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Ökumenisches Heiligenlexikon

Werner von Oberwesel

auch: von Bacharach

Gedenktag katholisch: 19. April

Name bedeutet: aus dem german. Stamm der Warnen
oder: das Verteidigungsheer (althochdt.)

Arbeiter, Märtyrer
* 1271 in Womrath im Hunsrück in Rheinland-Pfalz
† 1287 in Oberwesel bei Bacharach in Rheinland-Pfalz


Werner wurde als armer Knabe geboren und hatte sich in Oberwesel als Taglöhner bei einem Weinbauern verdingt. Den 16-jährigen Knaben fand man am Gründonnerstag erschlagen auf. Nach der Legende wurde er von Juden, für die er Erde aus einem Keller schaufeln musste, ins Haus gelockt und zu Tode gepeinigt; sein Blut hätten diese Juden für ihre Passahfest-Riten benötigt, seine Leiche sei in den Rhein geworfen worden.

Solche anti-jüdischen Legenden waren in jener Zeit vielfach im Umlauf; Vorwürfe wie Ritualmord, aber auch Hostienfrevel oder Brunnenvergiftung (als Ursache für Epidemien wie die Pest) wurden erhoben, der Antisemitismus breiter Volksmassen damit geschürt. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass Werner tatsächlich wohl einem Sexualverbrechen zum Opfer fiel. 26 beschuldigte Juden wurden in Bacharach ermordet. Die jüdischen Gemeinden wandten sich an Kaiser Rudolf; dieser war von der Grundlosigkeit der Beschuldigungen überzeugt, legte den Mördern der Juden eine Geldbuße auf und befahl, die Leiche von Werner zu verbrennen, um einer Verehrung vorzubeugen. Die kaiserlichen Anweisungen wurden jedoch nicht befolgt.

Postkarte, vor 1907: Kirche St. Peter und Fragment der Werner-Kapelle (rechts)
Postkarte, vor 1907: Kirche St. Peter und Fragment der Werner-Kapelle (rechts) in Bacharach

Ab 1293 wurde die Kunibert-Kapelle in Bacharach zur Märtyrerkapelle umgebaut; sie steht angeblich nahe der Stelle am Winzbach, an der der Rhein die Leiche an Land geschwemmt habe; ihr Besuch wurde mit Ablass belohnt. Um 1300 entstand die Legende in den drei Sprachen Niederländisch, Deutsch und Lateinisch); in ihr wurde erzählt, wie Juden Werner an den Füßen aufgehängt hätten, um eine Hostie, die er im Begriff war zu verschlucken, in ihren Besitz zu nehmen. 1338 wurde der geplante Ausbau der Kapelle zu einer großen Kirche unterbrochen, die Verehrung ebbte ab. Unter Kaiser Ludwig III. wurde der Kult anfangs des 15. Jahrhunderts wieder belebt, 1426 bis 1429 die Kanonisation zu erreichen versucht, der Ausbau der Kapelle wurde zu Ende geführt. 1548 wurden Gebeine nach Besançon überführt, nun breitete sich die Verehrung auch in Frankreich aus.

Trotz des Verlustes der Reliquien und der Beschädigung der Werner-Kapelle in Bacharach im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 und dem folgenden Zerfall zur Ruine wurde der Gedenktag in der Diözese Trier begangen; 1963 wurde Werner im Kalender der Diözese gestrichen. Inzwischen wurde eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Verbrechen gegen die jüdischen Mitbürger mit einem Gebetszitat von Papst Johannes XXIII. an der Ruine angebracht, in welchem um Sinnesänderung der Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden gebeten wird.

Attribute: Schaufel und Wanne
Patron der Winzer

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 13.09.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 10. Herder, Freiburg im Breisgau 2001