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Ökumenisches Heiligenlexikon

aus dem Lateinischen von Richard Benz Hinweise zur Legenda Aurea

Von Sanct Saturninus


Saturninus ward von der Apostel Jüngern zum Bischof geweiht und gen Toulouse gesandt. Da er nun zu der Stadt einging, wollten die bösen Geister den Heiden nimmer antworten. Da sprach der Heiden einer: Es sei denn, dass sie Saturninum töteten, anders möchten sie von ihren Göttern kein Ding mehr haben. Also griffen sie Saturninum; und da er nicht opfern wollte, banden sie ihn einem Stier an seine Füße, und trieben das Tier mit Stacheln von der Höhe der Burg die Stufen des Capitolii hinab, dass sein Schädel zerschellte und sein Gehirn herausspritzte. Also vollbrachte er das Martyrium. Zwei Frauen aber nahmen seinen Leib und begruben den gar tief unter der Erde aus Furcht vor den Heiden; aber seine Nachfolger überführten ihn hernach an eine würdigere Statt.

Es war auch ein anderer Saturninus, den ließ ein Präfect zu Rom lange in dem Kerker hungern; darnach spannte er ihn aus auf der Folter und ließ ihn mit Riemen, Knütteln und Scorpionen schlagen; und ließ seine Seiten mit Feuer brennen; und ihn darnach von der Folter nehmen und enthaupten. Das geschah unter Maximianus um das Jahr des Herrn 287.

Es war noch ein anderer Saturninus, in Africa, der ein Bruder war Sanct Satyri, welcher das Martyrium litt mit diesem seinem Bruder, und mitsamt Revocatus und Felicitas, des vorgenannten Revocati Schwester; und mit Perpetua, die war von edelem Geschlecht. Derselben Gedächtnis wird ziemlicher zu einer anderen Zeit gefeiert. Da der Richter zu ihnen sprach, sie sollten den Göttern opfern, wollten sie es in keiner Weise tun; da ließ er sie alle ins Gefängnis werfen. Als das Sanct Perpetuen Vater sah, da lief er weinend zu dem Kerker und sprach "Tochter, was hast du getan? du hast dein Geschlecht entehret, denn von allem unserm Geschlechte ward noch niemand in den Kerker geschlossen". Da er aber vernahm, dass sie eine Christin war worden, fuhr er mit seinen Fingern wider ihre Augen, und wollte ihr die Augen ausgraben. Hiernach so lief er mit Schreien davon.

Sanct Perpetua aber hatte dieses Gesicht, das sagte sie des andern Morgens ihren Gesellen: "Ich sah eine goldne Leiter, die war so lang, dass sie an den Himmel rührte, und war so eng, dass allezeit nicht mehr denn ein kleiner Mensch darauf mochte stehn. An dieser Leiter zur Rechten und zur Linken waren eiserne Schwerter und Messer gestecket, die waren spitz und gefeilet, also dass, wer hinauf stieg, weder neben sich noch unter sich mochte schauen, sondern er musste allezeit aufrecht zum Himmel stehen. Unter dieser Leiter lag ein erschrecklicher ungeheurer Drache, also dass vor großer Furcht niemand da hinaufsteigen wollte. Darauf sah ich Sanct Satyrum die Leiter hinaufsteigen bis zu oberst; der blickte zu uns herab und sprach: "Ihr sollt den Drachen nicht fürchten, sondern steiget fröhlich empor, auf dass ihr bei mir möget sein". Als die andern Heiligen das vernahmen, dankten sie alle Gott; denn sie erkannten, dass sie zu der Marter waren gerufen. Darnach wurden sie vor den Richter geführt, und da sie nicht opfern wollten, schied der Richter Saturninum und die anderen Männer von den Frauen; und sprach zu Felicitas "Hast du einen Gemahl?" Sie antwortete "Ich habe einen, den verschmäh ich". Sprach der Richter "O du zarte Frau, erbarme dich über dich selber, sonderlich da du ein Kind trägst in deinem Leib". Sie antwortete "Tu mit mir was du willst, denn zu deinem Willen magst du mich nimmermehr kehren". Da liefen auch Sanct Perpetuen Vater und Mutter herzu mitsamt ihrem Gemahl, die brachten auch ihr klein Kindlein dar, das noch säugend war. Und da ihr Vater sie stehen sah vor dem Richter, da fiel er nieder auf sein Angesicht und sprach "O du allerliebste Tochter, erbarme dich meiner und deiner betrübten Mutter, und deines verlassenen Gemahls, der nach dir nimmermehr mag leben". Perpetua aber stund unbewegt. Da gab ihr der Vater das Kind an ihren Hals, und griffen alle drei ihre Hände und küßten sie, und sprachen "Liebe Tochter, erbarme dich über uns, und lebe mit uns". Sie aber warf das Kind hin und stieß die andern von ihr und rief "Weichet von mir, ihr Feinde Gottes, ich kenne euch nicht". Als der Präfect ihre Standhaftigkeit sah, ließ er sie sehr geißeln, und legte sie darnach wieder in den Kerker. Da betrübten sich die Heiligen gar sehr über Sanct Felicitas, die ein Kind trug in dem achten Mond. Darum beteten sie alle für sie. Also kamen die Schmerzen der Geburt plötzlich über sie, und sie genas zustund eines lebendigen Knäbleins. Sprach der Richter einer zu ihr "Was willst du nun tun, so du vor den Richter kommest, so du jetzt dich so übel gehabest in dieser kleinen Pein?" Sie antwortete "Ich leide hier für mich selber; so leidet Gott für mich vor dem Richter". Darnach wurden sie aus dem Gefängnis geführt, und wurden ihnen die Hände auf den Rücken gebunden; und wurden mit bloßem Hintern geführt durch die Straßen und Plätze. Darnach so ließ man wilde Tiere auf sie. Also wurden Satyrus und Perpetua von Löwen zerrissen, Revocatus und Felicitas aber von Leoparden; und ward Sanct Saturninus mit dem Schwert enthauptet. Das geschah um das Jahr des Herrn 257 unter den Kaisern Valerianus und Gallienus.




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Aus: Jacobus de Voragine: Legenda Aurea, Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, 13. Aufl. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 1999 - zuletzt aktualisiert am 09.09.2016
korrekt zitieren:
Jacobus de Voragine: Legenda Aurea: Artikel
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