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Ökumenisches Heiligenlexikon

Maria Ward

englischer Name: Mary

Gedenktag katholisch: 30. Januar

Name bedeutet: die Beleibte / die Schöne / die Bittere / die von Gott Geliebte (aramäisch)

Ordensfrau, Stifterin
* 1585 in Mulwith bei Newby in Yorkshire in England
† 30. Januar 1645 in York in England


Mary Ward
Maria Ward

Maria Ward wuchs zur Zeit der erbitterten Verfolgung der Katholiken in England auf; 1587 wurden Maria Stuart und zahlreiche römische Priester hingerichtet, die Teilnahme an der katholischen Messe war strafbar. Als Maria 20 Jahre alt war, scheiterte ein Putsch der Katholiken, die so genannte Pulververschwörung. Nun wurden alle Katholiken zu einem antipäpstlichen Treueeid gezwungen und von Staatsämtern ausgeschlossen. Im selben Jahr lehnte Maria Ward die Heirat mit Edward Neville, der großen Hoffnung der katholischen Partei, ab: ihr Wunsch war, in ein Kloster einzutreten, was aber in England unmöglich war.

So wurde Maria 1606 Klarissin in St-Omer in Frankreich, war aber schon nach kurzer Zeit mit dem vorfindlichen Klosterleben nicht zufrieden. Sie stiftete deshalb von ihrem Vermögen ein eigenes Kloster in Flandern nur für Engländerinnen, in dem die Ordensregel in ganzer Strenge angewandt wurde. Nach einiger Zeit ging sie nach England zurück und vermittelte unter Lebensgefahr illegale Kontakte zwischen Katholiken und Priestern. Mit einer Gruppe von Mädchen ging sie wieder nach Flandern und nahm einige katholische englische Mädchen als Schülerinnen mit. So entstand 1609 das Institut der englischen Fräulein, die sich zwar wie Ordensschwestern verhielten, sich aber gleichzeitig frei in der Stadt bewegten. Maria beschloss auf Grund einer Eingebung, die Ordensregel der Jesuiten anzunehmen. Nach der ersten vorläufigen schriftlichen Bestätigung der Regel durch Papst Paul V. im Jahr 1615 reiste Maria dreimal nach Rom, um ihre Regel endgültig bestätigen zu lassen. Während dieser Reisen errichtete sie im Jahr 1621 Institute in Lüttich, Köln - wo sie schon 1630 wieder geschlossen werden musste - und Trier, 1622 in Rom, 1623 in Neapel, 1624 in Perugia, dann 1627/28 in München, Wien 1 und Bratislava.

Die Bemühungen um Anerkennung des Instituts in Rom wurden dagegen nicht vom Erfolg gekrönt. Der Verzicht auf Klausur der Frauen und die Übernahme der Ordensregel der Jesuiten waren für die katholische Kirche nicht akzeptabel; vor allem der Seelsorge- und Bildungsauftrag der Jesuiten schien für Frauen unvorstellbar; dies führte 1625 zur Schließung der Häuser in Italien. Aus Rom vertrieben zogen die Englischen Fräulein nach Deutschland, wo der Dreißigjährige Krieg tobte. Papst Urban VIII. verbot 1631 durch eine der härtesten Bullen, die in der Kirchengeschichte bekannt sind, die Englischen Fräulein endgültig; die Gründerin wurde unter dem Verdacht der Häresie von 1632 bis 1637 in Rom festgehalten, davon neun Wochen inhaftiert, und von der Inquisition überwacht. Das Inquisitionsgericht endete zwar mit ihrer Rechtfertigung, aber ihr Werk blieb aufgehoben; 1639 kehrte sie krank nach England zurück, nachdem man ihr aus gesundheitlichen Gründen die Einreise in die Heimat erlaubt hatte.

In München und in Augsburg nahmen 1680 die Bischöfe die Arbeit der Institute unter ihren Schutz, weitere Filialen in anderen Diözesen folgten, 1686 wurde in England die erste katholische Schule seit der Reformation gegründet. Trotz der fehlenden offiziellen Anerkennung gedieh die Arbeit, 1703 wurden ein erster Teil der Regel anerkannt; 1749 anerkannte Papst Benedikt XIV. das Amt der Generaloberin, untersagte aber die Berufung auf die Gründerin. 1877 erhielt das Institut B.M.V. die endgültige päpstliche Anerkennung, seit 1909 darf Maria Ward wieder als Gründerin genannt werden; die Anerkennung der Arbeit unter der Regel der Jesuiten erfolgte aber erst 1978. Papst Pius XII. nannte die Ordensgründerin Mitte des 20. Jahrhunderts eine unvergleichliche Frau, die das katholische England der Kirche geschenkt hat.

Die heute weit verbreiteten Schulen der Englischen Fräulein halten noch immer die Jesuitenregeln. Der römische Zweig umfasst heute 21 Provinzen mit rund 2500 Mitgliedern in acht europäischen Ländern, dazu in Indien, Korea, Simbabwe, Brasilien, Argentinien und Chile; seit 2004 nennt er sich offiziell Congegratio Jesu um deutlich zu machen, dass es sich um den weiblichen Zweig der Jesuiten handelt; Maria Wards ursprüngliche Intention wurde nun Wirklichkeit. Der irische und nordamerikanische Zweig ist vereinigt unter dem Namen Loreto-Schwestern. Im Jahr 2008 gab es in Deutschland 35 Schulen des Instituts, dessen Schwestern sich außerdem in der Sozialarbeit engagieren.

Kanonisation: Papst Benedikt XVI. verlieh Maria am 19. Dezember 2009 den Titel ehrwürdige Dienerin Gottes als erste Etappe im Seligsprechungsprozess.

1 Am Haus Stoß imHimmel 3 in Wien erinnert eine Gedenktafel an diese erste Mädchenschule der Stadt.

Worte von Mary Ward

Mary Ward zeichnete sich durch eine große innere Freiheit aus:
Ich war ruhig: Die Schwierigkeiten störten mich nicht. Ich nahm klar und deutlich alle gegenwärtigen Dinge wahr. Von manchem wünschte ich, es möge eintreten. Ich sah aber auch die Schwierigkeiten, die es geben könnte und die im menschlichen Miteinander nicht zu vermeiden sind. All diese großen und kleinen Dinge sah und erkannte ich in ihrem einfachen Sein, so wie sie sind.
Ich hatte die Freiheit, das, was ich mir wünschte, weiter zu wünschen, und war entschieden und bereit, es auszuführen, ohne mir darüber Sorgen zu machen. Widrige Dinge missfielen mir, aber ich hatte keine Angst davor. Im Herzen war ich gleichermaßen zufrieden, welche Widerwärtigkeit auch eintreffen mochte.
Und was ist die Wirkung von all dem? … Man ist bereit zu handeln oder nicht zu handeln, nimmt mit Gleichmut an, was auch geschehen mag. Man sieht die Gefahr durch widrige Dinge, ist aber nicht ängstlich besorgt oder unruhig, sondern voller Vertrauen, dass Gott seinen Willen auch im Chaos verwirklichen wird. Man ist frei von allem und wünscht nur das eine, nämlich Gott zu lieben. Und darin bleibt man frei und zufrieden.


Sie war sich aber auch bewusst, dass die volle innere Freiheit ein Geschenk der göttlichen Gnade und damit auch Frucht des Gebets ist.
Du, Herr, kennst mein Herz! Mache dieses Herz vollkommen, so, wie du es haben willst.
Mein Herz ist bereit o Gott, mein Herz ist bereit!
Stelle mich hin, wo du willst. Ich bin in deiner Hand. Wende mich dahin oder dorthin, wie es dir beliebt. Dein bin ich, bereit zu allem.

Quelle: Maria Ward: Worte für das Leben. Hrsg. von M. Immolata Wetter I.B.M.V., Rom / Augsburg / Bamberg 1997
Christa Huber: Gott hat für alles seine Zeit - Vier Wochen mit Mary Ward. München / Zürich / Wien 2011

Zitate von Mary Ward:

Wo Gott aufrichtig gesucht wird, ist der Weg zu ihm immer offen.
Gott gibt einem jeden die Gnade, die der Stand erfordert, zu dem Gott den Betreffenden ruft.
Du sollst immer bereit und gleichmütig gestimmt sein für das, was dir zugedacht ist, und vollkommen und gut ausführen, was dir aufgetragen wird.
Hier geht es nicht um Pflichten, sondern um Hingabe: Gott hat keine Freude an einem Tun, das aus Zwang kommt und um der eigenen inneren Ruhe verrichtet wird.
Was mich innerlich bestürzt und unruhig macht, kommt nicht von Gott; denn der Geist Gottes bringt allezeit Frieden und heitere Ruhe mit sich.
Es besteht kein solcher Unterschied zwischen Männern und Frauen, dass die Frauen nicht auch Großes leisten könnten, wie wir am Beispiel vieler Heiliger gesehen haben, die Großes vollbrachten; und ich hoffe, dass Frauen in Zukunft Großes tun werden.

Quelle: Maria Ward: Worte für das Leben. Hrsg. von M. Immolata Wetter I.B.M.V., Rom / Augsburg / Bamberg 1997
Christa Huber: Gott hat für alles seine Zeit - Vier Wochen mit Mary Ward. München / Zürich / Wien 2011

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Institut

  Eine Sendung des Bayerischen Schulfernsehens stellt Leben und Wirken von Maria Ward und die Geschichte der Englischen Fräulein dar.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 28.11.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Materialdienst des konfessionskundlichen Instituts Bensheim 5/2008
• Newsletter von Radio Vatikan – 04. Oktober 2009

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.