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Ökumenisches Heiligenlexikon

Ort und Zeit des Todes von Quirinus von Siscia


Falls Quirinus, Bischof von Siscia, zu Beginn des 4. Jahrhunderts in Oberpannonien (Pannonia superior) oder in Pannonia prima den Märtyrertod erlitt, so war dies in Savaria, denn so hieß die Stadt zu dieser Zeit. Sie ging wahrscheinlich aus einem 9 n. Chr. errichteten Kastell hervor, das kurzzeitig in einem Teil der Balkanprovinz Illyricum lag, der im Jahr 10 zur eigenständigen Provinz Pannonia wurde. Der Ausbau der möglicherweise schon unter Kaiser Tiberius begonnenen Bernsteinstraße war offensichtlich der entscheidende Grund für die im Jahr 43 unter Kaiser Claudius I. aus dem Umschlagplatz an der Handelsstraße und einem Keltendorf am Bach Savaria - heute: Perint - erfolgte Gründung einer Colonia, die nach dem stiftenden Kaiser und dem Bach den Namen Colonia Claudia Savaria erhielt. Der Sitz des Statthalters der ungeteilten Provinz Pannonia ist nicht gesichert, es wird vorläufig in Poetovio - dem heutigen Ptuj in Slowenien - angenommen.

Unter Kaiser Traianus wurde die Provinz in den Jahren 103 oder 106 in Oberpannonien (Pannonia superior) und Unterpannonien (Pannonia inferior) geteilt und Savaria wurde zur Hauptstadt von Pannonia superior mit Sitz des Statthalters (Preases). Die Stadt war nun das Zentrum der Zivilverwaltung und religiöser Mittelpunkt der Provinz, wo die Zeremonien des Kaiserkults und der Kapitolinischen Trias (Juppiter, Juno und Minerva) stattfanden. Ab dem 2. Jahrhundert verbreiteten sich orientalische Mysterienkulte; das Christentum ist seit der Diokletianischen Verfolgung bezeugt.

307/308 fand in Carnuntum unter Vorsitz des abgedankten Kaisers Diokletian eine Kaiserkonferenz statt, um Streitigkeiten seiner Nachfolger zu schlichten. Am Ende der Konferenz wurde Pannonien von ihm in vier Teile aufgeteilt und Bereiche des heutigen Slowenien in die Provinz Noricum überführt:
• Pannonia prima im Nordwesten, Hauptstadt Savaria - das heutige Szombathely
• Pannonia Valeria im Zentrum, Hauptstadt Sopianae - das heutige Pécs
• Pannonia Savia im Südwesten, Hauptstadt Siscia - das heutige Sisak
• Pannonia secunda im Südosten, Hauptstadt Sirmium - das heutige Sremska Mitrovica

Der Name Savaria wurde u. a von Plinius dem Älteren in seiner Naturalis historia verwendet. Eine weitere Erwähnung findet die Stadt unter diesem Namen bei Claudius Ptolemäus im 2. Jahrhundert. Erst in der Tabula Peutingeriana, deren Grundlage eine Karte des römischen Straßennetzes um 375 ist, wird die Stadt als Sabarie gezeichnet.

Die unterschiedlichen Berichte über das Schicksal des Quirinus von Siscia lassen die Fragen aufkommen, wann und unter welchem Herrscher der Bischof das Martyrium erlitt und ob er tatsächlich zum Märtyrer wurde. In den meisten Schilderungen wird die Auffassung vertreten, er sei während der Diokletianischen Verfolgung ums Leben gekommen; dazu werden die Jahreszahlen von 303 bis 310 angegeben.

Für keine Religion war das Verhältnis zum römischen Staat so einschneidend und bestimmend wir für das Christentum. Zunächst waren die auftretenden Schwierigkeiten lokal begrenzt und beruhten auf Auseinandersetzungen mit den Juden, dann mit lokalen Kulten, mit städtischen Behörden, bald aber schon mit Provinzverwaltungen, bis schließlich der Staat selbst Stellung beziehen musste. Die oft maßlose Polemik der christlichen Prediger gegen die städtischen und staatlichen Kultformen und die Verachtung der Tempel und Götter ließen die Christen als Atheisten erscheinen, was Gräuelgeschichten über unverstandene Vorgänge in christlichen Gemeinden zu bestätigen schienen. Für den Staat musste die Ablehnung jeder Form des Herrscherkultes gefährlich werden, denn auf diesem beruhte die göttliche Legitimation von Staat und Kaisertum.

Als mit Diokletian nach langer Zeit wieder eine Zentralgewalt gegeben war, gab es nur noch zwei Möglichkeiten für die Lösung der anstehenden Probleme. Entweder musste noch einmal versucht werden, das Christentum als götter- und reichsfeind-iche Bewegung radikal zu bekämpfen und womöglich auszurotten, oder die alten Götter mussten bekämpft, der Absolutheitsanspruch der Christen anerkannt und das Reich verchristlicht werden. Diokletian entschied sich für die erste Möglichkeit, allerdings nach langem Zögern.

Die nun einsetzende Christenverfolgung war die erste und einzige, die auch juristisch gut vorbereitet war: zur Grundlage dienten über die Gesetze des Kaisers Decius hinaus die älteren Gesetze gegen Religionsfrevel und die Behandlung des Christentums als Majestätsverbrechen. Die Christen überstanden die mit 24. Februar 303 beginnende Verfolgung unter Diokletian viel besser als die Decische. Wirklich schwer litten Ägypten und Pontos und die Christen im Heer sowie die Schichten der besser Gebildeten. Martyrien von Ärzten und Offizieren sind bekannt, dagegen konnten sich Bischöfe oft dem Martyrium entziehen. Die Verfolgung wurde von den vier Trägern der Reichsgewalt verschieden streng durchgeführt. Besonders im Westen nahm sie Kaiser Constantius I. Chlorus kaum in Angriff, und nach Diokletians Abdankung am 1. Mai 305 setzten sie nur die Kaiser Galerius und Maximinus Daia fort. In vielen Fällen trat nun die Verstümmelung an die Stelle der Todesstrafe.

Der aus meiner Sicht unwahrscheinlichste Zeitpunkt für den Tod des Quirinus ist das Jahr 303, das u.a. aus einer Beschreibung der Stadt Szombathely hervorgeht. Darin wird von dem in der Nähe des Doms befindlichen Ruinengarten und der ehemaligen Quirinus-Basilika berichtet, die teilweise über den Grundmauern des Statthalterpalastes errichtet wurde. Zu Bischof Quirinus heißt es darin: Bischof Quirinus von Siscia soll 303 in Savaria einen ähnlichen Märtyrertod erlitten haben wie der hl. Florian in Lauriacum: Ertränken mit einem Mühlstein um den Hals.

Aber auch in einem Beitrag zur Quirinus- und Martinsfrage in Savaria von B. Thomas aus Budapest wird das Jahr 303 für den Bekennertod des Bischofs genannt.

In einer Kurzfassung der Ereignisse um Quirinus heißt es, er sein während der Diokletianischen Verfolgung in Savaria eingekerkert und auf Befehl des Präfekten Amantius mit einem Mühlstein um den Hals in den Fluss gestürzt worden. Der Tod ereilte den Bischof nach dieser Fassung im Jahr 308 oder 309. Im Burgenlandatlas heißt es: Unter den frühen Christen Pannoniens sind vor allem zwei berühmt: der Heilige Quirinus, der als erster Märtyrer Pannoniens gilt, und der Heilige Martins, der in Savaria geboren wurde. Quirinus war Bischof von Siscia, der in der Zeit der Verfolgungen aus seiner Stadt floh, gefangen genommen wurde und dem Statthalter von Oberpannonien, Amantius übergeben wurde. Amantius, der sich auf einer Inspektionsreise befand, soll den Gefangenen zwischen Scrabantia - dem heutigen Sopron - und Savaria übernommen haben, ließ ihn aber für die Durchführung des Prozesses nach Savaria bringen. Quirinus wurde zum Tode verurteilt und mit einem Mühlstein um den Hals in den Fluss geworfen. Später sollten die vor den Barbaren weichenden römischen Christen die Reliquien des Heiligen nach Rom gebracht haben. Eine Zeitangabe fehlt hier.

In einem ähnlich lautenden Bericht heißt es, Bischof Quirinus sei während der Diokletianischen Verfolgung aus Siscia geflohen, dann aber verhaftet, eingekerkert und auf Befehl des Statthalters von Oberpannonien – Amantius – mit einem Mühlstein um den Hals ertränkt worden. Der Zeitpunkt der Flucht und die näheren Umstände werden nicht genannt. Das Sterbejahr wird mit 308 oder 309 angegeben. Da Amantius in diesem Bericht als Statthalter von Oberpannonien bezeichnet wird, könnte die Verhaftung 307 und das Martyrium 308 erfolgt sein.

In einem weiteren Bericht wird die Abdankung Diokletians berücksichtigt und erklärt, Quirinus sei während der Verfolgung unter Kaiser Galerius im Jahr 309 arrestiert worden. Gleichzeitig wird aber erklärt, dass er am 4. Juni 308 gestorben sein könnte.

In einer anderen, interessanten Beschreibung steht zu lesen, dass Bischof Quirinus von Siscia am 4. Juni 309 starb und sein Leben und sein berühmter Martertod vom hl. Hieronymus beschrieben und von den christlichen Dichtern Aurelius Prudentius und Venantius Fortunatus in herrlichen Hymnen besungen wurde. Für den Zeitpunkt der Verhaftung wird der Zeitraum der Verfolgung Maximians und Diokletians angeführt, die aber schon am 1. Mai 305 abgedankt hatten. Der Kirchenvater Hieronymus, der Quirinus in seiner um 380 entstandenen Handschrift als episcopus Siscianus apostrophiert, datiert den Tod des Bischofs in das Jahr 308, erwähnt aber den Ort des Martyriums nicht. Die Grundlage für die Schrift des Kirchenvaters bildete eine Passio, deren ursprüngliche Fassung ebenfalls im späten 4. Jahrhundert entstand; diese ist in einer später und mit legendären Zügen ausgestatteten Überarbeitung noch erhalten. Sie enthält eine genaue Beschreibung vom Tod des Quirinus: „Nam manuali mola ad collum ligata e ponte praecipitatus in flumen, denn man befestigte einen Mühlstein an seinem Hals und warf ihn kopfüber in den Fluss. Hier muss darauf hingewiesen werden, dass die meisten Märtyrerakten gefälscht sind, was auch auf die in Rede stehende Passio zutreffen kann, aber nicht muss. Einige Berichte enthalten die Feststellung, dass Maximus, der Statthalter von Pannonia Savia, der ein fanatischer Christenverfolger gewesen sein soll, Quirinus in Siscia verhaften lassen wollte, weshalb der Bischof seine Diözese fluchtartig verließ. Quirinus wurde von den Dienern des Statthalters verfolgt, eingeholt, gefangengenommen und verhört. Da sich der Gefangene weigerte, die vorgeschriebene Opferung vorzunehmen, wurde er in Ketten gelegt und in den Kerker geworfen. Nach drei Tagen soll er dann, was ziemlich unverständlich ist, zu Amantius, dem Statthalter von Pannonia prima gesandt worden sein. In Ketten gelegt, soll Quirinus zunächst durch alle Städte, die an der Donau lagen, geführt worden sein, bevor er nach Savaria gebracht wurde. Nach ausführlichen Schilderungen der Verhöre und dem Bericht über ein Wunder wird das schon o. a. Todesurteil festgehalten.

Hinsichtlich des Wasserlaufes, in dem Quirinus ertränkt worden sein soll, besteht keine Einigkeit. Genannt werden außer dem nicht bezeichneten Fluss, ein Bach, der Fluss Sibaris - heute Gyöngyös / Güns, sein Nebenfluss Perint und die Donau, was für den Strom aufgrund der Entfernung vom Hinrichtungsort ziemlich unlogisch ist.

Nach einer völlig anderen Legende ertrank Quirinus nur beinahe, da es ihm gelang, sich von der Last zu befreien. Er konnte daraufhin entkommen und wirkte weiter als Prediger und Missionar.

Da Pannonia prima und Pannonia Savia im Westteil des Römischen Reiches lagen, in dem die Christenverfolgung eher mäßig erfolgte, kann es auch sein, dass Quirinus weder verhaftet noch ertränkt wurde. Beweise gibt es für keine Richtung, hier ist weiterhin der Glaube gefordert.


Prof. Helmut Bouzek über E-Mail, 16. April 2018

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 01.05.2018
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
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