Ökumenisches Heiligenlexikon

Audomar von Thérouanne

französischer Name: Omer
eingedeutscht: Otmar

1 Gedenktag katholisch: 1. November
9. September
in St. Omer: Übertragung der Gebeine: 8. Juni
Übertragung der Gebeine: 11. Juni
in St. Omer: Auffindung der Gebeine: 21. Oktober

Name bedeutet: der durch Besitz Berühmte (althochdt.)

erster Bischof von Thérouanne
* in Orval bei Coutances in der Normandie in Frankreich
nach 667 in Sithiu, heute Saint-Omer bei Calais in Frankreich


Statue in der Pfarrkirche in Thérouanne
Statue in der Pfarrkirche in Thérouanne

Audomar, Sohn von Friulfus und Domita und verwandt mit Bertin, wurde vor 629 Mönch im Kloster Luxeuil - im heutigen Luxeuil-les-Bains - und wurde wohl 639 Bischof der neu gegründeten Diözese Thérouanne. Er gehörte zu den Mönchen, die aus der irisch-fränkischen Tradition kamen und dann von Frankenkönig Dagobert I. unterstützt wurden. Audomar war in der Mission in Nordgallien aktiv, gründete das - heute in Ruinen liegende Kloster in Sithiu - dem heute nach Audomar benannten Saint-Omer -, dem er große Freiheiten gab und setzte dort Bertin als Abt ein.

Ein Fragment des Kopfes wird in der heutigen Kathedrale in Saint-Omer bewahrt, eine kleine Reliquie in der Pfarrkirche in Thérouanne, die anderen Reliquien wurden in der Französischen Revolution zerstört.

Das um 639 gegründete Bistum Thérouanne verschwand 1553, als Kaiser Karl V. die Stadt vernichtete; die offizielle Aufhebung erfolgte 1567. Von der Kathedrale und dem Bischofskomplex zeugen heute nur noch - sehr spärliche - Ausgrabungen. Seit 2009 gibt es wieder ein Titularbistum Thérouanne.

Im 11. Jahrhundert wurde das Kloster Sithiu nach Abt Bertin in Saint-Bertin umbenannt. Im 12. Jahrhundert wurde es dem Verband der Benediktinerklöster von Cluny angegliedert und reformiertDie Reformen von Cluny gingen im 10. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Cluny in Burgund. Ziel war die strenge Beachtung der Benediktinerregel und Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches sowie eine neue Gewissenhaftigkeit bei der Feier des täglichen Gottesdienstes. Die Klosterwirtschaft sollte selbständig zum Erhalt des Klosters dienen können und die Klöster aus dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herren aber auch der Bischöfe herausgenommen und direkt dem Schutz des Papstes unterstellt werden.. Im Mittelalter stand es in hoher Blüte, seine Kirche war ein herausragendes Bauwerk der Gotik des 14. Jahrhunderts. 1791 wurde das Kloster in der Französischen Revolution aufgelöst und verfiel, die Steine wurden zum Bau des Rathauses verwendet. Heute sind Mauerreste erhalten und der Grundriss der Klosterkirche ist im Boden markiert.

Die spärlichen Ausgrabungen von Kathedrale und Bischofskomplex in Thérouanne sind verschlossen, sie können nach Voranmeldung beim Tourismusbüro in Thérouanne im Rahmen einer Führung besucht werden. (2026)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 27.06.2026

Quellen:
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_%C3%A9v%C3%AAques_de_Th%C3%A9rouanne - abgerufen am 06.06.2026
• https://pop.culture.gouv.fr/notice/merimee/PA00132967 - abgerufen am 06.06.2026
• https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89glise_Sainte-H%C3%A9l%C3%A8ne_d%27Orval#Historique - abgerufen am 27.06.2026
• Infotafeln in der Pfarrkirche in Orval

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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