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Ökumenisches Heiligenlexikon

Petrus Chrysologus


Petrus Chrysologus, in seiner Heimatstadt zum Priester geweiht, wurde 424 (oder 429) vom römischen Bischof Coelestin I. zum Bischof geweiht und 431 als Metropolit von Ravenna eingesetzt, das während seiner Amtszeit Hauptstadt des Weströmischen Reiches war und unter ihm Erzbistum wurde. Er war eng mit Papst Leo dem Großen befreundet, auch am kaiserlichen Hof hatte er großen Einfluss. Petrus war ein großer Prediger, gleichermaßen gelehrt und volkstümlich, eine Tatsache, der er seinen Ehrennamen Chrysologus, Goldredner, verdankt. Er bemühte sich, nie länger als 15 Minuten zu reden; 183 seiner Predigten sind noch erhalten; sie enthalten Auslegungen neutestamentlicher Texte und von Psalmen, Erläuterungen zu den Festen des Kirchenjahres, zur Unterweisung der Taufbewerber und über Heilige. An heißen Sommertagen machte er Predigtferien.

Als Petrus den Tod nahen spürte, begab er sich zum Sterben wieder in seinen Geburtsort. Sein Grab ist im Dom in Imola.

Den Beinamen Chrysologus erhielt Petrus erstmals im Päpstebuch des 9. Jahrhunderts, er erinnert an Johannes „Chrysostomus”. Papst Benedikt XIII. verlieh Petrus 1729 den Ehrentitel Kirchenlehrer.

Patron gegen Fieber und Tollwut

Worte des Heiligen

Die Gegenwart Christi in seiner Kirche:
Er stieg, heißt es, in ein Schiff (Matthäusevangelium 8, 23). Christus besteigt das Schiff seiner Kirche, um für alle Zeiten die Wogen der Welt zu besänftigen; denn er will die, die an ihn glauben, in ruhiger Fahrt zum himmlischen Vaterland führen, er will die, die er zu Schicksalsgefährten seiner Menschheit gemacht hat, zu Mitbürgern seiner Stadt machen. Christus bedarf also nicht des Schiffes, sondern das Schiff bedarf Christi, denn ohne den himmlischen Steuermann könnte das Schiff der Kirche auf der Fahrt durch das Meer der Welt in so bedrohlicher und großer Gefahr nicht in den Hafen des Himmels gelangen.

Das rechte Fasten:
Die Enthaltsamkeit ist die erste Arznei des Menschen; doch zur vollen Heilung bedarf es noch der Aufwendungen der Barmherzigkeit. Die Enthaltsamkeit löscht das Fieber; aber die durch den lang währenden Fieberbrand ausgetrocknet sind, können nur dann zur vollständigen Gesundheit zurückkehren, wenn sie reichlich mit Salböl eingerieben, mit wohltuenden Linderungsmitteln erfrischt und mit einem [gewissen] Aufwand an Medizin behandelt werden.
So ist es [auch] mit dem Fasten: Zwar beseitigt es die Krankheit der Laster, zwar schneidet es die Leidenschaften des Fleisches aus, entfernt es die Ursachen sittlichen Versagens, aber es vermag ohne das Öl der Barmherzigkeit, ohne das Ausströmen der Barmherzigkeit, ohne die Aufwendung von Almosen doch nicht die volle Gesundheit des Geistes wiederherzustellen.
Das Fasten heilt die Wunden der Sünden; aber die Narben der Wunden werden erst durch die Barmherzigkeit vollständig gereinigt, wie der Herr sagt: Gebt Almosen und seht: alles ist euch rein (vgl. Lukasevangelium 11, 41). Das Fasten ist ein einzigartiges Mittel, die Laster auszurotten, die Wurzeln unsittlichen Handelns auszureißen, es bestellt den Acker des Geistes und des Leibes, damit er gute Früchte hervorbringen kann; aber wenn es nicht ein Fundament für die Barmherzigkeit legt, dann gleicht der Eifer des Fastenden nur dem eines [schwachen] Greises.
Das Fasten ist eine Opfergabe der Heiligkeit, ein Opfer der Keuschheit; aber ohne den Weihrauch der Barmherzigkeit kann es nicht als angenehmer Wohlgeruch zum Angesicht Gottes aufsteigen. Was die Seele für den Leib, das ist bekanntlich die Barmherzigkeit für das Fasten. Wenn das Fasten aus der Barmherzigkeit lebt, dann schenkt es dem Fastenden Leben.
Das Fasten, ein Schiff, beladen mit sittlichen Werten, bringt für das Leben Gewinn, führt den Lohn des Heils herbei. Aber wer hinausfährt auf das weite Meer des Fleisches, wer die Fluten der Laster durchschneidet, wer über die Klippen unsittlichen Handelns fährt, wer an den Gestaden der Leidenschaften vorüberfährt, der kann kein sittlich wertvolles Leben führen, der kann auch keinen Lohn dafür empfangen, wenn er nicht unverzüglich einläuft in den Hafen der barmherzigen Liebe. Wer sich bewusst ist, dass dieses sein Leben auf schlüpfrigem Grund steht, wer erkennt, dass er den Weg des Fleisches geht und dabei zu Fall kommt, wer wahrnimmt, dass er dem Ansturm der Unwissenheit, den Fallstricken der Nachlässigkeit unterlegen ist: der soll das Fasten einhalten, aber so, dass er dabei die Barmherzigkeit nicht aufgibt.
Das Fasten öffnet uns den Himmel, das Fasten gewährt uns den Eintritt zu Gott! Aber nur dann, wenn uns als Anwalt für unsere Angelegenheiten die Barmherzigkeit zur Seite steht, können wir der Vergebung sicher sein, wir, die wir ja unserer Unschuld nicht gewiss sind, wie der Herr sagt: Ein Gericht ohne Barmherzigkeit erwartet den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat (Jakobusbrief 2, 13). …
Mensch! Gib also Gott, was ER will, wenn du willst, dass Gott dir gebe, was DU willst! …
Brüder! Unser Fasten sei eine Wonne für den Armen, damit unser zeitliches Fasten sich für uns in ewige Wonne wandeln kann! Mensch, du gibst dir, wenn du dem Armen gibst; denn was du dem Armen nicht gibst, wird ein anderer einheimsen; du wirst nur das besitzen, was du dem Armen gibst!


Die Würde des Menschen:
Du Mensch, warum missachtest du dich so sehr, da du doch für Gott so kostbar bist? Da Gott dich so hoch ehrt, warum entehrst du dich so sehr? Warum suchst du nach dem, woraus du geschaffen bist, und nicht nach dem, wofür du geschaffen bist? Ist nicht dieses ganze Haus der Welt, das du siehst, für dich gemacht? Das Licht dringt in dich ein und vertreibt die Finsternis, die dich umgibt. Für dein Wohl wurde die Nacht eingeführt, für dich der Tag abgemessen. Für dich wurde der Himmel mit den vielfältigen Strahlen von Sonne, Mond und Sternen erhellt; für dich die Erde mit Blumen, Bäumen und Früchten ausgemalt. Für dich wurde eine erstaunliche Menge von Lebewesen geschaffen: in der Luft, auf den Feldern und im Wasser, damit nicht traurige Einsamkeit die Freude an der neu geschaffenen Welt zerstöre.
Noch etwas denkt sich der Schöpfer zusätzlich zu deiner Ehre aus: Er macht dich zum Träger seines Bildes. Dieses sichtbare Ebenbild sollte auf der Erde den unsichtbaren Schöpfer gegenwärtig machen. Dir übergab er die Verwaltung der irdischen Güter, damit ein so weiter Besitz einen Statthalter des Herrn habe. Was Gott in dir erschaffen hatte, das nahm er gütig an. Er wollte in Wahrheit in einem Menschen erkannt werden, nachdem er vorher in ihm gleichsam wie in einem Bilde gesehen worden war. Und er bewirkte, dass ein Mensch im eigentlichen Sinn des Wortes Gott war, nachdem der Mensch es vorher nur in der Ähnlichkeit sein durfte.
So wird denn Christus geboren, um durch seine Geburt die verderbte Natur wiederherzustellen. Er wird ein Kind, lässt sich nähren und durchläuft alle Lebensalter, um das eine, vollkommene, bleibende Alter, das er selbst geschaffen hat, zu erneuern. Er trägt den Menschen, damit der Mensch nicht wieder fallen kann. Den er irdisch geschaffen hat, dem schenkt er überirdisches Leben; den er durch menschlichen Geist belebt hatte, dem schenkt er das Leben des göttlichen Geistes. So erhebt er ihn ganz zu Gott, um nichts in ihm zurückzulassen, was der Sünde, dem Tod, der Mühsal, dem Schmerz und der Erde gehört. Das gewährt uns unser Herr Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dem Vater lebt und herrscht jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Quelle: Petrus Chrysologus: Sermo 50. In: Patrologie Latina 52, Sp. 346 = Bibliothek der Kirchenväter 2, 43, S. 116
Petrus Chrysologus: Sermo 41. In: Patrologie Latina 52, Sp. 316 = Bibliothek der Kirchenväter 2, 43, S. 327 - 329; bearbeitet
Petrus Chrysologus: Sermo 148. In: Patrologie Latina 52, Sp. 596ff; zitiert nach Monastisches Lektionar zum 30. Juli

Zitate von Petrus Chrysologus:

Wir müssen uns ebenso hüten, anderen Ärgernis zu geben, als auch uns selbst nicht dadurch verführen zu lassen, wenn ein anderer uns ein Ärgernis bereitet. Das Ärgernis täuscht die Sinne, verwirrt den Geist, trübt die Reinheit der Erkenntnis.
Was er kann, zeigt der Steuermann nicht bei schönem Wetter, sondern in Sturm und Ungewitter.
Wenn wir nichts geben, sollen wir uns nicht beklagen, dass wir nichts empfangen.

Quelle: https://www.aphorismen.de/suche?f_autor=2958_Petrus++Chrysologus

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 23.11.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.