König dar:
Meine Tochter Margret, wir haben diese Dinge mehr als ein- oder zweimal besprochen. … Jedes Mal erklärte ich dir, dass kein Mann den Eid mit mehr Freude beschworen hätte als ich, wenn ich eine Möglichkeit sähe, des Königs Willen zu erfüllen, ohne gleichzeitig Gott zu beleidigen. Mehr als alle übrigen Menschen fühle ich mich der königlichen Hoheit zutiefst verpflichtet für die vielen außerordentlichen Gunstbezeugungen, die ich zu allen Zeiten genießen durfte. Aber ich muss mich doch an mein Gewissen halten, weshalb mir gar keine andere Handlungsweise offen steht. Meine Ansicht habe ich mir nicht nach flüchtiger Beschäftigung mit der Sache gebildet; ich habe während vieler Jahre die Frage unter den verschiedensten Gesichtspunkten studiert. Ich habe alle Möglichkeiten in Betracht gezogen.
Nie las oder hörte ich etwas und werde wohl kaum je auf etwas stoßen, das meine Überzeugung irgendwie ändern könnte. Ich finde keinen Ausweg; Gott stellte mich vor die Alternative: Entweder missfalle ich ihm tödlich, oder ich muss alles menschliche Unglück, das er über mich kommen lassen will, zur Sühne für meine übrigen Sünden auf mich nehmen. Ich habe, wie du weißt, schon bevor ich hierher gebracht wurde, an die schlimmsten und gefährlichsten Folgen gedacht, die meine Handlungsweise haben könnte. Ich kenne meine eigene Schwäche sehr wohl; ich weiß um die Zaghaftigkeit meines Herzens. Hätte ich nicht auf Gott vertraut, der mir gewiss die Kraft verleiht, alle diese Schwierigkeiten zu ertragen, um ihn durch einen Meineid, den ich gegen die Überzeugung meines Gewissens leisten müsste, zu beleidigen, so wäre ich bestimmt nicht hierher gekommen. Ich will mich in dieser Angelegenheit nur nach Gott richten; deshalb macht es mir auch gar nichts aus, wenn die Menschen meine Haltung an ihren Maßstäben messen und sogar den Grund dafür nicht in meinem Gewissen, sondern nur in törichten Skrupeln sehen.

Quelle: The English Works of Sir Thomas More. London 1557; deutscher Text aus: Lesungen für die Heiligenfeste im Mai u. Juni. Salzburg 1970, S. 46 - 48

Thomas Morus verteidigt vor Gericht seinen Freimut gegenüber dem König sowie sein Schweigen vor der königlichen Kommission:
Die Anklage enthält, wenn ich nicht irre, im Wesentlichen vier Hauptpunkte, die ich mit Gottes Hilfe der Reihe nach beantworten will.
Vor allem soll ich des Königs Ehe mit der jetzigen Königin Anna missbilligt haben. Es ist nun zwar richtig, dass ich dem König, sooft er mich zu fragen geruhte, meine Ansicht über diesen Gegenstand stets gewissenhaft und freimütig ausgesprochen habe. Ich vermag aber nicht einzusehen, wie man mich deshalb des Hochverrates anklagen kann. Im Gegenteil, ein treuloser Verräter gegen meinen Gott wie gegen meinen König wäre ich gewesen, wenn ich, in einer so hochwichtigen Angelegenheit um meinen Rat befragt, aus Schmeichelei und Gunstbuhlerei gegen meine Überzeugung und gegen mein Gewissen gesprochen hätte. …
Der zweite Anklagepunkt besteht darin, dass ich trotz zweimaligen Verhörs vor einer königlichen Kommission mich geweigert habe, meine Ansicht auszusprechen über das Parlaments-Gesetz, welches den König als oberstes Haupt der englischen Kirche erklärt und betitelt; man behauptet, ich hätte dies aus boshafter und verräterischer Gesinnung und Absicht getan. Dieses Gesetz berührt mich nicht, ich genieße von der Kirche keine irdischen Wohltaten und lasse die Frage, ob das Gesetz rechtmäßig ist oder nicht, unentschieden. Niemals habe ich gegen dasselbe irgendetwas gesagt oder getan. Niemand wird imstande sein, mich einer solchen Äußerung oder Handlung zu überführen. Ich will, wie ich schon einmal gesagt habe, an nichts anderes mehr denken als an das Leiden Christi und an meinen eigenen Tod. Weder das fragliche Gesetz noch irgendein anderes kann einen Mann um seines Stillschweigens willen bestrafen; nur Worte und Handlungen unterliegen der Strafe des Gesetzes. Gott allein ist der Richter über unsere Gedanken.

Quelle: Dokumente zur Geschichte der Kirche, gesammelt von Michael Pfliegler. Tyrolia-Verlag Innsbruck / Wien / München 1958, S. 228f

Zitate von Thomas Morus:

Wir können aus dem Lebenskuchen uns nicht nur die Rosinen suchen.
Da die Menschen in ihrem Tun sich ungern nach der Vorschrift Christi ausrichten ließen, haben sie seine Lehre wie einen Messstab aus weichem Blei nach ihren Sitten gestreckt, damit eben beides noch einigermaßen übereinstimme. Ich weiß nicht, was sie damit erreichen, außer dass man mit besserem Gewissen Böses tun darf.
Nichts wird gut und vollkommen sein, bevor die Menschen gut und vollkommen sind.
Es gibt keinen Kummer auf Erden, den der Himmel nicht heilen kann.
Musik, bei deinen Zauberklängen erscheint Sprache arm und kalt.
Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.
So, als müsstest du sterben, gib aus das Erworbene, so, als lebtest du noch lang, geh sparsam mit ihm um. Weise ist, wer beide Möglichkeiten bedenkend, Sparsamkeit und Verschwendung übet im richtigen Maß.
Es kommt niemals ein Pilger nach Hause, ohne ein Vorurteil weniger und eine neue Idee mehr zu haben.
Viele Menschen erkaufen sich die Hölle mit so großer und schwerer Arbeit, dass sie sich mit der Hälfte derselben hätten den Himmel erkaufen können.

Quelle: https://www.aphorismen.de/suche?f_autor=2685_Thomas+Morus, abgerufen am 12. November 2019

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Das Apostolische Schreiben zur Ausrufung des Heiligen Thomas Morus zum Patron der Regierenden und der Politiker gibt es online auf der Homepage des Vatikans.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 13.11.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000
• Gerald Munier: Thomas Morus. VSA-Verlag, Hamburg 2008

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.