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Ökumenisches Heiligenlexikon

Venantius Fortunatus

vollständiger Name: Venantius Honorius Clementanianus Fortunatus

Gedenktag katholisch: 14. Dezember

Name bedeutet: V: aus Venetien/Venedig stammend (latein.)
F: der Beglückte (latein.)

Bischof von Poitiers, Dichter
* um 535 in Valdobbiadene bei Treviso in Italien
† an einem 14. Dezember um 605 in Poitiers in Frankreich


Glasfenster, um 1940, in der Heilig-Kreuz-Kathedrale in Boston/USA
Glasfenster, um 1940, in der Heilig-Kreuz-Kathedrale in Boston in den USA

Venantius studierte in Ravenna Rhetorik. Vor den Langobarden fliehend reiste er nach Gallien, pilgerte zum Grab von Martin von Tours und hielt sich am Hof des Königs von Austrasien auf. Hier war er als Hofdichter tätig und bekam Kontakte zu vielen Großen aus Kirche und Fürstenhäusern, darunter Gregor von Tours oder Königin Radegund, der er in enger Freundschaft verbunden war. Über Metz und Paris kam er 567/568 nach Poitiers, wo er um 590 zum Priester geweiht und um 600 Bischof wurde.

Venantius war der bedeutendste Dichter der Merowingerzeit, er gilt - der Form nach - als letzter lateinischer Dichter der Antike und - dem Inhalt nach - als erster Dichter des Mittelalters. Viele Werke sind erhalten, darunter viele liturgische Dichtungen. Elf Bücher überliefern Gelegenheitsgedichte, darunter Grabinschriften, ein Ostergedicht, Hymnen auf das Kreuz Christi oder ein Gedicht über die Bekehrung der Juden in Clermont - dem heutigen Clermont-Ferrand. Von besonderer Bedeutung sind seine Schriften über Heilige; eine Dichtung über Martin von Tours umfasst vier Bücher; für die Masse des Volkes geschrieben sind die Lebensgeschichten von Hilarius von Poitiers, Germanus von Paris, Königin Radegund, Severinus von Bordeaux und anderen. Seine Werke sind auch eine wichtige Quelle für die politische und kirchliche Geschichte der Merowingerzeit.

Attribute: mit Radegund

Worte des Heiligen

Venantius widmet dem hl. Martin im Versmaß des Hexameters (Sechsfußes) ein Buch mit über 2243 Versen. Er beendet seine Dichtung mit dem Wunsch, dass das Büchlein weite Verbreitung finde, von Tours, dem Grab des Heiligen ausgehend, über Paris, der Stadt der Heiligen Germanus und Dionysius, über den Ort des hl. Remigius von Reims und des hl. Medardus (Soissons) bis nach Augsburg, wo die hl. Afra von Augsburg verehrt wird. Dieser Dichtung, um 575 verfasst, verdankt Augsburg die erste Erwähnung der Verehrung der hl. Märtyrin Afra.
Büchlein, setz der verwirrenden Schilderung artig ein Ende,
zeigst vielfach Knicke im Grundfaden, der sich allmählich gelöst hat,
und es erscheint ein rohes Gewebe mit linkisch geknüpften
Fäden, gleichsam aus steifer Kamelwolle borstig gesponnen,
wo doch ein Mantel aus Seide für Martin gewebt oder leuchtend
Purpurgewand unterm Goldschmuck gewirkt werden müsste,
oder mit Perlen vermischt hyazinthener Togastoff walle,
oder Rose, Lilie, Juwel seine Krone bunt schmücke.
Völlig erschöpft schweigt die Zunge, erbitte dir Nachsicht, mein Büchlein,
Gib dich zufrieden und eil zu den Mauern von Tours voller Demut,
wo Bischof Martin besitzt seine hoch zu verehrende Grabstatt;
seines Grabhügels Ruhm lässt hier seine Fluren beschützen;
er gewähre dir liebevoll Hilfe, denn überall schenkend
weiß er, dass nichts ist von mir, sondern seine Geschenke retour gehn;
fühlst du dich dennoch gedrängt, dann betrete verwegen die Stadt noch".
Schnellen Schrittes wirst du von da beruhigt Paris sehn,
welches zur Zeit Germanus regiert und Dionys' früher.
Gehst du weiter zu Fuß, verehre das Grab des Remigius,
und umarme die Kirche des heiligen Bruders Medardus.
Wenn du die Möglichkeit hast, die barbarischen Ströme zu queren,
also den Rhein und die Donau in Ruhe durchschreiten zu können,
machst du nach Augsburg dich auf, wo Wertach und Lech sich ergießen.
Dort verehr die Gebein der heiligen Blutzeugin Afra.
Steht es dir frei, von da weiterzuziehen, und stört dich kein Baier,
geh durch die Alpen, wo nah die Orte des Brennerstamms liegen,
und betritt sie dort, wo der Inn sich mit reißendem Gischt wälzt.


Die virtuelle Reise des Büchleins geht von Augsburg weiter die Rienz und Drau entlang durch das Venetertal [Val Venosta / Vinschgau] nach Aquileia, wo die Asche seines Namenspatrons Fortunatus ruht, dann in sein Heimatdorf Valdobbiadene bei Treviso, von dort über Padua die Brenta und Etsch und den Po entlang ans Ziel nach Ravenna. Dort in der Basilika der Heiligen Paulus und Johannes unter dem Bild des hl. Martin fand Venatius einst Heilung von einem Augenleiden. Das Büchlein ist also gleichsam eine Dankes- und Votivgabe an den großen Heiligen. Entsprechend endet auch die Dichtung mit den Worten:
Und wo man Christi Namen kennt, wird auch Martin gepriesen."

Quelle: Venantius Fortunatus: Die Vita des hl. Martin, übersetzt von Wolfgang Fels. In: Gelegentlich Gedichte - Das lyrische Werk. = Bibliothek der Mittellateinischen Literatur, hrsg. von Walter Berschin. Hiersemann, Stuttgart 2006, VV. 621 - 646

Zitate von Venantius Fortunatus:

Folgende Heiteres und Ernstes verbindende Trinksprüche sind in sog. Distichen abgefasst [einer Verbindung von Sechs- und Fünffüßen]:

Komm sauber zu Tisch:

Liest du die Worte, die rings das schöne Metall hier umgeben,
ahmst du dies Werkstück hier nach, wenn du gereinigt erscheinst.
Denn gleichwie das Silber im glühenden Ofen geprüft wird,
so enthüllt sich der Mensch, welcher geläutert sein Herz.


Sorge um unvergängliche Güter:
Kurz ist das Leben der Menschen, der Dinge Gegenwart schwindet:
Schätze, was dauerhaft bleibt, höher, zumal es nicht stirbt!
Richte Gerechtigkeit auf, säe Frieden und huldige Christus,
suche Genüsse dir aus, welche du endlos besitzt!


Vergiss den Alltag:
Nach den vielen Geschäften verscheuche den Zank des Palastes:
Heiter zu leben ermahnt jeglicher freundliche Tisch.
Streit, Zorn, Getöse soll schweigen, Märkte, Prozesse, Gesetze:
Hier gefalle die Ruh, welche ein Freudentag schenkt.

Quelle: Venantius Fortunatus: Die Vita des hl. Martin, übersetzt von Wolfgang Fels. In: Gelegentlich Gedichte - Das lyrische Werk. = Bibliothek der Mittellateinischen Literatur, hrsg. von Walter Berschin. Hiersemann, Stuttgart 2006, S. 190f

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 05.12.2019

Quellen:

• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 10. Herder, Freiburg im Breisgau 2001

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.