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Ökumenisches Heiligenlexikon

Mechthildis von Dießen

auch: Mathildis

Gedenktag katholisch: 31. Mai

Name bedeutet: die kraftvolle Kämpferin (althochdt.)

Äbtissin in Edelstetten
* um 1125 in Andechs in Bayern
† 31. Mai 1160 in Dießen am Ammersee in Bayern


Mechthildis wurde als Tochter des Grafen Berthold II. von Dießen-Andechs und seiner Frau Sophie von Istrien auf dem Burgberg in Dießen geboren; ihre Schwester war Euphemia von Altomünster, ihr Bruder Otto wurde Bischof in Bamberg, ihr Bruder Berthold der Großvater der Hedwig von Schlesien und Urgroßvater von Elisabeth von Thüringen. Mit fünf Jahren wurde Mechthildis zur Erziehung ins Augustinerkloster St. Stephan in Dießen gegeben und wurde im Alter von 14 Jahren dort Augustiner-Chorfrau. Immer wieder wird in der Überlieferung darauf verwiesen, dass sie zeitlebens dennoch ihr schönes, langes, blondes Haar behielt, das noch bis ins 19. Jahrhundert in Dießen verwahrt wurde. Gerühmt werden auch ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein, das aus Gehorsam sich dennoch in ein vorbildliches Ordensleben ergab, geprägt von Güte und Hilfsbereitschaft, und ihre besondere Gabe der Krankenheilung: einer Stummen gab sie die Sprache zurück, eine Besessene befreite sie von Dämonen.

In ihrem Kloster in Dießen wurde sie schnell Novizenmeisterin und Priorin. 1153, nach direkter Aufforderung durch Papst Anastasius IV., weil sie sich zunächst auch der Bitte des Bischofs Konrad von Augsburg versagt hatte, wurde sie Äbtissin in dem um 1126 von der Adelsfamilie Schwabeck-Balzhausen gegründeten Kloster Edelstetten bei Krumbach. Das Kloster war besiedelt worden mit Frauen, die wohl aus dem zuvor abgebrannten Damenstift in Ursberg kamen; Mechthildis sollte das verfallene Kloster wieder aufbauen, tiefgreifend reformieren und wohl auch die Augustinerregel einführen, hatte dabei aber mit Widerständen der adeligen Stiftsdamen zu kämpfen.

Johann Georg Bergmüller: Mechthildis wird dem Frauenstift St. Stephan in Dießen zur Erziehung übergeben, 1736, Fresko im Marienmünster in Dießen
Johann Georg Bergmüller: Mechthildis wird dem Frauenstift St. Stephan in Dießen zur Erziehung übergeben, 1736, Fresko im Marienmünster in Dießen

Im Herbst 1156 reiste sie zum Reichstag nach Regensburg, um die Rechte ihres Klosters zu verteidigen und traf dort mit Kaiser Friedrich Barbarossa zusammen; beim gemeinsamen Mahl habe man der Nonne, die ja keinen Wein trinken durfte, Wasser vorgesetzt, das aber herrlicher geschmeckt habe als selbst der beste Wein aus Griechenland. Nach sechs Jahren in Edelstetten kehrte sie nach Dießen zurück - wohl wegen der Widerstände ihrer Ordensfrauen, aber auch gezeichnet von Krankheit und das baldige Ende ihres Lebens erspürend.

Schon bald nach ihrem Tod verfasste der Zisterziensermönch Engelhard im Klosterlangheim - wohl auf Bitten der Familie - Mechthildis' Lebensgeschichte. 1468 wurden Mechthildis' Gebeine erhoben und 1488 in der Stiftskirche von Dießen in einem Marmorsarg beigesetzt, dort 1698 in einen Glassarg umgebettet und der öffentlichen Verehrung ausgesetzt. Ihr Grab war Ziel von Wallfahrten, ihre Fürbitte habe besonders die Aussaat der Bauern vor schädlichem Regen geschützt.

Das Kloster in Edelstetten wurde um 1460 wieder zum weltlichen Damenstift zur Versorgung der Töchter des niederen Adels der Gegend. 1802 wurde es in der Säkularisation aufgelöst und kam als Schloss in den Besitz der Fürsten Esterházy de Galantha, die Kirche wurde Pfarrkirche.

Patronin gegen Gewitter

Johann Evangelist Holzer: Mechthildis als Äbtissin, 1739, im Frauenstift St. Stephan in Dießen am Ammersee
Johann Evangelist Holzer: Mechthildis als Äbtissin, 1739, in einer der linken Seitenkapellen des Marienmünsters in Dießen am Ammersee




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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 02.07.2016

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 7., Herder, Freiburg im Breisgau 1998
• Hans Pörnbacher: Mechthild von Dießen und Andechs, Äbtissin von Edelstetten, 2. verb. Aufl. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn/Bayern 1992
• Edelstetten - Kath. Pfarrkirche, 3. Aufl. Schnell & Steiner, Regensburg 1998
• Dorothea Steinbacher vom Redaktionsbüro Steinbacher in Ising am Chiemsee, E-Mail vom 29. Dezember 2013

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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