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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Nepomuk von Tschiderer zu Gleifheim

Gedenktag katholisch: 3. Dezember
nicht gebotener Gedenktag in Feldkirch
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Bozen-Brixen: 4. Dezember

Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
N: nach Johannes Nepomuk

Fürstbischof von Trient
* 15. April 1777 in Bozen in Italien
† 3. Dezember 1860 Trient in Italien


Johannes Nepomuk von Tschiderer zu Gleifheim studierte am Lyceum in Innsbruck. 1800 wurde er in Trient zum Priester geweiht und bekleidete dann mehrere Seelsorgeposten in Südtirol. 1807 wurde er Professor für Moraltheologie am Priesterseminar in Trient, 1810 zog er sich wieder als Pfarrer nach Sarnthein / Sarentino in die Gemeindeseelsorge zurück. 1819 kam er als Stadtdekan und Schulinspektor nach Meran, 1826 wurde er ins Trienter Domkapitel aufgenommen und 1827 zum Provikar des deutschsprachigen Teils des Bistums ernannt. 1831 erfolgte die Ernennung zum Generalvikar für Vorarlberg, 1832 die zum Weihbischof mit Sitz in Feldkirch und zum Titularbischof von Helenopolis - dem heutigen Hersek; in dieser Zeit setzte er sich besonders für die Schwabenkinder ein, die Kinder armer Bauern, die aus Vorarlberg nach Südschwaben zum Arbeiten wandern mussten.

1834 erfolgte Tschiderers Berufung als Fürstbischof nach Trient, im Mai 1835 trat er sein Amt an. Er setzte seine beispielgebende Tätigkeit in der Seelsorge, für das Schulwesen und um soziale Ziele fort; um die den Rückgang der Priesterschaft aufzuhalten, gründete er Konvikte in Trient, Borgo Valsugana und Bozen. 1843 gründete er eine Bildungsanstalt für gehör- und stimmlose Menschen. Tschiderer war Gegner der Reformen von Kaiser Joseph II., des Josephismus, der die Kirche und ihr Vermögen eng an den Staat band und trat für die Glaubenseinheit in Tirol ein.

Tschiderer selbst lebte asketisch. Bereits zu Lebzeiten wurde er von den Menschen hoch geachtet und verehrt.

Kanonisation: Johannes Nepomuk von Tschiderers Nachfolger Benedikt Riccabona leitete 1873 den Seligsprechungsprozess ein; erst am 30. April 1995 wurde er durch Papst Johannes Paul II. in Trient anlässlich der Feiern zum 450. Jahrestag der Eröffnung des Konzils von Trient seliggesprochen.

Worte des Seligen

Anlässlich der politischen Unruhen 1848 schrieb Tschiderer einen Hirtenbrief. Darin deutet er die Konzessionen der Wiener Regierung wie Pressefreiheit und die Zusage einer neuen Verfassung als Geschenk Gottes und verlangt daher von den Bürgern, sich an Recht und Ordnung zu halten. Der Fürstbischof schreibt:

Die Göttliche Vorsehung, die alle Dinge mit Macht und Milde wunderbar leitet, lässt auch uns, verehrte Brüder und geliebte Kinder in Jesus Christus, eine neue Zeit entstehen: eine Zeit der Eintracht, des Friedens, der christlichen Freiheit. Ihr habt mit Jubel die Pläne Gottes aufgenommen; eurem Jubel aber, meine Lieben, antwortet aus der Tiefe des Herzens die Freude eures Hirten. Unschätzbar ist das Geschenk, das uns der Himmel macht. Wir aber sollen es würdig schätzen, bis Gott, in dessen Händen das Geschick des Universums liegt, uns gewähren möge, es zu genießen in seiner ganzen Fülle und Reinheit. Gott reicht uns dieses Geschenk. Daher mögen wir ihm unseren tiefsten Dank darbringen. Er verlangt nichts anderes von uns als die genaue und treue Beobachtung seines heiligsten Gesetzes, das uns zum eigenen Gewinn wird, sowohl zum geistlichen als auch zum zeitlichen. Oh, meine Lieben! Möge die Wohltat nicht durch Undank verdorben werden. Nein, jener liebt die Freiheit nicht, der das Evangelium nicht beobachtet, das das wahre Gesetz der Liebe und der Freiheit ist, weil ausschließlich dort, wo der Geist Gottes regiert, die Freiheit herrscht. Der katholische Glaube, meine Lieben, ist das einzig wahre Gesetz der Liebe und der Freiheit, und wehe dem, der nicht versteht, dass der Glaube, der uns die Freiheit der wahren Kinder Gottes schenkt, die einzige Quelle der persönlichen und öffentlichen Freiheit ist. Lasst uns also treu dieses kostbare Gut bewahren durch eine ehrliche und beständige Erfüllung unserer Pflichten als eifrige Christen und aufrichtige Bürger. Geliebte Kinder, möge es nie sein, dass ihr zu euch selbst in Widerspruch geratet, und in einer Zeit, in der vor allem in euren Herzen Gefühle der religiösen Dankbarkeit auflodern müssen, ihr euch blenden lasst von den erniedrigenden Leidenschaften und euch verführen lasst zur Verletzung der Ordnung und der öffentlichen Ruhe. Damit würdet ihr nichts anderes tun, als für euch und eure Heimat jene Gnaden und jenen Segen zu verwerfen, die Gott euch bereitet.

Quelle: Johann Mayr: Bischof Johann Nepomuk von Tschiderer 1777 - 1860. Ein Zeit- und Lebensbild. Bozen 1998, S. 241f

Zitat von Johannes Nepomuk von Tschiderer:

Tschiderer schrieb vor seiner Bischofsweihe an Kaiser und Papst, man möge ihm doch die Bürde dieses Amtes nicht aufbürden, er fand aber kein Gehör. So fügte er sich in das Unvermeidliche:

Groß ist die Beklemmung und Bedrängnis, die jemand befallen muss, wenn er zu solch hoher Ehre erhoben wird. Dies sowohl angesichts der Aufgaben, die mit dieser Würde verbunden sind, welche nach der Aussage des Konzils von Trient selbst für die Schultern von Engeln kaum zu ertragen wäre; als auch im Hinblick auf die strenge Rechenschaft, die man Gott wird ablegen müssen. Solche Beklemmung und Bedrängnis überkam uns, sobald wir erfuhren, dass wir zu so hoher Würde bestimmt waren. Denn das Bewusstsein der eigenen Unwürdigkeit, das Gewicht und die Schwierigkeit des erhabenen Dienstes trugen gleichzeitig dazu bei, uns auf das heftigste zu verwirren.

Quelle: Johann Mayr: Bischof Johann Nepomuk von Tschiderer 1777 - 1860. Ein Zeit- und Lebensbild. Bozen 1998, S. 143f

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 13.11.2019

Quellen:
• http://dioezesefiles.x4content.com/page-downloads/direktorium_ibk.pdf
• http://www.bautz.de/bbkl/t/tschiderer_z_g_j_n.shtml
• newsaints.faithweb.com/year/1860.htm
• Joachim Stuefer, E-Mail vom 6. Dezember 2010
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.