Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
Lesen Sie vorher bitte unsere Erläuterungen auf der Seite Warum Werbung und wie sie funktioniert.


 


Ökumenisches Heiligenlexikon

Vom Pferdepatron St. Loy


Auf dem Weg von Götzis nach Sankt Arbogast steht eine Kapelle des hl. Loy, eines christlichen Bischofs und Patrons der Pferde. Die Kapelle stammt aus dem Jahre 1648, es ist aber zu vermuten, dass an dieser Stelle, wo für die Reisenden der Gebirgsweg begann, schon lange vorher ein Patron der Pferde eine Kultstätte hatte. (Franz Häfele)

Die Annahme, hier am Fuß der Neu-Montfort habe sich schon vor dem Bau der heutigen Loy-Kapelle eine Kultstätte befunden, hat einiges für sich. Ob sie ebenfalls dem christlichen Bischof und Patron der Pferde geweiht war, muss zwar offen bleiben, wir wollen sie dem tüchtigen Schmied, als der er sich gleich erweisen wird, jedoch nicht absprechen.

Mit seinem richtigen Namen heißt er Eligius, und er stammt wie der hl. Leonhard, der sich ebenfalls für Gäule zuständig fühlt, aus Mittelfrankreich. Als aufgeweckter Bursche kommt er zu einem Goldschmied in die Lehre. Bald spricht sich seine Tüchtigkeit herum, und eines Tages erfährt auch der König davon. Es ist Chlothar II., ein Merowinger, der gleich einen Großauftrag für ihn hat: Ein Thronsessel soll vergoldet werden. Sei es nun, dass Eligius die Sache so gut machte oder - was fast eher ausschlaggebend gewesen sein dürfte - dass er seit langem der Erste war, der seinen Auftraggeber in solch heiklen Dingen nicht betrog, Chlothar machte den offensichtlich ehrlichen Mann jedenfalls zu seinem Finanzminister und empfahl ihn später auch seinem Nachfolger. Dieser ist niemand anderer als Dagobert I. Auch der hat einen speziellen Wunsch, um den neuen Mann zu prüfen. Er verlangt von Eligius, er solle ihm sein Reitpferd beschlagen, mit Hufeisen aus - purem Silber. Derartiges klingt zwar nicht gerade einsichtig, schließlich ist dieses Edelmetall weicher als Kupfer, nützt sich also sicher schnell ab, doch lassen wir es als Laune des Herrschers so gelten. Nun liefert der tüchtige Schmied sein Meisterstück, indem er dem Ross in aller Seelenruhe mit einem Messer nacheinander alle vier Beine abschneidet, die Hufe beschlägt und das verdutzte Pferd anschließend wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, nur dass jetzt an seinen Hufen das erwünschte Silber glänzt.

Eigentlich habe - so weiß es eine andere Legende - das Kunststück ja ein anderer vollbracht, nämlich der Gehilfe des Eligius, und der sei niemand anderer als Christus selbst gewesen. Außerdem habe dieser bei der seltsamen Prozedur kein Messer verwendet, sondern dem Pferd jeweils einen Fuß ausgerissen. Ja, und das Ross sei auch gar kein richtiges Ross gewesen, sondern der Teufel selbst.

Die Sache hatte also von vornherein einen Pferdefuß!

Inschrift an der Eligius-/Loy-Kapelle in Götzis
Inschift an der Eligius- / Loy-Kapelle in Götzis

Über der Kapelle an der Straße nach Sankt Arbogast hängt unter dem weit herausragenden Vordach eine große Tafel, und in ihrem Text wird darauf hingewiesen, sie sei allen vorübergehenden Wandersleuten zur Nachricht und Auslegung der in dieser Kapelle vorgestellten Bilder des heiligen Loy und seines Gesellen verordnet worden.

Die Figurengruppe (heute Kopien) in der Kapelle scheint demnach aus derselben Zeit wie der Bau selbst zu stammen. Der gerne als Ritter bezeichnete Mann, der mit gefalteten Händen hinter dem Ross steht, dürfte kaum der Geselle sein! Eher schon Eligius selbst! Liest man den Text der Tafel genau, so gibt es da nämlich noch eine dritte Version des Beschlagwunders: Danach hatte der Geselle einst gewagt, es seinem Lehrmeister im Pferdebeschlagen gleichzutun. Alles klappte wie bei Eligius, nur beim Ansetzen der Füße scheiterte der Gehilfe. Nun aber schaltete sich der Meister ein und meinte mahnend zu seinem Zauberlehrling: Lieber Sohn, es geziemt sich nicht und ist nicht zulässig, zu tun, was du tust, wenn man nicht von Gott berufen ist. Dass Loy die Sache mit dem Ross anschließend in Ordnung bringt, ist zu erwarten, und wird durch den Text auf der Tafel auch bestätigt.

Ob er wegen seines Könnens nicht überheblich geworden ist?

Eine weniger bekannte Legende erzählt, der berühmte Hufschmied sei einst von jemandem respektvoll ein Meister genannt worden, und da habe er stolz gemeint: Ja, Meister über alle Meister! Da sei er von Gott für seinen Hochmut damit gestraft worden, dass er ein gerade abgeschnittenes Pferdebein nicht mehr ansetzen konnte, bis er in sich gegangen sei und seinen Hochmut bereut habe. Hoffentlich musste das Ross nicht allzu lange auf seinen Fuß warten!

Nach dem Tod seines Gönners Dagobert verlässt Eligius den königlichen Hof und wird Bischof von Noyon nordöstlich von Paris. Möglicherweise ist diese Amtsübernahme auch als Erfolg seiner Feinde und Neider bei Hofe zu sehen, schließlich war er seit Jahren nicht mehr der Goldschmied des Frankenkönigs, sondern dessen Berater und wohl auch Freund gewesen. Als solcher war Loy einer der Begleiter Dagoberts auf einer Reise nach Straßburg, worauf es auch durch den östlichsten Teil des Frankenreichs ging, zu dem Churraetien gehörte. Es darf also wohl zu Recht angenommen werden, dass er mit dem königlichen Gefolge damals - um 633 - auch in unsere Gegend gekommen ist.

Seine spätere bischöfliche Tätigkeit erstreckt sich dann vor allem auf Klostergründungen und Missionsarbeit. Dabei ist er nicht zimperlich und greift oft energisch in altüberkommenes, aber eben heidnisches Brauchtum ein. Immer wieder werden auch seine Bemühungen um die Ärmsten der Armen erwähnt, so soll er bereits als Finanzminister Dagoberts einige Male eine größere Zahl von Sklaven freigekauft haben.

Für den einfachen Fuhrmann aber war und blieb er natürlich derjenige, der sich vor allem um die Gäule kümmerte. Neben dem hl. Stephanus und dem hl. Leonhard galt er als beliebtester Rossheiliger, als Patron der Bauern wurde ihm aber auch der übrige Viehstand gern anbefohlen. Dass auch die Hufschmiede ihn zu ihrem Schutzheiligen erkoren haben, ist nahe liegend. Auch solche, die der Anatomie des Pferdes kundig sind, werden zugeben, dass es nicht dasselbe ist, einen Nagel an einer Werkbank einzuschlagen oder ihn in den emporgehobenen Huf eines eventuell schreckhaften, sicherlich aber aufgeregten Rosses zu treiben; ganz abgesehen davon, dass auch der Fingernagel des Pferdes nicht durch und durch unempfindlich ist. Bald bekommen die Pferde auch Brote verabreicht, die am Tag des Heiligen (1. Dezember) geweiht werden, und am 25. Juni wird in vielen Orten ihm zu Ehren eine Prozession abgehalten. Außerdem ist Eligius Schutzherr der Gold- und Bergarbeiter und überhaupt aller, die sich mit der Metallverarbeitung beschäftigen. Seine Zeichen sind deshalb neben dem Pferdefuß auch der Hammer und die Erzstufe.

Da er vorwiegend in der einstigen Churer Diözese verehrt wurde und wird, ist seine Kapelle in Götzis geradezu ein nördlicher Vorposten. Im Oberland dagegen, und vor allem in den Gebieten des ehemaligen Bergbaus, ist er mit dem abgeschnittenen Pferdefuß noch oft zu sehen. Nicht nur im ehemaligen Loyes-Tal - dem heutigen Klostertal - war der 25. Juni früher ein feierlich begangener Tag.

Wenn der Emser Sagensammler Dr. Franz Häfele von einem Patron der Pferde spricht, der hier am Weg nach Sankt Arbogast eine Kultstätte gehabt haben dürfte, scheint er nicht unbedingt einen der bekannten Ross-Heiligen zu meinen, weder Leonhard noch Stephanus, weder Georg noch Martin, und vielleicht auch nicht den hl. Loy. Auch dass er die Bezeichnung Kultstätte gewählt hat, soll vielleicht eher Vorchristliches andeuten.

Dort, wo nach seinen Worten der Gebirgsweg begann, ist tatsächlich eine Stelle, an der man sich mit Recht um die Pferde kümmerte, die sich ab dieser Steigung um einiges mehr anstrengen mussten. Da konnte es nur von Vorteil sein, wenn man auch eines verlässlichen Schutzpatrons gedachte. Einmal mehr mag auch hier also das bereits früher erwähnte kluge Wort Papst Gregors des Großen angewandt worden sein, der meinte: Nach langer Überlegung habe ich erkannt, dass es besser ist, anstatt die heidnischen Heiligtümer zu zerstören, dieselben in christliche Kirchen umzuwandeln.

In unserem Falle war es dann eben vielleicht eine kleine Kapelle.

Aus: Franz Elsensohn:   Götzner Sagen und Legenden

zurück zur Biografie Eligius





USB-Stick Heiligenlexikon als USB-Stick oder als DVD


Seite zum Ausdruck optimiert

Empfehlung an Freunde senden

Artikel kommentieren / Fehler melden

Suchen bei amazon: Bücher über Vom Pferdepatron St. Loy

Wikipedia: Artikel über Vom Pferdepatron St. Loy

Fragen? - unsere FAQs antworten!

Im Heiligenlexikon suchen

Impressum - Datenschutzerklärung



        Zum Schutz Ihrer Daten: mit 2 Klicks empfehlen!


Autor: Franz Elsensohn - zuletzt aktualisiert am 11.12.2016
korrekt zitieren:
Franz Elsensohn: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.